Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Tipps zur Reinigung, Konservierung und Photographie von Münzen

Moderator: Homer J. Simpson

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beachcomber
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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von beachcomber » Mi 29.02.12 17:28

gefährlicher ist sowas: http://www.vcoins.com/ancient/parscoins ... duct=12783
und die beschreibung mindestens genauso dreist!
(und vom preis will ich gar nicht erst reden.....)
grüsse
frank

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Homer J. Simpson
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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von Homer J. Simpson » Mi 29.02.12 17:45

Aus zwei Gründen besonders verwerflich: Erstens, weil er sich noch auf Curtis Clay beruft, und zweitens, weil die Münze wahrscheinlich ohne die Manipulationen ein richtig schöner ss-Sesterz gewesen wäre! :cry: :evil:

Homer
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curtislclay
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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von curtislclay » Mi 29.02.12 18:37

Homer J. Simpson hat geschrieben:Aus zwei Gründen besonders verwerflich: Erstens, weil er sich noch auf Curtis Clay beruft, und zweitens, weil die Münze wahrscheinlich ohne die Manipulationen ein richtig schöner ss-Sesterz gewesen wäre!
Meine Beschreibung mit Kommentar offensichtlich unverändert (Gewandzipfel am Porträt unerwähnt) von uns geklaut.

Diese Stempelkombination war mir bis 1972 unbekannt.

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Zwerg
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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von Zwerg » Mi 29.02.12 20:35

Ich finde an dem Angebot nichts Verwerfliches - die Beschreibung stimmt.
Beautiful style. Nicely struck on a broad flan. Well-centered. Very attractive, original even sea-green patina. Extremely rare.
Nur eine Erhaltung ist nicht angegeben :D

Und so ein wenig substantielles Schnitzen ist mittlerweile eine läßliche Sünde.

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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von areich » Mi 29.02.12 20:36

Das ist doch eh ein zwielichtiger Typ, der ist, ich glaube zwei Mal, erwischt worden, wie er reparierte Goldmünzen ohne das zu erwähnen verkauft hat. Da war jeweils wenig Zeit zwischen seinem Angebot und der Auktion, wo die Münze zuletzt verkauft wurde. Kontakte zu einem Juwelier hat er offensichtlich auch, da kann sich wohl jeder seinen Teil denken.

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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von oliver67 » Mi 29.02.12 20:58

edit
lg oliver

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Homer J. Simpson
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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von Homer J. Simpson » Mi 29.02.12 22:01

Und vielen Juwelieren wird es, wenn der Mammon stimmt, wurscht sein, ob sie ein Loch in eine Münze reinmachen, ein Loch in einer Münze zumachen oder ein bißchen in der Patina ziselieren.

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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von klunch » Do 01.03.12 01:47

Wenn man als Juwelier für Geld eine offensichtlich antike Münze modifizieren soll, um ein Loch oder sichtbare Spuren von Muldenkorrosion zu beseitigen, dann ist man korrupt. Punkt. Da beisst die Maus keinen Faden ab!
Das würde ich nicht pauschal allen unterstellen. Wer Kontakt zu Juwelieren hat, kann ja da mal vorsichtig anfragen - "echte" Daten wären da sehr interessant.
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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von quisquam » Do 01.03.12 06:47

Wo sollten Juweliere denn dann die Grenze ziehen? Dürfen sie deiner Ansicht nach z.B. Fassungen oder Henkel entfernen? Bei welchen Münzen und bei welchen Münzen besser nicht? Oder historischen Schmuck umarbeiten ohne sich den Vorwurf der Bestechlichkeit und Vorteilsannahme (dies bedeutet ja der hier meines Erachtens völlig unpassende Begriff der Korruption) anhören zu müssen?

Verwerflich finde ich weniger, wenn Handwerker ihre Dienste anbieten und dem Wunsch des Kunden nachgehen. Das Problem steht da eher vor als hinter dem Tresen.

Grüße, Stefan
Eigentlich sammle ich nicht Münzen, sondern das Wissen darüber.

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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von richard55-47 » Do 01.03.12 08:16

Das sehe ich auch so.
Das Hochmendeln von Münzen für den "Eigengebrauch" kann man nicht verbieten. Ich finde es zwar traurig, weil die Originalität der Münze verloren geht, aber das geschieht ja nicht aus Gründen der Gewinnmaximierung.

Wer aber Münzen "veredelt" und dann Ahnungslose unter Vorspiegelung der Unbehandeltheit übertölpelt, ist ein Betrüger.
do ut des.

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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von areich » Do 01.03.12 09:39

Da muss ich Dir leider widersprechen. Vcoins hat einen 'code of ethics', daraus folgt, daß der Anbieter ethisch über jeden Zweifel erhaben ist.

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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von chinamul » Do 01.03.12 10:24

Was ethisch vertretbar ist, entzieht sich m. E. der Verhandelbarkeit. Entweder man ist anständig, oder man ist es nicht. Daran kann auch ein Persilschein von Vcoins nichts ändern, ebensowenig wie die letztliche Zuerkennung eines "Ehren"soldes an einen gewissen Herrn dessen Ehre wiederherstellen kann.
Auch für mein Empfinden ist jeder verschönernde Eingriff in die Substanz einer zu verkaufenden Münze ohne ausdrücklichen Hinweis darauf ein Betrugsversuch.
Ich hoffe doch sehr, daß areichs letztes Posting ironisch gemeint ist.
Im übrigen teile ich quisquams Ansicht, daß nicht der Goldschmied zu verurteilen ist, der einen Auftrag ausführt, sondern derjenige, der diesen Auftrag mit der Absicht erteilt, andere mit dessen Ergebnis zu übervorteilen.

Gruß

chinamul
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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von areich » Do 01.03.12 10:30

Das sollte doch sehr offensichtlich sein.

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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von klunch » Do 01.03.12 11:45

@Stefan: Die Grenze zieht jeder für sich, im Randbereich verschwimmt jede Grenze. Darum geht es mir nicht.

Es geht mir darum, daß ein Juwelier wissentlich einen Betrugsversuch unterstützt - natürlich kann sich der Juwelier in Unschuld wiegen und sich darauf zurückziehen, daß er nur dem Wunsch seines Kunden gerecht wird. Aber er hat auch eine Verantwortung, denn er besitzt eine Fähigkeit, die sein Kunde eben nicht besitzt - deshalb muß er damit verantwortungsvoll umgehen. Er kann sich nicht aus der Verantwortung schleichen indem er nur auf Veranlassung handelt. Wenn ich im Supermarkt das billigste Fleisch kaufe, trage ich ganz konkret Verantwortung dafür, daß es Massentierhaltung gibt. Was ich damit meine: Wissen (und auch besondere Fähigkeiten) erfordern und bedingen Verantwortung - ob man das einsieht und wahrnimmt oder nicht ist egal - aber faktisch hat man diese.
Lernen, lernen und nochmals lernen.

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Re: Sachen zum Weinen: "Gemeuchelte Münzen"

Beitrag von chinamul » Do 01.03.12 11:59

Bis zu einem gewissen Punkt kann ich diese Argumentation zwar nachvollziehen, aber ist dem Goldschmied wirklich zuzumuten, daß er die Motive des Kunden erforscht? Eine Autowerkstatt etwa würde sich nach dieser Lesart mitschuldig machen, wenn sie einen Blechschaden optimal behebt und der Besitzer dann das Auto als unfallfrei verkauft. Das kann aber wohl nicht sein! Und selbst wenn eine moralische Mithaftung entstünde: Wie um alles in der Welt soll der Auftraggeber seinerseits dem Experten beweisen, daß er aus der Reparatur bzw. Verschönerung keinen unlauteren Vorteil zu ziehen gedenkt?
Nein, die Verantwortung liegt allein bei dem, der - um es mit den Worten quisquams auszudrücken - vor dem Tresen steht.

Gruß

chinamul
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