As de Nimes / Nemausus-As

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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Laurentius
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As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Laurentius » Do 11.06.20 11:46

Hallo liebe Münzfreunde!

Folgendes Stück möchte ich heute zur genauen Zuordnung, bzw. zur Diskussion hier vorstellen.
Zur Bestimmung fehlten mir noch zu viele Antworten.
Augenscheinlich eine Imitation. Obwohl ich die Portraitdarstellungen von Agrippa und Augustus
doch künstlerisch sehr anspruchsvoll finde. Ohne die RV zu betrachten und ohne einen direkten
Vergleich zu einer offiziellen Prägung zu haben, finde ich diese doch sehr authentisch zu anderen
Stücken aus dieser Epoche im Allgemeinen.
Bei der RV sieht es stilistisch doch eindeutiger aus. Das Krokodil weicht in der Darstellung weit
ab. So wird z.B. auch die Kette zur Palme nur schemenhaft angedeutet.
Soweit ich mich erinnern kann, wurden die Rohlinge in dieser Zeit gegossen und dann geprägt.
Bei dieser Ausgabe habe ich sogar eine andere Vermutung. Es sieht so aus, als ob es sich um einen
reinen antiken Guss handelt. Im ersten Münzrandbild kann man im oberen drittel noch eindeutig den
Angusspunkt erkennen. Auch der Münzrand verläuft zur Münzrandmitte hin konisch zu und schließt
durch einen deutlichen Trenngrat ab. Feilspuren zu erkennen. In meinen Augen keine Hinweise, die
auf eine Prägung hindeuten. Im Gegenteil, das gesamte Stück erinnert mich in Form und Aussehen
stark an keltische Potin-Münzen. Eine keltische Imitation, eine regional im Umlauf gedultete Münze?

Bin schon auf Eure Meinungen gespannt!
∅26mm, 12,9g
nemausus.jpg
n3.jpg
n4.jpg
vg Laurentius
Zuletzt geändert von Laurentius am Do 11.06.20 15:39, insgesamt 1-mal geändert.

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shanxi
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Re: As de Nimes

Beitrag von shanxi » Do 11.06.20 12:22

Ein Guss ist möglich, alternativ ist aber auch ein gegossener Schrötling denkbar. Viele geprägte Provinzmünzen haben Schleifspuren an den Rändern.

Dafür sprechen die Schleifspuren auf der Rückseite, z.B. die, die "unter" COL und dem Krokodil durchlaufen, d.h. diese Schleifspuren waren vor dem "Prägevorgang" da.

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Laurentius
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Re: As de Nimes

Beitrag von Laurentius » Do 11.06.20 12:27

Ok Shanxi, jetzt sehe ich es. Also nach dem Guss erfolgte dann doch eine Prägung.
Vielen Dank für Deinen Hinweis!

vg Laurentius

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Re: As de Nimes

Beitrag von Pscipio » Do 11.06.20 12:41

Die Naht kommt von der Schrötlingsherstellung und ist gerade bei den Nemausus-Asses überaus häufig anzutreffen. Hübsche Münze, die m.E. sicherlich geprägt wurde.

Lars
Nata vimpi curmi da.

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Re: As de Nimes

Beitrag von Zwerg » Do 11.06.20 12:50

Hier
https://as-de-nimes.pagesperso-orange.f ... ation.html
ein richtig schöner Link
Stammt übrigens aus dem thread
viewtopic.php?f=6&t=61436
Bei dem ich anfangs völlig daneben lag :(

Grüße
Zwerg
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Laurentius
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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Laurentius » Do 11.06.20 14:59

@ Pscipio

Vielen Dank für Deine Bestätigung!

@ Zwerg

Der link ist wirklich klasse, den kannte ich noch nicht. Da wird dieses Thema sehr
ausführlich und detailliert beschrieben, danke dafür!

vg Laurentius

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Lucius Aelius
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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Lucius Aelius » Do 11.06.20 16:56

Ein sehr schöner As, Gratulation!

Hier kannst du deine Münze selbst bestimmen (übrigens keine Imitation, wie ich glaube)
„Während der Regierungszeit des Augustus wurden in Colonia Augusta Nemausus Münzen aus Aes geprägt … Die Münzen werden… in drei Serien unterteilt. Die Prägungen der ersten Serie können über ihr Gewicht in leichte … und schwere … Stücke unterteilt werden. Während die frühen schweren Stücke am Rhein fast nie vorkommen, sind die späteren leichteren Münzen sehr häufig in den Funden anzutreffen“ (Werz, Gegenstempel auf Aesprägungen der frühen römischen Kaiserzeit im Rheingebiet, S. 52).
Serie 1: Agrippa (gelegentlich bärtig) mit Schiffskrone, Augustus barhäuptig, IMP DIVI F, 28/20 - 10/9 v.Chr.
Kraft unterteilt diese Serie zudem noch in drei Untergruppen:
1a: Agrippa barhäuptig
1b: Büsten mit kurzen Köpfe
1c: Büsten mit lange nKöpfe
Serie 2: Agrippa mit Schiffskrone, Augustus mit Eichenlaubkranz, IMP DIVI F, 9/8 - 3 v.Chr.
Serie 3: Agrippa mit Schiffskrone, Augustus mit Eichenlaubkranz, IMP DIVI F P P, 10-14/15 n.Chr.

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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Altamura2 » Do 11.06.20 17:00

Wenn Du da mehr Literatur suchst, dann gibt es hier noch von Paul-André Besombes, "Les dupondii de Nîmes : datation, diffusion et nature du métal utilisé", Revue numismatique, 6e série, t. 157,‎ 2001, p. 305-328:
https://www.persee.fr/doc/numi_0484-894 ... 6_157_2331
(der Titel ist schon richtig, denn das As de Nîmes ist tatsächlich ja ein Dupondius :D )

Auch hier wird das Befeilen der Münzränder in einer Fußnote erwähnt.

Gruß

Altamura

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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Lucius Aelius » Do 11.06.20 17:07

:roll: :?
Altamura2 hat geschrieben:
Do 11.06.20 17:00
(der Titel ist schon richtig, denn das As de Nîmes ist tatsächlich ja ein Dupondius :D )
„Ikonographisch sind alle Prägungen mit nach außen gewandten Portraits mit der Darstellung des Doppelkopfes des Ianus bifrons [= zweigesichtig] der republikanischen asses zu verbinden … Die Vorstellung, daß in erster Linie das Gewicht der Münzen eine entscheidende Rolle für die Nominalzuweisung spielt, geht von modernen, fest aufeinander abgestimmten einheitlichen Gewichts normen aus und projiziert diese auf die Antike. Die Aesmünzen wurden wohl sämtlich al macro [nach dem Durchschnittsgewicht] und nicht al pezzo [auf das Stück genau mit exaktem Einzelgewicht] geprägt, wobei wahrscheinlich jedoch anzunehmen ist, daß ein Durchschnittsgewicht der einzelnen Stücke angepeilt wurde. Die Prägungen aus Nemausus sind somit als Asse anzusehen. Eine Ansprache als Dupondien aufgrund der Vorderseitendarstellung und des Gewichts der Stücke überzeugt nicht“ (Werz, ebd., S. 54/55).


Unbenannt.jpg
In meinen Augen ein viel zu hoher Kupferanteil, um die Nemausus-Stücke als Dupondien anzusprechen.

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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Altamura2 » Do 11.06.20 17:48

Lucius Aelius hat geschrieben:
Do 11.06.20 17:07
... "Eine Ansprache als Dupondien aufgrund der Vorderseitendarstellung und des Gewichts der Stücke überzeugt nicht“ (Werz, ebd., S. 54/55). ...
Das scheint sich aber irgendwie nicht allgemein durchgesetzt zu haben, da wird auch anders argumentiert :D :
https://as-de-nimes.pagesperso-orange.f ... dupon.html
https://www.academia.edu/26925188/Monna ... tite_Nimes

Gruß

Altamura

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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Lucius Aelius » Do 11.06.20 18:48

Altamura2 hat geschrieben:
Do 11.06.20 17:48
Das scheint sich aber irgendwie nicht allgemein durchgesetzt zu haben
Es scheint, dass sich die Franzosen in diesem Punkt nur schwer überzeugen lassen :wink:

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Laurentius
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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Laurentius » Do 11.06.20 19:41

@ Lucius Aelius & Altamura

Vielen Dank für Eure sehr informativen und umfangreichen Beiträge.

vg Laurentius

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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von jschmit » Mo 15.06.20 14:45

Wieso hat dieser Dupondius de nîmes so wenige Details? Wirkt so schwach geprägt?

lg Joel
Dateianhänge
s-l1600.jpg

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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von Laurentius » Mo 15.06.20 16:44

Keine Auffälligkeiten. Diese Münze war einfach nur etwas länger im Umlauf.

vg Laurentius

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Re: As de Nimes / Nemausus-As

Beitrag von jschmit » Mo 15.06.20 16:47

Ich hätte jetzt auf ne schwache Prägung (nicht Fälschung) getippt. Also einfach nur viel gebraucht und daher "geschliffen"?

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