Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Timestheus
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 19.11.21 21:37

Perinawa hat geschrieben:
Fr 19.11.21 20:44
Tolles Stück, und natürlich auch die Info dazu.
Danke.
Perinawa hat geschrieben:
Fr 19.11.21 20:44
Übrigens ist der neue Hintergrund für die Fotoknipserei um Welten besser als der alte.
Allerdings. Wie hier auch schon von anderer Seite geschrieben wurde, passt das rot bei Fotos gar nicht. Also als Samtbezug in meiner Box - mag ich das rot. Aber zum Fotografieren als Hintergrund völlig ungeeignet. Muss ich Nachhinein eingestehen.
shanxi hat geschrieben:
Fr 19.11.21 21:20
Ich glaube eher er hat Freistellen gelernt.
Richtig. Ich fotografiere aktuell auf schneeweißem Hintergrund und stelle die Bilder dann frei. Dann habe ich eine vorbereitete dunkelgraue Bühne - die ich mir als Master abgespeichert habe. Da habe ich einfach eine weiße PowerPoint Folie auf dem Computer genommen, den Hintergrund auf dunkelgrau gestellt und davon einen Screenshot gemacht. Und das ist mein Master Hintergrund.

Und da kommen die freigestellten Bilder rein kopiert.

Entweder nehme ich die Bilder vom Auktionshaus, wenn die mit ihrer Abteilung einfach Bilder machen an denen ich vom Equipment nicht hin komme - oder ich mache die Bilder selber - weil es keine echten Verkaufsbilder gibt oder die Bilder aus dem MA-Shop einfach mies sind.

Je nach Auktionshaus bekommst aber die hochauflösenden Bilder nach der Auktion mitgesendet oder kannst bei denen in der Accountverwaltung aus deren Fotostudio herunter laden. Und wie gesagt - da nehme ich unter umständen auch deren Bild - weil man teils an deren Fotostudio Qualität nicht heran kommt. Also ich hier nicht.
Priscus hat geschrieben:
Fr 19.11.21 21:27
Den Antonius hatte ich auch auf der Liste ...
Ja nur die Ohren OP ist misslungen bei dem armen Kerl. Vielleicht war er aber auch einfach wieder mal betrunken und hat sich flach gelegt und der Münzenkünstler hat das echte dicke Ohr mit kopiert. Wer weiß :) ... aber manchmal muss man kleine abstriche machen. Dafür passte er gerade noch so ins Budget.
Priscus hat geschrieben:
Fr 19.11.21 21:27
Zwei tolle Stücke !
Gratulation Priscus
Danke.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Lucius Aelius » Sa 20.11.21 08:11

Timestheus hat geschrieben:
Fr 19.11.21 15:32
denar_marcus_cocceius_nerva_m0011.jpg


(M ANT) und der Titulatur imperator (IMP) augustus (AVG) triumvir rei publicae constituendae (III VIR R P C)
Nicht AVGvstvs, sondern AVGvr. Augustus bekam zuallererst Octavian. Marc Anton war Augur.

Sehr interessantes Hintergrundwissen über Lucius Antonius auf dieser Münze 👍.
Meinst du nicht, dass dieser Münztyp in dem von dir geschilderten Kontext nicht eher in Ephesus (allein schon wg. dem Stil) statt in einer Feldmünzstätte hergestellt wurde?
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 20.11.21 11:42

Lucius Aelius hat geschrieben:
Sa 20.11.21 08:11
Nicht AVGvstvs, sondern AVGvr. Augustus bekam zuallererst Octavian. Marc Anton war Augur.
Erst einmal Danke an Dich, dass Du da aufmerksam mit liest und ggfs. Korrekturen anregst!
Solche konstruktive Kritik ist sehr hilfreich für mich.

Und Du hast natürlich recht. Ich sollte mir mal neuere Literatur besorgen - ich habe noch ein Buch "Abkürzungen auf römischen Münzen" das aber leider gefühlte 100 Jahre alt ist. Das macht es nicht schlechter - ist aber leider nicht vollständig und an manchen stellen einfach veraltet. Da hatte ich AVG nur als Augustus gefunden - da war aber die Begründung, dass Augustus auch als Eroberer für frühere Münzen taugt.

Ich hätte halt hier nochmals nachschauen sollen:
https://www.forumancientcoins.com/numis ... sp?key=AVG

Denn wenn mann sich die Mühe macht etwas weiter zu lesen steht auch da:
Latin abbreviation: Augustus - Emperor. The usual designation for an emperor or empress. All emperors after Augustus claimed authority from him and used his name, Augustus, as a title. Augusta - Title awarded the empress, wife, mother or sister of the emperor. Augustus means revered.

Latin abbreviation: Augur. On the coins of Mark Antony.
Man beachte den letzten Absatz.

Auf jedenfalls wirklich Danke für den Hinweis - das werde ich sofort korrigieren.
Lucius Aelius hat geschrieben:
Sa 20.11.21 08:11
Meinst du nicht, dass dieser Münztyp in dem von dir geschilderten Kontext nicht eher in Ephesus (allein schon wg. dem Stil) statt in einer Feldmünzstätte hergestellt wurde?
Und darüber wird in der Sekundärliteratur "gestritten" - zumindest bei allen bekannten Experten die ich kenne. Ephesus taucht da auch auf, ebenso wie aber auch Italien - sprich dass die Stempel wohl u.a. auch in Ephesus gemacht wurden und da geprägt - es sprechen aber auch einige Theorien dafür, dass die Stempel nach Italien kamen und von dort aus direkt geprägt wurde - so manche Experten.

Vielleicht nehme ich als mögliche Münzstätten einfach noch Ephesus und Italien mit auf.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 20.11.21 20:21

Es kann nicht immer ein Brutus oder Caesar sein - daher kommt heute ein "einfacher" Denar in die Sammelkiste - sprich wurde heute katalogisiert und dokumentiert. Aber auch die historischen Persönlichkeiten aus der zweiten Reihe können mit interessanten Details glänzen.

Hier geht es um den Münzmeister Publius Maenius Antiaticus, welcher 132 v.Chr. seinem gleichnamigen Ahnen mit einem Denar ehrte. Sagt einem vielleicht nicht sofort etwas der name - ich sage aber nur die Maeniana Balkone und vor allem war er es, welcher die 6 Rostra Rammspore nach Rom und auf die Rednertribüne brachte.

Ich möchte hier nochmals quer verweisen auf den schönen Bericht von Perinawa zur Rostra:
viewtopic.php?f=6&t=60689&start=45#p546215


---
Und falls jemand größeren Text lesen will als den, welchen ich gleich darunter einfüge bzw. größere Bildchen und noch mehr Geschichten, der darf gerne meine Homepage besuchen: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... cus-m0015/
Zuletzt geändert von Timestheus am Sa 20.11.21 20:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 20.11.21 20:23

denar_publius_maenius_antiaticus_m0015.jpg



Münze:
Publius Maenius Antiaticus 132 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18,1mm
Gewicht: 3,73g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Münzen & Medaillen, Weil am Rhein, 12.11.2021
Referenz: Crawford 249/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Roma mit geflügeltem Helm nach rechts blicken. Dahinter befindet sich ein Stern als Wertmarke.

Im römischen Reich war Roma eine Gottheit, die als Personifikation den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr waren einige Tempel und heilige Plätze geweiht. Roma wird 269 v. Chr. erstmals auf As-Münzen aus Rom erwähnt sowie 204 v. Chr. auf römischen Münzen aus Locri in Kalabrien, woraus geschlossen wird, dass die nichtrömische Bevölkerung Roma ebenfalls religiös verehrt haben könnte. Tatsächlich sind die ersten sicher belegten Kulte für Roma in der griechischen Welt zu finden. In diesen Zusammenhang passt, dass ihr in Smyrna 195 v. Chr. ein Tempel errichtet wurde. Ferner wird von Roma-Kulten auf Ephesos, Sardes und Delos berichtet.

Dies Ausschmückung eines Helmes findet sich oft in antiken Darstellungen von Göttern und Göttinnen. So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. Auch Roma trägt auf Münzen oftmals einen Flügelhelm, wie auch hier auf unserem vorgestellten Denar des Publius Maenius Antiaticus.

Revers:
Zu sehen ist Victoria in einer nach rechts springenden Quadriga. Sie hält in der rechten Hand einen Kranz. Die Inschrift lautet P MAE ANT ROMA.

Die Ursprünge des häufigsten Rückseitenmotivs der republikanischen Münzprägung finden sich nicht in Rom, sondern in den griechischen Städten Siziliens. In Qualität und Ästhetik waren die dort ausgegebenen Münzen den römischen weit überlegen, weshalb die für die Prägungen zuständigen Beamten in Rom gerne griechische Bildmotive entlehnten, auch wenn diese dabei ihre konkrete Bedeutung verloren. Die geflügelte Siegesgöttin verkündet als griechische Nike in der Münzprägung von Städten wie Syrakus und Selinunt den Sieg im Wagenrennen bei einem der großen griechischen Wettkämpfe, als römische Victoria auf dem eilenden Zweigespann verbildlicht sie auf allgemeine Weise den schnellen militärischen Sieg des Heeres (Quelle: Sonja Kitzberger). Auch auf dem Denar des Münzmeisters Publius Servilius Rullus ist diese damals beliebte und häufig auftretende Symbolik der Victoria abgebildet.

Lorbeer Kranz und Palmenzweig sind die typischen Attribute der Victoria, welche die ursprünglichen Siegestrophäen bei der griechischen Palästra und den panhellenischen Spielen waren. Beides wurde im römischen Sinne assimiliert und ausgeweitet. Kranz und Palmenzweig konnte jemand auch für sich reklamieren, welcher viele ehrenvolle Taten und Siege im militärischen Sinne vollbracht hatte. Zudem ist Victoria ein geflügeltes Wesen, welches die Flüchtigkeit und Nähe von Sieg und Niederlage symbolisiert. In der römischen Siegessymbolik war es Victoria, welche die Früchte des Erfolges überreichte.

Zeitgleich mit dem ersten Venustempel, wurde im 3 Jahrhundert v.Chr. auf dem Palatin der erste Victoriatempel errichtet. Die Einweihung des ersten Tempels erfolgte am 01. August 294 v.Chr. durch den Konsul Lucius Posumius Megellus, ein zweiter Tempel wurde am 01. August 193 v.Chr. durch Marcus Porcius Cato eingeweiht. Archäologische Grabungen konnten den ersten Tempel „aedes Victoriae“ (Victoriatempel) schräg der Magna Mater lokalisieren. Während dem zweiten Punischen Krieg wurde der Meteor von Pessinus im Victoriatempel aufbewahrt.

Da Victoria keine eigentliche Göttin darstellt – sondern eine römische Personifikation des Sieges und günstigen Erfolges – konnte sie den traditionellen Gottheiten beigegeben werden und erhielt dadurch eine zusätzliche Aufwertung. Victoria besaß dabei von Anbeginn eine militärische Komponente. Abgebildet wird Victoria immer geflügelt, oft mit Kugel, Kranz, Palmzweig, Schiffsbug, Schild, Siegestrophäe.

Hintergrund:
Der Münzmeister Publius Maenius Antiaticus erinnert 132 v.Chr. mit dieser Münze seinen gleichnamigen Ahnen Gaius Maenius Antiaticus. Maenius war ein römischer Staatsmann und General, welcher im Jahr 338 v.Chr. das Konsulat inne hatte und zweimal (320 v.Chr. und 314 v.Chr.) zum Diktator berufen wurde.

Maenius stammte aus einer plebejischen Familie und wurde in der letzten Phase des Zweiten Latinerkrieges zusammen mit Lucius Furius Camillus zum Konsul gewählt. Als kommandierender General der Marine schlug er bei der Schlacht um Antium auf dem Fluss Astura die vereinigten Armeen von Antium, Lanuvium, Ariccia und Velitrae. Der Sieg sicherte Rom die Eroberung von Latium.

Nach dem Sieg über die gegnerischen Flotte und Armee nahm er sechs der Rammspore (Rostra) der gegnerischen Schiffe und platzierte diese am Forum Romanum, welche fortan die Rednerbühne als „Rostra“ auf dem Forum zierten. Sowohl Meanius als auch seinem Amtskollegen wurden in Rom viele Ehrungen zuteil. Beide durften einen Triumphzug ausrichten, beiden wurden Reiterstatuen errichtet, was als seltene Ehre galt. Die Statue des Maenius wurde in der Nähe des Kapitols aufgestellt, die als Columna Maenia bekannt wurde. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er in Anlehnung seines Sieges den Beinamen Antiaticus annahm.

Etwa 320 v.Chr. wurde Maenius zum Diktator ernannt. Seine Aufgabe war es eine Verschwörung unter den angesehensten Familien Roms zu untersuchen, welche mit den Bürgern von Capua konspirierten. Die Nachforschungen, gemeinsam mit seinem Magister Equitum (militärischem Stellvertreter des Diktators) Marcus Foslius Flaccinator, störten den Adel jedoch zunehmend, so dass Capua 319 v.Chr. offen gegen Rom revoltierte. Die Situation eskalierte völlig, als Teile des römischen Adels die Verurteilung von Maenius und Foslius verlangten. Beide legten ihre Ämter daraufhin nieder und verlangten einen Gerichtsprozess. Unter den im Amt befindlichen Konsuln Lucius Papirius Cursor und Quintus Publius Philo wurden beide Männer jedoch freigesprochen.

Durch seinen so noch integren Ruhm gelang es Maenius um 318 v.Chr. gemeinsam mit Lucius Papirius Crassus zum Censor gewählt zu werden. In seiner Amtszeit ließ er Balkone in der Nachbarschaft des Forum Romanum errichten, um so mehr Zuschauern Platz für die Spiele bieten zu können, welche in hölzernen Arenen auf dem Forum abgehalten wurden. Diese Balkone nannte er „Maeniana“. Als 314 v.Chr. während dem zweiten Samnitenkrieges erneut Gerüchte einer Revolte Capuas aufkamen, wurde Maenius ein zweites Mal zum Diktator ernannt. Abermals ernannte er Marcus Foslius Flaccinator zu seinem Magister Equitum. Die von Ovius und Novius Calavius angeführte Rebellion hatte das Ziel Kampanien von der römischen Allianz abzuspalten und sich den Samniten anzuschließen. Bevor sich Maenius jedoch der Sache annehmen konnte, nahmen sich die Brüder Calavius und das Leben und entzogen sich so den möglichen Konsequenzen.

Die Darstellungen der Vorder- und Rückseite sind sicherlich ein Verweis auf die militärischen Erfolge des Urahnen und der eigenen Gens, auf welche der Münzmeister hinweisen möchte. Die Stadtgöttin Roma gibt einerseits die Dimension und Wichtigkeit der Erfolge wieder, welche sein Ahne, im Namen Roms, errungen hatte. Des weiteren ist die Darstellung der Roma eine Erinnerung an erste Münztypen der alten römischen Republik. Die Rückseitendarstellung mit der Victoria betont hier nochmals die militärischen Erfolge.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 21.11.21 11:45

Im Paket von Tauler & Fau war auch diese Münze des Quintus Caecilius Metellus Pius Scipio, welche ich Euch am heutigen Sonntag vorstellen möchte. Eine detaillierte Dokumentation samt größerer Bilder gibt es hier auf meiner Homepage: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... pio-m0014/

Und natürlich folgt gleich die Kopie der Daten und des Textes hier in diesen Thread im nachfolgenden Posting...
Zuletzt geändert von Timestheus am So 21.11.21 12:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 21.11.21 11:47

denar_caecilius_metellus_scipio_pius_m0014.jpg



Münze:
Quintus Caecilius Metellus Pius Scipio 47/46 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 16,5mm
Gewicht: 3,96g
Münzstätte: Afrika
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Tauler & Fau, Spanien, 02.11.2021
Referenz: Crawford 459/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf des Jupiter mit Lorbeerkranz nach rechts blickend. Die Inschrift lautet Q METEL PIVS.

Einer der wohl wichtigsten Götter in der römischen Mythologie und Religion war Jupiter. Über den Ursprung des Namens gibt es viele Theorien. Im Uritalienischen steckt die Vorsilbe „di“ als Bezeichnung für den lichten Himmel in allen Dialekten. In Rom wurden zudem viele männliche Götter mit Vater, weibliche Gottheiten mit Mutter angerufen. Dieu-Pater bedeutet also „leuchtender göttlich verehrter Himmel und leuchtender Tag“. Es gibt allerdings auch noch eine andere Deutung. So soll der Name aus Iuovo (ich helfe) und Pater (Vater) zusammengesetzt sein und so viel wie „helfender Vater“ bedeuten.

Die Jupiter Kulte sind im alten Rom vielzählig. Für die Landarbeiter ist Jupiter der Wettergott, jedoch sind die einzelnen Funktionen des Wetters wieder abgespaltet. Jupiter Veiovis ist zum Beispiel der Gott des Wetters, das man sich erhofft, sich aber nicht erfüllt hat. Jupiter Fulgur ist für Blitze verantwortlich, während Jupiter Pluvalis der Gott ist, welcher es regnen lässt. Jupiter Serenus war der Gott, welcher den Himmel auflichtete und Sonnenschein schickte. Eine besondere Stellung nahm jedoch Jupiter Optimus Maximus ein, denn dieser war der Haupt- und Staatsgott. Optimus Maximus bedeutete „der Beste und Größte“. Er wurde so genannt, weil er unter etruskischem Einfluss Mars als obersten Gott der Römer abgelöst hatte.

Unter den Eigenschaften, welche man in Rom mit Jupiter verband, muss man auch an die kriegerischen denken. Jupiter wurde im ganzen Imperium neben Mars als eigentlicher Entscheider der Schlachten und Gott des Sieges verehrt. Die wichtigsten Kulte kriegerischer Jupiter sind die des Jupiter Stator, Jupiter Feretrius und des Jupiter Victo. Im Kult um den Gott Jupiter war der Lorbeerkranz ein Zeichen des Siegers. Er war bei der Rückkehr von Feldherren nach Rom Zeichen des militärischen Siegers (Corona triumphalis), während die Führer von Heeren, die einen weniger bedeutenden Erfolg erlangt hatten, sich bei einer ovatio mit einem Myrtenkranz begnügen mussten.

Die Inschrift identifiziert den Münzmeister des Denar Quintus Caecilius Metellus Pius Scipio (Q METEL PIVS).

Revers:
Zu sehen ist ein Elefant der nach rechts schreitet. Die Inschrift lautet SCIPIO IMP.

Lucius Caecilius Metellus besiegte als Konsul auf Sizilien den karthagischen Feldherrn Hasdrubal, der ihn in Panormus angegriffen hatte. Für seinen Sieg gegen die Karthager wurde er mit einem Triumphzug geehrt. Die bei seinem Sieg erbeuteten Elefanten ließ er 250 v.Chr. in Rom beim Triumphzug vorführen. Die Elefanten galten seitdem als Symbol und somit „Familienwappen“ der Gens Caecilii Metelli.

Die Inschrift bezieht sich nicht nur auf seinen eigenen Namen Scipio (SCIPIO), sondern soll auch hier bewusst einen Bezug zu den in Afrika militärisch erfolgreichen Scipionen herstellen. Den Titel Imperator (IMP) trägt Metellus Scipio seit seiner Feldzüge als Prokonsul von Syrien gegen die Parther.

Hintergrund:
Metellus Scipio wurde gegen 100 v.Chr. eigentlich als Publius Cornelius Scipio Nasica geboren. Der Großvater war 111 v.Chr. Konsul. Seine leibliche Mutter war Licinia, eine Tochter des Lucius Licinius Crassus (Konsul im Jahr 95 v.Chr.). Sein gleichnamiger Vater starb etwa 93 v.Chr. kurz nach seiner Amtszeit als Prätor. Er hinterließ neben Metellus Scipio noch einen weiteren Sohn und zwei Töchter. Durch das Testament von Quintus Caecilius Metellus Pius (Pontifex Maximus und Konsul des Jahres 80 v.Chr.) wurde er formell von diesem adoptiert und nahm dessen Namen an. Er wurde Metellus Scipio genannt, aber manchmal auch nur Scipio. Die offizielle Form seines Namens war laut einem Senatsbeschluss: Q. Caecilius Q. f. Fab. Metellus Scipio.

Als Mitglied der Familie der Caecilii Metelli bzw. der Scipionen gehörte er der obersten Gesellschaftsschicht Roms an. Trotz seiner adeligen Abstammung und seiner starken Familienbande wurde Quintus Caecilius Metellus Pius Scipio von seinen Zeitgenossen im Allgemeinen verabscheut.

Metellus Scipio trat im Jahr 70 v.Chr. erstmals in der Öffentlichkeit hervor, als er einer der Verteidiger war, die dem des Amtsmissbrauchs angeklagten ehemaligen Provinzstatthalter Verres gegen Cicero zur Seite standen. Im Jahr 63 v.Chr. warnte er den in diesem Jahr als Konsul amtierenden Cicero vor einem geplanten Attentat (Catilinarischen Verschwörung). Cicero seinerseits verteidigte ihn, als er das Amt des Volkstribuns 59 v.Chr. innehatte. Er war möglicherweise im Jahr 57 v.Chr. kurulischer Ädil und 55 v.Chr. Prätor. Im Jahr 53 v.Chr. war er mit Marcus Valerius Messalla interrex und 52 v.Chr. dann für die letzten 5 Monate des Jahres Konsul, nachdem Pompeius dieses Doppelamt zunächst allein ausführte. Metellus Scipio war inzwischen der Schwiegervater des Pompeius, da dieser seine Tochter Cornelia Metella geheiratet hatte.

Ab ca. 51 v.Chr. bezog Metellus Scipio öffentlich deutlich Stellung gegen Gaius Iulius Caesar. Er brachte 49 v.Chr. den Senat dazu ein Gesetz und Ultimatum zu verabschieden, welches Caesar zwingen sollte sein Kommando in Gallien aufzugeben und seine Legionen dabei aufzulösen. Der Rest ist bekannt, Caesar sammelte seine Truppen, marschierte über den Rubikon und damit auf Rom zu. Pompeius, Cato, Metellus Scipio und weitere Gegner Caesars setzten sich Richtung Osten aus der Hauptstadt ab.

Scipio übernahm die von Pompeius zuvor versprochene Statthalterschaft in Syrien und wurde so Prokonsul der Provinz. Hier bezog hier Winterquartier und sammelte mit harter Hand und oft mit gewaltsamen Mitteln Schiffe, Truppen und Geld für die Sache der Republikaner. Er erhob zum Beispiel eine Pro-Kopf-Steuer auf Skalven und Kinder. Er besteuerte Säulen, Türen, Getreide, Soldaten, Waffen und Ruderer – sein Einfallsreichtum war groß, wenn sich damit genügend Geld herauspressen ließ. So schaffte er es zwei Legionen zu rekrutieren. In Syrien kämpfte er gegen die Parther und nahm dabei den Titel Imperator an.

Im Jahr 48 v.Chr. marschierte er mit seinen Legionen von Asien zu Pompeius nach Griechenland. Dort angekommen stritt er sich sogleich mit Domitius Ahenobarbus und Lentulus Spinther um das Amt des Pontifex Maximus für die Zeit nach einem Sieg gegen Caesar. In der Schlacht von Pharsalos kommandierte Metellus Scipio das Zentrum der Pompeianischen Armee. Nach der Niederlage Pompeius gegen Caesar floh er mit den anderen verbliebenen Republikanern nach Nordafrika.

Dort bemühte sich Cato um die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse und eine klare Kommandostruktur. Ein Teil der namhaften Republikaner wünschte sich ihn als alleinigen Oberbefehlshaber. Dieser Vorschlag fand einigen Anklang, doch Metellus Scipio lehnte ihn ab. Scipio war nur zu einer Teilung des Kommandos bereit. Er war seit langem mit Cato persönlich verfeindet. Schon im Streit um die Verlobung mit Lepida war er sein Rivale gewesen, später hatte er sich als sein politischer Gegner hervorgetan und eine Schmähschrift gegen ihn verfasst. Diesmal vermied Cato einen Konflikt. Er entschied sich, Scipio den ausschließlichen Oberbefehl zu überlassen.

Zur Begründung dieser folgenschweren, später oft kritisierten Entscheidung gab er an, dass Scipio als Konsular der ranghöchste unter den anwesenden Republikanern sei. Ob sich Cato tatsächlich von diesem formalen Gesichtspunkt leiten ließ, ist in der Forschung umstritten. Möglicherweise gaben andere Überlegungen den Ausschlag. Die Idee eines gemeinsamen Oberkommandos zweier alter Feinde war problematisch. Außerdem war Cato, wie schon zu Beginn des Bürgerkriegs, von der Notwendigkeit einer zentralen Leitung der Kriegführung überzeugt. Somit hätte er sich in einem Machtkampf gegen Scipio durchsetzen müssen. Offener Streit im republikanischen Lager konnte aber eskalieren, und dies war angesichts der schwierigen militärischen Lage riskant.

Die nachfolgende Schlacht bei Thapsus am 6. April 46 v.Chr. führte Metellus Scipio laut antiken Quellen „ohne Geschick oder Erfolg“ und endete für ihn und die Republikaner mit einer schweren Niederlage. Metellus Scipios Truppen waren auf ganzer Linie unterlegen. Die Kriegselefanten flohen vor dem Beschuss der caesarischen Bogenschützen und töteten die eigenen Soldaten. Nach dem Bellum Africum ritt Caesar selbst in der ersten Reihe und rief Felicitas, die Glücksgöttin, an. Nach Plutarch nahm Caesar allerdings nicht an der Schlacht teil, weil ihn ein Epilepsieanfall daran hinderte.

Als Metellus Scipios Armee besiegt war, wandte sich Caesar dem mit Scipio verbündeten Juba I. von Numidien und Lucius Afranius zu und vernichtete sie ebenfalls. Der Sieg war vollständig und Caesars Truppen töteten viele der fliehenden Soldaten. Marcus Porcius Cato der Jüngere beging wenig später Selbstmord, da er lieber sterben wollte, statt sein Leben der Gnade Caesars zu verdanken. Metellus Scipio jedoch gelang erneut die Flucht und versuchte auf die iberische Halbinsel zu kommen, um dort den Kampf weiterzuführen. Er wurde jedoch von der Flotte des Publius Sittius in die Enge getrieben. Scipio beging darauf bei Hippo Regius Selbstmord, um nicht in die Hände seiner Feinde zu fallen.

Metellus Scipio prägte den hier abgebildeten Denar während seiner Kommandantur und Aufenthalt in Afrika nach der Schlacht von Pharsalos. Die geprägten Münzen dienten einerseits zur Besoldung der Soldaten, andererseits aber auch als Propaganda und Stärkung des Siegeswillen, der nach der Niederlage von Pharsalos verbliebenen dezimierten und moralisch angeschlagenen Truppen der Republikaner.

Die Vorderseite symbolisiert Jupiter, den Entscheider der Schlachten und Gott des Sieges. Wir werden siegreich sein, lautet die Botschaft durch den abgebildeten Lorbeerkranz auf dessen Kopf. Dies darf als Versprechen im Kampf gegen Caesars Truppen in Afrika verstanden werden.

Die Rückseite erinnert an die ruhmreichen militärischen Erfolge der Gens Caecilii Metelli und Scipionen (Abbildung des Elefanten) und sollen so seine Fähigkeiten als Kommandanten und Heerführer bestätigen. Dies wird noch untermauert durch die Inschrift und Titulierung SCIPIO IMP, welche auf seine militärischen Erfolge gegen die Parther in Syrien hinweisen sollen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 21.11.21 14:48

So und dann noch heute die letzte Münze - und damit sind auch alle Münzen der Auktion Tauler & Fau vorgestellt. Ihr könnt aufatmen - ich muss erst mal warten bis die nächsten Münzen aus den letzten Auktionen hier eintreffen ;)

Dann hier also das letzte Stück - ebenso wie der Denar des Pedanius Costa https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... sta-m0012/ ist auch der Denar des Publius Cornelius Lentulus Spinther ein absolutes Sahnestück - und beide gehören aktuell zu den "Aushängeschildern" der Sammlung.

Hier gibt es wieder das Original (und den Text kopiere ich hier auch gleich rein):
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... her-m0013/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 21.11.21 14:51

denar_cornelius_lentulus_spinther_m0013.jpg



Münze:
Publius Cornelius Lentulus Spinther 43/42 v.Chr. für Gaius Cassius Longinus und Marcus Iunius Brutus
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18,2mm
Gewicht: 3,87g
Münzstätte: Smyrna, Feldmünzstätte
Erhaltung: EF
Rare: R
Provenienz: Tauler & Fau, Spanien, 02.11.2021 (Ex Poinssot Sammlung 1879-1967)
Referenz: Crawford 500/3

Avers:
Zu sehen ist der Diadem besetzte Kopf der Libertas nach rechts blickend. Die Inschrift lautet C CASSI IMP LEIBERTAS.

Libertas stellt in der römischen Welt den personifizierten Begriff der Freiheit dar. Ursprünglich war sie neben Civitas (Bürgerrecht) und Familia (Familienstand) Voraussetzung für die persönliche Rechtsfähigkeit des römischen Bürgers. Verlor der Bürger die „Freiheit“, etwa durch Kriegsgefangenschaft oder durch Todesurteil, erlitt er damit eine capitis deminutio maxima (größte Personenstandsänderung). Er wurde zum Sklaven erniedrigt und fortan als Sache betrachtet.

Libertas ist ein Sinnbild für die republikanische Staatsform und damit gegen jegliches Streben nach Alleinherrschaft und tyrannischer Diktatur, gegen regnus, dictatura, tyrannis und dominatio. So steht Libertas auf der hier geprägten Münze als Personifikation der Freiheit, als Verkörperung der persönlichen Freiheit des römischen Bürgers.

Die Inschrift identifiziert Libertas nicht über LIBERTAS, sondern über die alte Schreibweise LEIBERTAS und spannt so einen Bogen zur alten ehrwürdigen römischen Republik. Ebenso identifiziert die Inschrift den Prägeherren Gaius Cassius mit C CASSI und legitimiert sein militärisches Handeln und Vorgehen als Imperator IMP der regulären römischen Republik.

Revers:
Zu sehen sind die Insignien kultischer Amtsträger, eine Sitella (Opferkanne) und ein Lituus (Krummstab). Die Inschrift lautet LENTVLVS SPINT.

Der Lituus (Krummstab) waren bei den Etruskern und den Römern Insignie kultischer und politischer Amtsträger. Er wurde meist aus Holz, aber auch aus Metall gefertigt. Seinen Ursprung hatte der Lituus wahrscheinlich bei den Etruskern von einem Hirtenstab abgeleitet. In Rom war der Lituus ursprünglich die Amtsinsignie der Könige, bedeutender ist jedoch seine kultische Funktion, er war Kultgegenstand und Insignie der Auguren. Von ihnen wurde der Lituus als Bezeichnung der Himmelsregionen beziehungsweise des templum benutzt. Von großer Bedeutung ist der Stab auch aus mythologischer Sicht, weil der Legende nach Romulus damit die einzelnen Regionen der Stadt Rom festlegte. Eine Anmerkung nebenbei, der heutige Krummstab als eines der Amtsinsignien eines Bischofs der römisch-katholischen Kirche geht ebenfalls auf den Lituus zurück.

Der Lituus war aber auch ein Zeichen der imperatorischen Macht. Lucius Cornelius Sulla ließ 84 v.Chr. erstmals Krug und Lituus vereint mit militärischen Trophäen auf einem Aureus (RRC 359/1) und einem Silberdenar (RRC 359/2) abbilden. Die Inschriften dieser beiden Münzen identifizieren Sulla als Imperator. Krug und Lituus beziehen sich so als Opfer, Gelübde und Schirmherrschaft und legitimieren die militärische Machtausübung.

Der Münzmeister Publius Cornelius Lentulus Spinther wird durch die Nennung seines Namens LENTVLVS SPINT identifiziert. Der abgebildeten religiösen Insignien Krug und Stab weißen ihn als Augur aus.

Hintergrund:
Publius Cornelius Lentulus Spinther war der Sohn des gleichnamigen Konsuls des Jahres 57 v.Chr. Sein Vater, welcher den Namenszusatz Spinther wohl aufgrund der Ähnlichkeit mit einem damals berühmten Schauspieler erhalten hatte, war später ein Parteigänger des Gnaeus Pompeius und stellte sich gegen Caesar. Vor der Schlacht von Pharsalos stritt er sich mit Lucius Domitius Ahenobarbus und Quintus Caecilius Metellus Pius Scipio um das Amt des Pontifex Maximus für die Zeit nach dem Sieg gegen Caesar. Nach der verlorenen Schlacht von Pharsalos flüchtete er, fiel Caesar jedoch schließlich in die Hände und wurde getötet.

Lentulus Spinther empfing unter dem Consulat seines Vaters 57 v.Chr. die Toga virilis und wurde damals unter die Auguren aufgenommen. Da bereits Faustus Sulla diesem Kollegium angehörte und da nicht zwei Mitglieder derselben Gens gleichzeitig darin sein durften, wurde Spinther zum Schein einem Manlius Torquatus in Adoption gegeben. An dem üppigen Festmahl, das die Auguren zu Ehren ihres neuen Genossen abhielten, nahm auch Marcus Tullius Cicero teil. Im Anfang des folgenden Jahres, als sein Vater bereits in Kilikien war, weilte Lentulus noch in Rom und legte Trauer an, weil der Volkstribun Cato beantragt hatte, ihm seine Provinz wieder zu nehmen.

Über seine Teilnahme am Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius ist nichts bekannt, im Gegensatz zu seinem anfangs erwähnten Vater. Einzig die Scheidung von seiner damaligen Gattin Caecilia Metella sorgte in der Zeit für öffentliche Aufregung. Er ließ sich 45 v.Chr. von ihr scheiden. Sie soll sehr ausschweifend gelebt haben und die Geliebte von Publius Cornelius Dolabella gewesen sein.

Lentulus Spinther war während dem Bürgerkrieg wohl kein offener Gegner Caesars. Dennoch schloss er sich den Caesarmördern an. Als die Verschwörer das Kapitol besetzten „da eilte Spinther herbei, um sich ihnen anzuschließen und rühmte sich, als ob er Teil an der blutigen Tat gehabt habe“, so die antiken Quellen. Im Jahr 44 v.Chr. begann er den Cursus honorum als Quästor. Im nachfolgenden Jahr 43 v.Chr. wurde er als Proquästor (pro praetore, in Vertretung eines Prätors) in die Provinz Asia gesendet.

Unterwegs erfuhr er, dass Dolabella in den lykischen Gewässern eine Flotte sammelte und wandte sich dorthin. Er beklagt sich bitter über Rhodos, das ihm den Beistand gegen jenen versagte, und rechnet es sich zum Verdienst an, Asien für die Partei des Senats und der Caesarmörder gewonnen zu haben und den Cassius so wirksam unterstützt zu haben, dass ihm, Lentulus Spinther, auch der Gewinn Syriens zu danken sei. Damals schlug er auch Münzen zur Ehrung und Verherrlichung des Brutus und Cassius und der neuen Freiheit.

Nachdem Dolabella von Cassius besiegt und getötet worden und Brutus in Asien eingetroffen war, war das selbständige Kommando des Lentulus Spinther zu Ende. Im Jahr 43/42 v. Chr. diente er dann als Legat unter Gaius Cassius Longinus und war an den militärischen Unternehmungen gegen Myra und Rhodos beteiligt. An letztere konnte er dann so Rache nehmen. Publius Cornelius Lentulus Spinther fand nach der Schlacht von Philippi, genauso wie Cassius und Brutus, den Tod.

Gaius Cassius Longinus (Prätor des Jahres 44 v.Chr) stellte sich bei Ausbruch des Bürgerkrieges zunächst auf die Seite des Pompeius, wurde 47 v.Chr. von Caesar jedoch begnadigt, aber politisch praktisch kaltgestellt. Cassius galt er als einer der führenden Köpfe bei der Verschwörung gegen Gaius Iulius Caesar, ebenso wie Marcus Iunius Brutus. Trat aber recht bald gegenüber Brutus in den Hintergrund. Der Untergang der Republik als Staatsform konnte durch den Mord an Caesar 44 v.Chr. jedoch nicht verhindert werden. Die Attentäter wurden zwar begnadigt, mussten jedoch Rom verlassen.

Cassius und Brutus begaben getrennt nach Asien. Sie benötigten dringend Gelder zur Finanzierung des bevorstehenden Konfliktes gegen die vereinten Truppen der Caesarianer. In Rom hatte sich inzwischen 43 v.Chr. mit der Bildung des zweiten Triumvirats die politische Lage grundlegend geändert. Die Caesarmörder wurden verurteilt, der Krieg gegen sie vorbereitet.

Cassius bemächtigte sich eigenmächtig der Provinz Syrien, die er gegen militärischen Widerstand halten konnte. In Smyrna trafen sich Cassius und Brutus. Laut Plutarch war die Zusammenarbeit zwischen beiden damals unerträglich geworden.

„Wie es bei großen Unternehmen, an denen eine große Anzahl von Freunden und Kommandanten beteiligt ist, oft vorkommt, gab es einige Meinungsverschiedenheiten und gegenseitige Anschuldigungen wurden ausgetauscht. Daher bestand ihre erste Aktion darin, sich in einem Raum von Angesicht zu Angesicht zu begeben. Die Türen wurden geschlossen, und da niemand mehr anwesend war, begannen sich die beiden großen Männer gegenseitig die Schuld zu geben. Dann gingen sie zu Vorwürfen und Anschuldigungen über. Dies führte bald zu empörten Vorwürfen und Tränen. Ihre Freunde, über die Vehemenz und Bitterkeit ihres Zorns, befürchteten das der Streit in Gewalt ausarten würde“.

Cassius war wohl ein Mann von heftigen und unkontrollierten Leidenschaften, der von seinen Soldaten, die er aus Angst befehligte, nicht gemocht wurde. Er kämpfte für persönliche Interessen, nicht für die Freiheit Roms. Daher muss er Brutus Popularität, die von den Truppen geschätzt, von seinen Freunden geliebt und vom Adel für seine Tugenden bewundert wurde, immer ärgerlicher empfunden haben. Selbst die Feinde Brutus fanden es unmöglich, ihn zu hassen.

Auch Publius Cornelius Lentulus Spinther war während des Attentats auf Caesar in Rom, bekannte sich offen zu den Caesarmördern und schloß sich Cassius an, dem er 43/ 42 v.Chr. in Syrien und später in Griechenland als Legat diente. In diese Zeit fällt auch die umfangreiche Prägung von Denaren und Aurei in einer kleinasiatischen Münzstätte des Cassius durch den zuständigen Spinther im Namen beider Caesarmörder (wohl Frühjahr 42 v. Chr.).

In Bedrängnis geraten, versuchten Brutus und Cassius, getrennt voneinander, ein Heer aufzustellen und Geld einzutreiben. Nach ihrem Treffen in Smyrna unternahmen beide kleinere Feldzüge gegen Städte in Südasien, welche ihren Feinden geholfen hatten. Am Ende waren sowohl Brutus als auch Cassius ungeheuer reich.

Beide besaßen kein Amt und damit keinen Rechtstitel für ihr Vorgehen. Sie nannten sich daher Imperator, wie die vorliegende Münze für Cassius zeigt, und beanspruchten für sich durch den ihnen vom Heer im Frühjahr 42 v.Chr. verliehenen Siegertitel damit den Status als ordentliche Befehlshaber.

Lentulus Spinther führt dabei auf der Rückseite der Münze nur sein Amt als Augur an. Allerdings dürfen die abgebildeten Insignien auch als Rechtfertigung und Legitimierung der militärischen Machtausübung gedeutet werden (siehe Münzen des Sulla). Ebenso als Opfer, Gelübde und Schirmherrschaft für die Sache der Republikaner gegen das neu gebildete Triumvirat.

Eine weitere Deutung ist ein Versuch des Cassius und Brutus den Schein der Normalität zu vermitteln. Cassius übt legitim formell sein Amt als republikanischer Imperator aus, Lentulus Spinter sein Amt als Augur. So soll ihr Regime als normale Ausübung des republikanischen politischen Lebens erscheinen und nicht als militärische Notsituation.

Die eigentliche Begründung für den Widerstand gegen die Caesarianer verdeutlicht allerdings das Bild auf dem Avers der Münze – der Libertas, der Göttin der Freiheit. Sie symbolisiert nicht nur die Berechtigung des Mordes an Caesar, sondern rechtfertigt auch die Mörder, welche in den Diensten der republikanischen Freiheit gehandelt haben.

Ein sehr interessantes Detail sind die zeitlich verschiedenen Libertas Darstellungen dieser Münzreihe. Die hier dargestellt Libertas (RRC 500/3) zeigt den unbedeckten Kopf der Libertas. Eine spätere Darstellung (RRC 500/5) zeigt den verschleierten Kopf der Libertas. Über die genauen Hintergründe dieses Wechsels in der Darstellung werde ich noch etwas recherchieren.

spinther-cassius-avers.jpg
Libertas mit Trauerschleier RRC 500/5


Im Herbst 42 v.Chr. fiel in der Doppelschlacht von Philippi in Nordgriechenland die Entscheidung zwischen den Triumvirn und den Caesarmördern, letztere verloren die Schlacht. Erst nahm sich Cassius das Leben, wohl aufgrund der falschen Nachricht, Brutus hätte eine Niederlage erlitten. Am zweiten Tag fand dann auch Brutus Leben ein Ende. Über Lentulus Spinther weiß man von Plutarch und Appian, dass er seinen Feldherren bald danach in den Tod gefolgt sein soll.
Zuletzt geändert von Timestheus am Mo 22.11.21 12:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Lucius Aelius » So 21.11.21 19:57

Tolle Münze in super Erhaltung 😳👍, gratuliere!

Allerdings glaube ich nicht an einen Zusammenhang zwischen verschleiert und Trauer.
Vesta (63 n.Chr.) oder Concordia (42 n.Chr.) wurden bspw. auch verschleiert abgebildet.
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » So 21.11.21 20:26

Ja, schöne Münze ;-)

Ich stelle mir gerade vor wie Caesar 42 v.Chr. jemanden gefangen nimmt und tötet. Die Gegner müssen sich mehr als erschrocken haben.. ;-)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von shanxi » So 21.11.21 20:28

jschmit hat geschrieben:
So 21.11.21 20:26
Ich stelle mir gerade vor wie Caesar 42 v.Chr. jemanden gefangen nimmt und tötet. Die Gegner müssen sich mehr als erschrocken haben.. ;-)
Zombiiiiiiie

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » So 21.11.21 20:30

War Jesus vielleicht doch nicht der Erste? ;-)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von shanxi » So 21.11.21 20:31

jschmit hat geschrieben:
So 21.11.21 20:30
War Jesus vielleicht doch nicht der Erste?
Jesus war ein Zombie 8O Das wusste ich nicht.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » So 21.11.21 21:05

Lucius Aelius hat geschrieben:
So 21.11.21 19:57
Allerdings glaube ich nicht an einen Zusammenhang zwischen verschleiert und Trauer.
Vesta (63 n.Chr.) oder Concordia (42 n.Chr.) wurden bspw. auch verschleiert abgebildet.
Ich auch nicht.

Und es gibt noch ein sehr wichtiges Indiz:

Der Schleier (lat.: flammeum) wurde auch bei der römischen Hochzeit getragen. Das allerdings weniger als Zeichen der Unschuld oder Reinheit, sondern er galt, wie Festus berichtet, als gutes Vorzeichen.

Und genau in diese Ecke würde ich auch die Bedeutung der verschleierten Concordia auf der Münze stellen.
Timestheus hat geschrieben:
So 21.11.21 14:51
Ein sehr interessantes Detail sind die zeitlich verschiedenen Libertas Darstellungen dieser Münzreihe. Die hier dargestellt Libertas (RRC 500/3) zeigt den unbedeckten Kopf der Libertas. Eine spätere Darstellung (RRC 500/5) zeigt den verschleierten Kopf der Libertas. Dazu muss man wissen, dass Monate zuvor das Bildnis Caesars auf seinen Münzen das gleiche Schicksal ereilt hatte. Der unbedeckte Kopf Caesars wurde nach seinem Tod durch einen verschleierten Kopf betrauert.
Übrigens, der Schleier des Caesar auf seinen Münzen ist kein Trauerschleier, sondern ein Hinweis auf sein Amt als Pontifex Maximus. :idea:

Grüsse
Rainer
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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