Sammlung Timestheus

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Numis-Student » Fr 13.05.22 12:11

antoninus1 hat geschrieben:
Fr 13.05.22 10:17
BCD (Basil C. Demetriadi) war ein griechischer Sammler antiker Münzen,
ist ?

zumindest lebt er noch.
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von antoninus1 » Fr 13.05.22 12:35

Das "war" bezieht sich darauf, dass er (vermutlich) nicht mehr sammelt.
Gruß,
antoninus1

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Fr 13.05.22 13:06

Numis-Student hat geschrieben:
Fr 13.05.22 12:11
zumindest lebt er noch.
Auch für die Info Danke - auch das wollte ich noch fragen.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » Sa 14.05.22 23:55

Bild

Münze:
Provinz Drachme der römischen Kaiserzeit 209/210 n.Chr.
Material: Silber
Durchmesser: 18,1mm
Gewicht: 2,9g
Münzstätte: Caesarea Eusebia, Cappadocia
Provenienz: NBS Auctions, Eindhoven
Referenz: Sydenham 400 var. Rare

Avers:
Zu sehen ist die nach rechts gerichtete drapierte Büste des Septimius Severus mit Lorbeerkranz. Die Inschrift lautet: AY KAI Λ CЄΠ CЄOYHPOC.

Die Inschrift kann wie folgt übersetzt werden:
ΑΥ = AV = Avtokrator = Imperator
KAI = Kaisar = Caesar
Λ = L = Lucius
CЄΠ = SEP = Septimius
CЄOYHPOC = SEVROS = Severus
Imperator Caesar Lucius Septimius Severus

Revers:
Zu sehen ist der heilige Berg Argaeus (Argaios), flankiert von spitzen Vulkanfelsformationen (Gesteinsnadeln) oder Dampf- und Feuer speienden seitlichen Vulkankegel. Mittig könnte eine Grotte bzw. Höhle abgebildet sein, ebenso könnte dies aber auch ein religiöses Symbol darstellen. Über dem Berg ist ein Stern abgebildet. Unterhalb des Berges befindet sich die Datierung der Prägung mit: ЄT IZ. Die Inschrift lautet: MHTPO KAICAP NЄΩ.

Die Datierung kann wie folgt übersetzt werden:
ЄT = ETOVC = Jahr
I = Iota = 10
Z = Zeta = 7
Im 17ten (10+7) Regierungsjahr des Septimius Severus (209/210 n.Chr.)

Die Inschrift kann wie folgt übersetzt werden:
MHTPO = METRO = Metropolis = Metropoliten
KAICAP = KAISAR = Kaisareia = Caesarea
NЄΩ = NEO = Neokoros
Von den Metropoliten aus Caesarea, welche die Ehre eines kaiserlichen Kult-Tempels besitzen

Der Berg Argaeus (griechisch Argaios, türkisch Erciyes Dağı) ist ein ruhender Vulkan, welcher mit einer Gesamthöhe von 3916 Meter auch der höchste Berg Kleinasiens ist. Sein Gipfel, oftmals über den Wolken, ist selbst im Sommer noch mit Schnee bedeckt. Er ist wahrlich Riese und König der Berge zugleich. Kletterer in der Antike berichteten, dass bei guter Sicht vom Gipfel aus, sowohl das Schwarze Meer (Pontus), als auch das östliche Mittelmeer (Issikos, Golf von Iskenderun) gesehen worden konnten. Zu seinen Füßen, etwa 25km weiter nördlich gelegen, liegt die heutige Stadt Kayseri in Kappadokien. In der Antike war die Stadt unter den Namen Kaisareia, Caesarea oder auch Eusebia bekannt. Der Berg war bereits in Vorzeiten ein Wahrzeichen der Region. Er überragt die etwa auf 1000 Meter Höhe liegende Stadt um 2900 Meter. Es ist ein sehr beeindruckender Berg, allein wegen seiner gewaltigen Höhe, seiner herausragenden Stellung und seinen vulkanischen Aktivitäten. Im Jahr 253 v.Chr. soll sich ein großer Ausbruch ereignet haben, welcher auch auf Münzen der römischen Republik Erwähnung gefunden haben soll. Der Geograph Strabon berichtete in seinen Schilderungen über die Region bei Caesarea von Ebenen, welche mit Feuergruben übersät waren, bei denen nachts die Flammen aus dem Boden brachen. Laut Strabo gab es noch zu seiner Zeit (54 v.Chr. bis 19 n.Chr.) schwefelhaltige heiße Wasserdämpfe am Vulkan. Aber auch der lateinische Dichter Claudius Claudianus (370 bis 404 n.Chr.) berichtete in der Spätantike über die zu seiner Zeit noch vorhandenen vulkanische Aktivitäten des Argaeus. Noch heute berühmt sind die Tuffsteinlandschaften mit ihren typischen Felskegeln, von den Einheimischen „Feenkamine genannt, welche durch die Ausbrüche des Argaeus entstanden sind.

Über den Kult und den Riten rund um den hier dargestellten Berg Argaeus bzw. Berggott ist so gut wie nichts bekannt. Der heilige Berg ist allerdings auch nur einer in einer ganzen Serie von Berggöttern. Den Numismatikern ist der Argaeus seit jeher ein Begriff, und hier wurden die Bergdarstellungen auch verschiedentlich diskutiert. Die altertumswissenschaftlichen Disziplinen haben sich mit diesem prominenten heiligen Berg bzw. Berggott bisher eher nur am Rand beschäftigt. Obwohl der Berg bereits in der Zeit der Hethiter eine kultische Rolle spielte, sind aus der frühen Zeit kaum historische Zeugnisse vorhanden. Argaeus wird in der antiken Literatur meist im Zusammenhang mit Mazaka-Kaisareia genannt und hier oft nur stereotyp erwähnt. Die Kenntnis der antiken Autoren über Argaeus und ein wirkliches Interesse an ihm ist insgesamt gering. Es fällt im Wesentlichen zusammen mit dem – ebenfalls beschränkten – Interesse an dem rückständigen Kappadokien selbst.

Nach einer Vermutung ist der Argaeus wahrscheinlich identisch mit dem in hethitische Keilschrifturkunden erwähnten heiligen Berg bzw. Berggott Hargaia (oder Harga), dem weißen, glänzend schimmernden Berg. Während des hethitischen purulliya-Festes wurde Harki neben anderen Bergen aufgefordert, an seinem Platz zu bleiben. So bleibt die Geschichte des Argaeus bis kurz vor der Zeitenwende weitgehend im Dunkeln. Aus der Zeit vor dem 1. Jahrhundert v.Chr. sind keine Schriften oder gesichert datierten Bergdarstellungen bekannt. Erst als eine Allianz mit Rom bestand, gab es in der kurzen Zeitspanne zwischen 101 v.Chr. und 17 n.Chr. griechische Münzprägungen mit der Erwähnung des Berges. Nach einer Pause erscheinen dann ab dem 1. Jahrhundert n.Chr. vermehrt die sogenannten Argaiosmünzen unter römischer Herrschaft. Eine mögliche Erklärung wäre, dass der Kult durch die Römer wiedereingeführt wurde, um die Kappadokier an die römische Trias Jupiter-Helios-Serapis heranzuführen und sie zur Anerkennung eines Summus-Deus-Glaubens zu bringen. (Peter Weiss). Bekannt ist, dass in seinem Namen ein Agon (Wettstreit) stattfand. In seinem Kommentar zu Kultbildern der Götter, schrieb Maximus von Tyrus im 2. Jahrhundert n.Chr. von einem Berg, welchen die Kappadokier als Gottheit (theos), Eid (horkos) und Weihbild (Agalma) betrachteten.

Entsprechend schwer ist die Darstellung der Argaeus Abbildungen auf den Münzen, mangels historischer Aufzeichnungen, deuten zu können. Der Berg wird, abgesehen von wenigen Ausnahmen, im Umriss dreieckig abgebildet. Oft werden deutlich oder ansatzweise zwei Nebengipfel dargestellt. Nach oben und an den Rändern, in der Regel kleiner werdend, befinden sich konische bis zapfenförmige Elemente. Hier könnte es sich um die erkalteten Felsnadeln in der Vulkanlandschaft – oder, wie von Strabon beschrieben, die Feuer und Wasserdampf spuckenden kegelförmigen Felsformationen handeln, welche sich an den Hängen des Vulkanes befanden. Mittig in der Bergdarstellung abgebildet soll es sich um ein Kultbild selbst oder um eine Grotte bzw. Höhle handeln. Ich glaube (mein subjektiver Eindruck) auf anderen und meiner hier vorgestellten Münze eine solche Grotte zu erkennen, zu der ein geschlängelter Weg führend angedeutet wird. Tatsächlich wurden am Berg zwei Höhlen entdeckt, zumindest eine davon wurde von Menschenhand erweitert. Über dem Berg thront ein Stern. Auch hier gibt es mehrere verschiedene Interpretationsversuche. Die solaren Züge einer gefundenen Figur mit Strahlenkranz und Globus, weißen Argaeus als eine Himmelsgottheit aus. In die gleiche Richtung würden damit die sehr häufig erscheinenden Astralsymbole ein Stern, zwei Sterne, drei Sterne, aber auch Stern und Halbmond oder nur Halbmond hinweisen. Es gibt allerdings auch eine Theorie eines heiligen Steines, ähnlich wie der heilige Stein von Emesa, welcher der Vulkan ausgespien haben soll und der dann verehrt wurde. Allerdings sprächen die eben erwähnten mehrfach verwendeten Astralsymbole gegen diese Theorie des einen verehrten Steines (ein Stern).

Eine weitere ungeklärte Frage stellt sich in Bezug auf die Abbildung des Berges Argaeus, wie auf dieser hier vorgestellten Drachme. Sehen wir hier den Berg selbst dargestellt oder ein Kultbild von ihm? Dass es ein Kultbild vom heiligen Berg gab, halte ich für sehr wahrscheinlich. Auf der Rückseite einer Bronze unter Commodus (SNG Cop. 254) ist ein Altar mit dem Berg Argaeus abgebildet. Auch auf einer Silber Drachme der Iulia Domna (SNG Cop. 267) ist sein Abbild deutlich erhöht auf einem Altar positioniert. Auf einer weiteren Bronze des Commodus sehen wir das Kultbild des Berg Argaios auf zweisäuligem Altar, darunter befindet sich ein Adler. Und auf einer Bronze des Severus Alexander sehen wir einen Tempel mit einem Kultbild des Argaeus in der Mitte zwischen den Säulen des Heiligtums. Soll also die Abbildung auf der hier vorgestellten – und anderen typähnlichen Münzen – eine relative naturgetreue Abbildung des Berges mit seinen Nebengipfeln und Felsnadeln nebst Grotte bzw. Höhle darstellen – oder sehen wir hier ein stilisiertes heiliges Kultbild des Berges, welches vielleicht in einem Tempel stand oder in einer Prozession durch die Straßen der Stadt geführt wurde? Die Einheitlichkeit der Darstellungen lässt allerdings nahelegen, dass es sich wahrscheinlich um die Darstellung eines tatsächlich existierenden Kultbildes, eines sogenannten Agalma (Kultbild, Weihebild) handelte.

Ein Neokorat war ein Rang oder eine Würde, die vom römischen Senat und dem römischen Kaiser bestimmten Städten verliehen wurde, welche Tempel für den Kaiser gebaut oder Kulte von Mitgliedern der kaiserlichen Familie etabliert hatten. Die Stadt selbst wurde als Neokoros bezeichnet. Ein Tempel, der dem Kaiser gewidmet war, wurde auch Neokorat genannt. Diese Titel kamen vom griechischen Wort νεωκόρος, wörtlich ein Tempelkehrer (νεώς, Tempel, κορεῖν, fegen) und wurden auch für einen Tempelwächter und für einen Priester von hohem Rang verwendet, welcher für einen Tempel verantwortlich war. Ab dem 2. Jahrhundert n.Chr. erschien der Titel auf vielen Münzen. Die Stadt Ephesus durfte den Titel erstmalig für seinen Tempel der Sebastoi verwenden. Es gab ungefähr 37 Städte, die das Neokorat hielten, vor allem in der Provinz Asien, aber auch in benachbarten Provinzen. Einer Stadt konnte mehr als ein Neokoros gewährt werden, und die Anzahl der Neokoroi wurde oft in der umgekehrten Legende der Münzen angegeben (B = 2, Γ = 3, ∆ = 4).

Hintergrund:
Caesarea (ursprünglich Mazaka oder Eusebeia, griechisch Kaisareia, heute Kayseri), benannt zu Ehren des römischen Kaisers Tiberius, war Hauptstadt der römischen Provinz Cappadocia. Der Standort der heutigen Stadt war noch bis in das 4. Jahrhundert von Salzseen und Sümpfen durchsetzt, die teilweise erst im letzten Jahrhundert drainiert wurden. Seit hethitischer Zeit hieß der Ort Mazaka. In hellenistischer Zeit residierten hier die Könige von Kappadokien und Eusebeia, wie Mazaka damals auch genannt wurde, bildete neben Tyana im Süden eines der beiden Landeszentren. Nach Strabon war die Stadt noch zu seiner Zeit unbefestigt und von räuberischen Stämmen umgeben. Das umgebende Land war unfruchtbar, sandig und steinig, die Stadt selbst „wasserlos“.

Von der vulkanischen Tätigkeit um den Erciyes scheinen sich damals noch zahlreiche „Feuergruben“ erhalten zu haben. Auch die Holzversorgung über die Hänge des Vulkanbergs gestaltete sich daher schwierig. In der Ebene um die Stadt floss der sumpfreiche Fluss Melas, der heutige Karasu Çayı (beide Namen bedeuten „schwarzer Fluss“), ein Nebenfluss des Delice Çayı, in der Antike Cappadox genannt und seinerseits ein Nebenfluss des Kızılırmak oder Halys. Durch die Aufstauung des Melas bei dessen Mündung schuf der kappadokische König Ariarathes einen „meerähnlichen See“ mit einigen Inseln. Doch der Bruch des Staudamms sorgte für eine Schlammflut am gesamten Unterlauf des Halys, namentlich bei den Galatern Phrygiens, die daraufhin Entschädigung verlangten.

Um 77 v.Chr. wurde die Stadt zum zweiten Mal vom armenischen Großkönig Tigranes II. eingenommen, wobei der Herrscher abermals zahlreiche Bewohner in seine neue Hauptstadt Tigranokerta im nördlichen Mesopotamien deportieren ließ. Erst nach der Eroberung dieses Ortes durch die Römer unter Pompeius (69 v.Chr.) konnte die umgesiedelte Bevölkerung wieder zurückkehren. Mit dem Tode seines letzten Königs Archelaos verlor Kappadokien 17 n.Chr. seine Selbstständigkeit und wurde unter Kaiser Tiberius in die römische Provinz Cappadocia umgewandelt. Mazaka–Eusebeia diente nun als Provinzhauptstadt und erhielt den Namen Caesarea (griechisch Kaisareia). Nach der Teilung Kappadokiens unter Kaiser Valens war Caesarea die Hauptstadt von Cappadocia prima.

Nach christlicher Überlieferung fand das Christentum bei den Bürgern der Stadt früh Anklang (1 Petr 1,1 EU). Zu Beginn des 3. Jahrhunderts war Caesarea ein Mittelpunkt christlich-theologischer Bildung. Seine Blüte erlebte Caesarea im 4. Jahrhundert. Die Sozialwerke (Spitäler, Altersheime, Armenspeisung), die Basilius von Caesarea in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts dort einrichtete, waren in der Antike berühmt. Die neue Siedlung wuchs rasch, während die alten Viertel allmählich verfielen (Reste sind noch heute zu finden).

Silbermünzen wurden in Caesarea für Septimius Severus in seinen Regierungsjahren 2, 5 und 12 bis 20 geprägt. Da Severus de facto aber nur 18 Regierungsjahre hatte, wurden die Jahre 19 und 20 unter Caracalla und Iulia Domna ausgegeben. Die traditionellste Münzsorte war dabei die Drachme, gelegentlich ergänzt durch die sogenannte Tridrachme – seltener die Didrachme und die Tetradrachme. Die Drachme hatte ein Gewicht von etwa 3 Gramm und wurde über die gesamte Zeit (2, 5 und 12 bis 20 Regierungsjahr) ausgegeben. Die Tridrachme hatte wiederum ein Gewicht von etwa 9 Gramm und erschien in den Regierungsjahren 5 und 13 bis 18. Die Didrachme mit ihrem Gewicht von etwa 5 Gramm und die Tetradrachme mit dem Gewicht von circa 10 Gramm, wurde allein in den „Regierungsjahren“ 19 und 20 geprägt.

Bei der Gestaltung der Rückseitendarstellung unter den Severer fallen bei näherer Betrachtung einige Dinge auf. Der Berg Argaeus war seit der Zeit der Flavier ein gängiger Rückseitentyp und gab es in zwei Formen. Einmal überragt von einer stehenden Figur, welche manchmal Patera und Szepter hält und üblicherweise als Helios identifiziert wird. Und als zweite Form den Berg Argaeus, welcher einfach von einem Stern überragt wird, welcher als Symbol des Gottes dienen könnte. Auf Ausgaben des Marcus Aurelius und Lucius Verus sind beide Symbole gar nebeneinander zu sehen. Unter Septimius Severus erscheint die stehende Figur jedoch nur noch auf Tridrachmen. Für Iulia Domna gibt es als erste Frau eine eigene Münzprägung mit Ausgaben im 5. und 12. Regierungsjahr und auch für Plautilla erscheinen Münzen, allerdings jeweils nur mit den konventionellen Rückseiten. Ansonsten gibt es unter den Severer zwei neue Typen. Eine auf einem Steinhaufen sitzende Figur, welche Argaeus selbst darstellen muss und eine Art „Krönungsszene“, welche eine Gruppe von Figuren auf dem abgeflachten Argaeus darstellt. Auf diese Krönungsszene möchte ich gleich nochmals zu sprechen kommen.

Die Legendeninschriften der Vorder- und Rückseiten zeigen eine große Vielfalt an Variationen und verwendeten Abkürzungen und scheinen keinem besonderem gewollten Muster zu folgen. Ausschließlich der Status als „Neokoros“ sorgt für etwas Verwirrung. Bis ins 13. Regierungsjahr wird Caesarea nie als „Neokoros“ tituliert. In den Regierungsjahren 14 und 15 sind sowohl Prägungen bekannt, welche den Status erwähnen, allerdings auch Prägungen, auf denen der Status nicht ersichtlich ist. Ab dem 16. Regierungsjahr wird der Status „Neokoros“ ausschließlich auf allen Ausgaben erwähnt. Caesarea müsste den Titel demnach im 14. Regierungsjahr des Septimius Severus erhalten haben. Dass der Status in den ersten beiden Jahren mal ersichtlich, mal nicht ersichtlich ist, wird von William E. Metcalf mit der mitunter herrschenden Gleichgültigkeit korrekter Legenden der provinzialen Münzprägung erklärt.

Kommen wir erneut zur oben erwähnten Krönungsszene auf einer der Münzprägungen. Ich möchte dazu Peter Weiss zitieren:
Argaios, darauf vier kleine stehende Figuren: rechts auf einer stegartigen Plattform eine zum Gipfel hin gewendete Dreiergruppe, jeweils mit erhobener Rechter; die Figuren sind unterschiedlich groß, die größte steht in der Mitte; links eine der Gruppe zugewendete Figur mit Langszepter. — Nach Imhoof-Blumer Darstellung einer Expedition. Es fällt auf, dass bei der Verteilung der vier Figuren das symmetrische Schema scheinbar durchbrochen ist und nur die Einzelfigur ein Langszepter hat, während die Figuren der Dreiergruppe nahezu identisch, aber unterschiedlich groß sind. Die Einzelfigur ist sicher die auch sonst auf dem Berg stehende Gottheit, die Dreiergruppe mit großer Wahrscheinlichkeit die Kaisertrias, die den Gott verehrend grüßt. Inhaltlich ist die Darstellung also vollkommen symmetrisch. Eine tatsächliche Bergbesteigung der Kaiser (bis zum Gipfel) darf man aus dem Münzbild kaum herleiten. Gut verstehen ließe sich die auffällige Darstellung allerdings dann, wenn das Hauptheiligtum des Argaios-Kultes nicht in der Stadt Kaisareia selbst lag, sondern außerhalb im Bereich des Gebirges.

Bild
Quelle: acsearch, Numismatica Ars Classica NAC AG, 25.05.2020
https://www.acsearch.info/image.html?id=7016338

Aus dieser Prägung und Darstellung aus dem 14. Regierungsjahr des Septimius Severus leitet William E. Metcalf die Ernennung zur „Neokoroi“ ab. Die linke Figur wäre so mit ziemlicher Sicherheit die göttliche Figur, welche normalerweise auf dem Berg zu sehen ist – die drei Figuren auf der rechten Seite stellen damit die Kaisertrias mit Septimius Severus, Caracalla und Geta dar. Wenn diese Interpretation richtig ist, liegt die Vermutung nahe, dass der Tempel der Berggottheit Argaeus für den kaiserlichen Kult und des kaiserlichen Trios umgewidmet wurde. Damit verschmolzen der Berggott, Helios und der Kaiser. Der Münztypus der Krönungsszene wurde in Caesarea erneut ausgegeben, als Geta zum Augustus ernannt wurde – und gewinnt dadurch noch einmal deutlich an Kraft.

Unklar ist noch, wieso anfänglich im 2. Regierungsjahr des Severus, dann erst wieder im 5. Regierungsjahr Silbermünzen geprägt wurden – und dann, aus welchen Gründen auch immer, ab dem 12. Regierungsjahr eine lange Zeit der kontinuierlichsten Münzprägungen Kappadokiens bis ins 20. Regierungsjahr hinein begann. Geht man von vorherigen Kaisern und deren gelegentlichen unregelmäßigen Prägungen aus, hätte es einer besonderen Gedenkprägung nach Widmung des Tempels für den kaiserlichen Kult ausgereicht. Reine Spekulation meinerseits ist die im 12. Regierungsjahr stetig zunehmende „Begeisterung“ für das severische Kaiserhaus – vielleicht auch durch Zuwendungen des Septimius Severus für die Stadt Caesarea. Das Ganze gipfelte dann wohl in die Umwidmung des lokalen populären Argaeus-Tempels zu einem kaiserlichen Kult-Tempel im 14. Regierungsjahr des Severus, bei dem der Berg- und Himmelsgott mit dem Kaiser verschmolzen. Dies würde auch die weiter anhaltende ungewöhnliche kontinuierliche Prägung von Silbermünzen bis zum Tod des Severus erklären. Eine weitere plausible Erklärung könnte die Versorgung der Ostprovinzen mit Reichswährung für den Truppensold sein – da hier Caesarea für diese Aufgabe zuständig war. Als die Eroberung Mesopotamiens und Befriedung des Ostens durch Septimius Severus abgeschlossen war, begann man wohl gegen 205 n.Chr. (12. Regierungsjahr) im großen Stil mit der Auszahlung der beteiligten Truppenkontingente, sowie dem Ausbau der Grenzbefestigungen. Beides erforderte eine große Menge an Silberwährung.

Quellen:
* Wikipedia: Septimius Severus
* Wikipedia: Griechische Drachme
* Numiswiki: Neokoros
* Wikipedia: Kayseri
* Wikipedia: Erciyes Dağı
* Archäologisches Institut Göttingen: Porträttypen römischer Kaiser
* William E. Metcalf: Notes on the Coinage of Severan Caesarea
* Numismatikforum.de: Peter43 (Jochen), Der Argaios – der heilige Berg Kappadokiens
* Peter Weiss: Argaios, Erciyas Dagi – Heiliger Berg Kappadokiens Monumente und Ikonographie

Blog:
https://roma-aeterna.de/roemische-kaise ... _pertinax/


---
Heute möchte ich Euch mal wieder eine (neue) Münze vorstellen, welche ich diese Woche bei einer Auktion ergattern konnte. Die Münzen mit dem heiligen Berg Argaeus dürfte (fast) jeder kennen. Sehen die meisten Münzen meist ähnlich aus - wird es doch sehr interessant, je mehr man sich in die Materie einließt. Es ist noch vieles im Dunkeln was den Kult ans sich angeht, wieso gerade bei den Severer die Ausgaben so kontinuierlich erfolgten und vieles mehr. Viel Spaß beim Lesen.
Zuletzt geändert von Timestheus am So 15.05.22 15:53, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Peter43 » So 15.05.22 08:22

Hallo Timestheus!

Septimius Severus wurde am 9.4.193 zum Augustus erhoben. So läuft ein Jahr seiner Regierungszeit jeweils vom 9.4. bis zum 8.4. des folgenden Jahres. Deshalb schreibt man für sein 17. Regierungsjahr nicht 209, sondern 209/210 n.Chr.

Freundliche Grüße
Jochen
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 15.05.22 09:55

Ah wie bei der Bosporus Zeitrechnung also. Danke. Werde es korrigieren.
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von andi89 » So 15.05.22 10:26

Timestheus hat geschrieben:
So 15.05.22 09:55
Ah wie bei der Bosporus Zeitrechnung also. ...
Vermutlich wie bei jeder Zeitrechnung, deren Jahreswechsel nicht vom 31.12 zum 01.01 stattfand; würde ich meinen.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Peter43 » So 15.05.22 12:22

Es ist genau so, wie es andi89 sagt!

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 15.05.22 13:08

andi89 hat geschrieben:
So 15.05.22 10:26
Vermutlich wie bei jeder Zeitrechnung, deren Jahreswechsel nicht vom 31.12 zum 01.01 stattfand; würde ich meinen.
Peter43 hat geschrieben:
So 15.05.22 12:22
Es ist genau so, wie es andi89 sagt!
Nein :P ... nicht jeder.

Das japanische "Dsching" System betrachtete das erste Jahr bereits als erfüllt bei Antritt, das östliche "Anka-Jahr" hat eine ganze Menge an Kriterien und Unterscheidungen, welche Regierungsjahr - die tatsächliche Regierungszeit und sogar die verstrichenen "realen" Jahre unterschieden. Wenn man das also dann gegen unseren gregorianischen Kalender gegen rechnen würde - wäre die Einteilung nicht so einfach schematisch wie bei der Zeitrechnung aus dem Bpsorus bzw. Caesarea.

Wie es bei den sogenannten antiken Wechseljahrkalender ist - weiß ich jetzt nicht, aber m.E. müsste da durch das wandernde Jahr auch eine Verschiebung stattfinden. Da habe ich jetzt aber in der schönen Sonne keinen Bock drauf das genau nach zu rechnen :D ... aber wie geschrieben - schon beim "Anka" System passt das so nicht...

Daher - Klugscheißermodus :D - nein nicht "jeder" (auf der Welt).
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von andi89 » So 15.05.22 13:31

Hast du da Quellen mit näheren Infos? Zum Beispiel zu den Anka-Jahren in Odisha. Wikipedia hilft hier nämlich nicht wirklich weiter. Die erklären es nur so, dass es einen fixen Tag gibt, an dem das Jahr anfängt. Bei der Zählung der Anka-Jahre werden dann halt bestimmte Zahlen ausgelassen, sodass dem fünften Anka-Jahr direkt das siebte folgt. Da sehe ich jetzt noch keinen Unterschied, der im Gegensatz zu meiner Aussage steht.
Denn auch hier läge dasselbe Grundprinzip vor: Jahreswechsel ist nicht der 31.12/01.01 unseres Kalenders, weshalb ein beliebiges Jahr der Anka-Zählung nicht nur auf ein Jahr unseres Kalenders fällt, weshalb zwei aufeinanderfolgende Jahre mit einem / getrennt anzugeben sind.

Beste Grüße
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 15.05.22 13:35

andi89 hat geschrieben:
So 15.05.22 13:31
Zum Beispiel zu den Anka-Jahren in Odisha.
Ja - ich hatte das mal von einem Bekannten, der da recht firn war. Ich suche das später mal raus, wenn ich in meinem "Büro-Zimmer" wieder bin. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das dann so, dass in einem Jahr / Jahreswechsel von uns 200/201 - als Beispiel - bei denen aber 3 oder 4 Wechsel stattgefunden haben können. Ich schaue da aber mal genauer nach - der hatte mir das mal erklärt - ist aber schon lange her - sicher habe ich das irgendwo abgelegt.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Iulia » So 15.05.22 13:48

Timestheus hat geschrieben:
Sa 14.05.22 23:55
Unklar ist noch, wieso anfänglich im 2. Regierungsjahr des Severus, dann erst wieder im 5. Regierungsjahr Silbermünzen geprägt wurden – und dann, aus welchen Gründen auch immer, ab dem 12. Regierungsjahr eine lange Zeit der kontinuierlichsten Münzprägungen Kappadokiens bis ins 20. Regierungsjahr hinein begann... Reine Spekulation meinerseits ist die im 12. Regierungsjahr stetig zunehmende „Begeisterung“ für das severische Kaiserhaus – vielleicht auch durch Zuwendungen des Septimius Severus für die Stadt Caesarea.
Nö, da ist nichts unklar, wenn man weiß, dass die Prägestätte Caesarea in römischer Zeit für die Versorgung fast der gesamten Ostprovinzen mit Reichswährung für den Truppensold zuständig war. 198 n. Chr. war die Eroberung der Provinz Mesopotamia durch Septimius Severus abgeschlossen und ab 205 n. Chr. begann man offenbar im großen Stil mit der Auszahlung der daran beteiligten Truppen und dem Ausbau der Grenzbefestigung im Osten.
Für die Bevölkerung in Caearea und eventuelle Pilger wurden die Bronzemünzen geprägt.
Noch eine kleine Korrektur:
Caesarea liegt nicht südlich vom Argaios, sondern nördlich von ihm. Die Schauseite des Berges, die auf den Münzen abgebildet ist, ist die Nordseite des Berges.

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 15.05.22 13:59

Iulia hat geschrieben:
So 15.05.22 13:48
und ab 205 n. Chr. begann man offenbar im großen Stil mit der Auszahlung der daran beteiligten Truppen und dem Ausbau der Grenzbefestigung im Osten.
Ah deshalb der große Schwung ab dem Jahr 12 (205/206 n.Chr.). Danke für die Info.
Werde ich ergänzen.
Iulia hat geschrieben:
So 15.05.22 13:48
Caesarea liegt nicht südlich vom Argaios, sondern nördlich von ihm. Die Schauseite des Berges, die auf den Münzen abgebildet ist, ist die Nordseite des Berges.
Ah Danke! ich Idiot - habe den Satz bei Wikipedia richtig gelesen aber falsch im Kopf zusammen gebaut :D
Der Berg Erciyes (türkisch Erciyes Dağı) ist ein 3917 m[1] oder 3916 m[2] hoher ruhender Vulkan in der Türkei. Er liegt 25 km südlich von Kayseri in Kappadokien.
Der Berg liegt südlich von Kayseri und damit die Stadt nördlich. Klares links / rechts Problem :D
Danke für den Hinweis.


Korrigiere ich nachher - muss nur eben auf den Stein bei Leu bieten ;)
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Altamura2
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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Altamura2 » So 15.05.22 15:32

Peter43 hat geschrieben:
So 15.05.22 08:22
... Septimius Severus wurde am 9.4.193 zum Augustus erhoben. So läuft ein Jahr seiner Regierungszeit jeweils vom 9.4. bis zum 8.4. des folgenden Jahres. ...
Ist das wirklich so :| ?

In Barbara Burrell, "Neokoroi: Greek Cities and Roman Emperors", Leiden 2004, steht auf Seite 247 eine Stelle, die das anders erscheinen lässt:
"The problems of Kaisareia’s chronology are not entirely solved by looking at the Cappadocian calendar, which probably had its new year on December 12. Severus’ first year, then, only lasted from his elevation to Augustus on April 9, 193 to December 12 of that year, ..."

Im folgenden Text wird es, im Zusammenhang mit der Münzstätte Alexandria, auch so dargestellt, dass das erste Regierungsjahr dasjenige Kalenderjahr (im lokalen Kalender) ist, in dem die Regierung angetreten wurde. Dieses erste Regierungsjahr endet dann mit dem Kalenderjahr, dauert also meist kein ganzes Jahr:
https://www.uni-heidelberg.de/fakultaet ... rchiv.html
Zitat: "Zu zählen ist dabei vom Regierungsantritt des jeweiligen Kaisers bis zum 29. August (1. des ägyptischen Monats Thot), der den Beginn des zweiten Regierungsjahres markiert."

Auch in Vera Sauer, "Konventionelle Individualität. Zur Münzprägung nordanatolischer Städte in der römischen Kaiserzeit", Anatolia Antiqua XXIV, 2016, S. 163-209, wird dies auf Seite 192 in Fußnote 136 so dargestellt: https://journals.openedition.org/anatol ... ua/pdf/381
Zitat: "... wobei als erstes Regierungsjahr der Zeitraum zwischen dem dies imperii des Kaisers und dem Jahresende des lokalen Kalenders gegolten haben dürfte ...".

Wenn das so ist, dann hätten wir es mit zwei Phänomenen zu tun:
- Der Zeitpunkt des Jahreswechsels hing vom lokalen Kalender ab.
- Regierungsjahre bezogen sich auf Kalenderjahre, das erste und letzte Regierungsjahr dauerte dann meist kein ganzes Jahr mehr.

Odes war das alles noch komplizierter 8O ?

Gruß

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Re: Sammlung Timestheus

Beitrag von Timestheus » So 15.05.22 15:34

DAS ist ja mal interessant Altamura! Das schaue ich mir heute Abend auch mal an.
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