porige Patina

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mias
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porige Patina

Beitrag von mias » Mi 02.07.03 22:44

Zuletzt geändert von mias am Do 03.07.03 12:19, insgesamt 2-mal geändert.

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mias
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Beitrag von mias » Do 03.07.03 09:56

Liebe Münzfreunde,

Ihr erkennt einen Dupondius des Claudius. Die Patina weist Poren auf, in welchen hellbrauner Belag eingelagert ist. Dadurch wirkt das Münzbild verschwommen. Nun legte ich die Münze mehrere Monate in ein Bad mit Olivenöl. Der Scan wurde davor aufgenommen.

Ich nahm dann die Münze aus dem Olivenöl und lies sie dann eine Woche lang an Luft trocknen. Man sah immer noch ein Ölfilm, der wie "Schminke" wirkte. Das Relief setzte sich eindeutig vom Feld ab. Die Oberfläche wirkte richtig herrlich glatt. Beleuchtete man die Münze, so kam wirklich ein ganz hervorragendes Portrait des Claudius zum Vorschein. Wegen des Ölfilms wollte ich die Münze dann doch nicht auf meinen Scanner legen.

Dann tupfte ich den Ölfilm wieder mit einem Taschentuch ab, es kam natürlich wieder die porige Oberfläche zum Vorschein. Gut, der hellbraune Belag, der in den Poren abgelagert war, ist nun teilweise weg. Auch hat die Patina jetzt wirklich eine satte tiefgrüne Farbe.

Meine Fragen an Euch:

- Besteht die Möglichkeit eine glatte Oberfläche zu erzeugen, indem man den Film des Olivenöls lange Zeit auf der Münze eintrocknen lässt?
- Gibt es hierfür effektivere Methoden?
- Ist so ein "Schminkvorgang" überhaupt legitim? Ich wette, dass so manches Superstück zurechtgeschminkt wurde.

Für Anregungen, Tips, Warnungen, etc. bin ich Euch dankbar.

Gruss,

Matthias

P.S.: Viele Bronzen haben einen feinen Sandbelag, der die Konturen des Münzbildes verschärft. Bitte diese Münzen nicht in Olivenöl baden. Dieses würde nämlich den Sandbelag entfernen!

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questor
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Beitrag von questor » Sa 26.07.03 22:35

Sei doch froh das die Münze so aussieht.Ich denke mal sie ist aus einem Fundlot.Ich würd Freudensprünge über so eine Münze machen.Meine liegen seit 5 Monaten im Öl und sehen aus wie Dreckplättchen und nicht wie Münzen. :lol: 8)
Wenn A für Erfolg steht lautet die Formel A=x+y+z. x steht für Arbeit,y für Muße und z heißt Mund halten (Albert Einstein)

secundus
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Beitrag von secundus » Mo 28.07.03 18:20

Zu aller erst muss ich questor beipflichten: für eine antike Münze mit natürlich gewachsener Patinia ist der Erhalt sehr zufriedenstellend. So einen hübschen Claudius hätte ich nur zu gerne in meiner Sammlung.

@questor: nach meiner Erfahrung ist die reinigende Wirkung von Olivenöl sehr begrenzt und was sich nach 5 Monaten nicht an Dreck gelöst hat wird sich auch nach weiteren 5 Monaten nicht lösen.

@mias: Gegen Manipulationen, die wieder Rückgängig zu machen sind, ist nicht einzuwenden.
Du könntest versuchen die hellbraunen Poren mit eingefärbten Wachs aufzufüllen und wenn das Ergebnis nicht Deinen Erwartungen entspricht, einfach mit Alkohol die Münze abreiben, um den alten Zustand wieder herzustellen. Diese Prozedur kannst Du so lange wiederholen wie bzw. bis es Dir gefällt.

Hier eine Bezugsquelle: http://www.kremer-pigmente.de/home.htm
Du benötigst das Wachs Cosmoloid H 80, das Lösungsmittel Shellsol T und div. Pigmente, die dem Wachs beigemischt werden um es farblich der Patina anzugleichen.

[/quote]

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mias
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Beitrag von mias » Di 29.07.03 09:15

Hallo zusammen,

Ich bedanke mich für die informativen Antworten. :D

Folgende Fragen habe ich noch:

Reicht einfacher Schnaps/Whiskey zum Entfetten/Entwachsen der Münze aus? :?

Wird die Münze beim Einwachsen im gelösten Wachs für mehrere Stunden eingelagert. Oder tröpfelt man das gelöste Wachs vorsichtig auf die Münze und wischt mit einem Taschentuch vorsichtig über die Poren, um einen Glättungseffekt zu erzielen?

Spricht man nach einer solchen Behandlung von einer geglätteten Patina?

Angenommen ich trau mir das doch nicht zu :o , gibt es in jeder grösseren Stadt einen Fachman, der sowas für mich machen könnte?

Für Eure Tips/Anregungen bin ich dankbar. :)

Gruss,

Mias

secundus
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Beitrag von secundus » Di 29.07.03 14:59

Hallo mias,

Whiskey o.ä. Gesöff sollte an keinem Arbeitsplatz fehlen, erst recht nicht, wenn besonders diffizile Aufgaben anstehen. Ob sich damit Wachs ähnlich leicht löst, wie die Zunge des Präparators, währe ein Experiment wert. Berichte uns ... :)

Am besten ist es, das Wachs in mehreren Lagen mit einem Pinsel aufzutragen -zwischendurch trochnen lassen - , so oft, bis die braunen Poren überdeckt sind.

Nun trau Dich einfach, das ist schliesslich kein Drahtseilakt zwischen Hochhäusern und bleibenden Schaden kannst Du damit nicht anrichten. :!:

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mias
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Beitrag von mias » Di 29.07.03 16:14

Hallo Secundus,

Habe mir 20 Gramm Wachs Cosmoloid H 80, 1 Liter Shellsol T und grüne Pigmente im Wert von ca. 15 Euro besorgt.

Mal sehen, was draus wird. Stelle dann das Ergebnis hier aus. Man lernt jedenfalls bei der Sache dazu.

Gruss,

Mias

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clarino
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Beitrag von clarino » Di 29.07.03 16:30

das reicht zur Herstellung von 2 Kilo Plastiksprengstoff.
Offenes Feuer, Funkenbildung und Erschütterungen vermeiden.
Bitte zum mischen und experimentieren in den Keller gehen.
Da hat es bei unsachgemäßer Behandlung die größte Wirkung und die Nachbarn haben auch etwas davon und du kannst mit den Engel singen. :onfire:

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questor
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Beitrag von questor » Di 29.07.03 16:44

EHRLICH??
Wenn A für Erfolg steht lautet die Formel A=x+y+z. x steht für Arbeit,y für Muße und z heißt Mund halten (Albert Einstein)

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Beitrag von secundus » Di 29.07.03 18:50

Wenn der Staatsschutz des Nacht die Türe eintritt um das brisante Zeugs zu beschlagnahmen, braucht Du schon einen guten Anwalt, der, dem Richter die Ausrede mit den Münzen plausibel macht, sonst setzt es Ferien in Guantanamo.

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mias
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Beitrag von mias » Di 29.07.03 20:14

Hallo Secundus,

Ja was jetzt? Wieviel soll ich denn nehmen? :roll:

Mal Spass beiseite. Ich will mich und andere ja nicht gefährden.

Kann das Zeug dann nur auf dem Sondermüll entsorgt werden? Dann lass ich es lieber und versuch es mit "melkfett", was in jedem Supermarkt zu kaufen gibt.

Gruss,

Mias

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mias
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Beitrag von mias » Di 29.07.03 21:06

Hallo nochmal,

Ich habe 20 Gramm Wachs Cosmoloid H 80 und 1 Liter Shellsol T bestellt, weil auf der Webpage von Kremer-Pigmente stand, dass man soviel Wachs in einem Liter des Lösungsmittels geben soll.

Lasst mich um Himmels Willen nicht mit dem Teufelszeug allein! :roll:

Soll ich die Bestellung annulieren :?:

Gruss,

Mias

secundus
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Beitrag von secundus » Mi 30.07.03 01:07

Hallo mias,

nicht weniger als 200gr Cosmoloid H 80 Solltest Du schon bestellen (kostet nicht die Welt), da sich das Auffüllen von Löchern mit einer dickeren Wachslösung einfacher gestaltet.
Am leichtesten löst sich das Wachs, wenn es bis zur Schmelze erwärmt wird, bevor anschliessend das Lösungsmittel hinzugegeben wird. Gut verschlossen in Marmeladengläsern, bleibt die Lösung über lange Zeit flüssig ...mein vor einem halben Jahr angesetzter Vorrat ist immer noch streichfähig.
Verbrauche nicht das ganze Lösungsmittel auf einmal !!!
Zur Verarbeitung kannst Du eine kleine Menge entnehmen und mit den Pigmenten mischen. Dann allerdings sollte es zügig aufgetragen werden, bevor es abhärtet.
Aber nicht verzweifeln, wenn der erste Versuch noch nicht das gewünschte Ergebnis liefert, es kann nur besser werden.
Noch Fragen, Hauser ? :D

PS. Welche Pigmente hast Du denn bestellt ?
Gute Tips kann ich Dir diesbezüglich leider nicht geben...bin selbst noch fleissig am Üben um die gewünschten Farbtönungen zu erzielen.

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mias
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Beitrag von mias » Mi 30.07.03 06:32

Hallo Secundus,

Ich habe grüne Pigmente bestellt, ich glaube Veroneser grüne Erde, Bayerische grüne Erde und Aegirin.
Allerdings weiss ich es jetzt nicht mehr so genau.

Aber mal im Ernst. Was kann ich denn so falsch machen, dass was in die Luft geht :?: :?: :?:
Was ist den gefährlich die Pigmente , das Wachs oder die Lösungsmittel :?: :?: :?:

Reichen 20 Gramm Cosmoloid H 80 für ein Marmeladenglas? Wie mach ich das: Das Wachs im Ofen im Glas erhitzen und dann das Lösungsmittel dazugeben? Schliesslich in kleineren Gefässen mit den Pigmenten experementieren?

Gruss,

Mias

secundus
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Beitrag von secundus » Do 31.07.03 01:44

Hi mias,

Entwarnung:
Das grösste Gefahrenpotential bergen die fein gemahlenen Pigmenten in sich, wobei hier das Risiko einer explosionsartigen Vepuffung kaum grösser sein dürfte, als das, welches sich eine Hausfrau beim Kuchenbacken aussetzt, wenn sie leichtfertig mit Mehl hantiert.:black:
Solange Du nicht auf die Idee kommst die Flasche mit Shellsol in die :microwave: zu schieben, bleibst Du diesem Forum erhalten. :D

Es empfiehlt sich, das Wachs auf verschiedene Gläser zu verteilen um es mit unterschiedlichen Mischungsverhältnissen ansetzen zu können. Das Wachs im Glas kann man leicht zum Schmelzen bringen, wenn man das Ganze in einem Wasserbad erhitzt.

Bevor das Wachs aufgetragen wird, muss die Münze absolut frei von Fett (Wasser mit Spühlmittel, Shellsol) und -besonders wichtig !!! - staubtrocken (Haarföhn) sein, sonst haftet das Wachs nicht, bzw. führt die unter der Wachsschicht eingeschlossene Feuchtigkeit zur Korrosion.

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