Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Altamura2
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Di 19.09.23 15:37

Peter43 hat geschrieben:
So 17.09.23 14:22
... Zudem handelt es sich dabei um eine historisch spannende Zeit zwischen dem Niedergang der Diadochenreiche und dem unaufhaltsamen Aufstieg Roms. ...
Ja, das war eine spannende Zeit, über die man gar nicht so genau Bescheid weiß, wie man gerne würde.

Leider hast Du in Deinem Beitrag wieder ein paar Ungenauigkeiten drin und die aktuellere Literatur zum Thema scheint keinen Niederschlag zu finden, was ich schade finde :? . Eine gute Informationsquelle ist da beispielsweise Kay Ehling, "Untersuchungen zur Geschichte der späten Seleukiden (164—63V.Chr.) - Vom Tode des Antiochos IV. bis zur Einrichtung der Provinz Syria unter Pompeius", Stuttgart 2008. Dort wird dann jeweils auf jede Menge weitere Literatur verwiesen.
Peter43 hat geschrieben:
So 17.09.23 14:22
... Er behauptete zwar, daß er der Sohn des Antiochos IV. Epiphanes und der Laodike IV. und damit der Erbe des Seleukidenthrons sei, aber bereits antike Quellen (Polybios, Diodoros) sagen, daß diese Behauptung falsch gewesen sei und daß er und seine Schwester Laodike VI. tatsächlich aus Smyrna stammten und von niedriger Herkunft gewesen seien. ...
Neben dem von Dir genannten Flavius Josephus gibt es aber auch moderne Historiker, die eine illegitime Abkunft des Alexander Balas von Antiochos IV für möglich und plausibel halten (Ehling Seite 146). Auch hätte Ptolemaios VI seine Tochter vielleicht auch nicht an einen "dahergelaufenen Niemand" verheiratet :D .
Peter43 hat geschrieben:
So 17.09.23 14:22
... Alexander und seine Schwester Laodike wurden in Kilikien von Herakleides aufgenommen ...
Aufgenommen wurden sie in Kilikien von Zenophanes von Olba (das steht schon so bei Diodor), Herakleides taucht erst als Begleiter bei der Fahrt nach Rom auf.
Peter43 hat geschrieben:
So 17.09.23 14:22
... In dieser Zeit sollen auch Attalos II. und Demetrius I. in Rom gewesen sein. ...
Bei Ehling ist vom späteren Demetrios II die Rede (Seite 147), von Demetrios I und Attalos II steht da nichts. Woher stammt das denn?
Peter43 hat geschrieben:
So 17.09.23 14:22
... Demetrios wurde getötet und Ende 152 wurde die Herrschaft des Alexander im gesamten Seleukidenreich anerkannt. ...
Ende 150 v. Chr. war das, nach dem Tod von Demetrios I.
Peter43 hat geschrieben:
So 17.09.23 14:22
... Josephus zufolge fand Ptolemaios heraus, daß Alexanders Kanzler Ammonios ein Attentat auf ihn geplant hatte. Doch als er verlangte, daß Ammonius bestraft werden sollte, weigerte sich Alexander. ...
Dieser Attentatsversuch wird heute als vorgeschobene Begründung für den Richtungswechsel des Ptolemaios VI gesehen, aber nicht als Tatsache (Ehling Seite 161). Josephus schreibt das zwar so, aber den antiken Autoren glaubt man heutzutage eben nicht mehr alles :D .
Peter43 hat geschrieben:
So 17.09.23 14:22
... Zabdiel kümmerte sich weiterhin um Alexanders kleinen Sohn Antiochos, der 145 v. Chr. vom Feldherrn Diodotos sogar zum König erklärt wurde ...
Auch das ist nicht geklärt, ob das wirklich dieselbe Person war, die dem Vater den Kopf abgeschnitten und sich dann fürsorglich um den Sohn gekümmert hat. In den antiken Quellen werden da nämlich zwei verschiedene Namen genannt.
Peter43 hat geschrieben:
So 17.09.23 14:22
... Die Übernahme des ptolemäischen Adlers auf den Münzen zeigt den maßgeblichen Einfluß Ägypten auf das Seleukidenreich. ...
Ist aber zum Teil auch den lokalen wirtschaftlichen Verhältnissen in Phönizien geschuldet. Die Region war von etwa 300 v. Chr. an ptolemäisch, es wurde der ptolemäische Gewichtsstandard eingeführt und, wie in Ägypten, ein Gebiet geschaffen, aus dem Münzen nach attischem Standard verdrängt wurden (ähnlich wie bei den Cistophoren der Attaliden in Pergamon). Als die Seleukiden Phönizien übernahmen, behielten sie dieses geschlossene Währungssystem wohl aus praktischen Gründen erstmal bei, die ptolemäischen Tetradrachmen blieben weiterhin in Umlauf. Die ersten Silbermünzen der Seleukiden wurden dann schon unter Antiochos V 164 v. Chr. geprägt, nach ptolemäischem Standard und mit dem ptolemäischen Adler auf dem Reves. Auch hier war wohl schon ptolemäischer Einfluss am Werk, der sich dann bei Alexander Balas in noch größerem Umfang zeigte. Siehe dazu Catharine Lorber, "Royal Coinage in Hellenistic Phoenicia : Expressions of Continuity, Agents of Change", in Topoi. Orient-Occident. Supplément 13, 2015: https://www.persee.fr/doc/topoi_1764-07 ... _13_1_2741

Gruß

Altamura
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von kiko217 » Di 19.09.23 17:32

Danke für die Mühe, die ihr beiden euch gemacht habt! Da habt ihr bestimmt lange daran gesessen, um uns klüger zu machen. So ein Einsatz kann nicht hoch genug geschätzt werden!

Kiko

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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Sa 23.09.23 11:56

Hallo Altamura!

Du hast Dir ja wahnsinnig viel Mühe gemacht. Herzlichen Dank für die Hinweise. Ich werde sie in einer Korrektur des Textes verwenden.

Freundliche Grüße
Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mo 27.11.23 20:58

Manius Aquillius (Konsul 101 v. Chr.)

Die Münze:
Römische Republik, Mn. Aquillius Mn. f. Mn. n., gens Aquillia
AR - Denar (Serratus), 3.96g, 20.01mm, 180°
       Rom, ca. 71 v. Chr.
Av.: Büste der Virtus mit Helm und Cürass n. r.
     dahinter III VIR, davor von unten VIRTVS
Rv.: Soldat in kurzer Kriegskleidung und mit großem Schild in der li Hand, steht n. l.,     den Kopf n. r., hilft mit der Rechten einer gefallenen weiblichen Figur auf.
       im li. Feld von oben MNF.MNN
       im re. Feld von unten MNAQVIL
       im Abschnitt SICIL
Ref.: Crawford 401/1; Sydenham 798; Kestner 3297; BMCRR Rome 3364; SRCV 336; Albert 1303; Aquillia 2
mn_aquillius_Cr401.1.jpg
Zur Münze:
(1) Dieser Denar erinnert an die Niederschlagung des 2. Sklavenkrieges auf Sizilien durch den Großvater des Münzmeisters und an dessen Virtus. Der Legionär auf der Rückseite stellt wahrscheinlich Manius Aqilllius, Konsul 101 v. Chr., dar, der hier der personifizierten Sicilia aufhilft.
(2) Auf dieser Münze erscheint zum erstenmal der Titel III  VIR.

Die  gens  Aquillia
Die Aquillia, manchmal auch Aquilia (aquila = Adler) geschrieben, waren ein uraltes plebejisches Adelsgeschlecht von wahrscheinlich etruskischer Abstammung. 2 ihrer Mitglieder sollen daran beteiligt gewesen sein, die Tarquinier wieder nach Rom zu holen. 487 v. Chr. war Gaius Aquillius Tuscus Konsul und führte Krieg gegen die Hernizier, einen italischen Stamm südöstlich von Rom, wofür er eine Ovation erhielt.

Als Attalus III. von Pergamon 133 v. Chr. starb, hatte er sein Königreich den Römern vererbt, weil er keine Nachkommen besaß. Daraufhin kam es zu einem Aufstand. Erst einem Manius Aquillius, der 129 v. Chr. Konsul geworden war, gelang es, diesen Krieg zu beenden. Anschließend organisierte er als Prokonsul die Provinz Asia neu. Dabei spielte er aber eine unrühmliche Rolle, als er gegen Bestechungsgelder eines der Lehen von Pergamon an die Könige von Bithynien und Pontus übergab.

Der auf unserer Münze genannte Manius Aquillius (gest. 88 v. Chr. in Pergamon) war wahrscheinlich der Sohn dieses Manius Aquillius, des Konsuls von 129 v. Chr. Er kämpfte mit Gaius Marius gegen die Kimbern und war sein legatus. Beim Sieg über die Teutonen und Ambronen bei Aquae Sextiae hatte er großen Anteil. 103 v. Chr. ernannte ihn Marius zum Oberbefehlshaber des Heeres und 101 v.Chr. wurde er zusammen mit Marius Konsul. Der Senat beauftragte ihn, endlich den bereits seit 3 Jahren andauernden 2. Sklavenaufstand auf  Sizilien  zu  beenden.

Die  Sklavenkriege  auf  Sizilien:
Der Aufstand der Sklaven unter dem Gladiator Spartacus ist wohl allen bekannt, besonders durch den berühmten Film von Stanley Kubrick mit Kirk Douglas in der Hauptrolle. Daß es aber schon vorher Sklavenaufstände gegeben hat, wird weniger bekannt sein. Die  ersten  Sklavenaufstände  gab  es  auf  Sizilien.

Der 1.  Sklavenkrieg fand von 136-132 v. Chr. statt. Die Aufständischen waren vorher meistens freie Bürger gewesen und wurden besonders in den Bergwerken gnadenlos ausgebeutet. Sie galten nicht als Menschen. Varro nannte sie instrumenti genus vocale (= sprechende Werkzeuge). Am Ende wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen. 20000 Aufständische wurden gekreuzigt  oder  von  Felsen  zu  Tode  gestürzt.

Der  2.  Sklavenkrieg:
104 v. Chr. beschloss der römische Senat, die Sklaven, die aus mit Rom verbündeten Ländern stammten, freizulassen. Aber sizilianische Sklavenhalter (domini) sabotierten die Maßnahmen und daraufhin begann der zweite große Sklavenaufstand auf Sizilien. Er ähnelte sehr dem ersten: Auch dieser Aufstand ging von zwei Gruppen aus, der des Athenion und der des Salvius (manchmal auch Tryphon genannt). Die Zahl ihrer Anhänger stieg bis auf 30.000 an. Athenion (gest. 101 v. Chr.) stammte aus Kilikien und war in Westsizilien Aufseher über 200 andere Sklaven. Beim Ausbruch des Aufstandes nahm er den Königstitel an, diente dann aber dem Salvius, der in Ostsizilien zum König ausgerufen worden war, als Heerführer. Nach dessen Tod wurde er sein Nachfolger. Er hatte vor, die Großgrundbesitzer zu enteignen und ihr Land zu Gemeinbesitz zu machen. Auf die Dauer aber waren die Aufständischen der militärischen Übermacht Roms nicht gewachsen. In einer Schlacht wurde Athenion von Manius Aquillius im  Zweikampf  getötet. Danach blieb Aquillius noch als Prokonsul bis 100/99 in Sizilien und feierte eine Ovation.

Als dieser Denar 71 v. Chr. geprägt wurde, war gerade der 3. Sklavenkrieg, der Spartacusaufstand, von Licinius Crassus, einem Konsul einer anderen Familie, beendet worden. Es liegt deshalb nahe, daß die Prägung in dieser durch starke Konkurrenz der senatorischen Familien gekennzeichneten Zeit deshalb an den 30 Jahre früheren Erfolg aus der Familie unseres Münzmeisters erinnern  soll.

Aber schon bei seinen Erfolgen im Sklavenkrieg in Sizilien, zeigte sich, daß Aquillius eine dunkle Seite hatte, die ihm endlich im Krieg gegen Mithridates zum Verhängnis werden sollte: Bereits 98 v. Chr, wurde er von Lucius Rufus wegen Mißwirtschaft in Sizilien angeklagt. Einfach gesagt: Er habe sich dort bereichert. Verteidigt wurde er von Marcus Antonius Orator, dem Großvater von Marcus Antonius, und obwohl es starke Beweise für seine Schuld gab, wurde er wegen seiner Tapferkeit im Krieg freigesprochen (Plutarch, Leben des  Marius).

Das spätere Schicksal des Ahnherrn im Krieg gegen Mithridates wird natürlich nicht erwähnt. Das will ich hier  nachholen.
Mithridates_VI_Louvre_white_background.jpg
Mithridates IV. von Pontos als Herakles, 1 Jh. n. Chr., Louvre. Er war der letzte große hellenistische Herrscher

Der Krieg gegen Mithridates
Als Nikomedes III., der König von Bithynien, 94 v. Chr. starb, folgte ihm sein Sohn Nikomedes IV. Philopator auf dem Thron. Kurz nach seinem Regierungsantritt wurde er aber von seinem Halbbruder Sokrates Chrestos mit Unterstützung von Mithridates IV. von Pontos vertrieben, floh nach Rom und bat den Senat um Hilfe. Daraufhin wurde Manius Aquillius 91 v. Chr. als Gesandter nach Asien geschickt, um Nikomedes IV. wieder einzusetzen. Auch mithilfe von militärischem Druck auf Mithridates konnte Nikomedes 90 v. Chr. wieder als König eingesetzt werden. wobei Sokrates Christos getötet wurde.

Die Verantwortung für den Ausbruch des dann folgenden 1. Mithridatischen Krieges schreibt Appian, der genaueste Darsteller dieser Kriege, vor allem Aquillius zu. Er stachelte 88 v. Chr. Nikomedes an, in Pontos einzufallen und es zu plündern. Damit überschritt er ganz klar seine Kompetenzen als Gesandter. Als der Senat friedliche Vermittlungsversuche des Mithridates ablehnte, ergriffen die Generäle des Mithridates schnell die Initiative und schlugen Nikomedes vernichtend in Paphlagonien. Einer zweiten Armee unter Manius Aquillius von nur einer Legion stand bei Protopachium eine Armee von 100000 pontischen Infanteristen gegenüber. Aquillius wurde besiegt und floh. Er schaffte es bis Lesbos, wo die Einwohner von Mytilene ihn gefangennahmen und Mithridates auslieferten. Der ließ ihn auf einen Esel setzen und nach Pergamon bringen. Auf dem Wege dahin mußte er ständig seine Verbrechen gegen die anatolische Bevölkerung beichten. Da bereits sein Vater als Ausbeuter bekannt war und ihm gleiches nachgesagt wurde, wurde er getötet, indem man ihm flüssiges Gold in die Kehle goß. Er starb 88 v. Chr. Diese Hinrichtungsart machte Karriere und auf diese Weise wurde dann auch Crassus nach der Schlacht von Carrhae 53 v. Chr. von den Parthern getötet.

Quellen:
(1) Plutarch, Marius
(2) Diodor, Bibliotheke historike
(3) Cicero, Deoratore
(4) Iustinus Epitoma  historiarum Philippicarum Pompei Trogi
(5) Appian, Mithridateios
(6) Velleius Paterculus, Historia Romana
(7) Plinius, Naturalis historia

Literatur:
(1) Theodor Mommsen, Römische Geschichte
(2) Der Kleine Pauly

Online-Quellen:
(1) Wikipedia, Manius Aquillius (Konsul 101 v. Chr.)
(2) Wikipedia, Mithridates VI. von Pontos

Mit freundlichem Gruß und viel Spaß beim Lesen
Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Fr 01.12.23 21:09

Gaius Cassius Longinus, der Cäsarmörder

Endlich ist es mir gelungen, mir eine Münze des Gaius Cassius  Longinus in die Sammlung zu legen.

Die Münze: '
Römische Republik, C. Cassius Longinus, gens Cassia, und P. Cornelius Spinther, gens Cornelia
AR - Denar, 3.74g, 20.81mm, 180°
       geprägt während des Feldzugs von Brutus und Cassius, wahrscheinlich 42 v. Chr. in Smyrna
Av.: Kopf der Libertas, diademiert und drapiert, n. r.
      davor von unten nach oben LEIBERTAS
      dahinter von unten nach oben C.CASSIVS.IMP
Rv.: Capis und Lituus
      darunter in 2 Zeilen LENTVLVS / SPINT
Ref.: Crawford 500/3; CRI 221; RSC 4; Sydenham 1307; BMCRR East 77; Kestner 3767; RBW 1762
Selten, S+
c. cassius longinus_Crawford500_3_klein.jpg
Zur Münze:
Die Abbildung der Libertas auf der Vorderseite ist natürlich als Gegensatz zur Tyrannei des Caesars gedacht. Libertas war auch das Codewort von Brutus und Cassius bei Philippi, wurde im Bürgerkrieg aber von beiden  Seiten  benutzt. Cassius und Brutus haben 43/42 Capis und Lituus auf 3 Münzen gesetzt. Das zeigt die Bedeutung, die sie diesen beiden Attributen beigemessen haben. Crawford hat die Ikonographie von Vs. und R. getrennt interpretiert und Capis und Lituus auf das Augurenamt des Spinther bezogen. Nach Wallace-Hadrill muß aber Vs. und Rs. zusammengesehen werden. wie es auch auf Münzen des Augustus getan werden muß. Es ging den beiden um die Legitimation durch den Senat. Diese Symbole sollten dazu dienen, den Anspruch zu unterstreichen, daß Brutus und Cassius traditionelle republikanische Heerführer (imperatores)  waren,  wie  sie  sich  auch  nannten.

Vor  dem  Attentat:
Über das frühere Leben des C. Cassius Longinus (vor 85 v. Ch.-42 v. Chr.) ist nicht viel bekannt. Er gehörte der alten plebeischen Senatorenfamilie der Cassier an und war kurz vor 53 v. Chr. Quästor. Als solcher nahm er am Feldzug des Crassus gegen die Parther teil, entkam aber der Katastrophe von Carrhae 53 v. Chr. und konnte sich mit dem Rest der Truppen nach Syrien zurückziehen und es gegen die Parther verteidigen. In diesen Jahren erwarb er sich den Ruf eines hervorragenden Militärs, zeigte aber auch eine rücksichtslose Habgier. Wegen Erpressung und Ausbeutung in Syrien sollte er angeklagt werden, konnte sich dem aber durch seine  Wahl  zum  Volkstribun  entziehen.

Im Bürgerkrieg war er erfolgreicher Flottenkommandant auf der Seite des Pompeius gegen Caesar. Nach der Schlacht von Pharsalus 48 v. Chr. begnadigte Caesar ihn ("clementia Caesaris") und machte ihn zu seinem  Legaten.

Innerlich aber hatte Caesar ihn nicht gewinnen können. Besonders philosophische Vorträge, die er bei Cicero hörte, verstärkten ihn in seiner Verbitterung und Widerstandsstimmung (Pauly). Daran konnte auch das für 43 versprochene proconsularische Imperium in Syrien nichts  ändern.

Nach Plutarch war Cassius, Schwager des Brutus, die treibende Kraft hinter der Verschwörung gegen Caesar. Der Grund für die Verschwörung war die Unzufriedenheit vieler Senatoren mit dem Alleinherrschaftsanspruch Caesars und der Verlust der führenden Rolle des Senats. Cassius soll den Brutus gewonnen haben, verlor aber bald die Führung  an  ihn.

An den Iden des März 44 v. Chr. wurde Caesar von den Verschwörern ermordet. Die Ermordung des Marcus Antonius, die Cassius vorgeschlagen hatte, wurde von Brutus abgelehnt, was sich als großer Fehler herausstellen sollte. Der größte Fehler aber war, daß die Verschwörer keine konkreten Pläne für die Zeit nach dem  Attentat  hatten!

Nach  dem  Attentat:
Cassius sprach sich ohne Erfolg gegen eine Leichenfeier für Caesar aus. Nach der feindseligen Haltung des Volkes gegen die Atttentäter entzog der Senat ihm die versprochene Provinz und sprach ihm dafür die Kyrenaika zu. Im September begab er sich trotzdem nach Syrien, daß Dolabella gegeben worden war, besiegte ihn und erhielt dadurch Syrien und ein schlagkräftiges Heer. Nachdem 43 Antonius bei Mutina geschlagen  worden  war,  wurde  er  vom  Senat  bestätigt.

Im November 43 traf Cassius sich mit Brutus in Smyrna, um das weitere Vorgehen gegen Antonius und Octavian zu beraten. Zu diesem Anlaß wurde auch unsere Münze geprägt. Sie vereinbarten, daß Cassius Rhodos nehmen und dann die Provinz Asia säubern sollte. Anfang 42 traf er mit Brutus in Sardes zusammen, wo beide vom Heer die imperatorische Akklamation erhielten. Dann ging man über den Hellespont und marschierte nach Philippi gegen Antonius und Octavian. Der Schlachtverlauf wird von Appian minutiös geschildert. Er verlief tragisch. Antonius gelang es, trotz der günstigen Stellung das Lager des Cassius zu erobern. Cassius entkam auf einen Hügel bei Philippi, hatte aber keinen Überblick über den Verlauf der Schlacht. So wußte er nicht, daß Brutus auf der anderen Seite das Lager des Octavian erobert hatte, hielt alles für verloren und stürzte sich in sein Schwert. Brutus nannte ihn "den letzten  Römer"  und  bestattete  ihn  auf  Thasos.

Beurteilung:
Cassius wurde zwar wegen seiner militärishen Fähigkeiten bewundert und positiv beurteilt, aber es wird auch behauptet, daß er wegen seines unbefriedigten Ehrgeizes zum Meuchelmörder geworden sei. Dante hat ihn in seiner Göttlichen Komödie zusammen mit Brutus und Judas zu den größten Verrätern der Menschheit gezählt und in den innersten Kreis der Hölle eingeschlossen.

Im Gegensatz zu heutigen Politikern waren in der Antike die meisten Politiker auch philosophisch aktiv oder Anhänger von philosophischen Richtungen. Cassius "konvertierte" um 48 v. Chr. zum Epikureismus, aber zu einem eher "heroischen". In Briefen, die er mit Cicero wechselte, kann das nachgelesen werden. Der Widerspruch zwischen dem traditionellen Epikureismus, der sich von der Politik fernhalten wollte, und dem politisch aktiven, der die Freiheit sichern sollte, konnte letztendlich nicht aufgelöst werden, und die Philosophie der politischen Opposition im römischen Reich neigte sowieso eher zur Stoa. Das war mit ein Grund, daß die Historiker Cassius schwerer zu verstehen fanden als Brutus, und weniger bewundernswürdig (Momigliano).

Eine der berühmtesten Schilderungen seines Charakters findet man in Shakespeares "Julius Caesar", Akt I, Szene  II,  Hier  ist  sie:

Caesar:  "Let  me  have  men  about  me  that  are  fat;
Sleek-headed  men  and  such  as  sleep  a-nights.
Yond  Cassius  has  a  lean  and  hungry  look;
He  thinks  too  much;  such  men  are  dangerous;
...
I  do  not  know  the  man  I  should  avoid
So  soon  as  that  spare  Cassius.  He  reads  too  much;
He  is  a  great  observer,  and  looks
Quite  through  the  deeds  of  men;  he  loves  no  plays,
As  thou  dost,  Antony;  he  hears  no  music;
Seldom  he  smiles,  and  smiles  in  such  a  sort
As  if  he  mock'd  himself,  and  scorn'd  his  spirit
That  could  be  mov'd  to  smile  at  any  thing.
Such  men  as  he  be  never  at  heart's  ease
Whiles  they  behold  a  greater  than  themselves,
And  therefore  are  they  very  dangerous."
Pseudo-Corbulo_Musei_Capitolini_MC561_klein.jpg
Das Bild zeigt den sog. "Pseudo-Corbulo", einst für das Portrait des Gnaeus Domitius Corbulo gehalten, wahrscheinlich aber das Portrait des Gaius Cassius Longinus. Parischer  Marmor,  1.  Jh.  v.  Chr.,  Centrale  Montemartini, Rom

Quellen:
(1)  Dio  Cassius,  Römische  Geschichte
(2)  Sueton,  Kaiserviten
(3)  Plutarch,  Brutus
(4)  Appian,  Bürgerkriege
(5)  Cicero,  Ad  familiares

Literatur:
(1)  Theodor  Mommsen,  Römische  Geschichte
(2)  Der  Kleine  Pauly
(3)  Dante,  Comedia  Divina
(4)  Shakespeare,  Julius  Caesar
(5)  Thornton  Wilder,  Die  Iden  des  März
(6) Roberta Stewart, The Jug and Lituus on Roman Republican Coin Types: Ritual Symbols and Political  Power,  Phoenix,  1997
(7)  Wallace-Hadrill, A. 1986. "Image and Authority in the  Coinage  of  Augustus,"  JRS  76

Online-Quellen:
(1)  Wildwinds
(2)  Wikipedia
(3)  www.jewishencyclopedia.com/articles/411 ... s-longinus

Liebe Grüße
Jochen
Zuletzt geändert von Peter43 am Sa 02.12.23 15:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von dictator perpetuus » Fr 01.12.23 21:40

Eigentlich muss ich mal kurz eine meiner jüngsten Erwerbungen vorstellen, eine günstige, unscheinbare, aber ganz hübsche Kleinbronze:

Quadrans RIC 85 (Claudius):
78 ClaudiusQuadrans.jpg
Hand und Waage TI CLAVDIVS CAESAR AVG PNR / PON M TR P IMP COS DES IT SC

Münzen können auch historisch interessant sein, wenn sie nicht mit den ganz berühmten historischen Ereignissen wie dem Gallischen Krieg, dem Caesarmord, dem folgenden Bürgerkrieg, der Varusschlacht, den Ereignissen aus den Evangelien oder dem jüdischen Krieg in Verbindung stehen.
Der Legendenteil PNR steht wohl für pondus nummi restitutum, was sich zusammen mit der Darstellung der Waage darauf bezieht, dass Claudius die Münzgewichte wieder erhöht hat.
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Fr 01.12.23 21:42

Letzten Endes hat natürlich jede antike Münze einen historischen Hintergrund.

Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Sa 02.12.23 08:31

dictator perpetuus hat geschrieben:
Fr 01.12.23 21:40
... Der Legendenteil PNR steht wohl für pondus nummi restitutum, was sich zusammen mit der Darstellung der Waage darauf bezieht, dass Claudius die Münzgewichte wieder erhöht hat. ...
Speziell zu diesem Typ gibt es auch einen Artikel von David W. MacDowall :D , "The PNR type of Claudius", Schweizer Münzblätter 18, 1968, S. 80-86:
https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=s ... 68:18::885

Gruß

Altamura
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Sa 02.12.23 10:04

Peter43 hat geschrieben:
Fr 01.12.23 21:09
... einst für das Portrait des Gnaeus Domitius Corbulo gehalten, tat-sächlich das Portrait des Gaius Cassius Longinus. ...
Kann sein, muss aber nicht, von "tatsächlich" kann man wohl derzeit eher nicht reden :? .

Es handelt sich hier übrigens nicht nur um eine einzige Skulptur, sondern um eine ganze Reihe von Varianten oder Kopien.
Eine besitzt beispielsweise auch der Louvre: https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010252341
im Montreal Museum of Fine Arts befindet sich ebenfalls ein Exemplar: https://www.mbam.qc.ca/en/works/8238/

Die Zuweisung zu Cassius ist aber sehr indirekt und geht über eine längere Argumentationskette. Schön zusammengefasst ist das beispielsweise in der Doktorarbeit von Dean Anthony Alexander, "Ultimus Romanorum: Cassius the Tyrannicide and Caesar’s Assassination", University of Otago, Dunedin, New Zealand, December 2016, in einem Appendix I:
https://ourarchive.otago.ac.nz/bitstrea ... o,-206,846
Sein Fazit lautet aber "Of course, this conclusion is built on a series of plausible assumptions, which, given the present state of the evidence, cannot ultimately be proved.".

Gruß

Altamura
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Sa 02.12.23 15:57

Danke, habe es geändert.

Jochen
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Mi 06.12.23 14:59

Liebe Freunde antiker Münzen!

Vor Weihnachten möchte ich euch noch mit diesem Artikel beglücken. Es geht um Decimius Iunius Brutus Albinus, einen der Bedeutendsten unter den Cäsarmördern, der aber immer etwas im Schatten seines berühmten Namensvetters steht.

D.  Iunius  Brutus  Albinus, der Cäsarmörder

Die  Münze:   
Römische Republik,  Decimus Iunius Brutus Albinus, gens  Iunia
AR  -  Denar,  3.99g,  17.92mm,  0°
         Rom,  48  v.  Chr.
Av.: Kopf der Pietas, mit Halskette und Ohrrongen, n. r.
       dahinter  PIETAS
Rv.:  2  Hände vor geflügeltem Caduceus im Handschlag
        darunter  ALBINVS  BRVTI.F
Ref.:  Crawford  450/2;  Sydenham 942; RSC  Junia  25; Postumia  10
SS+,  leichte  Tönung
d. albinus brutus_Crawford450_2_klein.jpg
Über  die  Münze:
Diese Münze wurde 48 v.Chr. geprägt, also vor der Ermordung Caesars, als Brutus Albinus Münzmeister war. Zu diese Zeit war er ein Anhänger des Caesars. Dieser Denar symbolisiert mit Pietas und Handschlag die clementia Caesaris während des Bürgerkriegs gegen Pompeius.

Decimus Iunius Brutus Albinus (81-43 v.Chr) war ein römscher General und Politiker. Das, was ihn besonders macht, ist, daß er sich von einem bedeutenden Unterstützer und engen Vertrauten Caesars im Gallischen Krieg und im Bürgerkrieg gegen Pompeius zu einem der führenden Anstifter zu seiner Ermordung wandelte.

Warum er sich entschloß, sich den Verschwörern anzuschließen, ist letztendlich immer noch umstritten. Daß er trotz der offensichtlichen Liebe Caesars zu ihm einer seiner Mörder wurde, machte ihn zu einem der unbeliebtesten und verachtenswürdigsten Verräter. Trotz vieler Briefe an Cicero, die erhalten sind, ist über seine Persönlichkeit wenig und seine Motivation nichts bekannt. Deshalb kann hier eigentlich nur über seine Handlungen  berichtet  werden.

Vor  dem  Attentat:
Brutus Albinus war wahrscheinlich der Sohn des Decimus Iunius Brutus und der Sempronia, die Teilnehmer an der Catilinarischen Verschwörung 63 v. Chr. waren. Seine Familie, die Iunier, waren eine alte, hochangesehene plebejische Familie, die schon viele Consuln gestellt hatte. Er wurde von einem Patrizier namens Postumus Albinus adoptiert und der Name Albinus erscheint auch auf seinen Münzen, aber sonst erinnerte nichts an seine Adoption und offiziell wurde er  mit  seinem  Geburtsnamen  genannt.

Caesar liebte ihn über alles und in Caesars Testament war vorgesehen, daß er der Beschützer aller Kinder sein sollte, die Caesar noch bekommen würde. Appian spricht deshalb von einer Adoption des Decimus durch Caesar.

Im Gallischen Krieg hatte er 56 v. Chr. den Oberbefehl über die Flotte gegen die Veneti in der Bretagne und konnte deren Flotte bei Quiberon zerstören. Als Befehlshaber von Kavallerieeinheiten war er 52 v. Chr. gegen Vercingetorix beteiligt, u.a. auch bei Alesia.

Im Bürgerkrieg stellte er sich auf die Seite Caesars gegen die Optimaten unter Pompeius. Als sich Massilia (Marseille) auf die Seite des Pompeius stellte, gelang es ihm in kürzester Zeit eine Flotte aufzustellen und die massilische Flotte zu besiegen. Durch die anschließende Blockade konnte Massilia zur Kapitulation gezwungen werden. Damit hatte Caesar in Spanien freie Hand.

Als Caesar nach der gewonnenen Schlacht bei Munda in Spanien 45 v. Chr. den Bürgerkrieg beendete und als Dictator siegreich nach Rom zurückkehrte, ließ er Decimus neben sich in der Kutsche mitreisen (Plutarch, Antonius), was eine hohe Ehre darstellte. Zu dieser Zeit muß sich Decimus den Verschwörern angeschlossen haben. Zusammen mit Cassius Longinus war er der Hauptantreiber der Attentäter. Sie waren es auch, die Marcus Brutus überzeugten, sich ihnen anzuschließen. Am Tag des Mordes wurde Caesar von Decimus zur Senatssitzung in das Theater des Pompeius begleitet. Dabei soll er auch verhindert haben, daß Marcus Antonius Caesar vor dem Attentat warnen  konnte.

Nach  dem  Attentat:
Am Tag nach dem Mord erließ der Senat auf Anraten von Marcus Antonius eine Amnestie für die Attentäter, bestätigte aber auch alle Anordnungen Caesars. Doch es gab Unruhen und das Volk und Caesars Legionäre forderten eine strenge Bestrafung. Die Verschwörer hatten keinen Plan und Decimus, der in Caesars Testament sogar als Erbe 2. Grades genannt war, verließ Rom in seine Provinz Gallia Cisalpina in der Funktion als Praetor  Peregrinus.

Die Stimmung gegen die Attentäter nahm weiter zu. Der Senat mußte dem Rechnung tragen und forderte Decimus auf, die Provinz Gallia cisalpina an Marcus Antonius zu übergeben. Decimus zu besiegen war für Marcus Antonius der Weg, die Kontrolle über diese wichtige Provinz zu bekommen und seinen Anspruch auf die Nachfolge anzumelden. 43 v. Chr. besetzte Decimus Mutina (Modena) und richtete sich auf eine Belagerung ein. Marcus Antonius schloß seine Truppen ein,  um  ihn  auszuhungern.

Der  Mutinensische  Krieg:
Als Aulus Hirtus und Gaius Pansa, die beiden Consuln dieses Jahres, nach Norden marschierten, um die Belagerung aufzubrechen, änderte der Senat seine Meinung. Er stand stark unter dem Einfluß von Cicero und neigte jetzt dazu, Marcus Antonius als Feind zu betrachten. Man erkennt, wie unklar die Lage war, und noch war vieles möglich. Mit Pansa zog auch der 19jährige Octavian, der trotz seines Alters bereits zum Propraetor ernannt  war,  nach  Norden.

Das erste Treffen fand am 14. April in der Schlacht am Forum Gallorum bei Mutina statt, wo Antonius hoffte, seine Gegner nach und nach zu erledigen. Antonius besiegte zwar die Truppen von Gaius Pansa und Octavian, wobei Pansa tödliche Wunden erlitt, aber Antonius wurde dann durch einen Überraschungsangriff von Hirtius besiegt. Eine zweite Schlacht am 21. April bei Mutina führte zu einer weiteren Niederlage für Antonius und zum Tod von Hirtius. Antonius zog sich zurück, da er nicht Opfer einer doppelten Umzingelung werden wollte, wie es Vercingetorix mit Caesar bei Alesia  geschehen  war.

Nachdem die Belagerung jetzt aufgehoben war, dankte Decimus Brutus dem Octavian vorsichtig von der anderen Seite des Flusses aus. Octavian aber wies ihn ablehnend darauf hin, daß er gekommen war, um sich Antonius entgegenzustellen, und nicht, um Caesars Mördern zu helfen. Decimus Brutus erhielt zwar vom Senat den Befehl, weiter Krieg gegen Antonius zu führen, aber viele seiner Soldaten desertierten zu Octavian.

Daraufhin beschloß Decimus, sich im Krieg gegen Antonius Plancus anschließen, der bei Grenoble stand. Er überquerte die Alpen - auch mit Hilfe Ciceros -, aber als Plancus die Seite wechselte, wurde seine Lage unhaltbar und er mußte fliehen. Er plante, Makedonien zu erreichen, wo sich Marcus Iunius Brutus und Cassius Longinud stationiert hatten. Aber Mitte September wurde er auf dem Weg dorthin von Camulos, einem gallischen Häuptling, der Marcus Antonius treu ergeben war, gefangengenommen und Marcus Antonius ließ ihn durch Schergen töten. Keiner von Casesars Mördern überlebte  ihn  länger  als  3  Jahre.

Anmerkung:
In Shakespeares "Julius Caesar" wird Decimus fälschlicherweise  Decius  genannt.
César_se_rendant_au_sénat_aux_Ides_de_Mars.jpg
Das Bild zeigt das Gemälde “Caesar begibt sich in die Senatssitzung an den Iden des März 44” von Alexandre Abel de Pujol (1785–1861). Heute im Musee des Beaux-Arts  in  Valenciennes. Alexandre Abel de Pujol (1785-1861), ein Schüler von Jacques Louis David, war ein klassizistischer französischer Historienmaler. Von ihm stammen u. a. großformatige  Deckenmalereien  im  Louvre.

Quellen:
(1)  Caesar,  De  bello  Gallico
(2)  Caesar,  Der  Bürgerkrieg
(3)  Plutarch,  Caesar;  Plutarch,    Antonius
(4)  Cicero,  Ad  familiares
(5)  Sueton,  Caesar
(6)  Appian,  Bürgerkriege
(7)  Cassius  Dio,  Römische  Geschichte

Literatur:
(1)  Jochen  Bleicken,  Augustus
(2)  Der  Kleine  Pauly

Online-Quellen:
(1)  Wikipedia
(2)  Wikimedia

Mit freundlichem Gruß, und Altamura, tue Deine Arbeit
Jochen
Zuletzt geändert von Peter43 am Mi 06.12.23 21:15, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von hjk » Mi 06.12.23 17:11

Peter43 hat geschrieben:
Mi 06.12.23 14:59
. . . und Altamura, tue Deine Arbeit
Hallo Jochen,

erstmal nachträglich alle guten Wünsche zum Geburtstag und den hoffentlich noch vielen folgenden Jahren und Artikeln! Der hier hat mir auch wieder gut gefallen - und den Nachsatz fand ich dann auch recht genial (auch wenn ich Altamuras Ergänzungen ebenfalls durchaus zu schätzen weiß!)

:-D
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Altamura2 » Mi 06.12.23 19:48

Peter43 hat geschrieben:
Mi 06.12.23 14:59
... und Altamura, tue Deine Arbeit ...
Muss ich ja, wenn Du Deine nicht sauber zu Ende bringst und Dinge behauptest, die nicht stimmen :D .

Wobei ich das aber nur tue, wenn ich beim ersten Überfliegen an irgendwas hängen bleibe, das bei mir gleich Verdacht erregt:
Peter43 hat geschrieben:
Mi 06.12.23 14:59
... Von ihm stammen u. a. die großformatigen Deckenmalereien im Louvre. ...
Das ist nun maßlos übertrieben, Abel de Pujol hat im Louvre genau eine Decke bemalt, diese hier :D : https://collections.louvre.fr/ark:/53355/cl010062470
(Wie bin ich darauf gekommen? Es ist völlig unwahrscheinlich, dass ein einziger Maler beauftragt wurde, alle Deckenmalereien des riesigen Louvre anzufertigen.)
hjk hat geschrieben:
Mi 06.12.23 17:11
... (auch wenn ich Altamuras Ergänzungen ebenfalls durchaus zu schätzen weiß!) ...
Danke, hört man gerne :D .

Gruß

Altamura
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Lucius Aelius » Do 07.12.23 06:22

dictator perpetuus hat geschrieben:
Fr 01.12.23 21:40
Eigentlich muss ich mal kurz eine meiner jüngsten Erwerbungen vorstellen, eine günstige, unscheinbare, aber ganz hübsche Kleinbronze:

Quadrans RIC 85 (Claudius):

78 ClaudiusQuadrans.jpg

Hand und Waage TI CLAVDIVS CAESAR AVG PNR / PON M TR P IMP COS DES IT SC

Münzen können auch historisch interessant sein, wenn sie nicht mit den ganz berühmten historischen Ereignissen wie dem Gallischen Krieg, dem Caesarmord, dem folgenden Bürgerkrieg, der Varusschlacht, den Ereignissen aus den Evangelien oder dem jüdischen Krieg in Verbindung stehen.
Der Legendenteil PNR steht wohl für pondus nummi restitutum, was sich zusammen mit der Darstellung der Waage darauf bezieht, dass Claudius die Münzgewichte wieder erhöht hat.
Siehe auch: viewtopic.php?f=90&t=36449&p=389963&hil ... mi#p389963
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Gruss
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Re: Historisch interessante Münzen

Beitrag von Peter43 » Sa 23.12.23 20:42

Behrendt Pick

Behrendt Pick (1861-1940) war einer der bedeutend-sten deutschen Numismatiker. Seine Arbeiten über die antiken Münzen Nord-Griechenlands sind auch heute noch das grundlegende Referenzwerk für die Münzen z. B. aus Markianopolis oder Nikopolis.

Als Mitautor der Monographie von Hristova/Hoeft/Jekov, The Coinage of Nicopolis ad Istrum, die seit 2011 auf Englisch erscheint, stehe ich sozusagen in seinem Schatten, zumindestens habe ich sein Werk fast täglich in der Hand. Die Anzahl der bekannten Typen hat sich allerdings - insbesondere nach dem Fall des Eisernen Vorhangs - vervielfacht. Während Behrendt Pick 1898 noch 890 Typen von Nikopolis kannte, haben wir 2023 bereits 2822 verschiedene gelistet, wobei ein Ende bisher nicht abzusehen ist. Aber ich bewundere die Genauigkeit und Zuverlässigkeit seiner Beschreibungen, die auch heute noch ein unerreichtes Vorbild an
Wissenschaftlichkeit darstellen.

Umso mehr freue ich mich, wenn ich mein Vorbild verbessern kann, was selten genug vorkommt. Pick hat bei Beschreibungen der Büste nie angegeben, ob sie von vorne oder von hinten gesehen wurde, weil es zu seiner Zeit nur den einen Typ gegeben hatte. Als jetzt weitere auftauchten, fehlte diese Information, auch weil es zu wenig Abbildungen gab, was bedauerlich ist. Jetzt haben wir alle Typen nicht nur beschrieben, sondern auch abgebildet. Die Beschreibung der folgenden Münze muß allerdings korrigiert werden.

Die Münze:
Moesia inferior, Nikopolis ad Istrum, Elagabal, 218-222
AE - AE 24, 8.8g
         geprägt unter dem Statthalter Novius Rufus
Av.: AVT K M AVPH - ANTΩNEINOC
        Büste, drapiert und cürassiert, von hinten gesehen, mit Strahlenkrone, n. r.
Rv.: VΠ NOBIOV POVΦOV N - IK - OΠOΛITΩN        ΠPOC I
       im li. oberen Feld untereinander CTPO / N
       Der Kaiser in Militärkleidung und mit Strahlenkrone n. l. stehend, stützt sich mit der erhobenen li. Hand auf den Speer und hält in der vorgestreckten Rechten Patera über einen  flammenden bekränzten Altar
Ref.: a) AMNG I/1, 1986 (3 Ex., Gotha, Mandl)
         b) Varbanov 4023
         c) Hristova/Hoeft/Jekov (2023) No. 8.26.34.4
nicht häufig, fast SS, braune Patina
#044_nikopolis_elagabal_HrHJ(2023)8.26.43.4corr.jpg
Pick schreibt "über einen flammenden bekränzten Altar" und das hatte ich für unsere Nikopolis-Monographie auch übernommen. Doch schaut man sich den Altar genauer an, sieht man, daß es sich nicht um einen flammenden Altar handelt, sondern daß auf dem Altar militärische Ausrüstungsgegenstände liegen! Man erkennt z..B. re. einen Helm mit Wangenklappen und li. vielleicht einen Helm mit hochgeklapptem Visier (Mauseus, clueless, FAC).
#044_detail.jpg
Detail der Münze

Diese Opfergaben stammen sicherlich von besiegten Feinden. Insgesamt ist es eine ungewöhnliche Darstellung, die ich so noch nie gesehen habe. Es zeigt wieder einmal, daß man sich die Details einer Münze genau ansehen sollte, und es überrascht erneut, was man auf den Münzen von Nikopolis alles entdecken kann. Natürlich muß die Beschreibung dieser Münze dahingehend korrigiert werden.

Biographie:
Behrendt Pick wurde am 21.12.1861 in Posen geboren und starb am 4.5.1940 in Berlin. Nach dem Besuch des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums ging er nach Berlin und studierte Geschichte, Altertumswissenschaft und Archäologie an dem Vorläufer der heutigen Humboldt-Universität.

Sein Lehrer war der große Theodor Mommsen, unter dem er mit seiner Arbeit „De senatus consultis Romanorum“ zum Dr. phil. promoviert wurde. Und Mommsen war es auch, der ihn für die Mitarbeit an dem großen Projekt „Die antiken Münzen Nord-Griechenlands“ empfahl, das von Imhof-Blumer gelei-tet wurde. Mit Mommsen kam es zum Zerwürfnis, aber Imhof-Blumer wurde seine Mentor in Winterthur und ermöglichte ihm durch eine eigene Stiftung ein Stipen-dium. In der Art ihres Denkens, ihrer Universalität und ihrer Interdisziplinarität waren beide sehr ähnlich. 1889 ging er als Privatdozent nach Zürich, habilitierte sich und wurde a.o. Professor für römische Altertümer, Geschichte und Numismatik.

1893 ereilte ihn der Ruf nach Gotha an die Herzogliche Bibliothek von Schloss Friedenstein, wo er das Münz-kabinett betreute. 1917 wurde er zum Geheimen Hofrat ernannt, 1928 zum Staatsarchivar und zum Direktor der Bibliothek. 41 Jahre arbeitete er in Gotha und beein-flußte von dort aus die internationale Forschung. „Die antiken Münzen von Dacien und Mösien“ ist nicht nur sein Hauptwerk, sondern ein Grundlagenwerk der Numismatik. Er unternahm Reisen nach Athen, Konstantinopel, Mailand, Rom und Venedig und stand mit allen großen Wissenschaftlern seiner Zeit in Kontakt. Durch ihn wurde das Gothaer Münzkabinett eine der bedeutendsten Sammlungen Deutschlands und international bekannt. Die Vorrede zu seinem Hauptwerk zeichnete er mit „Gotha, 31. October 1898. Behrendt Pick“
2_-_portraitbueste_von_behrendt_pick_stiftung_schloss_friedenstein_gotha.jpg
Lebensechte Portraitbüste Behrendt Picks, vermutlich von Victor Embser (Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Photo: David Koch)

Von 1896 an war er a.o. Professor der Universität Jena mit Lehrauftrag in Gotha, ab 1911 als Honorarprofessor für Altertumswissenschaft und Numismatik. In seinem letzten Lehrjahr, wohl 1932, wurde er zum Ehrenmitglied der Schweizerischen Numismatischen Gesellschaft gewählt und 1935 erhielt er die Ehrenmedaille der Royal Numismatic Society, eine der höchsten Auszeichnungen, die zu vergeben sind.

Inzwischen hatte sich aber bereits der Nationalsozialismus wie ein Leichentuch über Deutschland gelegt. Gegen seinen Willen wurde er gezwungen, in den Ruhestand zu treten und 1933 wurde er wegen seines jüdischen Glaubens aller seiner Ämter enthoben. Wie so viele andere jüdische Deutsche hat er die Gefahr, die von Hitler ausging, nicht erkannt. Er glaubte, daß seine wissenschaftliche Reputation ihn schützen würde. Welch ein Irrtum! 1936 zog das Ehepaar Pick nach Berlin, wo es sich sicherer wähnte. Am 3. Mai 1940 starb Behrendt Pick. 2 Jahre später, als bereits die ersten Transporte von Juden von Berlin aus ins KZ
Theresienstadt fuhren, nahm sich seine Frau Gertrud das Leben.

2021 wurden in der Reinhardsbrunner Straße 45 in Gotha, wo das Ehepaar von 1915-1936 wohnte, zur Erinnerung 2 Stolpersteine gelegt.

Quellen:
(1) Behrendt Pick, Die antiken Münzen Nord-Griechenlands (AMNG), Berlin, 1898
(2) Hristova/Hoeft/Jekov, The Coinage of Nicopolis ad Istrum, Blagoevgrad 2023
(3) TSURIKRUFN! – Eine Erinnerung an den jüdischen Numismatiker Behrendt Pick
(4) Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
Jochen
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cmetzner (Mo 25.12.23 23:32) • stmst (Di 26.12.23 11:46) • guarana (Do 28.12.23 17:32)
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