Julisch-Claudische Dynastie

Kaiser, Dynastien und Münzstätten

Moderator: Homer J. Simpson

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ischbierra
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von ischbierra » So 06.06.10 23:28

Damit auch mal die Kleinnominale zu ihrem Recht kommen, hier ein Quadrans von Claudius; ein häufiges Stück, aber nicht ganz unansehnlich:
aus dem Jahr 41, 16mm, 2,36,gr.
AV:TI CLAVDIVS CAESAR AVG um Modius
RV:PON M TR P IMP PP COS II um SC
Gruß ischbierra
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quisquam
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von quisquam » So 06.06.10 23:38

Ja, häufig, aber nicht in so toller Erhaltung. Schönes Stück. Der Modius steht übrigens auf dem Kopf. :D

Ich finde bemerkenswert, dass die Quadrantes die einzigen datierten Bonzemünzen von Claudius sind. Dieser Quadrans ist aus dem Jahr 42 n. Chr., 41 n. Chr. war Claudius noch nicht COS II.

Grüße, Stefan
Eigentlich sammle ich nicht Münzen, sondern das Wissen darüber.

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ischbierra
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von ischbierra » Mo 07.06.10 00:02

Hallo quisquam,
vielen Dank für Lob und Korrektur; habe die Datierung vom Händler übernommen ohne nachzuprüfen.
Gruß ischbierra

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beachcomber
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von beachcomber » Mo 07.06.10 00:03

wirklich aussergewöhnlich toll erhalten, und somit wahrlich selten!
grüsse
frank

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mias
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von mias » Mo 07.06.10 05:27

Hallo Ischbierra,

Sehr gut, was Du hier zeigst. So einen klaren Modius bekommt man kaum zu Gesicht.

Gruss,

Mias

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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von kc » Mo 07.06.10 10:10

Klasse Quadrans! Darf ich fragen, wieviel du dafür bezahlt hast?
Suche Asse, Dupondii und Sesterzen der Flavier.

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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von ischbierra » Mo 07.06.10 12:04

Hallo kc,
1997 habe ich 160,- DM plus Aufgeld dafür bezahlt, war in einer Auktion von Müller,Solingen.
Gruß ischbierra

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chinamul
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von chinamul » Mo 07.06.10 16:45

Dieser Denar ist für mich besonders interessant, weil seine Deutung lange Zeit im Ungewissen lag. Der folgende Link führt zu einer längeren Diskussion, die ich vor Jahren mit einem Forumsfreund über dieses Stück geführt habe.

http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... lit=elegie
RIC 257.jpg
AUGUSTUS 27 v. Chr. - 14 n. Chr.
AR Denar Unbestimmte italische Münzstätte ca. 32 - 29 v. Chr.
Av.: (ohne Legende) Kopf rechts barhaupt
Rv.: Der Apoll Leukadius nach rechts auf einem Felsen sitzend; mit beiden Händen Leier haltend, im Nacken an einer Schnur herabhängender Petasus
Links und rechts im Feld: CAESAR – DIVI F
RIC 257; BMC 597
3,47 g

Gruß

chinamul
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von beachcomber » Mo 07.06.10 17:04

und vor allem eine diskussion die zu einem abschliessenden ergebnis gekommen ist, das hat's ja auch nicht oft! :wink:
hier nun der beweis, dass caius und lucius auch gesichter hatten! (auch wenn der ausdruck der selben etwas immer debil rüberkommt :) )
grüsse
frank
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von chinamul » Mo 07.06.10 17:49

Für € 150 angesichts der wunderbaren Erhaltung fürwahr ein sehr günstiger Kauf!
Auch zu diesem trotz seiner Häufigkeit gar nicht einmal so uninteressanten Stück habe ich vor einiger Zeit einen Kommentar abgelassen, den ich hier noch einmal zu zitieren wage:

Zerstörte Hoffnungen

Der wohl am häufigsten anzutreffende Denar des Augustus ist derjenige, der auf dem Revers die beiden jungen Caesaren Gaius und Lucius zeigt. Sie waren die Söhne des Agrippa und der Augustustochter Julia und damit Enkel des Augustus. Sofort nach ihrer Geburt wurden sie von Augustus adoptiert, erhielten bereits als jeweils 15Jährige in den Jahren 5 und 2 v. Chr. die toga virilis, wurden von der Ritterschaft zu principes iuventutis und von Augustus zu consules designati gemacht und auch noch mit anderen hohen Titeln ausgezeichnet. Er führte sie auch persönlich in Gesellschaft und Politik ein und baute sie systematisch zu seinen Nachfolgern auf.
Als Söhne des hochangesehenen und tüchtigen Agrippa berechtigten sie zu den schönsten Hoffnungen, lebten aber nicht lange genug, um die ihnen zugedachte Nachfolge des Augustus auch tatsächlich antreten zu können. Gaius starb 4 n. Chr. im Alter von 24 Jahren in Lykien, Lucius neunzehnjährig schon 2 n. Chr. in Massilia, beide also fern von Rom und unter nicht ganz geklärten Umständen. Da ihr Bruder Agrippa Postumus (geb. 12 v. Chr.) vermutlich auf Betreiben Livias aus Rom verbannt und dann unmittelbar nach dem Tode des Augustus ermordet wurde, waren damit alle seine direkten Nachkommen nicht mehr am Leben – vielleicht auch aus dem Wege geräumt – , und es führte nun endgültig kein Weg mehr an Livias Sohn Tiberius vorbei, den Augustus zusammen mit Agrippa Postumus im Jahr 4 n. Chr., als mit Gaius auch der zweite der ursprünglichen Hoffnungsträger tot war, endlich ebenfalls adoptiert hatte.
Livia spielte bei diesen Geschehnissen nach Aussagen verschiedener Chronisten (Tacitus und Cassius Dio) vermutlich eine zumindest zwielichtige Rolle, war doch bei der Nachfolgefrage ihr eigener Sohn Tiberius lange übergangen worden und durch die Adoption erst dann zum Zuge gekommen, als sich keine weiteren personellen Alternativen mehr anboten. Man kann sich vorstellen, daß die stolze Livia das als schwere Demütigung durch Augustus empfinden mußte und sie deshalb alles daran setzte, Tiberius so oder so zur Kaiserwürde zu verhelfen.

AUGUSTUS 27 v. Chr. - 14 n. Chr.
AR Denar Lugdunum 2 v. Chr. - 14 n. Chr.
Av.: CAESAR AVGVSTVS DIVI F PATER PATRIAE - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: AVGVSTI F COS DESIG PRINC IVVENT - Im Abschnitt: C L CAESARES - Gaius und Lucius frontal stehend und am Boden stehende Schilde und Speere zwischen sich haltend, zwischen ihnen links Simpuvium, rechts Lituus
Es handelt sich hier vermutlich um diejenigen Speere und Schilde aus Silber, die ihnen von der Ritterschaft anläßlich ihrer Ernennung zu principes iuventutis überreicht worden waren.
RIC 207; BMC 533

Gruß

chinamul
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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von drakenumi1 » Mo 07.06.10 17:55

Danke Dir für die Beweisführung. Allerdings unterscheiden sich die Gesichtstypen der beiden sehr wesentlich von dem des vorderseitigen Augustus. An dessen edlen Zügen bleibt man regelrecht kleben. Wie sagt man da? Edel und durchgeistigt .... Aber dafür sind das ja auf dem Revers auch nur Miniaturen, und an welchen Objekten der numismatischen Portraitgestaltung hätten die Graveure sich schon früher mal in der Darstellung von Gesichtern von vorne üben können? Das ist wohl auch wesentlich schwieriger, als das Portrait von der Seite!
Übrigens finde ich Deine Preisangaben recht aufschlußreich, aber was sind das für Preise? Katalogpreise oder (wann) selbst bezahlte?

Grüße von

drake
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(Baltzer von Platen/a. Rügen)

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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von beachcomber » Mo 07.06.10 18:13

selbst bezahlt natürlich! vor 2 wochen im zuge einer börse in Antequera, Espãna,olé! :)
grüsse
frank

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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von antinovs » Mo 07.06.10 19:34

beachcomber hat geschrieben:nachdem noch nicht entschieden ist welches ehepaar auf dem aureus dargestellt ist, hier nun eins bei dem es klar ist um welches traurige päarchen es sich handelt. :)
grüsse
frank
ich muss zugeben, dass ich auf deinem R2 Claudius denar ein kleines bisschen neidisch bin. der bringt
auf einer auktion bestimmt >1000 EUR.
was ich mich bei Claudius denaren gefragt habe ist: warum sind die eigentlich so selten?
bei Caligula leuchtets mir ein: nur 4 jahre regierungszeit und anschliesend in die hoelle verdammt.
Claudius dagegen hatte eine aehnliche regierungszeit wie Nero und ist nach seinem ableben in die
andere richtung geschickt worden. also gibts keinen grund fuer eine einschmelzaktion.
trotzdem sind denare von Nero um einiges haeufiger als die des Claudius.
ist das allein durch ein weitaus geringeres praegevolumen zu erklaeren oder gibts da noch
andere gruende?

gruss udo
LXVIII

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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von quisquam » Mo 07.06.10 19:37

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Re: Julisch-Claudische Dynastie

Beitrag von beachcomber » Di 08.06.10 20:00

die porträts auf provinz-prägungen sind selten gelungen, und deshalb nicht sonderlich häufig in meiner sammlung anzutreffen.
ausnahmen gibt es allerdings immer, und eine davon ist diese tetradrachme aus antiochia.
und dann gab es sowas auf ebay auch noch für so einen unschlagbaren preis! :)
grüsse
frank
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