Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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andi89
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von andi89 » Mo 06.12.21 18:27

Timestheus hat geschrieben:
So 05.12.21 23:58

Ich wollte den Octavian für meine Republikaner - aber ist dann auf 850 Euro hoch...
https://www.biddr.com/auctions/numismat ... &l=2333778
Rein von meinem Gefühl her (also ohne nach Preisen recherchiert zu haben) finde ich den Preis aber schon noch angemessen. Die Rückseite ist sehr hübsch und auf der Vorderseite sind die Haare halt etwas arg flach, was aber in der Summe nichts vom angenehmen und schönen Eindruck des Portraits nimmt.
Bin ich mit meiner Preiseinschätzung bei dem Stück ganz alleine?

Beste Grüße
Andreas
"...nam idem velle atque idem nolle, ea demum perniciosa amicitia est." (frei nach C. Sallustius Crispus)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 06.12.21 20:20

Der zweite Denar, welcher heute im Paket schlummerte, ist ein historisch ganz besonderer. Der erste Denar der römischen Republik, welcher die Inschrift EX A PV erhielt und aus den entsprechenden Gründen der "Not" geschlagen wurde. Und das Ganze noch von einem römischen Statthalter, welcher in Afrika in seiner Amtsstube bei lebendigem Leib verbrannte. Da ist alles dabei.

PS: Ach so - und statt einer Fliege - diesmal ein Storch - von dem ich noch keine Ahnung habe, was der unter der Biga macht.
Zuletzt geändert von Timestheus am Mo 06.12.21 20:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 06.12.21 20:24

m0036_rrc_silber_denar_gaius_fabius_hadrianus.jpg


Münze:
Gaius Fabius G. f. Hadrianus 102 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 19mm
Gewicht: 3,86g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF+
Rare: –
Provenienz: Palaio Dr. Gernot Heinrich, Bad Reichenhall, 06.12.2021
Referenz: Crawford RRC 322/1a

Avers:
Zu sehen ist der Verschleierter und gekrönter Kopf der Kybele nach rechts. Die Inschrift lautet EX A PV.

Im 7./6.Jh.v.Chr. hatte sich der Kybelekult nicht nur im gesamten östlichen Mittelmeer verbreitet, sondern war auch nach Südrussland zu den Skythen vorgedrungen. Man verehrte die Göttin in Palästina und Nordafrika und mit dem phönizischen Handel erreichte sie sämtliche europäische Küsten bis nach Britannien sowie entlang der Flüsse Rhein und Donau – wenn auch weniger intensiv – das Innere des Kontinents. In diese griechische Expansionsphase fiel auch die Ausbildung des Kybelekults als Mysterienreligion.

Trotz oder vielleicht sogar wegen ihrer ungezügelten Kultformen begann man sich in den Städten des 5.Jh.v.Chr. immer mehr für Kybele zu interessieren und verwob sie mit bestehenden Mythen. Diese sollten nicht nur die Anhänger begeistern, sondern auch die urtümlich eigenartigen Rituale erklären. Als religiöses Zentrum entwickelte sich so in Pessinus ein Geheimkult um Kybele mit besonderen Reinigungsritualen und Kultmahlzeiten rund um einen kleinen schwarzen Meteoriten, in dem man die Göttin repräsentiert sah. Den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung stellte die Errichtung eines eigenen Tempels für den heiligen Stein durch König Attalos Soter von Pergamon in der 2.Hälfte des 3.Jh.v.Chr. dar. Dabei zeigte sich als wie mächtig der Kult angesehen wurde, dass der König von Pergamon den Hauptort unter seine Kontrolle brachte.

Obwohl durch fremde Händler bereits latent vorhanden, machte man in Rom erstmals im Jahre 205 v.Chr. offiziell Bekanntschaft mit Kybele im Rahmen einer Entsühnungsaktion, da man infolge des Zweiten Punischen Krieges dachte, die Harmonie zwischen den Göttern und der Menschen Welt sei aus den Fugen geraten. Die Motivation lieferte folgend ein Spruch der Sybillinischen Bücher, wonach den Römern eine „Mutter“ fehlte. Ratlos ob dieses Orakelspruches wandte sich eine Delegation des Senats an das Orakel von Delphi, welches nicht nur für die Weissagung, sondern auch für die Interpretation berühmt war. Dort erfuhr man von der Mater Deum Magna Idae (Große Mutter der Idäischen Berge) in Phrygien und man beschloss umgehend die Kultgegenstände vom Heiligtum Pessinus nach Rom zu überführen. Nach der Einführung des Kultes in Rom begann man eine geeignete Kultstatue aus Silber zu schaffen, während man den Kultstein in den Tempel der Victoria am Palatinhügel brachte. Die Einweihung der Statue in eigenem Tempel in der Südwestecke des Palatin erfolgte jedoch erst 191 v.Chr. 111 v.Chr. und 3 n.Chr. fielen weite Teile der Anlage einem Brand zum Opfer und Kaiser Augustus ließ den Tempel im Rahmen seines großangelegten baulichen Erneuerungsprogramms für Rom von Grund auf renovieren und demonstrierte damit seine Verbundenheit mit Aeneas.

Die Eingliederung in das römische Pantheon fiel indes sehr leicht, da man in ihr die Schutzpatronin der Vorfahren in Troja sah. Aus diesem Grund wurde sie von zahlreichen bekannten Schriftstellern (Catull, Lukrez, Ovid) respektvoll erwähnt, aber auch sogleich mit anderen Göttinnen gleichgesetzt, wie der griechischen Rhea, der römischen Tellus oder der Ops. Vom Namen her sprach man in der Antike stets von der Mater Magna (nie umgekehrt! – was vielleicht religiöse Gründe hatte), seltener von der Mater Idaea oder der Mater deum (deorum). Nach dem durch die Göttin unterstützten Sieg über Karthago avancierte Kybele zu einem Fixpunkt im offiziellen Festkalender der Republik. Alljährlich fanden seit 204 v.Chr. zu ihren Ehren vom 4. bis 10. April die ludi Megalenses statt. Eigentlich wäre für Mater Magna der Spielname Matralia logisch gewesen, doch war dies bereits die Bezeichnung für die Spiele der Mater Matuta, sodass man auf die Megalesia in Pergamon zurückgriff.

Durch die Feldzüge im Osten machten immer mehr Römer Bekanntschaft mit orgiastischen Kulten. Ein Beispiel hierfür ist die Göttin Ma – eigentlich nur eine andere Form der Kybele -, welche im kappadokischen Komana heimisch war. Man setzte diese Göttin des Kampfes und der wilden Natur mit der römischen Bellona gleich. Ihre Anhänger – man nannte sie fanatici – betäubten sich mit Musik und Tanz, um sich dann mit rituellen Waffen Wunden zuzufügen und das dabei gewonne Blut der Göttin geopfert. Dieser tranceartige Zustand wurde auch für Orakelsprüche genutzt. In Rom wurde die Nähe zum Kybelekult erkannt und sie als dea pedisequa (dienende Göttin; von lat. pedisequus für „auf dem Fuss folgend“) eingeführt. Doch nicht nur die Legionäre, auch Politiker gerieten in den Sog der orientalischen Religionen. Sulla etwa erschien die Göttin Ma im Jahre 88 v.Chr. während seines Konsulats im Traum und er nahm dies als gutes Omen für den Kampf gegen seine Feinde. Damit wurden die zu Ehren der Kybele abgehaltenen Spiele immer wichtiger (Quelle: http://www.imperiumromanum.com/religion ... ele_01.htm).

Ein interessantes Detail dieses Denars ist die Inschrift EX A PV – gleichbedeutend mit „EX Argento PVblico“ (aus öffentlichem Silber geschlagen). Dies ist der erste Denartyp der römischen Republik , welcher unter diesen Umständen geprägt und mit dieser Inschrift versehen wurde.

Da dieser Denar sowohl mit, als auch ohne diesem Vermerk geprägt wurde, dienten Denare mit EX A PV wohl der Bezahlung der Truppen im Krieg gegen die Germanen und Kimbern. Dazu mehr im Bereich „Hintergrund“.

Revers:
Zu sehen ist Victoria in einer Biga nach rechts fahrend. Darunter ist ein Storch abgebildet. Die Inschrift lautet C FABI CF.

Die Ursprünge des häufigsten Rückseitenmotivs der republikanischen Münzprägung finden sich nicht in Rom, sondern in den griechischen Städten Siziliens. In Qualität und Ästhetik waren die dort ausgegebenen Münzen den römischen weit überlegen, weshalb die für die Prägungen zuständigen Beamten in Rom gerne griechische Bildmotive entlehnten, auch wenn diese dabei ihre konkrete Bedeutung verloren. Die geflügelte Siegesgöttin verkündet als griechische Nike in der Münzprägung von Städten wie Syrakus und Selinunt den Sieg im Wagenrennen bei einem der großen griechischen Wettkämpfe, als römische Victoria auf dem eilenden Zweigespann verbildlicht sie auf allgemeine Weise den schnellen militärischen Sieg des Heeres (Quelle: Sonja Kitzberger). Auch auf dem Denar des Münzmeisters Publius Maenius Antiaticus ist diese damals beliebte und häufig auftretende Symbolik der Victoria abgebildet.

Lorbeer Kranz und Palmenzweig sind die typischen Attribute der Victoria, welche die ursprünglichen Siegestrophäen bei der griechischen Palästra und den panhellenischen Spielen waren. Beides wurde im römischen Sinne assimiliert und ausgeweitet. Kranz und Palmenzweig konnte jemand auch für sich reklamieren, welcher viele ehrenvolle Taten und Siege im militärischen Sinne vollbracht hatte. Zudem ist Victoria ein geflügeltes Wesen, welches die Flüchtigkeit und Nähe von Sieg und Niederlage symbolisiert. In der römischen Siegessymbolik war es Victoria, welche die Früchte des Erfolges überreichte.

Zeitgleich mit dem ersten Venustempel, wurde im 3 Jahrhundert v.Chr. auf dem Palatin der erste Victoriatempel errichtet. Die Einweihung des ersten Tempels erfolgte am 01. August 294 v.Chr. durch den Konsul Lucius Posumius Megellus, ein zweiter Tempel wurde am 01. August 193 v.Chr. durch Marcus Porcius Cato eingeweiht. Archäologische Grabungen konnten den ersten Tempel „aedes Victoriae“ (Victoriatempel) schräg der Magna Mater lokalisieren. Während dem zweiten Punischen Krieg wurde der Meteor von Pessinus im Victoriatempel aufbewahrt.

Da Victoria keine eigentliche Göttin darstellt – sondern eine römische Personifikation des Sieges und günstigen Erfolges – konnte sie den traditionellen Gottheiten beigegeben werden und erhielt dadurch eine zusätzliche Aufwertung. Victoria besaß dabei von Anbeginn eine militärische Komponente. Abgebildet wird Victoria immer geflügelt, oft mit Kugel, Kranz, Palmzweig, Schiffsbug, Schild, Siegestrophäe.

Dieser Denar ist wahrscheinlich auf die Siege gegen die Germanen und Kimber in den Feldzügen zwischen 113-101 v.Chr. bezogen. Mehr dazu im unteren Bereich „Hintergrund“.

Die Inschrift C FABI CF identifiziert den Münzmeister Gaius Fabius G. f. Hadrianus.

Hintergrund:
Über die frühe Karriere des Hadrianus ist so gut wie nichts bekannt. Er wurde mit dem C. Fabius Hadrianus identifiziert, der 102 v.Chr. Münzmeister war. Mehrere Beispiele seiner Münzen sind bekannt. Gaius Fabius Hadrianus war 84 v.Chr. Prätor und 83–82 v.Chr. Statthalter der römischen Provinz Afrika. Er ist vor allem durch die aufsehenerregenden Umstände seines Todes bekannt. Bei einem Aufstand wurde das Prätorium des Statthalters in Brand gesteckt und Hadrianus bei lebendigem Leib verbrannt.

Nach seiner Prätorenschaft im Jahr 84 v.Chr. verdrängte Hadrianus Metellus Pius, seinen Vorgänger als Statthalter von Afrika und einen Verbündeten von Sulla. Eine alternative Theorie ist, dass Metellus gar keine legitime Statthalterschaft innehatte, sondern im Jahr 84 v.Chr. versuchte, die Macht in Afrika zu ergreifen, als eigentlich Hadrianus ein ordnungsgemäß ernanntes Amt innehatte. Da Hadrianus seine Amtszeit während des letzten Konsulats von Cornelius Cinna begann, wird er gewöhnlich als Parteigänger der Popularen betrachtet. Die Tributzahlungen seiner Statthalterschaft in Afrika wären also Marius, Cinna und deren Anhänger zugutegekommen. Zum Unwillen von Sulla und seinem Verbündetem Metellus Pius.

Metellus floh nach Numidien zu König Hiempsal II. Hadrianus verbündete sich darauf mit Hiarbas, einem Rivalen um das numidische Königtum. Es gelang ihm dadurch Hiempsal vorübergehend zu verdrängen, der sich mit Metellus und seinen Männern in Mauretanien unter dem Schutz von Bocchos I versteckte. Während eines Aufstands in Utica wurde Hadrianus jedoch getötet, als das Prätorium in Brand gesteckt wurde. Die Quellen betonen einheitlich, dass er lebendig verbrannt wurde.

Die Amtszeit von Hadrianus blieb für Gier und Härte in aller Erinnerung. Adrian Nicholas Sherwin-White nannte ihn „bestienhaft“. Eine chronologische Untersuchung der Quellen zeigt, dass Ciceros Charakterisierung von Hadrianus wahrscheinlich die Sichtweise späterer Historiker beeinflusste. Im Zuge seiner Anklage gegen Verres zieht Cicero einen drohenden Vergleich mit Hadrianus und der Art seines Todes und sagt, der Angeklagte sei noch schlimmer: „Sie sehen also, dieser Mann ist bei weitem schuldiger und wertloser, obwohl er etwas mehr Glück hatte als Hadrianus. Ja, dieser Hadrianus. Weil römische Bürger seine Habgier nicht ertragen konnten, wurde er in seinem eigenen Haus in Utica lebendig verbrannt. Was mit ihm passiert ist, galt als so wohlverdient, dass sich alle darüber freuten und keine offizielle Untersuchung durchgeführt wurde“.

Cicero verwendet das Wort domus (Haus), das die Aufmerksamkeit von Hadrianus Status als Promagistrat ablenken soll. Livius nennt es richtigerweise das Prätorium, die offizielle Residenz des Statthalters. Obwohl Hadrianus manchmal zwischen den Parteien von Cinna und Sulla schwankte, ist unklar, welche Indizien auf eine Unterstützung von Sulla hinweisen. Wie Cicero und Valerius Maximus feststellten, unternahm das sullanische Regime im selben Jahr seines Todes keine Maßnahmen – obwohl der legitime Statthalter einer größeren Provinz getötet worden war.

Beide Quellen geben an, dass die Gewalt in Utica nicht von einheimischen Bürgern angezettelt wurde, die gegen Rom rebellierten, sondern von Cives (römischen Bürgern). Auf den ersten Blick scheint Orosius sowohl Cicero als auch Valerius zu widersprechen und behauptet, Hadrianus sei mit seinem gesamten Haushalt lebendig verbrannt worden, weil er eine Rebellion unter den Sklaven Afrikas geschürt habe, deren Herren offenbar mit mörderischen Brandstiftungen reagierten. Die Popularen wurden von der konservativen Optimaten Elite oft beschuldigt, berechtigt oder nicht, auf Sklaven zurückzugreifen, um Gewalt anzuwenden und die Tötung könnte am besten im Kontext der sullanischen Gesetze (Leges Corneliae) von 82 v.Chr. gesehen werden.

Die sinngemäße Übersetzung von ″Ex Argento Publico″ (EX A PV) bedeutet „aus öffentlichem Silber geschlagen“. Es ist das erste Mal, dass dies auf einem Denar der römischen Republik zu sehen ist. Da das gesamte römische Silber aus Metall hergestellt wurde, das aus den Reserven des Staates entnommen wurde, war der Grund für diese Proklamation wahrscheinlich, um Veteranen nach ihrem Sieg über die Germanen und Kimbern zu bezahlen. Um 115 v.Chr. zogen diese Stämme von Norddeutschland und Jütland nach Süden, nach Gallien und Hispanien, wo sie dann mit den Römern in Konflikt kamen. Zwischen 113 und 101 v.Chr. wurden während des sogenannten Kimbrischen Krieges mehrere Schlachten ausgetragen. Die Germanen wurden 102 v.Chr. von Gaius Marius in der Schlacht von Aquae Sextiae (in der Nähe des heutigen Aix-en-Provence) besiegt. Die Kimbern wurden erlitten im Jahr 101 v.Chr. eine verheerende Niederlage. Die Kimbern wurden vernichtet, obwohl einige möglicherweise überlebt haben, um in ihre Heimat zurückzukehren.


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Das Original: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... nus-m0036/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 06.12.21 22:53

So und nun die letzte der drei Münzen, welche ich heute erhalten habe. Gerade die Vorderseite ist ein Schmuckstück - man könnte sagen - unzirkuliert. Rückseite ist ein kleines bisschen schwach auf der Brust - aber generell super erhalten. Ein wirklich sehr schönes Exemplar. Es geht um Lucius Scribonius Libo und das Puteal Scribonianum oder auch dem Scribonischen Brunnen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 06.12.21 22:55

lucius_scribonius_libo.jpg


Münze:
Lucius Scribonius Libo 62 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18mm
Gewicht: 3,82g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: EF
Rare: –
Provenienz: Palaio Dr. Gernot Heinrich, Bad Reichenhall, 06.12.2021
Referenz: Crawford RRC 416/1a

Avers:
Zu sehen ist der Kopf des Bonus Eventus nach rechts. Die Inschrift lautet LIBO BON EVENT.

Bonus Eventus (lateinisch „glücklicher Ausgang“ oder auch „glückliches Gedeihen“) war ein ursprünglich ländlicher Gott der römischen Religion, der wahrscheinlich dem griechischen Triptolemos bzw. dem griechischen Agathos Daimon entsprach und wie dieser dargestellt wurde. Ein von seiner Entstehungszeit nicht mehr einzuordnender Tempel der Gottheit befand sich auf dem Campus Martius in Rom bei den Agrippa-Thermen. Auch in römischen Provinzen, so etwa bei Mogontiacum, dem heutigen Mainz, wurde Bonus Eventus verehrt. Der römische Gelehrte Marcus Terentius Varro (de re rustica 1, 1, 4-6) nennt ihn als einen der zwölf Götter für den Bereich der Landwirtschaft. Neben seiner Hauptaufgabe, das erfolgreiche Gedeihen in der Landwirtschaft zu garantieren, wurde Bonus Eventus immer mehr zu einem allgemeinen Symbol für das gute Gelingen schlechthin.

Häufige Darstellungen der Gottheit finden sich auf Münzen mit Blumen, Kornähren, Weintrauben in der Hand, vor einem Altar, auf welchem Opferfeuer brennt, oder als schöner, nackter Jüngling auf einem geflügelten Drachenwagen, in der Rechten eine Opferschale, in der Linken Kornähren und ein Füllhorn. Eine angeblich vom bekannten Bildhauer Praxiteles gefertigte, ursprünglich eine griechische Gottheit darstellende Statue, die später in Bonus Eventus umbenannt wurde, befand sich gemeinsam mit einer Statue der Bona Fortuna auf dem Kapitol.

Nach Babelon könnte die Darstellung des Bonus Eventus ein Wortspiel sein auf die Stadt Beneventum, welche wahrscheinlich als die Heimatstadt der Scribonier anzusehen sei.

Die Inschrift LIBO identifiziert den Münzmeister Lucius Scribonius Libo, die Inschrift BON EVENT die dargestellte Gottheit Bonus Eventus.

Revers:
Zu sehen ist ein Puteal (lateinisch puteus „Brunnen“) mit Girlanden und zwei Khitaren (antikes Saiteninstrument), rechts ein Hammer. Die Inschrift lautet PVTEAL SCRIBON.

Das Puteal Scribonianum (der Scribonische Brunnen) wurde an der Stelle errichtet, an der sich eine dem Gott Vulcanus geweihte Kapelle befand. Diese Kapelle befand sich an einem Ort von äußerster Bedeutung. Als Romulus dort die ersten Versammlungen abhielt wurde das Denkmal vom Blitz getroffen. Hier befand sich auch der Sitz des Prätors, welcher seine Urteile und Geldbußen festlegte.

Für den Bau des Puteal Scribonianum kommen folgende Personen in Betracht: Lucius Scribonius Libo (Praetor peregrinus 204 v.Chr.), Lucius Scribonius Libo (Volkstribun 149 v.Chr.) oder gar der Vater des Münzmeisters, welcher wahrscheinlich 80 v.Chr. die Prätur bekleidete. Die Darstellung des Scribonische Brunnen bezieht sich laut Wilhelm Hollstein zweifellos auf die Errichtung des Puteals und nicht auf die Restaurierung, wie Maria R. Alföldi in Betracht zieht.

Sehr wahrscheinlich erscheint der erst genannte Lucius Scribonius Libo als Erbauer des Scribonischen Brunnens. Er war neben Gnaeus Servilius Caepio der zweite Baumeister des Kurulenbaues im Jahr 205 v.Chr. Beide waren die Ersten, welche die großen ludi Megalenses (szenischen Bühnenspiele) ausrichteten, bei denen der gesamte Senat und das Volk Zuschauer waren. Kurz darauf wurde Scribonio zum Prätor ernannt und beteiligte sich an vielen Verurteilungen. Mit dem gesammelten Geld wurden verschiedene Münzen geprägt und zahlreiche Bauwerke von öffentlichem Nutzen geschaffen. Bei dieser Gelegenheit wurde zum Beispiel an den Ehrenschilden des Jupitertempel gearbeitet.

Zahlreiche Gegenstände schmücken das Puteal Scribonianum. Neben den Girlanden und Kitharen, welche wohl nur zur Dekoration dienten, werden unterschiedliche Attribute des Schmiedegottes Vulcanus dargestellt. Hammer, Zange und Amboss

Die Dekorationen des Puteal sollen dabei die rumreichen Taten des Lucius Scribonius Libo huldigen. Die Kitharen mit den Girlanden spielen auf die großen ludi Megalenses an. Die monetären Symbole verweisen auf die Urteile und Geldstrafen. Die Vorderseite mit Bonus Eventus (gutes Ereignis) spielt auf den Erfolg der Einnahmen an, welche Rom aus der Bestrafung korrupter Bürger erhielt und so der Stadt den Bau schöner und nützlicher Bauwerke ermöglichte. Der Münzmeister Lucius Scribonius Libo aus dem Jahr 62 v.Chr. erinnerte so mit der Prägung dieses Denars an seinen Vorfahren und dessen ruhmreiche und nützliche Taten zum Wohle Roms.

Die Inschrift PVTEAL SCRIBON identifiziert den abgebildeten Brunnen als das Puteal Scribonianum.

Hintergrund:
Lucius Scribonius Libo war ein römischer Politiker und Feldherr am Ende der Republik. Er ist um 62 v.Chr. als Münzmeister bezeugt und war möglicherweise 56 v.Chr. Volkstribun. Im Bürgerkrieg war er im Jahr 49 v.Chr. Legat des Gnaeus Pompeius Magnus und kommandierte gemeinsam mit Marcus Octavius Flotteneinheiten in der Adria, mit denen er Publius Cornelius Dolabella eine Niederlage beibrachte und Gaius Antonius gefangen nahm. Nach dem Tod des Marcus Calpurnius Bibulus 48 v.Chr. übernahm er das Kommando der pompeianischen Flotte, konnte aber nicht verhindern, dass Marcus Antonius von Brundisium nach Griechenland übersetzen konnte.

Nach der Schlacht von Pharsalos zog sich Libo für einige Jahre ins Privatleben zurück. Als ihn die Triumvirn 43 v.Chr. proskribierten, ging er zu seinem Schwiegersohn Sextus Pompeius nach Sizilien, dessen wichtiger Berater er in den folgenden Jahren war. Libo vermittelte die Ehe seiner Schwester Scribonia mit Octavian, welches zu einer Annäherung zwischen Sextus Pompeius und den Triumvirn führte. Im Vertrag von Misenum im Jahr 39 v.Chr. war er als Konsul für das folgende Jahr vorgesehen, konnte das Amt nach erneutem Ausbruch des Bürgerkriegs aber nicht antreten. Nach dem Tod des Sextus Pompeius 35 v.Chr. schloss Libo sich Marcus Antonius an, mit dem zusammen er das Konsulat 34 v.Chr. bekleidete. Seine Enkel waren Lucius Scribonius Libo, Konsul 16 n.Chr., und Marcus Scribonius Libo Drusus, der 16 n.Chr. welche wegen Verschwörung gegen den Kaiser Tiberius angeklagt wurden.


---
Und hier wieder zum Original:
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ibo-m0037/
Zuletzt geändert von Timestheus am Di 07.12.21 00:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » Mo 06.12.21 22:58

Sehr schönes Stück! Und jetzt mach dich mal langsam an Sesterzen und Co ran, dass ich da mal was bewundern kann ;-)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 06.12.21 23:06

jschmit hat geschrieben:
Mo 06.12.21 22:58
Sehr schönes Stück! Und jetzt mach dich mal langsam an Sesterzen und Co ran, dass ich da mal was bewundern kann
Schau Dir doch immer wieder mal die Claudius Bronze an auf meiner HP... :evil: :P
jschmit hat geschrieben:
Mo 06.12.21 22:58
Sehr schönes Stück!
Danke.
jschmit hat geschrieben:
Mo 06.12.21 22:58
Und jetzt mach dich mal langsam an Sesterzen und Co ran, dass ich da mal was bewundern kann
Wart mal Mitte Dezember ab - da sind so ein paar Auktionen da habe ich schon was in den Favoriten drin ;)
Die drei Bronzen sind da unten ganz alleine - das kann ja nicht angehen...
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Priscus » Mo 06.12.21 23:07

Timestheus hat geschrieben:
Mo 06.12.21 22:55
lucius_scribonius_libo.jpg


Münze:
Lucius Scribonius Libo 62 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18mm
Gewicht: 3,82g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: EF
Rare: –
Provenienz: Palaio Dr. Gernot Heinrich, Bad Reichenhall, 06.12.2021
Referenz: Crawford RRC 416/1a
Hey,

Ich wollte mal deine Erfahrung mit Dr. Heinrich erfragen.
Mich interessieren da auch 2 Münzen - konntest du mit ihm noch etwas verhandeln ?

Gruß phil

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » Mo 06.12.21 23:08

Hab ich schon ;-) aber den sieht man oft, ich bin mir sicher wenn du auf den Geschmack der größeren Bronzen gekommen bist, dann sehen wir noch einiges an hübschen Sesterzen hier ;-)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Priscus » Mo 06.12.21 23:13

Zwei schöne Stücke . Gratulation

Priscus

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 06.12.21 23:14

Priscus hat geschrieben:
Mo 06.12.21 23:07
Mich interessieren da auch 2 Münzen - konntest du mit ihm noch etwas verhandeln ?
Ich wünsche dem Mann nur Gutes - auch geschäftliches, daher würde ich gerne nein sagen :) ... aber ehrlich gesagt - ja - von ihm habe ich den (nach Metellus Scipio Pius) den zweiten Elefanten Denar bekommen: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ius-m0019/

Und der war wirklich nicht günstig in dem Zustand - aber er ist mir schon ziemlich entgegen gekommen.
Priscus hat geschrieben:
Mo 06.12.21 23:07
Ich wollte mal deine Erfahrung mit Dr. Heinrich erfragen.
Die Münzen die ich bisher bekommen habe sind tadellos!

https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ius-m0019/
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... tus-m0024/
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... mus-m0035/
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... nus-m0036/
https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ibo-m0037/

Diese 5 Münzen habe ich bereits von ihm gekauft und die Qualität spricht für ihn. Finde ich zumindest.
Bin aber auch kein Profi, der seit Jahrzehnten sammelt.

Ansonsten - kann mal sein es dauert 1-2 Tage bis er antwortet, denke das ist nicht das was er hauptberuflich macht. Aber Zuverlässigkeit ist absolut gegeben. Zudem sehr freundlich. Ich bin voll des Lobes und kann bis dato nichts negatives verlauten lassen.

(So Werbung genug - ich hoffe dafür bekomme ich wieder einen tollen Denar günstiger bei ihm hr hr hr)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 06.12.21 23:26

jschmit hat geschrieben:
Mo 06.12.21 23:08
Hab ich schon ;-) aber den sieht man oft, ich bin mir sicher wenn du auf den Geschmack der größeren Bronzen gekommen bist, dann sehen wir noch einiges an hübschen Sesterzen hier ;-)
Hmmm... ;)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Mo 06.12.21 23:28

Timestheus hat geschrieben:
Mo 06.12.21 22:55
Puteal Scribonianum
...ist auf jeden Fall ein interessantes Thema, und für mich ganz besonders interessant. Da habe ich jetzt schonmal was zum Lesen, aber bis zur Münze kann es bei mir noch dauern.

Grüsse
Rainer
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von jschmit » Mo 06.12.21 23:31

Na das wäre doch ein Sahnestück! Ich hoffe du planst genug Kohle da ein :-P der wird noch steigen, plus Aufgeld, plus Zoll :-P dürfte den Wert meines Focus St's übersteigen am Ende :-P
Zuletzt geändert von jschmit am Mo 06.12.21 23:34, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 06.12.21 23:32

Perinawa hat geschrieben:
Mo 06.12.21 23:28
...ist auf jeden Fall ein interessantes Thema, und für mich ganz besonders interessant. Da habe ich jetzt schonmal was zum Lesen, aber bis zur Münze kann es bei mir noch dauern.
Also da würde ich mich natürlich über einen Bericht von Dir freuen - den ich dann mit Deiner Erlaubnis auf meiner HP einbinden würde - natürlich mit Deiner Nennung als Urheber. Weil Du da viel bessere und tiefgründigere Infos hast und Bauwerke etc. einfach Dein Steckenpferd sind - das würde mich natürlich dann auch im Bezug auf die Münze sehr interessieren.
Veritas? Quid est veritas?
Sammlung: https://roma-aeterna.de/

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