Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

T........s

Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von T........s » Di 12.04.22 16:26

Das stimmt. Eine echte Weltrarität wie die Eid Mark versteigert man auch nicht nebenbei zwischen hunderten anderen Münzen ohne große Werbetrommel. Das ist ja schon sowas wie die Mona Lisa. Das Auktionshaus müsste also a) gar keine Ahnung haben (was ich nicht glaube) oder b) man misstraut dem Exemplar selbst und macht da kein großes Aufsehen drumherum.

Immerhin waren bereits vorher Gebote von 6500€ drauf. Bin gespannt wie viel da jemand ist bereit zu zahlen.

dictator perpetuus
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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von dictator perpetuus » Di 12.04.22 16:47

Xanthos hat geschrieben:
Di 12.04.22 15:25
Viele Auktionshäuser stapeln aus marketingtechnischen Gründen gerne tief. Wenn aber ein EID MAR Denar, der normalerweise 150'000 - 200'000 EUR bringen müsste, mit 5'000 EUR gestartet wird, dann werde ich zumindest misstrauisch. Das hat dann auch nichts mehr mit Tiefstapeln zu tun, sondern zeigt, dass das Auktionshaus entweder keine Ahnung oder aber selbst Zweifel hat.
Da hast du schon Recht. Meist sind so richtig extrem zu tief geschätzt auch eher Münzen mit niedrigem und mittleren Schätzwert im zweistelligen oder unteren dreistelligen Bereich. Bei Aurei und anderen hochpreisigen Münzen sind die Schätzpreise häufiger in der Größenordnung des Zuschlags. Wahrscheinlich liegt es daran, dass der gewöhnliche Sammler seten solche exklusiven Stücke kauft, sondern meist eher Denare, Asse und co. für 25-500€ sammelt und dann von der Hoffnung geködert wird, eine 800€-Münze vielleicht für 250 zu bekommen. Mit niedrigen Schätzpreisen für exklusive Ware lockt man wahrscheinlich weniger Kunden.
Bei einem EID MAR ist so eine niedrige Schätzung vielleicht wirklich eher zweifelhaft. Bei manchen Münzen, die extrem über der Schätzung liegen, kann natürlich auch einfach ein Bieterkrieg von zwei zahlungskräftigen und -willigen Bietern liegen, die irgendetwas unbedingt zügig haben wollen und dann auf wirtschaftliche Investition verzichten.

Aber ganz unabhängig vom Schätzpreis, bei so einem EID MAR finde ich höchst seltsam, wenn da nichts von der Provenienz steht. Da weiß man doch, wo man den her hat, der taucht ja normalerweise nicht plötzlich bei Opa auf dem Dachboden auf oder man hat den nicht auf irgendeiner Münzbörse im Ruhrgebiet in den 80ern gekauft. Bei der Bedeutung und der Seltenheit müsste man doch von den meisten Exemplaren wissen, wann und wo die versteigert oder verkauft wurden.

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Stefan_01
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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von Stefan_01 » Di 12.04.22 18:46

Ich gebe Zwerg recht was dieses Auktionshaus
angeht.

Die sind bekannt für naja...
Wenn man alle Bronzen durchsieht ist schon einiges fragwürdiges dabei. Die Bilder sind zudem geschickt gemacht.

Das heißt nicht das nicht ab und an auch gute Stücke dabei sind. Beim Septimius Severus muss ich Zwerg wiedersprechen. Die Patina ist meiner Meinung nach absolut ok. Da sehe ich nichts aufgemaltes. Die Patina sieht genau so aus.
Ich hatte bereits mehrere Bronzen mit genau so einer Patina.
Diese Patina macht es zudem extrem schwierig die Münze zu verfälschen, da die Patina bröckelig bzw Porös ist und bei mechanischer Einwirkung erhebliche Spuren hinterlassen würde. Der gleichmäßige kalkähnliche Überzug zeigt zudem das hier nicht geglättet wurde und ist typisch für diese Art von Patina.
Meiner Meinung nach eines der wenigen unbearbeiteten Bronzen dieser Auktion. Bei den anderen Bronzen sind Sachen dabei die wieder sehr viel Geld bringen werden, die jedoch begabt restauriert wurden.
MFG

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von richard55-47 » Di 12.04.22 18:57

Ich habe mich bei wiki schlau gemacht über EID MAR-Münzen
https://de.wikipedia.org/wiki/EID_MAR-M%C3%BCnze
Ich halte es wegen der dort in Ziffern ausgedrückten (und längst bekannten) Seltenheit für kaum glaubhaft, dass das Auktionshaus tief stapelt. Dafür ist die Gefahr, dass die Münze zu einem unerwartet geringen Preis weggeht, zu groß. Man denke an die Auktion der MS Düsseldorf (Erwartung: 400.000,-- €, Meistgebot: 75.000,00 €), die vor dem Landgericht endete. Der Kauf gilt nach dem heutigen Urteil. Ich glaube auch nicht, dass das Auktionshaus eine Fälschung in Erwägung zieht. Für diesen Fall ist der Startpreis extrem hoch, das Auktionshaus beginge (zumindest halb-) sehenden Auges eine Betrugshandlung, die die Lizenz gefährden kann. Ich gehe eher von falscher Einschätzung aus.
do ut des.

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von Stefan_01 » Di 12.04.22 19:13

warum gibt es hier bedenken wegen Start bzw Schätzpreise.
das sind nur Platzhalter und haben nichts mit dem Wert der Münze zu tun.

Siehe Heritage Auctions. Hier werden oft Münzen mit Startpreis 1 Dollar / 100 Dollar ect. für zig 1000e Dollar versteigert.

Dieses Auktionshaus gibt beim Denar expertly cleaned an. was auch immer das heißen mag.

denn das Hornsilber ist nach wie vor da. Zudem wenn man derartige Kostbarkeiten professionell reinigt, so sollte ein Reinigungsbericht erstellt werden mit Ausgansmünze ungereinogt inkl. Dokumentation der vorgenommenen Reinigungen.

Für mich macht der Denar einen guten Eindruck.
Ich würde ihn dennoch ohne Provenienz, ohne Reinigunsbericht ( Cleaning Report ), ohne irgendwelche Papiere, Ausfuhrgenehmigung, vorherige Besitzer ( wer ist der Einlieferer, aus welcher Sammlung kommt das Stück )

und insbesondere von diesem Auktionshaus nicht kaufen.

Der wird aber bestimmt nicht liegen bleiben und einen guten Erlös bringen.
MFG

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von antoninus1 » Di 12.04.22 21:09

richard55-47 hat geschrieben:
Di 12.04.22 18:57
... Ich gehe eher von falscher Einschätzung aus.
Wie kann man als Händler antiker Münzen einen EID MAR-Denar falsch einschätzen, zumal sie ihn ja als berühmteste aller antiken Münzen beschreiben?
Gruß,
antoninus1

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von Numis-Student » Di 12.04.22 21:12

Sie geben aber eben auch an, dass die Münze (Brutus, EID MAR) subaerat ist... Und eine ZF wird schon einen anderen Preis bringen als ein Original.
Immerhin ist es vorstellbar, dass wir vielleicht genug Verstand besitzen, um,
wenn nicht ganz vom Kriegführen abzulassen, uns wenigstens so vernünftig zu benehmen wie unsere Vorfahren im achtzehnten Jahrhundert. (A.H. 1949)

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von Homer J. Simpson » Di 12.04.22 21:18

Ich muß mal eben klarstellen: Flashy hat auf zwei Münzen in der Auktion verlinkt.
1. Ein postumer Caesar-Denar des Voconius Vitulus.
2. Ein subaerater Eid-Mar-Denar.
Unser unersetzlicher Fälschungswarner Amentia (keinerlei Ironie hier!!) hat die Münze Nr. 1, den Voconius Vitulus, als Slavey- Replika bzw. Fälschung enttarnt; über den Eid-Mar-Denar hat er nichts gesagt. Und wenn das ein subaerates Stück ist, dann wäre er mit 5000 Euro nicht sooo falsch angesetzt. Allerdings: Angaben wie "expertly cleaned" lösen bei mir Alarmstufe Rot aus - da will ich dann doch Vorher-Bilder sehen und wissen, was alles gemacht wurde. Bei dem, was derzeit alles an Schnitzwerken und Verfälschungen im Umlauf ist...

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von kiko217 » Di 12.04.22 22:06

Bei Bertolami habe ich mal ein aes grave gekauft, das falsch war. Seitdem bin ich bei denen sehr vorsichtig. Und die haben leider immer toll aussehende Bronzen. Als ob sie mich in Versuchung führen möchten…

Kiko

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von antoninus1 » Mi 13.04.22 08:48

Numis-Student hat geschrieben:
Di 12.04.22 21:12
Sie geben aber eben auch an, dass die Münze (Brutus, EID MAR) subaerat ist... Und eine ZF wird schon einen anderen Preis bringen als ein Original.
Das stimmt, für einen subaeraten Denar ist die niedrige Schätzung tatsächlich in der richtigen Größenordnung. Wenn er echt falsch ist, was könnte er bringen? 25000 €? Bin mal gespannt.
Gruß,
antoninus1

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von Stefan_01 » Mi 13.04.22 11:49

wenn ich am EID Mar Interesse hätte, so wurde ich das Auktionshaus kontaktieren ob eine NGC Prüfung möglich ist und im Falle einer negativen Prüfung den Denar zurückgeben kann.

NGC wird einen EID Mar Denar nur dann einkapseln wenn sie sich ganz sicher sind. Bei einer derart berühmten Münze lassen die alle dort drüberschaun....

Das ist was anderes als der Schnelldurchlauf von günstigeren Stücken...
MFG

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von flashy » Mi 13.04.22 14:12

Ich habe heute meine Auftragsbestätigung zur Einlieferung von antiken Münzen die ich versteigern lasse... nach meinem Geschmack schätzt das Auktionshaus die Preise als viiiieeeel zu niedrig ein :mrgreen: :mrgreen:

T........s

Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von T........s » Mi 13.04.22 14:36

Zu dem EID-MAR Denar.
it is clearly a plated denarius, under the silver layer there is a copper core.
We certainly guarantee the originality of the coin.


Falls es jemand interessiert.

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Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von Amentia » Fr 15.04.22 09:04

Der Beitrag, auf den ich mich bezog wurde verschoben.

T........s

Re: Auktionsbesprechungen (Auktionshäuser)

Beitrag von T........s » Sa 16.04.22 19:50

https://www.biddr.com/auctions/solnumis ... &l=2682632

Weiß jemand - vielleicht Jochen(?) - wieso die Provinz Bronze relativ weit hoch gegangen ist? Dachte bekomme bei der Erhaltung etwas "günstiges" zum "spielen" -also suchen und üben - aber dann ist die doch noch für meinen Geschmack weit hoch gegangen. Severus Alexander + Edessa + Tyche + ähnliche Darstellung ist nicht selten. Allerdings habe ich noch keine Bronze diesen Types gesehen, wo das Porträt so jung ist bzw. die Darstellung der Tyche mich an "naive Kunst" erinnert.

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