Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Timestheus
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mo 14.02.22 17:08

Falls es jemanden interessiert - die restlichen unverkauften Stücke sind bei Herrn Naumann in der Auktion A116, welche in der ersten April Woche stattfinden wird.
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cmetzner
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von cmetzner » Mi 16.02.22 04:44

Am 1.12.2021 hast du über diesen Denar geschrieben:
Timestheus hat geschrieben:
Mi 01.12.21 18:16
Münze:
Lucius Marcius Philippus 113 v.Chr.
Denar der Römischen Republik
weißt du ob dieser Lucius etwa mit Quintus Marcius Philippus verwandt war?

Habe einen Denar wie dieser hier, geprägt 129 v. Chr., in einem Lot von 5 Denarii gewonnen:
https://www.acsearch.info/search.html?id=3071342

finde aber keine weiteren Angaben über Quintus, außer dass er triumvir monetalis in 129 v. Chr. war und natürlich, dass er der Gens Marcia angehörte.

Auch Wikipedia scheint nichts weiteres über ihn zu haben.Da erscheinen zwei Quintus Marcius Philippus, doch keiner von den beiden hat 129 v. Chr. noch gelebt:
https://www.wikiwand.com/de/Quintus_Marcius_Philippus

Wäre prima etwas mehr über diesen Quintus zu wissen. Falls du einen Link kennst wo ich mehr erfahren kann bin ich dir sehr dankbar :-)

Schöne Grüße
Christiane

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von justus » Mi 16.02.22 05:49

cmetzner hat geschrieben:
Mi 16.02.22 04:44
Habe einen Denar wie dieser hier, geprägt 129 v. Chr., in einem Lot von 5 Denarii gewonnen:
https://www.acsearch.info/search.html?id=3071342

finde aber keine weiteren Angaben über Quintus, außer dass er triumvir monetalis in 129 v. Chr. war und natürlich, dass er der Gens Marcia angehörte.

Auch Wikipedia scheint nichts weiteres über ihn zu haben.Da erscheinen zwei Quintus Marcius Philippus, doch keiner von den beiden hat 129 v. Chr. noch gelebt:
https://www.wikiwand.com/de/Quintus_Marcius_Philippus

Wäre prima etwas mehr über diesen Quintus zu wissen. Falls du einen Link kennst wo ich mehr erfahren kann bin ich dir sehr dankbar :-)

Schöne Grüße
Christiane
Im Kleine Pauly findet sich (unter Nr. 27 Marcius, Bd. 3) folgender Verweis auf einen Q. M. Philippus: "Münzmeister ca. 125-120, Broughton Mag. 2,445, vielleicht identisch mit einem von Cic. Balb. 28 genannten Verbannten in Nuceria." Vielleicht suchst du ja in diese Richtung mal weiter.
mit freundlichem Gruß

IVSTVS
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Atalaya » Mi 16.02.22 09:51

cmetzner hat geschrieben:
Mi 16.02.22 04:44
Habe einen Denar wie dieser hier, geprägt 129 v. Chr., in einem Lot von 5 Denarii gewonnen:
https://www.acsearch.info/search.html?id=3071342
Diese Denare (und Quintus) werden in der RE unter Marcius 82 mit weiterer Literatur erwähnt. Wikisource hat anscheinend noch keinen Scan der Seite. Viel ist über ihn nicht bekannt. :?
RE 1579.jpg
RE XIV 2 (1930) 1579 s. v. Marcius 82 (F. Münzer).

Viele Grüße,
Atalaya
"...und noch heute ist es in Neapel höchst ergötzlich, die Münzen mit dem Kopfe Murats friedlich neben denen mit dem Kopfe Ferdinands im Gebrauch zu sehen."
Ferdinand Gregorovius, 1853

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 16.02.22 11:35

cmetzner hat geschrieben:
Mi 16.02.22 04:44
Habe einen Denar wie dieser hier, geprägt 129 v. Chr., in einem Lot von 5 Denarii gewonnen:

Dazu möchte ich noch ergänzen.

Abgebildet soll auf dem Denar wohl ein makedonischer Lanzenreiter sein. Das bestärkt anscheinend auch der dahinter abgebildete makedonische Königshelm mit Ziegenhörnern auf dem Denar. Es handelt sich also um eine "makedonische Erinnerung".

Die Prägung soll sich mit der Rückseite daher auf den Konsul von 186 v.Chr. und 169 v.Chr. - Quintus Marcius Philippus - beziehen. Dieser übernahm im Jahr seines zweiten Konsulates den Oberbefehl der Landstreitkräfte und zog (mehr oder weniger erfolgreich aus heutiger Sicht) gegen Makedonien in den Krieg. Zeitlebens wurden seine Taten jedoch als ruhmreich dargestellt - daher auch die Lobpreisung auf der Rückseite Deines Denares.

Der Konsul / die Rückseite:
https://www.wikiwand.com/de/Quintus_Mar ... 186_v._Chr.)


Der Münzmeister soll ein Enkel des erwähnten Konsuls gewesen sein (Sear).
Mehr ist da aber leider nicht mehr viel drin.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 25.02.22 10:43

radierung statue.jpg

Ich habe mir diese Woche eine Radierung des Giovanni Battista de Cavalieri von 1585 gekauft. Ich habe über den Regal mit den Münzboxen noch eine leere weiße Wandfläche - da dachte ich macht sich so eine Radierung passend.
Giovanni Battista Cavalieri (Giovanni Battista de’ Cavalleris) (* 1525 in Villa Lagarina; † 23. Juli 1601 in Rom) war ein italienischer Kupferstecher, Radierer und Verleger. Cavalieris Erfolg ist vor allem der Dokumentation römischer Altertümer zuzuschreiben, insbesondere in den vier Bänden Antiquarum statuarum urbis Romae, die 1585 und 1593 in Rom veröffentlicht wurden und in denen antike Statuen der wichtigsten römischen Sammlungen sowie auch Gebäude abgebildet sind.

Cavalieri fertigte Radierungen und Zeichnungen verschiedenster römischer Bauwerke und Statuen an und wies diese entsprechend zu, nicht immer auch treffend. Die vorliegende Radierung zeigt "Julia, die Frau des C. Petronij" - allerdings ist man sich da nicht sicher, es könnte auch eine Statue sein, welche eine der Severer-Julia Damen darstellt.

Ich bin da aber absoluter Laie und mir hat die Radierung einfach gefallen und die Phantasie das es sich hierbei um die Statue einer der Julia Damen der Severer handeln könnte, reicht mir aus ;) damit dieses kleine Kunstwerk einen Platz an der Wand bekommt.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 25.02.22 18:53

gordian iii stadttor.jpg

MOESIA INFERIOR Markianopolis
Gordianus III. (238-244) AE 29 Av.: Drapierte Büste Gordianus III. mit Lorbeerkranz nach rechts, vis-a-vis drapierte Büste Serapis. Rv.: Stadtmauer mit Tor, flankiert von Türmen. AMNG: I,1170 Varbanov: 1966 13.79 g


gordian iii tempel.jpg

MOESIA INFERIOR Marcianopolis
Gordian III. u. Tranquillina Pentassarion Av.: Drapierte und gepanzerte Büste des Gordianus III. mit Lorbeerkranz nach rechts, vis-a-vis drapierter Büste der Tranquillina mit Diadem. Rv.: Tempel mit vier Säulen und einem Tyche-Standbild. Varbanov: 2057 11.18 g


---
Nix besonderes, fürs kleine Geld. Aber habe gerade irgendwie Spaß gefunden am bestimmen der Provinz Bronzen - und daher mir die zwei Exemplare des Gordianus gegönnt. Weiß noch gar nichts über die Legende und vor allem, was da schönes auf den Rückseiten dargestellt wird genau. Bin mal gespannt, was sich da so heraus finden lässt.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Peter43 » Fr 25.02.22 20:14

Ich darf ergänzen:

(1) obere Münze
Hristova/Jekov (2014) 6.37.46.4, nicht häufig (R6); nicht in Pfeiffer (2014)
Man sollte ergänzen: Büste des Gordian III. drapiert und gepanzert, Serapis mit Kalathos, OPOLITWN mit legiertem WN, E im Toreingang für Pentassarion

(2) untere Münze
Hristova/Jekov (2014) 6.38.46.2, nicht häufig (R6); Pfeiffer (2014) 729

2 schöne Münzen:
obere Münze SS, untere Münze SS+

Über Gebäude und interessante Details gibt es eine schöne Seite: http://www.aeruginis.de/aeruginis/index.php

Jochen
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 25.02.22 20:39

Peter43 hat geschrieben:
Fr 25.02.22 20:14
Ich darf ergänzen:
Dürfen? Ich Danke Dir!
Peter43 hat geschrieben:
Fr 25.02.22 20:14
Ich darf ergänzen:
Im RPC habe ich beide wenigstens auch schon mal gefunden :)
Peter43 hat geschrieben:
Fr 25.02.22 20:14
2 schöne Münzen:
Danke. Macht einen Heidenspaß die griechische Umschrift zu übersetzen und zu schauen, was die Provinzen so an Personifikationen, Gottheiten und Gebäude hatten. Und wenn es in die Sammelepoche passt - ideal.
Peter43 hat geschrieben:
Fr 25.02.22 20:14
Über Gebäude und interessante Details gibt es eine schöne Seite: http://www.aeruginis.de/aeruginis/index.php
Danke! Gleich mal als Favorit abgespeichert und wieder was zum Lesen fürs WE. Ich wollte am Wochenende eh mal meine Provinz Bronzen bisschen sezieren - da muss ich dann eh noch Deinen Thread nach Gottheiten und Co durchforsten :) eine ideale Quelle.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Sa 26.02.22 08:06

sorry
Peter43 hat geschrieben:
Fr 25.02.22 20:14
mit legiertem WN
ligiertem ;-)
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Peter43 » Sa 26.02.22 10:05

:D
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von tilos » Sa 26.02.22 17:57

Numis-Student hat geschrieben:
Sa 26.02.22 08:06
sorry
Peter43 hat geschrieben:
Fr 25.02.22 20:14
mit legiertem WN
ligiertem ;-)
beides? :D :D

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 27.02.22 20:08

Meine Güte - die Auktion bei Leu zieht sich ja hin - ich nehme jetzt das Tablet und setze mich in den Fernsehsessel. Bis jetzt habe ich zwei günstige Provinz Bronzen abstauben können - nichts weltbewegendes. Die interessanten Silberlinge kommen noch... irgendwann heute Nacht vom Gefühl her - aber keine Lust mehr vor dem Rechner zu warten.

caracalla.jpg

MACEDON. Stobi. Caracalla, 198-217. AE (Bronze, 24 mm, 7.41 g, 7 h). M AVREL ANTONINVS AV Laureate head of Caracalla to right. Rev. MVNI STO Victory advancing left, holding wreath in her right hand and palm frond over her left shoulder. Josifovski 422. Varbanov 3945. An attractive example with a beautiful green patina. About extremely fine. From the collection of Dr. P. Vogl, ex Naumann E-Auction 49, 8 January 2017, 372 (with original ticket).

maximinus.jpg

CILICIA. Ninica-Claudiopolis. Maximinus I, with Maximus Caesar. 'Sestertius' (Orichalcum, 30 mm, 14.31 g, 7 h). IMP MAXIMINVΓ PIVΓ AVΓ (sic!) Laureate, draped and cuirassed bust of Maximinus right, seen from behind. Rev. C IVL VЄΠ MAXIMVΓ C C NI CLVΔ (sic!) Bareheaded and draped bust of Maximus right, seen from behind; on head, two countermarks. RPC VI online 6906. SNG PFPS 980. Minor marks, otherwise, very fine.



Einen Caracalla aus der Provinz und einen Maximinus mit Sohnemann. Na ja. mal schauen was die Silberlinge nachher ab der Severer Zeit machen. Bei 1, 2 selteneren Stücken hätte ich schon Interesse - aber mal schauen wie viele gegen später noch Online sind und mitbieten.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Mi 02.03.22 15:21

Bild

Marcus Aurelius Severus Antoninus Caracalla 211 bis 217 n.Chr.
Denar der römischen Kaiserzeit 215 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 19mm
Gewicht: 3,22g
Münzstätte: Rom
Provenienz: Palaio Dr. Gernot Heinrich, Bad Reichenhall
Referenz: RIC IV Caracalla 251

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete Büste des Caracalla mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: ANTONINVS PIVS AVG GERM für Antoninus Pius Augustus Germanicus.

Den Siegernamen Germanicus maximus führte Caracalla seit 213 n.Chr. Im Sommer dieses Jahres war er in Germanien über den rätischen Limes gegen die Alemannen zu Felde gezogen und hatte schließlich eine erfolgreiche Schlacht mit ihnen am Mainfluss geschlagen. Sein Verhalten zum Feind war jedoch gekennzeichnet durch Verrat und Brutalität. So hatte er die alemannische Jugend aufgerufen unter seinen Fahnen mitzukämpfen und sie dann grausam ermorden lassen. Anschließende Kämpfe scheinen jedoch weniger günstig verlaufen zu sein, denn er sah sich zu Zahlungen an germanische Gruppen veranlasst. Insgesamt gesehen war sein Vorgehen aber offenbar erfolgreich, denn die Lage an der Nordgrenze blieb für zwei Jahrzehnte stabil.

Von Caracalla sind vier Porträttypen bekannt. Sie unterscheiden sich so deutlich, dass ihr Einsetzen mit Hilfe der datierten Münzen genau bestimmt werden kann. Ein erster Typus entstand 196 n.Chr. Unverkennbar ist das jugendlich-lockenköpfige Porträt dem des jungen Marc Aurel nachgebildet. Der Typus entstand zur gleichen Zeit wie ein Porträttypus des Septimius Severus, dessen Gestaltung sich an den letzten Porträttypus des Marc Aurel anlehnt. Die Porträts von Vater und Sohn sollten die behauptete Abstammung aus dem Hause der Antoninen vor Augen führen, die auch in Caracallas neuem Namen zum Ausdruck kam. Von diesem Typus gab es Neuauflagen mit erwachsener werdenden Proportionen.

Im Jahr 204 n.Chr. wurden für Caracalla und Geta neue Bildnistypen geschaffen. Beide trugen nun das kurzgeschorene Haar, das in der Folge im 3. Jahrhundert n.Chr. zur führenden Frisurenmode wurde. Merkwürdigerweise sind die Typen der beiden Brüder einander so ähnlich, dass man sie nicht zuverlässig auseinanderhalten kann. Für beide gab es verschiedene Neuauflagen, die das Älterwerden durch zunehmenden Bartwuchs anzeigten. Auch die Porträts aus dem Jahr der gemeinsamen Regierung 211/12 n.Chr. entsprechen diesen Typen und zeigen beide mit kurzem Vollbart.

Mit dem Gewinn der Alleinherrschaft 212 n.Chr. gestaltete Caracalla sein Porträt völlig neu. Der Kopf ist scharf zur linken Seite gewendet, und die Stirn des massiven Gesichts so kräftig zusammengezogen, dass der Betrachter schwanken kann, ob er in eine Miene höchster Anstrengung oder höchsten Zornes blickt. Caracalla trägt in diesem Porträt eine kurze Lockenfrisur und einen kurzgelockten Bart. Zu diesem Entwurf gehörte die Erfindung eines neuen kurzen Panzerbüstentypus, in dessen straff zur Seite gezogenem Mantel sich die starke Bewegung des Kopfes spiegelt.

Für die Interpretation dieses merkwürdigen Porträts ist es wichtig zu sehen, dass der Kaiser die extreme Inszenierung seiner selbst schon nach wenigen Jahren wieder zurückgenommen hat. In einem 215 n.Chr. geschaffenen Typus wurden die Haltung des Kopfes und die Mimik des Gesichts beruhigt, und Caracalla trägt wieder das kurze Haar, das nun üblich wurde. In einem vermutlich postumen Typus wurde die heftige Mimik des Typus von 212 n.Chr. wieder aufgenommen − man wüsste gern weshalb.

Die extreme Mimik des Porträttypus von 212 n.Chr. muss auch den Zeitgenossen aufgefallen sein. Das zeigen Bemerkungen in der antiken Literatur, die diese Mimik allerdings der Person zuschreiben. Der Zeitgenosse Dio Cassius berichtet, ein Spaßmacher habe gesagt, Caracalla sehe aus, als sei er wütend, weil er sich leidenschaftlich (thymoeidesteron) zu geben pflegte (Dio 78,11). Und in der spätantiken Historia Augusta heißt es, der Kaiser sei als Kind nett gewesen, später aber sei er ‚restrictior, gravior, vultu etiam truculentior, … im Gesichtsausdruck finster‘ geworden (SHA Caracalla 2,4).

Im Hintergrund der merkwürdigen Stilisierung muss vor allem die offenbar besonders ausgeprägte Neigung Caracallas zum Heer und zum Soldatenleben gestanden haben. Er war angeblich keine gute Führungspersönlichkeit, liebte es aber, das Leben der Soldaten zu teilen und wurde dafür von ihnen geliebt. Auch der schon antike Spitzname Caracalla leitet sich von einem bestimmten Soldatenmantel her, den er gern trug. In diesem Sinne könnte der Bildnistypus Kraft, Energie und Einsatzbereitschaft ausgedrückt haben. Ein Bekenntnis zum Heer wäre 212 n.Chr. sehr passend gewesen, denn nach dem Mord an seinem Bruder soll Caracalla sich dorthin geflüchtet haben, als seine Hauptstütze. Vielfach wird außerdem von Caracallas zunehmender Schwärmerei für Alexander dem Großen berichtet. Er soll sogar Doppelhermen mit seinem Bildnis und dem des legendären Makedonen errichtet haben. Für einen Bezug auf Alexander im Porträt, wie ihn andere römische Kaiser gesucht haben, gibt es jedoch keinen Anhaltspunkt.

Revers:
Zu sehen ist der Gott Aeskulap frontal stehend, den Kopf nach links gerichtet, in der rechten Hand hält er einen Stab mit einer Schlange. Am Boden ist der sogenannte Omphalos (eiförmiger Stein) abgebildet. Die Inschrift lautet: P M TR P XVIII COS IIII P P für Pontifex Maximus Tribunitia Potestas (zum achtzehnten Male) Konsul (zum vierten Male) Pater Patriae.

Asklepios (lateinisch Aesculapius) ist in der griechischen und römischen Mythologie der Gott der Heilkunst. Die Schlange, welche sich in den meisten Darstellungen um den Äskulapstab windet, weist ihn den chthonischen oder Erdgottheiten zu. Nach homerischer Tradition war Asklepios ein Heros und Arzt in Thessalien, der nach dem Tod seine Verehrung als Gott der Medizin erfuhr.

Asklepios gilt als Sohn des Apollon und der Koronis, der Tochter des Königs Phlegyas. Als Koronis bereits von dem Gott Apollon schwanger war, ließ sie sich mit Ischys, einem Sterblichen, ein. Zur Strafe wurde sie von Apollons Zwillingsschwester Artemis oder von Apollon selbst getötet. Als ihre Leiche auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, näherte sich Hermes und schnitt den ungeborenen Äskulap aus ihrem Mutterschoß. Apollon brachte ihn zum heilkundigen Kentauren Cheiron, der das Kind aufnahm und in der Heilkunst unterwies, welche er einst selbst von Apollon gelernt hatte.

Mit diesem mythologischen Ursprung wird Asklepios als unvergleichlicher Meister der ärztlichen Heilkunst, einschließlich der Tiermedizin, gesehen. Mit Hilfe magisch heilsamer Kräfte des Blutes der Gorgone Medusa, welches ihm Athene brachte, sei es ihm sogar gelungen, einen Toten wieder zum Leben zu erwecken. Des Weiteren wird Asklepios auch in der Ilias erwähnt, wo Homer in ihm einen „unvergleichbaren Arzt“ sieht, dessen Sohn Machaon seinen Dienst vor den Toren des umkämpften Trojas verrichtet. Mit seiner Frau Epione hatte er noch einen weiteren Sohn (Podaleirios) und fünf Töchter (Panakeia, Hygieia, Akeso, Iaso und Aigle). Seine Tochter Hygieia gilt als Personifikation der Gesundheit. Seine zweite Tochter Panakeia gilt als Personifizierung des Heilens durch Heilpflanzen.

Asklepios soll die Chirurgie und die Medizin (sowie die darin eingeschlossene Kräuterkunde) beherrscht haben. Die Heilbehandlung im Asklepios-Kult, dessen Zentrum das Heiligtum in Epidauros in der Argolis war, bestand oft darin, dass der Kranke im meist außerhalb der Stadt gelegenen Tempel des Asklepios schlief. Im Traum erschien ihm dann der Arzt und gab dem Patienten Diäten oder andere Kuren auf. Es heißt sogar, er hätte es einem glatzköpfigen Mann ermöglicht, sich an einem neuen Haarwuchs zu erfreuen. Auch soll er in Epidauros eine erblindete Frau (Ambrosia aus Athen) mit einem operativen Eingriff am Auge geheilt haben.

Mit der Wiedererweckung eines Toten hatte Asklepios wohl seine Befugnisse überschritten, jedenfalls beschwerte sich Hades energisch bei seinem Bruder Zeus über ihn. Auch letzterer fürchtete nun ob des Erfolges des Heilkünstlers, dass bald kein Mensch mehr sterben würde. Er schleuderte daraufhin einen Blitz auf Asklepios und tötete diesen. Dessen Vater Apollon zürnte darüber und tötete alle Kyklopen, die die Blitze für Zeus schmiedeten. Die Strafe, die Zeus Apollon hierfür auferlegte, besagte, dass dieser nun ein großes Jahr lang, das heißt für eine neunjährigen Periode oder Ennaeteris, die Rinder des Admetos hüten müsse. Nach seinem Tod wurde Asklepios bzw. Aesculapius unter die Götter aufgenommen.

Asklepios wird meist als ein bärtiger, ernster Mann, der mit Lorbeer verziert ist und sich auf einen Stab stützt, abgebildet. Dieser Stab, der von einer Schlange (Natter), in deren Form er sich einst verwandelte, um im Jahr 293 v.Chr. eine nach Titus Livius seit etwa 290 v.Chr. bestehende Seuche bzw. schwere Epidemie in Rom zu beenden, umschlungen wird, der sogenannte Asklepiosstab, wurde zum Symbol der Heilkunde. Der Hahn, die Eule, die Schlange und die Zypresse waren ihm heilig. Dargestellt wurde Asklepios auf Statuen, Reliefs, Gefäßen und Münzrückseiten, letztere vor allem auf den Bronzemünzen in den kleinasiatischen römischen Provinzen.

Hintergrund:
Caracallas Verhältnis zur Religion war, wie Cassius Dio berichtet, vor allem von seinem Bedürfnis bestimmt, von den Göttern Heilung von seinen Krankheiten zu erlangen – mehrmals erkrankte er zu Lebzeiten schwer. Zu diesem Zweck soll er allen bedeutenderen Gottheiten Opfer und Weihegaben dargebracht und eifrig gebetet haben. Zu den Göttern, von denen er Hilfe erhoffte, gehörten der griechische Heilungsgott Asklepios, der ägyptische Sarapis und Apollon, der mit dem keltischen Heilungsgott Grannus identifiziert und als Apollo Grannus verehrt wurde.

Wahrscheinlich besuchte der Kaiser den Apollo-Grannus-Tempel in Faimingen, dass damals Phoebiana hieß und zur Provinz Raetia gehörte. Als gesichert gilt, dass Caracalla die Stadt Pergamon besuchte, wo er sich im Tempel des Aesculapius Heilung erhoffte. Im Jahr 214 n.Chr. nach seinem kräftezehrenden Germanienfeldzug, ließ sich der Kaiser im dortigen Asklepios-Heiligtum kurieren, renovierte zum Dank für seine Heilung den Tempel des Gottes und ließ in Rom Münzen mit seinem Abbild ausgeben.

Pergamon war es auch, welcher Caracalla das Recht erteilte einen dritten Neokorietempel zu weihen, in dem die griechischen Bewohner der Provinz Asia Asklepios und Caracalla kultisch verehren konnten. Caracalla wurde hierbei zum „Mitgott“ (Syntheos) des Asklepios. Hierfür wurde sicherlich kein neuer Tempel erbaut, sondern die Statue des Caracalla gesellte man dem wichtigsten Kultbild des Asklepios in Pergamon bei.

Der grausame Brudermord belastete Caracalla sein Leben lang. Er hatte furchtbare Alpträume und litt wohl unter psychosomatischen Beschwerden. Einen kranken Kaiser aber, das konnte sich Rom zu Beginn des kriselnden 3. Jahrhunderts nicht leisten. So suchte der Kaiser nach Heilung bei den Besuchen der Heiligtümer der Heilgötter. Zwar war die Behandlung von Wunden und alltäglichen körperlichen Beschwerden in der römischen Zeit weit entwickelt, aber es gab dennoch immer noch unzählige Krankheiten, bei denen die Ärzte ihren Patienten keine wirksame Kur verschreiben konnten. Diese Kranken flüchteten sich in die heiligen Haine und Tempel von Aesculap, Apollon oder Amphiareios.

Dort verkündeten ihnen die Priester, dass Krankheit daraus resultieren könne, dass der Mensch nicht im Einklang mit dem göttlichen Recht gelebt habe, dass die Götter das Leiden geschickt hätten, um ihnen dies mitzuteilen. Es ginge nun darum wieder als Mensch die Eintracht mit den Göttern und der Welt herzustellen. Im Heilschlaf traten die Kranken in Verbindung mit dem Überirdischen und im Traum wurden ihnen Mittel und Wege zur Linderung gewiesen.

Caracalla muss einen befreienden Traum in Pergamon gehabt haben. Es ist nicht bekannt, wie ihm die dortigen Priester halfen seinen Frieden mit den Göttern und seinem Seelenheil zu machen. Jedenfalls blieb der Kaiser dem Gott Asklepios zeit seines Lebens dankbar. Abgesehen von den großen Spenden an die Tempelpriester und die Privilegien für Pergamon und sein Heiligtum, wie schon zuvor erwähnt, ehrte er den Gott, indem er ihn in einer großen und ausgedehnten Münzemission im ganzen Reich bekannt machte – und zwar in genau der Art und Darstellung, wie er in Pergamon verehrt wurde.

Tatsächlich soll auf den Prägungen ganz eindeutig Asklepios aus Pergamon zu erkennen sein, da dieser Gott nur dort mit einem sogenannten Omphalos (einem eiförmigen Stein) dargestellt wurde, wie er auch auf diesem Denartyp rechts im Reversbild dargestellt wird. Interessant ist hierbei, dass diese Darstellungsweise offenbar von der lokalen Münzprägung Pergamons abgeleitet wurde, wohingegen es normalerweise umgekehrt die Stadt Rom war, welche die Vorlagen für die Münzmotive der von ihren abhängigen Gebieten lieferte.

Es existiert eine zeitgleiche Sesterz Prägung aus dem Jahr 215 n.Chr. (RIC IV Caracalla 538a), welcher auf der Rückseite den Bezug zum Asklepios Kult aus Pergamon noch deutlicher untermauert. Hier ist neben dem Omphalos auch noch sein Sohn Telesphoros dargestellt – was auf dem Denar aus Platzgründen wohl nicht mehr möglich war.

Quellen:
* Wikipedia: Caracalla
* Wikipedia: Aeskulap
* Wikipedia: Pontifex Maximus
* Wikipedia: Tribunizische Gewalt
* Wikipedia: Pater Patriae
* Sonja Hommen: Caracalla und Aeskulap
* Münzenwoche: Teil 16, der Brudermord des Caracalla
* Peter Robert Franke, Ilse Paar: die antiken Münzen der Sammlung Heynen
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser

Blog:
https://roma-aeterna.de/roemische-kaise ... caracalla/



---
So, nachdem bedingt durch den "Wechsel" des Sammelgebietes die Vorstellungen eingeschlafen sind, möchte ich ab heute immer wieder mal die eine oder andere "besondere" Münze aus meiner Sammlung vorstellen. Angefangen heute mit dem Caracalla, den die Priester des Aesculap in Pergamon auf einen guten Tripp geschickt haben müssen - der so gut war, dass er Pergamon mit vielen Geschenken und Rechten bedachte und dem Gott - sonst auf römischen Stadtmünzen eher weniger vertreten - gleich mal mit einer groß angelegten Münzserie huldigte.

Viel Spaß beim Lesen ;)
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Perinawa » Mi 02.03.22 17:38

Ein ausdruckstarkes Portrait. So was gefällt mir.
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig

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