Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Di 07.12.21 00:08

Kleine Korrektur: Du gibst die Legende an als PVTEAL SVRIBON, tatsächlich steht auf der Münze SCRIBON.

Für mehr bin ich zu müde... ;-)

Perinawa
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Di 07.12.21 01:11

Timestheus hat geschrieben:
Mo 06.12.21 23:32
Also da würde ich mich natürlich über einen Bericht von Dir freuen - den ich dann mit Deiner Erlaubnis auf meiner HP einbinden würde - natürlich mit Deiner Nennung als Urheber. Weil Du da viel bessere und tiefgründigere Infos hast und Bauwerke etc. einfach Dein Steckenpferd sind - das würde mich natürlich dann auch im Bezug auf die Münze sehr interessieren.
Mach' ich beizeiten gerne, aber das wird noch n Weilchen dauern.

Vorab nur ein paar kurze Anmerkungen nach meinem derzeitigen Wissensstand:
Timestheus hat geschrieben:
Mo 06.12.21 23:32

Die Inschrift PVTEAL SCRIBON identifiziert den abgebildeten Brunnen als das Puteal Scribonianum.
Wenn du das Bauwerk selbst meinst, sprichst du besser vom Puteal Libonis. Der Volkstribun Scribonis Libo, ein Vorfahr unseres Münzmeisters, liess das Puteal, das den Sitz des Tribunal Praetoris markiert, 149 v.Chr. vom Comitium an eine andere Stelle schaffen, die vor der Basilika Aemilia vermutet wird. Die Stelle dort findet man vor Ort nur, wenn man darum weiss. Da gibts nix spektakuläres zu sehen, und auch keine Beschilderung oder einen Hinweis.

Interessant ist noch die Verbindung der Abbildung auf der Münze mit dem Standort. An der B.A. gab es Tabernen, die vorwiegend von den Silberschmieden benutzt wurden. Und bei den verschiedenen Münzbildern mit Hammer, Zange und Amboss sind wir ja wieder bei Vulkanus. :idea: :wink:

In den Vatik. Museen steht übrigens ein Rundaltar der Pietas aus Veji, der als "Replik" des Puteal Libonis gilt.

Nur schon mal so in Kürze, da kannst du dann nochmal weiter forschen... :mrgreen:

Grüsse
Rainer
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 07.12.21 21:50

Heute Abend möchte ich Euch eine Münze vorstellen, welche ich am Sonntag bei Lucernae auf der Auktion gekauft habe. Sie stammt von Aulus Postumius A. f. Sp. n. Albinus - leider war die Gens Postumius zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert wie die Karnickel in Rom unterwegs. Sie vermehrten sich entsprechend, benutzen oftmals die gleichen Namen und hatten teilweise zu dritt oder viert in dem selben Jahr hohe Ämter inne - so dass die Familien und Verwandtschaftsverhältnisse bis heute nicht überall 100% klar sind. Das ist wie ein großer Knäuel Wolle, der sich hundertfach verknotet hat und der kein Ende finden will.

Die Münze selbst ist leider auf 5 Uhr angeknabbert. Aber zum Kauf habe ich mich letztendlich doch entschlossen, da die Erhaltung der Vs und Rs sehr gut ist. Vor allem aber die Rs ist nicht abgegriffen - selten erkennt man den Mann in der Toga, die Fasces und vor allem die Standarte so gut und noch so detailliert. Man kann am Kopf sogar Augen, Nase und Mund erkennen - normalerweise ist das nur ein "Kopf-Klumpen".

Da habe ich dann darüber weggesehen - vor allem, da das fehlende Stück nicht die Darstellung auf der Vs oder Rs irgendwie beeinträchtigt.
Zuletzt geändert von Timestheus am Di 07.12.21 21:56, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Di 07.12.21 21:53

m0034_rrc_silber_denar_aulus_postumius_albinus.jpg


Münze:
Aulus Postumius A. f. Sp. n. Albinus 81 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 19mm
Gewicht: 3,1g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: EF
Rare: –
Provenienz: Lucernae, Alcalá la Real, 05.1.2.2021
Referenz: Crawford RRC 372/2

Avers:
Zu sehen ist der verschleierte Kopf der Hispania nach rechts. Die Inschrift lautet HISPAN.

Die auf der Vorderseite abgebildete Hispania ist keine Gottheit, sondern eine sogenannte Nationalallegorie, oder auch eine nationale Personifikation der römischen Provinz Spanien. Eine Nationalallegorie ist eine allegorische Figur, die eine Nation und die ihr zugesprochenen Eigenarten verkörpert. So sie in menschlicher Gestalt erscheint, spricht man von einer nationalen Personifikation. Diese Allegorien können unterschiedliche Formen annehmen. Der Glaube an einen Genius loci als örtlichen Schutzgeist entstammt antiker Tradition. Entsprechend verehrten bereits Griechen und Römer lokale Schutzgottheiten neben dem maßgeblichen Pantheon. Weibliche Allegorien als Bildnis für einen Volksstamm beziehungsweise eine Nation sind damit bereits von den Römern überliefert. Wir sehen sie oft auf römischen Münzen, welche anlässlich militärischer Erfolge geprägt wurden – oder um einen Bezug zu einem Stamm, einer Region oder einer Provinz herzustellen, wie auch im Falle dieses Denars.

Die Inschrift HISPAN identifiziert die abgebildete Personifikation als (Provinz) Hispania.

Revers:
Stehender Togatus zwischen Aquila und Fasces. Inschrift: A / POST A F / S N / ALBIN.

Die Toga ist das römische Gewand schlechthin. Sie wurde von den Etruskern übernommen und diente ursprünglich Frauen und Männern als Tages- und Nachtgewand, damals noch enganliegend gewickelt und nicht so üppig. Sie entwickelte sich zum Staats- und Amtsgewand des römischen Bürgers. Sie wurde zum Inbegriff des Römertums. Vergil nannte die Römer „die Herren der Welt, das Volk in der Toga“. Das korrekte Anlegen der Toga ist eine Kunst. Hochgestellte Persönlichkeiten haben sich dafür einen extra ausgebildeten Sklaven, einen sogenannten „Artifex“ gehalten. Der Togatus war gezwungen, gemessen und würdevoll zu Schreiten, da sonst ein Verrutschen des kunstvoll drapierten Gebildes drohte. Die Grundfarbe der Toga war weiß, ebenso wie die Tunica, die man darunter trug. Der etwa 3 cm breite Purpurstreifen, der „Clavus“ , zeigt, dass er dem Ritterstand angehört. Die Senatoren durften einen etwa 7 cm breiten Purpurstreifen tragen.

Die Aquila (lateinisch Aquila, ursprüngliche Bedeutung: „Adler“), im Deutschen auch häufig als Legionsadler bezeichnet, war das höchstrangige Feldzeichen der römischen Legionen. Die Aquila genoss unter allen Feldzeichen die größte Verehrung und ihr Verlust galt als größtmögliche Schande für eine Truppe, während die Wiedererlangung verlorener Aquilae als wichtiges Ereignis gefeiert wurde.

In der römischen Religion war der Adler ein bedeutendes Symbol, ein ominöser Zeichengeber zur Erkennung der Numina durch Vogelschau. Nach der römischen Mythologie galt der Adler als Bote des Hauptgottes Jupiter. Anfangs war er – neben Wölfen, Minotauren, Pferden und Ebern – eines von fünf tiergestaltigen Feldzeichen (signa) des römischen Heeres und symbolisierte die durch Jupiters Gunst vermittelte Stärke, Erfolg und Macht. Eine herausragende Stellung erwarb der Legionsadler erst unter dem römischen Feldherrn Gaius Marius, aus dessen Kindheit der Schriftsteller Plutarch die Begebenheit überlieferte, dass er als Junge ein Adlernest samt sieben Adlerküken in seiner Toga aufgefangen habe, was Seher seinen Eltern als Vorzeichen seiner zukünftigen staatsmännischen Bestimmung gedeutet hätten.

Es sind keine antiken Aquilae erhalten, so dass ihre Konstruktion nur anhand von bildlichen und schriftlichen Darstellungen rekonstruiert werden kann. Die Stange der Aquila trug einen Lanzenschuh sowie zwei Handhaben, um das Feldzeichen in den Boden stecken und wieder herausziehen zu können, aber meist keine weiteren Verzierungen wie die häufig an anderen Feldzeichen angebrachten Phalerae. Das Hoheitszeichen der Römer, die Buchstaben S.P.Q.R., waren auch auf dem Feldzeichen abgebildet. Der eigentliche Adler saß am oberen Ende der Stange auf einem Sockel und war zu Beginn aus vergoldetem Silber, in der Kaiserzeit meist aus reinem Gold getrieben. Die Rolle des Adlers als Symbol Jupiters wurde durch in den Krallen getragene Donnerkeile und in manchen Fällen durch eine im Schnabel getragene Eichel betont. Die Flügel waren meist nach oben, seltener zur Seite hin, ausgebreitet oder selten angelegt und konnten einen Lorbeerkranz tragen, der möglicherweise als Auszeichnung verliehen wurde. In manchen Fällen traten weitere Verzierungen auf.

Das Fasces (lat. fascis) oder Liktorenbündel (lateinisch fasces lictoriae) ist ein Bündel aus mehreren hölzernen Ruten (daher oft auch Rutenbündel genannt), in denen ein Beil steckt. In der Antike war es das Amtssymbol der höchsten Machthaber bei den Etruskern und später im Römischen Reich. Die Rutenbündel wurden diesen von ihren Amtsdienern, den Liktoren, vorangetragen.

Die Römer übernahmen von den Etruskern zahlreiche kulturelle Errungenschaften, darunter auch viele zeremonielle Bräuche und äußere Attribute der Herrschergewalt. Die Fasces wurden zunächst den römischen Königen, nach deren Vertreibung dann den mit Imperium ausgestatteten Amtsträgern der Republik, also vor allem Konsuln, Prätoren und Diktatoren, vorangetragen. Auch die Promagistrate, als Statthalter fungierende ehemalige Konsuln oder Prätoren, führten die Fasces. Während eines Triumphzugs wurden auch dem triumphierenden Feldherrn von ausgezeichneten Angehörigen seines Heeres die Fasces vorangetragen. Diese Verwendung blieb auch im Prinzipat bestehen, welches die republikanischen Ämter unangetastet ließ. Die ursprüngliche Aufgabe der Liktoren war es, den Weg für die Amtsträger freizumachen. Dabei benutzten sie auch Gerten, um sich bei den Schaulustigen durchzusetzen. Die Gerten wurden später mit einem Lederriemen zum Rutenbündel verbunden.

Seit den Anfängen der Republik konnten römische Bürger nicht ohne Weiteres zum Tode verurteilt werden bzw. konnten gegen Urteile des Amtsträgers an das Volk appellieren. Aus diesem Grund ließen die Konsuln die Beile erst außerhalb der römischen Stadtgrenze einstecken. Einen Sonderfall bildet hierbei jedoch der Diktator, der als Zeichen seiner unbeschränkten Macht auch innerhalb der Stadtgrenze die Fasces mit eingesetztem Beil führte. Die Anzahl der dem jeweiligen Amtsträger vorangetragenen Fasces drückte dessen Rang aus. Führten die Konsuln zwölf Rutenbündel, wurden einem Prätor nur sechs Fasces vorangetragen. Ein Diktator dagegen führte 24 Rutenbündel.

Die Inschrift A POST A F S N ALBIN identifiziert den Münzmeister Aulus Postumius Auli Filius Spurius Nepos Albinus.

Hintergrund:
Postumius war der Gentilname der Postumier, einer Patrizierfamilie der Römischen Republik. Sie zählte nicht zu den Gentes maiores, trotzdem stiegen Vertreter dieser Familie schon in der frühesten Phase der Republik zu den höchsten Ämtern Roms auf. Bis in das 2. Jahrhundert v.Chr. erfreuten sich die Postumier großen Ansehens.

Der erste bekannte Namensträger ist Publius Postumius Tubertus (Konsul 505 und 503 v.Chr.). Dessen Enkel oder Urenkel Aulus Postumius Tubertus soll um 431 v.Chr. seinen Sohn hingerichtet haben. Seitdem tauchen Postumier mit dem Cognomen Tubertus nicht mehr auf. Im Jahr 499 bzw. 496 v.Chr. wurde ein Aulus Postumius Albus Regillensis zum Diktator bzw. Konsul gewählt und gewann in einem dieser beiden Jahre angeblich die Schlacht am Regillus lacus gegen die Latiner. Der von diesem Diktator abstammende Familienzweig der Postumii Albi bzw. Postumii Albini führte dementsprechend bis weit in das 4. Jahrhundert v.Chr. das Cognomen Regillensis. Noch im 1. Jahrhundert v.Chr. wurde der ruhmreiche Vorfahre auf Münzen verherrlicht, zuletzt von dem in diese Familie adoptierten Caesarmörder Decimus Iunius Brutus Albinus. Die Konsuln von 464 und 466 v.Chr. Aulus und Spurius Postumius Albus Regillensis, sollen Söhne des siegreichen Diktators gewesen sein.

Wohl weil die Postumier später sehr standesbewusst auftraten, wurden ihre frühen, in der Zeit vor dem Decemvirat lebenden Vertreter manchmal als entschiedene Verfechter der Interessen der Patrizier im Kampf gegen die Plebejer gezeichnet. Zur Zeit der Eroberung Roms durch die Gallier (um 390 v.Chr.) gehörten die Postumier laut Plutarch zu den blühendsten römischen Adelsfamilien. Tatsächlich werden relativ viele Postumii Albini als Konsulartribunen und Zensoren in den Jahrzehnten vor und nach der Gallierkatastrophe in den Fasten genannt, ohne dass man ihre Verwandtschaftsverhältnisse genau rekonstruieren könnte. In der Mitte des 4. Jahrhunderts v.Chr. waren sie in der Spitzenpolitik weniger präsent, konnten aber 334 v.Chr. mit Spurius Postumius Albinus Caudinus wieder einen Konsul stellen, doch erlitt dieser in seinem zweiten Konsulat 321 v.Chr. eine schwere Niederlage gegen die Samniten.

Allerdings konnte schon Lucius Postumius Megellus an der Wende des 3. zum 2. Jahrhundert v.Chr. dreimal das Konsulat erringen. Wie er mit den Postumii Albini verwandt war, ist nicht bekannt. Dieser Familienzweig blühte jedenfalls seit der Mitte des 3. Jahrhunderts v.Chr. erneut auf und wies daher viele Mitglieder in führenden Positionen auf, die aufgrund der geringen Zahl ihrer Vornamen (meist Aulus, Lucius und Spurius) nur durch individuelle Beinamen unterschieden wurden. Anfang des 2. Jahrhunderts v.Chr., in der Zeit vor dem Krieg gegen Perseus, erreichte die Familie durch die drei Brüder Aulus Postumius Albinus Luscus, Spurius Postumius Albinus Paullulus und Lucius Postumius Albinus (Konsuln 180, 174 und 173 v.Chr.) ihren höchsten Glanz. Da aber der Konsul von 110 v.Chr. Spurius Postumius Albinus, besonders wegen des Versagens seines Bruders Aulus, in Afrika eine schwere Niederlage gegen Jugurtha einstecken musste, wurden beide Brüder verurteilt und die Postumier verloren rasch jeden politischen Einfluss für immer. Aulus Postumius Albinus war 99 v.Chr. der letzte Konsul, den sein Geschlecht hervorbrachte. Danach sind dessen Mitglieder historisch schlecht oder gar nicht mehr fassbar.

So ist auch der Münzmeister Aulus Postumius A. f. Sp. n. Albinus historisch schwer fassbar und die nachfolgenden Daten gelten daher als nicht gesichert. Er war vermutlich der Enkel des Konsuls aus dem Jahr 110 v.Chr. Spurius Postumius Albinus. Sein Vater war wahrscheinlich der Münzmeister des Jahres 90 v.Chr. Aulus Postumius Sp. F. Albinus (RRC 335/9 und RRC 335/10). Wahrscheinlich ist unser Münzmeister auch der Adoptivvater des Decius Iunius Brutus Albinus. Da die Datierung der Münze im Jahr 81 v.Chr. ebenso als nicht gesichert gilt, könnte der Münzmeister auch mit einem Aulus Postumius Albinus identifiziert werden, welcher 82 v.Chr. in der Schlacht an der Porta Collina unter Sulla und Crassus gegen die Samniten und Lukaner gefallen war.

Auch die Deutung der Rückseite ist nicht gesichert, es gibt dazu zwei populäre Theorien.

Zum Einem könnte der Münzmeister an seinen Vorfahren Lucius Postumius Albinus (Konsul des Jahres 173 v.Chr.) und dessen militärischen Erfolge in Spanien über die aufständischen Vaccei und Lusitani erinnern. Postumius war wohl der Enkel des Konsuls von 242 v.Chr. Aulus Postumius Albinus, weil laut den Fasti Capitolini sein Großvater und sein (nicht näher bekannter) Vater das Pränomen Aulus führten. Seine älteren Brüder waren die Konsuln von 180 bzw. 174 v.Chr. Aulus Postumius Albinus Luscus und Spurius Postumius Albinus Paullulus.

Im Jahr 180 v.Chr. verwaltete Postumius als Prätor die Provinz Hispania ulterior (jenseitiges Spanien), während sein älterer Bruder Aulus im gleichen Jahr das Konsulat ausübte. Gleichzeitig wurde Tiberius Sempronius Gracchus Prätor von Hispania citerior (diesseitiges Spanien). Offenbar beschlossen die beiden neuen spanischen Prätoren noch vor ihrer Abreise aus Rom, eine einheitliche Strategie gegen die Keltiberer zu verfolgen, und daher übermittelte der als Erster in Spanien eingetroffene Postumius dem Vorgänger des Gracchus, Quintus Fulvius, entsprechende Befehle. Postumius besiegte den Stamm der Vaccaeer, wobei angeblich 35.000 Menschen getötet wurden. Durch seine weiteren militärischen Erfolge gegen die Lusitaner und deren Nachbarstämme, durfte er am 4. Februar 178 v.Chr. nach seiner Rückkehr nach Rom einen Triumph (Lusitaneis ex Hispania) abhalten. Ebenso wie nach anderen spanischen Statthaltern dieser Jahre wurde auch nach Postumius eine Örtlichkeit in Spanien benannt: Castra Postumiana.

In diesem Fall wäre die dargestellte Person auf der Rückseite der Münze der Prätor und damit Statthalter Spaniens, Lucius Postumius Albinus selbst. Links von ihm die Adler Standarte der Legion, welche die militärischen Erfolge symbolisieren und rechts von ihm die Fasces als Symbol seiner Prätur, Statthalterschaft oder seines späteren Konsulates. Auch würde die Vorderseite mit der Personifikation Hispania als Ort des Geschehens stimmig sein.

Die zweite interessante Theorie (Cavedoni) ist, dass es sich bei der abgebildeten Person auf der Rückseite um Aulus Postumius Tubertus – Konsul, Diktator und Sieger gegen die Aequi und Volsci – handeln würde. Dieser soll um das Jahr 431 v.Chr. seinen Sohn hingerichtet haben. Die Rückseite soll den Konsul Aulus Postumius Tubertus (Fasces, konsularische Macht) selbst darstellen. Der Legende nach hielt er eine öffentliche Rede (auf der Münze in seiner Toga mit erhobener Hand) gegen den eigenen Sohn. Dieser hatte während der Schlacht das Banner aufgegeben (Standarte auf der Münze). Obwohl der Sohn weiter ehrenhaft kämpfte, wurde er zum Tode verurteilt.

Diese Deutung würde aber auf den ersten Blick nicht mit der Darstellung der Hispania auf der Vorderseite zusammenpassen, da es zwischen Aulus Postumius Tubertus und der spanischen Provinz keinerlei Zusammenhänge gibt. Betrachtet man allerdings das Jahr der Münzprägung, könnte hier aktueller Bezug zu Sertorius und der für Rom unbefriedigenden Situation in Spanien 81 v.Chr. bestehen.

Während der Herrschaft der Popularen in Rom wurde Sertorius 83 v.Chr. als Prätor Statthalter einer der spanischen Provinzen. Kurz darauf kam es in Italien zum Machtwechsel, und Sulla übernahm die Macht. Zeitweilig wurde Sertorius daraufhin durch Gaius Annius Luscus, den Sulla gegen ihn entsandt hatte, nach Mauretanien vertrieben, wo er erfolgreich in die Thronstreitigkeiten eingriff, bis ihn die Lusitanier zu ihrem Anführer erhoben. Sertorius kehrte auf die iberische Halbinsel zurück und konnte für mehrere Jahre eine von Rom unabhängige Herrschaft in Spanien aufbauen.

Eine Verbindung zu Sertorius würde vielleicht auch die verschleierte Darstellung der Hispania erklären.

Meine persönliche Meinung – gegen die zweite Theorie spricht allerdings, wieso ein Nachfahre als Münzmeister die eher schändliche Tat des Sohnes auf seinen Münzen verewigen hätte sollen. Bereits zu Lebzeiten des Aulus Postumius Tubertus hatten die Geschehnisse anscheinend negative Folgen. Nachdem er seinen Sohn hingerichtet haben soll, tauchten Postumier mit dem Cognomen Tubertus nie wieder auf. Dies spricht nicht gerade für eine Glorifizierung der damaligen Geschehnisse.

Auch muss die verschleierte Hispania kein zwingender Hinweis auf Sertorius und die damals aktuelle Lage der abtrünnigen Provinz sein (damit die verschiedenen Aussagen der Vorder- und Rückseite irgendwie zusammenpassen). Schleier sind bereits zur Antike in Spanien durch Strabo (Geographie III, 17) erwähnt, eine Tradition welche bis in die heutige Zeit als Mantilla (spanisch „kleine Decke“) in Gebrauch ist.


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Und hier wieder zum Original: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... nus-m0034/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 08.12.21 13:16

Ich möchte euch heute einen Dioskuren Denar vorstellen, welche mir Anfang der Woche ein Forenuser verkauft hat. Historisch nicht ganz so interessant - also gibt keine spektakuläre Geschichte dazu - dennoch ein nicht minder hübsches Stück. Immerhin mein aktuell ältestes Stück in der Sammlung - von der Prägezeit her.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 08.12.21 13:17

m0038_rrc_silber_denar_lucius_coelius.jpg


Münze:
Lucius Coelius 189/180 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 18mm
Gewicht: 3,87g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF+
Rare: –
Provenienz: Privat 07.12.2021
Referenz: Crawford RRC 154/1

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Roma mit geflügeltem Helm nach rechts blickend. Dahinter befindet sich ein X als Wertmarke.

Im römischen Reich war Roma eine Gottheit, die als Personifikation den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr waren einige Tempel und heilige Plätze geweiht. Roma wird 269 v.Chr. erstmals auf As-Münzen aus Rom erwähnt sowie 204 v.Chr. auf römischen Münzen aus Locri in Kalabrien, woraus geschlossen wird, dass die nichtrömische Bevölkerung Roma ebenfalls religiös verehrt haben könnte. Tatsächlich sind die ersten sicher belegten Kulte für Roma in der griechischen Welt zu finden. In diesen Zusammenhang passt, dass ihr in Smyrna 195 v.Chr. ein Tempel errichtet wurde. Ferner wird von Roma-Kulten auf Ephesos, Sardes und Delos berichtet.

Dies Ausschmückung eines Helmes findet sich oft in antiken Darstellungen von Göttern und Göttinnen. So wird der griechische Gott Hermes (lateinisch Mercurius) regelmäßig mit einem Flügelhelm dargestellt. Auch Roma trägt auf Münzen oftmals einen Flügelhelm, wie auch hier auf unserem vorgestellten Denar.

Bei dem abgebildeten X, oder später Stern, handelt es sich um eine sogenannte Wertmarke. Ein X steht für die Zahl 10 und bedeutet, dass dieser Silberdenar das zehnfache eines As wert war. Um 130 v.Chr. wurde der Denar dann auf 16 Asse abgewertet, sichtbar durch einen Stern als Wertmarke.

Revers:
Zu sehend sind die Dioskuren nach rechts reitend. Die Inschrift lautet L COIL, darunter ROMA.

Die Dioskuren sind das Brüderpaar Kastor und Polydeukes (römisch Castor und Pollux), die zwei Söhne von Leda, der Gattin von König Tyndareos von Sparta, die von Zeus in Gestalt eines Schwans verführt worden war. Vater von Polydeukes ist Zeus, als Vater von Kastor wird dagegen Ledas Gemahl Tyndareos angesehen. Es gibt aber auch die Auffassung, dass beide der Zwillingsbrüder Söhne des Zeus seien, worauf das Wort „Dioskuren“ hindeutet, was so viel wie „Zeussöhne“ heißt. Kastor war ein Rossebändiger. Polydeukes war Faustkämpfer. Er maß sich auf der Fahrt von Iason und den Argonauten mit dem Bebrykenkönig Amykos im Faustkampf. Beide wollten die Töchter des Leukippos, Hilaeira und Phoibe, rauben. Dabei gerieten sie mit deren Verlobten Idas und Lynkeus in Streit. Polydeukes tötete Lynkeus, wogegen Kastor von Idas umgebracht wurde. Wegen ihrer Unzertrennlichkeit gestattete Zeus, dass sie sich danach abwechselnd gemeinsam im Olymp und in der Unterwelt aufhielten.

Für sie stellten die göttlichen Brüder das Idealbild eines edlen Reiters zu Pferd dar. Castor und Pollux galten daher auch als Schutzgötter der Reiterei. Durch ihre Bedeutung für den Ritterstand wurden sie zudem die Schutzpatrone der großen Kaufmänner und der Geschäfte. Auch geschworen wurde viel beim Castor und Pollux. Die Aussprüche waren die bekannten Formeln Edepol (für die Männer) und Ecastor (von Frauen bevorzugt). Diese Formeln waren insbesondere im Theater sehr beliebt. Der häufige Gebrauch der Bilder von Castor auf den älteren Münzen der Republik entsprang der ritterlichen Natur. Sie zählten zu den vornehmsten römischen Göttern im Circus; sowohl im Circus Maximus als auch im Circus Flaminius, wo sie an den Iden des August durch eigene Spiele gefeiert wurden. Zudem hatten sie dort einen eigenen Tempel geweiht.

Auch als Götter der beruhigten See und einer günstigen Schifffahrt wurden die göttlichen Brüder Castor und Pollux verehrt. Sie waren Schutzheilige für die Häfen und für die römischen Flotten. Im Hafen von Ostia etwa wurde ihnen gehuldigt. Ihre Sterne wurden außerdem gern zur See und zu Land in der Nacht zum Navigieren genutzt. In Verbindung mit der Quellgöttin Iuturna sollen die römischen Dioskuren Castor und Pollux auch als Heilgötter verehrt worden sein.

Die Dioskuren werden häufig mit zwei Amphoren abgebildet. Diese beziehen sich möglicherweise auf einen Kultgebrauch, wonach man den Dioskuren, wie man ihnen Speisetische hinstellte, zudem Weinamphoren darbot. Diese Amphoren sind in der Darstellung auch mit Schlangen umwunden. Daneben ist ihnen das Silphion (bei den Griechen) oder Laserpicium (bei den Römern) heilig – eine ausgestorbene Gewürz– und Allheilpflanze. Der Hahn konnte den Dioskuren als Lichtgottheit gegeben werden oder aufgrund ihrer streitbaren Natur. Sterne sind ebenso die Symbole der Dioskuren. Besonders auf Münzen ist dies vermehrt üblich gewesen. Die Identifikation der Dioskuren mit dem Zwillingsgestirn am Himmel erfolgte erst später. Ein weiteres und sehr konstantes Attribut der Dioskuren ist in späterer Zeit der hohe Hut (Piloi). Häufig schweben Sterne über den Hüten oder der Pilos ist mit Lorbeer bekränzt.

Das Pferd ist allerdings das älteste und mit dem Wesen der Dioskuren am engsten verknüpften Symbol und Attribut. Ihrem Siegeswillen entsprechend, erscheinen die Dioskuren oft mit einem Kranz. (Quelle)

Die Inschrift L COIL identifiziert den Münzmeister Lucius Coelius.

Hintergrund:
Der Münzmeister Lucius Coelius ist historisch kaum fassbar. Er teilte sich 189 v.Chr. bis 180 v.Chr. das Amt mit seinen Kollegen Sextus Quinctilius und Lucius Autronius. Der vierte Münzmeister dieser Zeit ist nicht belegt oder zumindest nicht bekannt. Ob der Münzmeister einem Legaten Lucius Coelius entspricht, welcher während des Krieges 169 v.Chr. in Illyricum gegen Perseus kämpfte und bei dem Versuch die Stadt Uscana einzunehmen scheiterte, ist historisch nicht gesichert.

Die Gens Coelia, gelegentlich auch Coilia genannt, war eine plebejische Familie im antiken Rom. Die Coelii werden häufig mit den Caelii verwechselt, wobei einige Personen in Manuskripten Caelius genannt werden, während sie auf Münzen als Coelius oder Coilius erscheinen.

Der bekannteste Coeli zu jener Zeit war Lucius Coelius Antipater (geboren zwischen 180-170 v.Chr. gestorben um 120 v.Chr.). Er war ein römischer Jurist und Geschichtsschreiber. Er war der erste Römer, der eine historische Monographie verfasste. Diese behandelte in sieben Büchern den Zweiten Punischen Krieg, welche aber nur sehr fragmentarisch erhalten blieb. Er wich von der bisher üblichen Vorgangsweise der Annalisten ab, die Geschichte Roms von dessen mythischen Anfängen an zu erzählen, und beschränkte sich auf eine sieben Bücher umfassende Darstellung des Zweiten Punischen Kriegs, an deren Fertigstellung er bis nach 121 v.Chr. arbeitete. Allerdings hatte der Dramatiker Gnaeus Naevius bereits vor ihm ein geschichtliches Epos über den Ersten Punischen Krieg geschrieben. In welcher verwandtschaftlichen Beziehung er zum Münzmeister stand, ist nicht bekannt.



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Und hier geht es zum Original: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ius-m0038/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 08.12.21 16:23

Ah... eben Email von DHL bekommen. Roma hat die Sendung aufgegeben. Mal sehen - gleiches Spiel wie beim letzten Mal. Hoffe geht erneut alles mit dem Zoll gut - und schnell.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 10.12.21 13:04

marcus antonius.jpg


Ich habe einen Neuzugang zu vermelden. Einen Marcus Antonius von 32/31 v.Chr. - Crawford RRC 544/21.
Avers: Galeere, ANT AVG III VIR R P C
Revers: Feldzeichen, LEG VIII
Feldmünzstätte wahrscheinlich Patrae

Sowas läuft bei der Münze tatsächlich unter VF+ / EF.

Da gibt es noch viel zu recherchieren, auch zur VIII - aber das mache ich in Ruhe über die Weihnachtsfeiertage.
Muss die Münze erst mal den Weg zu mir finden.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 10.12.21 20:45

Aus London ist von Roma diese schöne Exemplar bei mir eingetroffen, welches ich heute in das Sammelalbum ablegen konnte. Ein Zeit Zeugnis des "Sonderreiches" Sertorius, das sich immerhin fast 8 Jahre in Spanien gegen die Republik Rom behaupten konnte. Bis ein paar unzufriedene Mitrebellen meinten mit Messern den Lauf der Geschichte ändern zu müssen - am Ende nicht zu ihrem Besten.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 10.12.21 20:47

silber_denar_gaius_annius_lucius_fabius_hispaniensis.jpg


Münze:
Gaius Annius T. f. T. n. Luscus und Lucius Fabius L. f. Hispaniensis 82/81 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 19mm
Gewicht: 3,69g
Münzstätte: Feldmünzsstätte in Spanien
Erhaltung: EF
Rare: –
Provenienz: Roma, London, 02.12.2021 (Ex Scipio Sammlung)
Referenz: Crawford RRC 366/1b

Avers:
Zu sehen ist die drapierte Büste mit Diadem der Anna Perenna nach rechts blickend. Weitere abgebildete Symbole sind: Waage, Caduceus und Carnyx. Die Inschrift lautet: C ANNI T F T N PRO COS EX S C.

Anna Perenna (lateinisch perennis jährlich bzw. beständig wiederkehrend) ist eine der vielen „kleinen“ Göttinnen des antiken Rom. Ihr Name leitet sich vermutlich von lat. anus (alte Frau) oder von annus (Jahr) und perennis (jährlich bzw. ewig, beständig, wiederkehrend) ab. Vermutlich stammt sie aus der etruskischen Mythologie, wo sie eine Erdmuttergöttin darstellte, und wurde von den Römern übernommen.

In Rom wurde sie als Neujahrsgöttin im März verehrt, da der März im römischen Kalender der erste Monat war. Anna Perenna ist die Großmutter der Zeit. Sie lebt gleichzeitig in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie ist daher die Göttin des laufenden Jahres, aller vergangenen Jahre und all jener, die sich noch entfalten werden. Sie ist die Gebieterin der Prophezeiungen in die Zukunft und der Geschichte der Vergangenheit.

Sie ist Symbol des Alten und des Jungen und die Göttin des Jahreslaufs, ihr Name bedeutet auch „stets wiederkehrendes Jahr“. Sie kann in die Zukunft sehen, die Vergangenheit überblicken und weiß alles über das Hier und Jetzt. Sie steht an der Schwelle, schaut zurück, gleichzeitig nach vor – und das schon lange bevor man diese Eigenschaft dem Gott Janus zugeschrieben hat.

Anna Perenna wurde am 15. März mit einem allgemeinen Festmahl in ihrem Hain am ersten Meilenstein der Via Flaminia geehrt (Feriae Annae Perennae), bei dem offenbar reichlich getrunken wurde. Man wünschte sich so viele Lebensjahre als es gelang, Becher zu trinken, man tanzte und sang, was immer man kannte, vor allem aber obszöne Lieder.

Nach einer der von Ovid erzählten Geschichten geht das Fest auf eine alte Frau namens Anna aus Bovillae zurück, die während der Ständekämpfe zwischen Patriziern und Plebejern den verhungernden Plebejern täglich selbstgebackene Kuchen brachte und sie so vor dem Verhungern rettete. Diese Aischrologien, das Singen obszöner Lieder beim Fest, gehe auf einen Streich zurück, den die eben vergöttlichte Anna dem Gott Mars gespielt habe: Mars sei verliebt gewesen in die keusche Minerva und habe Anna um Kupplerdienste gebeten. Die habe ihn zunächst hingehalten und als das nicht mehr ging, sich ihm verschleiert als bräutliche Minerva präsentiert. Die derben Scherze beim Fest würden an diesen gelungenen Streich erinnern, den Anna dem Kriegsgott gespielt hatte.

Einer anderen Überlieferung nach war sie die Schwester der Göttin Dido und flüchtet nach deren Tod zu Aeneas. Hier drohte ihr aber Gefahr durch die Eifersucht seiner Frau Lavinia. Durch Dido , welche ihr im Traume erschien, gewarnt, stürzte sich Anna in den Fluss Numicius. Anna Perenna wird in eine Nymphe verwandelt und symbolisiert fortan die befruchtende Kraft des Wassers.

Im Jahr 1999 wurde der Brunnen der Anna Perenna auf der Piazza Euclide in Rom von Marina Piranomonte entdeckt und ausgegraben.

Zur Darstellung und Deutung der Anna Perenna auf der Vorderseite der Münze gibt es mehrere Theorien. Zum Einen könnte ein absichtlicher Namensbezug zwischen dem Herausgeber Gaius Annius und Anna Perenna bestehen. Eine weitere schlüssige Theorie ist der Bezug zum bevorstehenden militärischen Konflikt gegen die Rebellion des Quintus Sertorius in Spanien. Zumal Anna Perenna zugeschrieben wird, in die Zukunft blicken zu können.

Die Bedeutung von „annare“ liegt bei „ins neue Jahr eintreten, das alte Jahr weiter erfolgreich zu Ende führen“. Dazu passt auch die Rückseitendarstellung mit der (bald) triumphierenden Victoria. Hier wird vorausschauend der Sieg über Sertorius erhofft und propagandiert.

Die abgebildete Waage steht für Gerechtigkeit und die gerechte Sache des Gaius Annius. Ebenso für die versprochene Wiedereinführung von Recht und Ordnung, nach der Zerschlagung der Rebellion des Sertorius. Der Caduceus (Hermesstab) steht als Symbol des kommenden Friedens. Die Carnyx ist ein Blasinstrument der Kelten, auch der spanischen Iberokelten. Genutzt wurde die Carnyx bei Kriegszügen, wohl um die Truppen zur Schlacht anzustacheln und den Feind mit akustischer Kriegsführung zu demoralisieren. Hier kann ein militärischer Bezug zu den Truppen des Gaius Annius bestehen, als auch ein Bezug auf das iberokeltische Spanien und den Kampfeinsätzen in den Pyrenäen.

Die Inschrift C ANNI T F T N identifiziert den Münzmeister Gaius Annius, PR COS identifiziert ihn als Prokonsul und EX S C weißt auf das Ex. Senatus Consulto hin, auf Beschluss oder Dekret des Senates.

Revers:
Zu sehen ist Victoria in einer Quadriga nach rechts mit einem Palmzweig in der Hand. Die Inschrift lautet: Q L FABI L F HISP.

Die Ursprünge des häufigsten Rückseitenmotivs der republikanischen Münzprägung finden sich nicht in Rom, sondern in den griechischen Städten Siziliens. In Qualität und Ästhetik waren die dort ausgegebenen Münzen den römischen weit überlegen, weshalb die für die Prägungen zuständigen Beamten in Rom gerne griechische Bildmotive entlehnten, auch wenn diese dabei ihre konkrete Bedeutung verloren. Die geflügelte Siegesgöttin verkündet als griechische Nike in der Münzprägung von Städten wie Syrakus und Selinunt den Sieg im Wagenrennen bei einem der großen griechischen Wettkämpfe, als römische Victoria auf dem eilenden Zweigespann verbildlicht sie auf allgemeine Weise den schnellen militärischen Sieg des Heeres (Quelle: Sonja Kitzberger).

Lorbeer Kranz und Palmenzweig sind die typischen Attribute der Victoria, welche die ursprünglichen Siegestrophäen bei der griechischen Palästra und den panhellenischen Spielen waren. Beides wurde im römischen Sinne assimiliert und ausgeweitet. Kranz und Palmenzweig konnte jemand auch für sich reklamieren, welcher viele ehrenvolle Taten und Siege im militärischen Sinne vollbracht hatte. Zudem ist Victoria ein geflügeltes Wesen, welches die Flüchtigkeit und Nähe von Sieg und Niederlage symbolisiert. In der römischen Siegessymbolik war es Victoria, welche die Früchte des Erfolges überreichte.

Zeitgleich mit dem ersten Venustempel, wurde im 3 Jahrhundert v.Chr. auf dem Palatin der erste Victoriatempel errichtet. Die Einweihung des ersten Tempels erfolgte am 01. August 294 v.Chr. durch den Konsul Lucius Posumius Megellus, ein zweiter Tempel wurde am 01. August 193 v.Chr. durch Marcus Porcius Cato eingeweiht. Archäologische Grabungen konnten den ersten Tempel „aedes Victoriae“ (Victoriatempel) schräg der Magna Mater lokalisieren. Während dem zweiten Punischen Krieg wurde der Meteor von Pessinus im Victoriatempel aufbewahrt.

Da Victoria keine eigentliche Göttin darstellt – sondern eine römische Personifikation des Sieges und günstigen Erfolges – konnte sie den traditionellen Gottheiten beigegeben werden und erhielt dadurch eine zusätzliche Aufwertung. Victoria besaß dabei von Anbeginn eine militärische Komponente. Abgebildet wird Victoria immer geflügelt, oft mit Kugel, Kranz, Palmzweig, Schiffsbug, Schild, Siegestrophäe.

Die Inschrift Q L FABI L F HISP identifiziert den Quästor Lucius Fabius L. f. Hispaniensis.

Hintergrund:
Quintus Sertorius (geboren 123 v.Chr. vermutlich in Nursia) war ein römischer Politiker und vor allem erfolgreicher Feldherr. Er stammte aus einer Ritterfamilie aus Nursia im Land der Sabiner und nahm als Offizier an verschiedenen Kämpfen teil, so gegen die Kimbern und Teutonen unter Quintus Servilius Caepio und Gaius Marius. Im Jahr 97 v.Chr. zeichnete er sich als Militärtribun in Spanien und 91 v.Chr. als Quästor im Bundesgenossenkrieg aus. Als Sulla seine Bewerbung als Volkstribun vereitelte, wurde Sertorius Anhänger des Marius in dessen Auseinandersetzung gegen Sulla.

Während der Herrschaft der Popularen in Rom wurde Sertorius 83 v.Chr. als Prätor Statthalter einer der spanischen Provinzen. Kurz darauf kam es in Italien zum Machtwechsel und Sulla übernahm die Macht. Zeitweilig wurde Sertorius daraufhin durch Gaius Annius Luscus, den Sulla gegen ihn entsandt hatte, nach Mauretanien vertrieben, wo er erfolgreich in die Thronstreitigkeiten eingriff, bis ihn die Lusitanier zu ihrem Anführer erhoben. Sertorius kehrte auf die iberische Halbinsel zurück und konnte für mehrere Jahre eine von Rom unabhängige Herrschaft in Spanien aufbauen, die er zunächst erfolgreich gegen Quintus Caecilius Metellus Pius verteidigte, den Sulla 79 v.Chr. ins jenseitige Spanien geschickt hatte. Sein Quästor Lucius Hirtuleius kämpfte ebenso erfolgreich im diesseitigen Spanien.

Im Jahr 77 v.Chr. stieß der flüchtige Marcus Perperna mit vielen weiteren Römern zu Sertorius, der nun einen Gegensenat aus 300 Römern errichtete und sich auch auf die einheimische Bevölkerung stützte, die angeblich eine weiße Hirschkuh als Zeichen dafür sah, dass Sertorius mit den Göttern in Verbindung stand. In schweren Kämpfen wehrte er sich abermals gegen aus Rom entsandte Feldherren, vor allem Gnaeus Pompeius Magnus, der 76 v.Chr. mit 30.000 Mann nach Spanien gekommen war.

Quintus Sertorius schloss im Jahr 74 v.Chr. ein Bündnis mit Mithridates von Pontos. Er wurde dann im Jahr 72 v.Chr. allerdings durch eine Verschwörung, an deren Spitze Perperna stand, bei einem Gastmahl erstochen. In seinen letzten Jahren vertraute Sertorius eher den einheimischen Eliten und weniger seinen umgebenen römischen Landsleuten. Als auch noch Perpernas Hoffnungen auf ein Oberkommando zerplatzen und höhergestellte römische Landsleute sich ebenso übergangen fühlten kam es zur Verschwörung gegen ihn. Sertorius Tod bedeutete den Untergang dieses spanischen „Sonderreichs“.

Perperna übernahm das Kommando, konnte sich aber nicht lange gegen Pompeius halten, sondern wurde von ihm geschlagen und gefangen genommen. Um das eigene Leben zu retten, erbot er sich, alle Papiere des Sertorius an den Pompeius auszuliefern. Dadurch hätte Pompeius alle Namen der Rebellen erfahren, samt aller Verbindungen, welche bis nach Rom führten. Anscheinend verwarf Pompeius edelmütig diesen erneuten Verrat, ließ alle Papiere ungesehen verbrennen und Perperna hinrichten. Es ist allerdings anzunehmen, dass dies nur die beschönigte Propaganda des Pompeius ist – wieso sollte er ungelesen solche wichtigen Informationen verbrennen lassen. Spanien selbst fiel darauf nach über acht Jahren unter die Römische Herrschaft zurück.

Die Gens Annia war eine plebejische Familie im antiken Rom. Livius erwähnt einen Lucius Annius, Prätor der römischen Kolonie Setia, im Jahr 340 v.Chr. Auch andere Annii werden während dieser Zeit in Rom erwähnt. Mitglieder dieser Gens bekleideten seit dem Zweiten Punischen Krieg verschiedene höhere Ämter. Ein Titus Annius Luscus wurde zum Beispiel im Jahr 153 v.Chr. Konsul. Im zweiten Jahrhundert n.Chr. erlangten die Annii das Imperium selbst. Der Kaiser Marcus Aurelius stammte aus dieser Gens.

Gaius Annius T. f. T. n. Luscus war während des Jugurthinischer Krieg 108 v.Chr. Kommandant der Garnison bei Leptis Magna unter Metellus Numidicus. Im besagten Jahr der Münzprägung 81 v.Chr. wurde er von Sulla und dem Senar mit Lucius Fabius Hispaniensis gegen Quintus Sertorius gesandt. Sullas Prioritäten lagen zu dieser Zeit mehr bei Sizilien und Afrika, so dass er die Aufgabe gegen den Rebellen Sertorius dem Gaius Annius in die Hände gab.

So wurde Gaius Annius Luscus wohl 81 v.Chr. nach Spanien in Marsch gesetzt. Er stand dann Ende Mai oder Anfang Juni vor den Pyrenaeen. Sein Aufgebot bestand aus zwei Legionen zuzüglich der Hilfstruppen, also insgesamt etwa 20000 Mann. In den Pyrenaeen lebten wilde Bergstämme und Lucius Iulius Salinator hatte mit 6000 Mann die Aufgabe von Quintus Sertorius erhalten, die Gebirgspässe vor Versuchen der Sullaner so zu sichern, dass diese nicht in die spanische Provinz eindringen konnten.

Die Stellung Salinators wurde jedoch durch den Verrat eines gewissen Publius Calpurnius Lanarius genommen. Iulius Salinator selbst kam bei den Kämpfen ums Leben. Etwa 3000 rebellische Soldaten fanden den Tod, die andere Hälfte konnte sich zu Sertorius retten. Dieser zog sich dann mit den verbliebenen Männern nach Carthago Nova zurück, um sich von dort nach Afrika einschiffen zu lassen. Nun begann eine Irrfahrt zwischen Afrika und der spanischen Küste.

An der lybischen Küste, am Fluss Muluccha, versuchte Sertorius erstmals zu landen. Allerdings verlor er durch einen Angriff feindlich gesinnter Eingeborener sehr viele seiner Männer. Daraufhin beschloss er wieder nach Spanien zurückzukehren. An der spanischen Küste wurde er jedoch erneut überall abgewiesen. Dabei geriet er in Kontakt mit kilikischen Piraten. Vor der Vertreibung durch Annius hatten sich die Seeräuber wohl auf der Insel Ibiza festgesetzt. Diesen Stützpunkt hatten sie, kurz nachdem Sertorius Carthago Nova verlassen hatte, wohl verloren. Da er in seiner Situation bei der Wahl neuer Verbündeter nicht wählerisch sein konnte, scheint es zwischen Sertorius und den Piraten zu einer Art Bündnis gekommen zu sein. Das Ziel war ein gemeinsamer Angriff auf Ibiza.

Die Besatzung, welche von Annius dort stationiert worden war, wurde überrumpelt. Bald kam jedosch Annius mit einer Schiffsflotte und rund 5000 Mann. Sertorius entschloss sich zur Seeschlacht. Da er den Wind gegen sich hatte, gelang es ihm nicht, aus der Hafenbucht herauszukommen. Weil Annius zu Land eine noch größere Überlegenheit besessen hätte, versuchte Sertorius sein Glück so lange, bis er die Hälfte seiner Schiffe an den Klippen verloren hatte. Dem mittlerweile schwerer werdenden Sturm entkam Sertorius dann mit einigen Schiffen.

Plutarch behauptet, dass dieser Sturm zehn Tage lang gedauert hätte. Offensichtlich scheint er eine weitere Verfolgung des Sertorius verhindert zu haben. Er landete auf einigen wüsten, wasserlosen Inseln, um dort die Nächte zu verbringen. Tags darauf segelte er südwestlich an der Küste entlang, fuhr durch die Meerenge von Gibraltar und landete etwas oberhalb der Baetismündung.

Sertorius befand sich in einer ausweglosen Situation. Die Kräfte, über die er verfügte, waren bei weitem zu schwach, um mit ihrer Hilfe in die diesseitige Provinz zurückzukehren oder auch nur in Afrika Fuß zu fassen, wie die Erlebnisse mit den kriegerischen Eingeborenen gezeigt hatten. Überdies musste er befürchten, dass seine sullanischen Feinde bald die Verfolgung aufnehmen würden. In dieser völlig hoffnungslosen Lage hörte er von Seeleuten von Inseln im Atlantik, die zur damaligen Zeit als die „Inseln der Seligen“ bekannt waren. Plutarch gibt eine fantasievolle Beschreibung dieser Inseln.

Sertorius wollte los segeln, doch die Piraten weigerten sich, ihm zu folgen. Sie machten sich stattdessen auf nach Afrika. Im Streit um den Thron Mauretaniens wollten sie Ascalis unterstützten. Sertorius musste daraufhin seinen Vorsatz fahren lassen. Auch er entschied sich nun für eine Fahrt nach Mauretanien – wohl nicht zuletzt deshalb, dass durch das gemeinsame Ziel seine kleine Truppe erhalten bliebe. Auf seiner Flucht hatte Sertorius bisher nichts als Niederlagen erlitten. Erst in der nun nachfolgenden Zeit in Afrika sollte er Erfolge erzielen. So gute Erfolge, dass die Soldaten seines Verfolgers Paciaecus zu ihm überlaufen und die Lusitanier schließlich ihm den Oberbefehl in ihrem Kampf antragen sollten.

Sertorius verfügte unterdessen noch etwa zehn Schiffe mit 1200 Mann. Die Truppen des Ascalis wurden geschlagen, welche er selbst in Tanger belagerte. In dieser Lage griff ein römisches Aufgebot unter dem Befehl eines gewissen Paciaecus in die Kämpfe ein. Die Schilderung Plutarchs geht dahin, dass dieser Paciaecus (oder auch Paccianus) zur Unterstützung des Ascalis von Sulla ausgeschickt worden war.

Paccianus soll ein gewisser Vibius Paciaecus (Spann) gewesen sein, welcher in Hispania ulterior in der Gegend der Stadt Nerja Großgrundbesitzer war. Es besteht die Mutmaßung, dass er von Gaius Annius zur Verfolgung des Sertorius gesendet wurde und nicht von Sulla selbst, da dieser 81 v.Chr. mit seinen Verfassungsreformen genug zu tun hatte, als sich um einen – zu diesem Zeitpunkt – kleinen Rebellen mit einer Handvoll an Männern zu kümmern. Schließlich war es auch Gaius Annius, welcher von Sulla beauftragt wurde das „Sertorius Problem“ zu lösen.

Paccianus Truppe bestand aus rund 2000 Männern, als es zum Kampf gegen Sertorius bei Tanger kam. Dabei kam Paccianus ums Leben, seine Männer liefen zu Sertorius über. Damit hatte er mehrere Ziele erreicht. Er hatte eine vorläufige Zuflucht gewonnen, hatte seine Position stabilisiert, die Moral seiner Männer erhöht und sich endlich militärisch behaupten können. In Mauretanien genoss er nun nach und nach größeren Einfluss und bekam weitere Unterstützung. Er nutzte die Atempause, organisierte seine Truppen neu und widmete sich der Rekrutierung und Ausbildung.

Quintus Sertorius hielt sich etwa bis Frühling 80 v.Chr. in Tanger auf. Dann erreichten ihn Abgesandte aus Lusitanien, welche ihm den Oberbefehl im Kampf gegen Rom auftragen wollten. Er nahm das Angebot an, da er sich damit wohl erhoffte mit deren Hilfe eine Chance zu haben, seine Position gegen die Machthaber in Rom wieder zu festigen. Der Rest ist bekannt, Sertorius kehrte wieder nach Spanien zurück und konnte sich dort eine lange Zeit erfolgreich gegen Rom behaupten.

Über Gaius Annius Luscus ist historisch wenig detailliertes bekannt, außer seinem Kampf gegen Sertorius. Anscheinend wurde in Rom sein Feldzug gegen Sertorius als Erfolg betrachtet. Immerhin musste Sertorius durch das Eingreifen des Gaius Annius die spanische Halbinsel fluchtartig verlassen und irrte danach aussichtslos an der Küste mit einer stark dezimierten Truppe herum. Als Sertorius wieder gestärkt nach Spanien zurückkehrte, war Gaius Annius selbst nicht mehr vor Ort. Seine Nachfolger, Quintus Caecilius Metellus Pius und später Gnaeus Pompeius Magnus, mussten sich erneut um den „Problemfall Sertorius“ kümmern.

Auch über Lucius Fabius Hispaniensis ist recht wenig historisch fassbares bekannt. Eventuell war er Römer oder italischer Kolonist aus Spanien. Sein Beiname deutet wohl auf Letzteres hin. Anfangs war er Quästor unter Gaius Annius und dessen Münzmeister – aus dessen spanischer Prägung auch dieser Denar stammt. Später trat er dann zu Sertorius über – allerdings, so scheint es, nicht aus freiwilligen Stücken. Aus irgendeinem Grund, welchem ist nicht bekannt, geriet Lucius Fabius auf die sullanischen Proskriptionslisten und wurde geächtet. Es blieb ihm wohl also nichts anderes übrig, als zu den Abtrünnigen überzulaufen. Später war er dann am Verrat und Mord an Sertorius beteiligt und fand unter Pompeius ebenso den Tod.


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Und hier geht es zum Original: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... sis-m0029/
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 11.12.21 14:02

Heute habe ich zwei Münzen von Naville Numismatic bekommen. Dabei stelle ich Euch erst einmal die Münze des Gaius Marius C. f. Capito vor. Leider nicht im allerbesten Erhaltungszustand - das ist aber bei den Münzen zwischen 90 v.Chr. und 80 v.Chr. in den chaotischen Zeiten des Bundesgenossenkrieges gar nicht so einfach da immer Schmuckstücke zu erwischen. Dennoch ein ordentliches Stück - real ein bisschen besser - aber die Oberfläche mit der Tönung will meine Kamera nicht so fein rüber bringen... aber zum Thema - eine interessante Darstellung rund um Ceres und dem zeremoniellem Pflügen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 11.12.21 14:04

silber_denar_gaius_marius_capito.jpg


Münze:
Gaius Marius C. f. Capito 81 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
Material: Silber
Durchmesser: 20mm
Gewicht: 3,80g
Münzstätte: Rom
Erhaltung: VF
Rare: –
Provenienz: Naville Numismatics, London, 14.11.2021
Referenz: Crawford RRC 378/1c

Avers:
Zu sehen ist der Kopf der Ceres nach rechts. Davor ist ein Dolch als Kontrollmarke zu abgebildet. Die Inschrift lautet: CAPIT XII.

Ceres ist die römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit und gilt als Gesetzgeberin. Sie ist die Tochter der Ops und des Saturn. Im Griechischen heißt Ceres Demeter. Die Attribute der Ceres waren Früchte, Fackel, Schlange, Ährenkranz oder Ährengarbe sowie Ameise. Heilig waren ihr weiterhin der Mohn und das Schwein. Ceres wird mit weizenblonden, also goldblonden Haaren beschrieben, die oft lang getragen, aber auch zu Zöpfen geflochten sind. Manchmal trägt sie ein Füllhorn.

Vermutlich ist ihr Ursprung etruskisch. Sie gilt als altitalische römische Gottheit, deren Wesen durch Angleichung an Tellus und oskisch oder etruskisch vermittelte Vermischung mit Demeter verdunkelt wurde. Seit dem 6. Jahrhundert v.Chr. ist sie das römische Pendant zur griechischen Göttin Demeter.

Die früheste nachweisbare staatliche Verehrungsstätte in Rom war eine halbkugelförmige Vertiefung in die Erde, der auf dem Forum Romanum neben dem Comitium (Versammlungsort des Volkes) am Fuße des Capitols gelegene sogenannte Mundus Cereris. Ein dreizeiliger Tempel mit noch etruskischem Grundriss, zwischen Circus Maximus und Aventin gelegen, wurde ihr und den Göttern Liber und Libera ab 496 v.Chr. erbaut, weil der Diktator Postumius wegen einer Hungersnot auf Weisung der sibyllinischen Bücher der Ceres einen Tempel gelobt hatte, und 493 v.Chr. durch den Konsul Spurius Cassius geweiht. Geopfert wurde hier ausschließlich der Ceres. 31 v.Chr. brannte diese sogenannte aedes Cereris ab, wurde von Augustus erneuert und von Tiberius im Jahr 17 n.Chr. geweiht.

Relativ früh erhielt der Tempel einen eigenen Priester, den flamen Cerialis, der aus dem Volke kommen durfte. Man vermutet, dass aus dem Vorsteher dieses für die römischen Plebejer so wichtigen Gebäudes, des templum Cereris, das Aedilat entstanden ist, denn den Ädilen oblag die cura annonae, also die Aufsicht über Getreidespenden und Marktgerechtigkeit, was unter anderem die Preisüberwachung einschloss. Dieser Tempel war der sakrale Mittelpunkt der römischen Plebs, hatte Asylrecht, unterhielt das Archiv der plebejischen Beamten und beherbergte die Kasse der römischen Plebs. Von hier gingen die secessiones von 494 v.Chr. und 450/449 v.Chr. aus, der Auszug der Plebejer auf den Mons Sacer, mit welchem sie die Patrizier bezwangen und die Einführung des Plebiszits durchsetzten. Die Volkstribunen waren der Ceres gegenüber zur Einhaltung der Gesetze verpflichtet.

Die Cerialia stehen im Festkalender zum 19. April. Sie lagen mit genau drei Tagen Zwischenraum zwischen den Fordicidien (Kuhfest) und den Vinalia (Weinfest). Spätestens seit dem dritten Jahrhundert v.Chr. wurden Ludes (Spiele) von den plebejischen Ädilen gegeben. Zwischen 249 und 218 v.Chr. wurde der Ceres ein Jahresfest im Hochsommer nach griechischem Ritus eingerichtet. Während dieses Festes war Enthaltsamkeit von Wein und Brot, und eventuell auch vom Gebrauch der Pudenda Gebot. Es hieß Initia cereris – „Eingang in Ceris“ – wobei darunter eventuell eine Einweihung oder auch eine Invokation zu verstehen ist. Eine andere Theorie besagt, dass damit Anfang des Wachstums gemeint war und der Festname vom Frühlingsfest auf das Sommerfest gelegt wurde.

Die Inschrift CAPIT identifiziert den Münzmeister Gaius Marius C. f. Capito. Die Inschrift CXII ist eine Kontrollmarke, welche bei diesem Denartyp variieren kann.

Revers:
Zu sehen ist ein Bauer (flamen Cerialis ?) mit Ochsengespann bei einer Pflügezeremonie nach links fahrend. Die Inschrift lautet: C MARI C F, darunter ein S C, am oberen Rand CXII.

Die Rückseitendarstellung steht im wahrscheinlich direkten Zusammenhang mit dem Ceres Kult. Vor der Aussaat wurde Tellus und Ceres vom flamen Cerialis ein öffentliches Opfer dargebracht, wobei in Rom selbst bei den öffentlichen Kulthandlungen noch zwölf männliche Sondergötter aus dem Kreis der Indigitamenta angerufen wurden, die sämtlich Bezug zu bäuerlichen, mit dem Getreide in Zusammenhang stehenden Arbeiten hatten. Diese hießen:

Vervactor (1. Pflügen des vervactum = das brachliegende Feld)
Reparator (2. Pflügen)
Inporcitor (3., letztes Pflügen, lirae = Furchen werden gezogen und porcae = Wasserabzugsfurchen)
Insitor (Saat)
Obarator (Einarbeiten der Saat)
Occator (Eggen)
Saritor (Jäten)
Subrunc(in)ator (Unkrautraufen)
Messor (Mahd)
Convector (Einfahrt der Garben)
Conditor (Speicherung des Getreides)
Promitor (Ausgabe des Getreides)

Auffällig ist die Zwölfzahl, und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in diesen Sondergöttern alte bäurische Monatsgenien weiterleben. Ihre Namen decken sich zum Teil mit Sondergöttinnen des Ackerbaus aus früh- und vorrömischer Zeit. Diese waren Seia (Säerin), Segetia oder Segesta (Seges, etis, Saat), Messia (Mäherin) und Tutulina (die Schützende). Diese Genien, nach Plinius im Circus ausgestellt, waren einer mittelmeerländischen Korngöttin zugeordnet, welche die italischen Einwanderer später Ceres nannten. Sie lassen vermuten, dass die Feldarbeit ursprünglich vorwiegend in den Händen der Frauen lag.

Nach beendeter Frühjahrssaat wurden Ceres und Tellus an den beweglichen feriae Sementivae an zwei durch sieben Tage getrennten Tagen im späten Ianuarius oder frühen Februarius eine trächtige Sau und Spelt (Dinkel) dargebracht.

Durch den älteren Cato wissen wir, dass die Ceres zu den Numina der Bauernhöfe zählte. Der private Kult dürfte noch älter sein als der öffentliche. Beim Tode eines Familienangehörigen wurde der Ceres sofort eine Sau, die porca praesentanea, dargebracht. Mit Sicherheit handelte es sich dabei nicht um ein Ganzopfer, ein Holokaustum, bei dem das Opfer ganz verbrannt wurde, sondern um ein Mahlopfer, bei dem nur Teile der Göttin dargebracht und der große Rest zubereitet und als Leichenschmaus von den Menschen verzehrt wurde. Da Ceres eine der Inferi war, werden ihr die Gaben nicht über das Feuer übergeben, sondern einfach in eine Grube gelegt worden sein. Ähnliches wird von den Thesmophorien in Bezug auf Demeter berichtet.

Eine weitere mögliche Interpretation der Rückseite, wäre die Darstellung der Sulcus primigenius (lateinisch „allererste Furche“). Der Sulcus primigenius ist in der antiken Siedlungskultur eine mit einem Pflug im Kreise gezogene Furche, die den Graben außen und den Aufwurf nach innen hat. Sie ist die symbolische erste Mauer um eine zu gründende Stadt, die Furche wächst später zum Graben und der Aufwurf zur Mauer. Konsequenterweise wird die Furche an den Stellen, an denen sich später die Tore befinden werden, unterbrochen. Der Sulcus primigenius ist vom Pomerium unterschieden. Das Pomerium war wahrscheinlich der Maueranger. Das Pomerium ist stets durchgängig, der Sulcus primigenius nicht. Der Vorgang selbst heißt im Lateinischen urvare. Hierher gehört urbare, ein Wort, aus dem sich dann Urbs ableitet.

Die Inschrift C MARI C F identifiziert den Münzmeister Gaius Marius C. f. Capito. Die Inschrift CXII ist eine Kontrollmarke, welche bei diesem Denartyp variieren kann.

Hintergrund:
Über Gaius Marius C. f. Capito ist historisch nicht viel bekannt, außer dass er im Jahr 81 v.Chr. als Münzmeister unter anderem diesen Denartyp prägen ließ. Er ist nicht verwandt mit dem berühmten Gaius Marius. Laut antiken Quellen nahm er den Beinamen Capito an, um sich vom bereits verstorbenen Gaius Marius und seinen Anhängern zu distanzieren – er selbst war ein Parteigänger Sullas.

Ovid beschreibt Ceres als Gesetzgeberin. Als solche wird sie auch schon in den Zwölftafelgesetzen genannt. Möglicherweise spielt hier Demeter als Herrin der Thesmophorien eine Rolle, wegen der Doppelbedeutung des Thesmon als „Niedergelegtes, Niedergeschriebenes“.

Es daher durchaus möglich, dass die Prägung dieses Denartyps durch Gaius Marius C.f. Capito nicht nur dem Ceres Kult alleine gilt, sondern auch ein Bezug auf die großen einschneidenden Gesetzesreformen des Sulla 81 v.Chr. waren.



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Und hier gehst wie immer zum original: https://roma-aeterna.de/roemische-repub ... ito-m0044/
Zuletzt geändert von Timestheus am So 12.12.21 18:40, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Lucius Aelius » Sa 11.12.21 15:51

Überprüf doch mal zu dieser Rückseite die Möglichkeit des sulcus primigenius 😉
Nur weil Ceres vorne ist heisst das noch nicht, dass es hinten auch etwas mit ihr zu tun haben muss.
Gruss
Lucius Aelius

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 11.12.21 18:31

Lucius Aelius hat geschrieben:
Sa 11.12.21 15:51
Überprüf doch mal zu dieser Rückseite die Möglichkeit des sulcus primigenius 😉
Nur weil Ceres vorne ist heisst das noch nicht, dass es hinten auch etwas mit ihr zu tun haben muss.
Aber gerne doch - habe es mal ergänzt... :)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Sa 11.12.21 18:37

Timestheus hat geschrieben:
Sa 11.12.21 18:31
Aber gerne doch - habe es mal ergänzt...
Sehr gut, da hat der gute Lucius Aelius nämlich sehr recht. Übrigens, wenn du etwas googelst, wirst du auf ein sehr interessantes, recht bekanntes Relief stossen.

Weiter so.
Grüsse
Rainer
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