Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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Andy63
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Beitrag von Andy63 » Mi 17.11.04 19:21

Hallo
Gratulation zu deinem Schnäppchen was hast Du den bezahlt für das seltene
Stück???? :?:

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 17.11.04 22:53

Tolles Stück!

Mit freundlichem Gruß
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Sir Oly
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Beitrag von Sir Oly » Do 18.11.04 17:10

Wirklich ein Prachtstück... Bye-bye Weihnachtsgeld :wink: !!!
FEL TEMP REPARATIO

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mo 22.11.04 13:30

Es ist wieder Zeit für eine historische Stunde! Hier habe ich einen Denar des Markus Aurelius aus dem Jahr 175 n.Chr. mit der Revers-Legende DE GERM:
Marcus Aurelius 161 - 180
AR - Denar, 3.25g, 18.8mm
Rom, Dez. 175 - Dez. 176
Av.: M ANTONINVS AVG GERM SARM
Belorbeerter Kopf n.r.
Rv.: TRP XXX IMP VIII COS III PP
Stapel von Waffen und Gerät
Abschnitt: DE GERM
RIC III, 338; RSC 154a
Selten; SS(?)
Veröffentlicht bei www.wildwinds.com

Hier die Geschichte hinter der Münze (Quellen: Der kleine Pauly und www.roman-emperors.org):
167/168 fielen, vielleicht nach Einbrüchen schon 165, die Markomannen und Quaden unter Ballomars Führung, in Italien ein, wobei jedoch die ganze german. Welt von Illyien bis Gallien in Bewegung geriet. Die Wirkung auf die Einwohner der Halbinsel war furchtbar. Dies war die erste Invasion in Italien seit dem späten 2. Jahrhundert v.Chr., als die Cimbern und Teutonen getrennt von Marius vernichtet wurden. Vielleicht noch lebendiger im kollektiven Gedächtnis war die Plünderung Roms durch die Gallier 387, als die Stadt nur durch die Zahlung einer riesigen Lösesumme gerettet werden konnte.
Nach dem Aufbruch beider Augusti im Spätsommer 168 zogen sie sich zurück, aber Friedensbestrebungen scheiterten. Währenddessen starb Verus. Marcus kehrte mit den sterblichen Überresten seines Adoptivbruders nach Rom zurück und bestattete ihn mit allen Ehren.

Nach dem Tod des Verus drangen die Barbaren Anfang 169 erneut vor, vernichteten die Legionen von Pannonia sup., der Statthalter C. Iulius Commodus Orfitianus fiel, sie verwüsteten von Mai bis Juli 169 Opitergium und belagerten Aquileia. Die Kriegführung im pannon. Raum, wohin Marcus 2 neu ausgehobene Legionen schickte, für die er Kronjuwelen und anderen kaiserlichen Schmuck versteigerte, obwohl von einer Finanzkrise unter Marcus nicht gesprochen werden kann, übertrug er dem T. Claudius Pompeianus, dem er die Witwe des Verus vermählte. Er ging gleichfalls nach Pannonien, wo der Sieg des Pompeianus 170 etwas Ruhe schaffte. Doch überrannten Germanen und Iazygen 170 die 3 dakischen Provinzen und Obermoesien, die zu einem großen Militärkommando unter M.Claudius Fronto zusammengefaßt worden waren; dieser fiel in der Schlacht. Das hatte Germaneneinfälle bis Griechenland (Zerstörung von Eleusis!) und Kleinasien zur Folge. Aber Helvius Pertinax (der spätere Kaiser) säuberte Noricum und Raetien, so daß M. sein Hauptquartier nach Carnuntum verlegen konnte. Erst 172 war die Germanengefahr zurückgedrängt und Marcus wandte sich nach Norden und begann seine Gegenangriffe gegen die Barbaren.

Zu dieser Zeit wußte er noch nicht, daß er den größten Teil seiner verbleibenden Jahre an der Nordfront verbringen würde. Das einzige Zwischenspiel dabei war eine Revolte im Osten. Wir haben keine Aufzeichnungen über die letztendlichen Ziele seiner Feldzüge, die einzelnen Phasen sind jedoch klar. Zuerst und vor allem anderen mußte der Feind aus Italien vertrieben werden. Dann konnte man ihn in seinem eigenen Territorium jenseits der Donau bekämpfen. Er versuchte, die einzelnen Stämme zu isolieren und sie dann einzeln zu bekämpfen, so daß die römische Überlegenheit durch die größere Anzahl ihrer Soldaten und ihre größere Klugheit in der Kriegsführung und der Organisation leichter gegen sie ausgespielt werden konnte. Es war eine erfolgreiche Strategie, ein Stamm nach dem anderen erlitt Niederlagen und ihre Anerkennung der Oberhoheit Roms konnte erneuert werden. Aber dies waren zeitraubende und kostspielige Operationen, die die Aushebung von 2 neuen Legionen, der II. und der III. Italica, den Bau vieler neuer Lager, wie z.B. die Legionärsfestung in Regensburg, erforderten. Er hatte vor, 2 neue Provinzen, Marcomannia und Sarmatia zu gründen, um so die Ungarische Ebene und die Hochwasserflächen der Oberelbe als Ausgangsplätze für weitere Invasionen auszuschalten.

Durch die Eroberung von Mähren trieb er einen Keil zwischen Quaden und Sarmaten und unterwarf 173 und 174 die Quaden und Marcomannen, zugleich von Sirmium aus 173-175 die Iazygen. M.s Gattin Faustina wurde zur mater castrorum ernannt. Von Aquincum aus begann M. 175 den Großangriff gegen die Sarmaten. So weit war der Stand der Dinge, als er wegen der Usurpation des Cassius Avidius in den Osten gerufen wurde.
Nach seiner Rückkehr nach Rom feierte er am 23. Nov. 176 den Triumph über die Germanen und Sarmaten. Raetien und Noricum wurden römische Provinzen. Hätte Commodus nur 2 weitere Jahre die Strategie seines Vaters fortgesetzt, hätte es wahrscheinlich für Jahrzehnte oder noch länger Ruhe and der Nordfront gegeben. Aber so kam es leider nicht!

Diese Erfolge in den Markomannischen Kriegen werden durch die abgebildete Münze gefeiert!

Mit freundlichen Grüßen
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secundus
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Beitrag von secundus » Do 25.11.04 21:59

chinamul hat geschrieben:Mattingly meint im BMC nicht, daß sie Asses seien, sondern hält sie eher für Dupondien und nennt sie Triumphalmünzen. chinamul


Ob Asses oder Dupondien, darüber sollte das Material entscheiden: Asses aus Bronze bzw. Dupondien aus Messing. Wenn auf diese Prägung besonderers viel Wert gelegt wurde -wofür der extrabreiten Schrötling spricht-, dann ist Messing (Aurichalcum) wahrscheinlich.

Die Strahlenkrone als Erkennungsmerkmal für Dupondien wurde erstmals unter Nero gebräuchlich. Allerdings gibt es auch Münzen des Neros aus Messing auf denen er keine Krone trägt.
Weiss jemand, ob es einen genauen Zeitpunkt gibt ab dem Dupondien ausschließlich mit Strahlenkrone geprägt wurden, oder brauchte einen längeren Zeitraum :?:

Ab Vespasian scheint es jedenfalls zur üblichen Praxis geworden zu sein.

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Do 25.11.04 23:25

Hallo Secundus!

Du hast recht, wenn Du sagst, unter Vespasian sei es übliche Praxis geworden. Aber es wurden unter Vespasian nicht nur Dupondien mit Strahlenkrone geprägt, z.B. sind RIC 594 und 604 ohne! Ähnliches gilt auch noch für Titus. Domitian hat zu Beginn seiner Herrschaft auch noch verschiedene Dupondius-Typen prägen lassen. Erst mit RIC 364 (ab 88 n.Chr.) werden alle seine Dupondien nur noch mit Strahlenkrone geprägt. Nerva und Trajan haben dies dann übernommen.

Diese Frage würde übrigens gut in den Thread von Amigobutzi über die Strahlenkrone passen!

Mit freundlichem Gruß
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chinamul
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Beitrag von chinamul » Sa 04.12.04 16:51

Da dieser Thread mal wieder allmählich im Orkus des Vergessens zu versinken und damit aus dem Blickfeld zu geraten droht, hier mal wieder ein Beitrag zu zwei Republikdenaren, auf denen ein weiteres Mal deutlich wird, wie die verschiedenen Gentes sich mit Verweisen auf die griechische Geschichte, oder besser Mythologie, zu profilieren suchten. Dabei spielt natürlich Troja eine entscheidende Rolle, von dem aus Aeneas, genau nach dem Vorbild des Odysseus, seine Irrfahrten begann, die schließlich in Latium endeten.
Da ist zunächst Caesar, der einen Denar prägen läßt, auf dem der Avers den Kopf der Venus zeigt, seiner angeblichen Stammutter (die hier nach den neuen Rechtschreibregeln eigentlich fällige Verdreifachung des m würde gar zu blöde aussehen). Sie gebar dem Anchises den Aeneas, dessen Sohn Julus (bzw. Ascanius) wiederum der Gens Julia den Namen gab, der Gaius Julius Caesar angehörte. Auf der Rückseite sieht man Aeneas, der seinen greisen Vater Anchises aus dem brennenden Troja trägt. In der Rechten hält er dabei das Palladium, eine Statuette der Pallas Athene. Dieses Stück zeigt am anschaulichsten, welchen enormen Stellenwert man der, wenn auch nur behaupteten, Abkunft von den Trojanern beimaß.
Die Gens Mamilia bemächtigt sich nun des Helden der Gegenseite, indem sie Odysseus, den Zerstörer Trojas, auf einem Denar abbildet. Es scheint mithin einigermaßen gleichgültig gewesen zu sein, auf welche der um Troja kämpfenden Parteien man sich seinerzeit berief, solange man sich zur Aufwertung der eigenen Gens nur den damit verbundenen Mythos zunutze machen konnte. Die Münze zeigt auf dem Avers die Büste des Mercurius, des Beschützers des Odysseus, und auf dem Revers den Helden selbst, wie er bei der Heimkehr von seinem Hund Argus begrüßt wird.

C. Julius Caesar
AR Denar geprägt in Gallien ca. 48 v. Chr
Av. Diademierter Kopf der Venus rechts mit Halsband und Haarknoten, aus dem zwei Locken herausfallen
Rv. Aeneas nach links gehend mit seinem Vater Anchises auf der linken Schulter und dem Palladium auf der Rechten - rechts hinter ihm: CAESAR - Syd. 1013

C. Mamilius Limetanus
AR Denar (Serratus) Rom (Mzst. B) ca. 82/81 v. Chr.
Av. Drapierte Büste des Mercur rechts mit geflügeltem Petasus; links hinter ihm ein Caduceus, darüber A
Rv. Odysseus in der Kleidung eines griechischen Seemannes auf langen Stab in der Linken gestützt nach rechts gehend, die Rechte seinem Hund Argus entgegenstreckend, der ihn von rechts kommend begrüßt - links und rechts: C MAMIL - LIMETAN - Syd. 741

Gruß

chinamul
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troja 2.jpg
troja 1.jpg
Zuletzt geändert von chinamul am Mi 26.04.06 10:08, insgesamt 1-mal geändert.
Nil tam difficile est, quin quaerendo investigari possit

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Sa 04.12.04 21:04

Wunderschöne Münzen! Wie man auf der ersten klar erkennt, war der Generationenvertrag damals noch in Kraft!

Mit freundlichem Gruß
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europa
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Beitrag von europa » So 05.12.04 17:09

Hallo,

grüsse euch Ihr Sammlerfreunde der Antiken Münzen.
Die von euch erzählten Geschichten, passent zu den Münzen sind schon was schönes, einfach zum "Zungenschnalzen."

Eingentlich bin ich kein so grosser Sammler von Römern aber wenn mir eine Angeboten wird verschmähen würde ich sie nicht. Oder eine gefält mir.

Geschitlich gesehen haben die Römer viel von den Griechen, die schönen architektonischen Bauwerke, Kunstwerke, Mythen,.... so wie sie auch selber sagen, UNA FATSA, UNA RATSA, bezogen auf die Griechen.
Die Hultigung der Römer an die Griechen ist an vielen Beispielen zu sehen.

Insbesonderen : (weil sie mir etwas sehr lebendig vorkommt)
die letze Münze hat des mir hier angetan.

Wenn man die Geschichte des Odysseus kennt und weiss, dass bei seiner Ankunft, "die Heimkehr" in Ithaka nach langen jahren Abwesenheit, er als Bettler verkleidet, sein Hund ihn nur erkannte, und ihn Begrüßte; der schon alt und gebrächlich war, darauf hin er gleich verstarb, ist dass wirklich eine für mich sehr ansprächente Münze.
In bezug der Münze auf die Geschichte, steht sie jetzt schon in meinem Wunschzettel.

Die Geschichte in vielen Beispielen lebendig.
Vieleicht gehört es nicht hier her; aber da ich Selber Thrakia bin,
möchte ich es hier gerne kundtun.
Die Geschichtsträchtigkeit, das Geschichtsbewußtsein, die Geschichtsphilosophie.

Geschichte is Vergangenheit, Gegenwart und Zunkunft.

MfG
Dem Himmel sei DANK !!

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richard55-47
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Beitrag von richard55-47 » So 05.12.04 21:05

Neben der Sache:

Europa, du bist Nr. sechs der mir aus dem Forum bekannten, am 29.06. Geborenen. Macht dich direkt sympathisch.
do ut des.

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 08.12.04 19:06

Jetzt noch einmal eine Münze mit historischem Hintergrund (nebenbei, gibt es überhaupt antike Münzen ohne einen historischen Bezug?). Es ist ein Denar von Trajan (98 - 117 n.Chr):

AR - Denar, 3.15g, 19.9mm
Rom 103 - 111
Av. IMP TRAIANO AVG GER DAC PM TRP COS V PP
belorbeerte Büste n.r.
Rv. SPQ.R. OPTIMO PRINCIPI
Daker, mit spitzer Mütze und langer Kleidung, langen Ärmeln und
Hosenbeinen sitzt n.r. auf ovalem Schild, li. Bein angehoben, Knie
gebeugt und über dem re. gekreuzt. Re. Arm an der Seite, Kopf in li.
Hand gestützt, li. Ellbogen ruht auf li. Knie (sog. Trauerhaltung!),
darunter Krummschwert
RIC II, 219; BMCR cf.175
VZ, unzirkuliert

Nun zum historischen Hintergrund. Diese Münzausgabe feiert den Sieg in den beiden dakischen Kriegen des Trajan (siehe http://www.roman-emperors.org):

Nachdem Trajan 98 n.Chr. Kaiser geworden war, kehrte er nicht sogleich nach Rom zurück. Er blieb in seiner germanischen Provinz und klärte dort Probleme an der Grenze. Es sah aus, als wolle er zunächst die Politik von Domitian fortsetzen, der zwei neue Provinzen eingerichtet, sie mit starken Garnisonen belegt und den Limes begonnnen hatte. Diejenigen, die gehofft hatten, er würde den Krieg gegen die Germanen wieder aufnehmen, waren enttäuscht. Tacitus scheint unter ihnen gewesen zu sein.

Danach besuchte Trajan die problematischen Donauprovinzen Pannonien und Moesien, wo der Dakerkönig Decebal den Römern große Schwierigkeit gemacht und den Römern zehn Jahre zuvor eine schwere Niederlage beigebracht hatte. Domitian hatte einen modus vivendi gefunden, im Grunde dadurch, daß er sich das Wohlverhalten des Decebal erkaufte, aber der hatte trotzdem seine feindlichen Aktivitäten gegen Rom fortgesetzt. Trajan wußte genau, daß diese Ecke des Reiches seine ganze Aufmerksamkeit benötigte und eine dauernde und befriedigende Lösung brauchte.

Trajan verbrachte dann das Jahr 100 in Rom, um an den Ehrungen und der Vergöttlichung seines Vorgängers teilzunehmen, und um eine gute und vertrauensvolle Beziehung zum Senat aufzubauen, dies in scharfem Kontrast zu Domitians 'Krieg gegen den Senat'. Aber seine Politik folgte im Wesentlichen der von Domitian: Natürlich war er der Herr des Staates und die höchste Autorität über allen anderen. Doch sein guter Charakter und sein Respekt vor denen, die kurz vorher noch seine Vorgesetzten waren, gewannen ihm viel Wohlwollen. Er wurde schon bald vom Volk 'optimus' genannt, bevor der Senat ihm diesen Titel offiziell verlieh. Seine Gedanken jedoch waren immer bei den Donauprovinzen. Er begann mit Vorbereitungen zu einem großen Feldzug: So verlegte er Legionen und die ihnen zugehörigen Hilfstruppen von Germanien, Britannien und anderen Provinzen, bildete zwei neue Legionen, die II Trajana und die XXX Ulpia, und erhöhte damit ihre Gesamtzahl auf 30, die höchste Anzahl, die es jemals in der Geschichte des Reiches gegeben hatte.

101 zog er ins Feld. Dieser Krieg erforderte alle seine militärischen Fähigkeiten und alle Technik und Disziplin, für die das römische Heer bekannt war. Trajan hatte das Glück, daß Apollodor von Damascus in seinen Diensten stand. Dieser baute eine Straße durch das Goldene Tor (den berüchtigten Donaudurchbruch), die so weit vom nackten Felsen abstand, daß es aussah, als marschierten die Soldaten über das Wasser der Donau. Ihm gelang es auch, eine Brücke über die Donau zu bauen, die 60 Steinpfeiler hatte, und von der es heute noch Spuren gibt. Als Trajan endlich losmarschierte, marschierte er sehr schnell, wahrscheinlich mit zwei Marschkolonnen, mitten ins Herz des dakischen Reiches, bis 102 Decebal sich entschloß zu kapitulieren. Er warf sich vor Trajan auf den Boden, schwor ihm Gehorsam und wurde so ein von Rom abhängiger Satellitenkönig. Nach Rom zurückgekehrt erhielt Trajan den Titel Dacicus.

Als Decebal jedoch wieder allein war, begann er erneut, die Römer herauszufordern, indem er Raubzüge über die Donau unternahm und die Völker nördlich der Donau gegen Rom aufzustacheln versuchte. Da zog Trajan 106 ein zweitesmal in den Krieg, um diesmal die Unterwerfung von Decebal für immer zu vollenden. Dies war jetzt ein grausames Gemetzel mit allen Anzeichen eines Ausrottungskrieges, bis König Decebal, von seiner Hauptstadt Sarmigethusa vertrieben und wie ein Tier gejagt, sich entschloß, Selbstmord zu machen, um nicht im Triumphzug in Rom vorgeführt und dann ermordet zu werden.

Jetzt war der Krieg endgültig zu Ende. Er war bis an die Grenzen der römischen Kräfte gegangen, 11 Legionen waren beteiligt gewesen, aber der Gewinn war riesig. Trajan feierte einen großen Triumph, der 123 Tage dauerte, und unterhielt das Volk mit ausgedehnten Gladiatorenkämpfen und Tierhatzen. Das Land wurde zur Provinz gemacht, der ersten nördlich der Donau. Viele der Einwohner, die den Krieg überlebt hatten, wurden ermordet oder versklavt, und Einwohner aus anderen Regionen des Reiches dort angesiedelt. Der ungeheure Reichtum Dakiens kam als Kriegsgewinn nach Rom und erlaubte es Trajan, ein ausgedehntes Bauprogramm im ganzen Reich zu beginnen, besonders aber in Italien und Rom. In der Hauptstadt entwarf und baute Apollodor für das bereits begonnene Forum die berühmte Trajanssäule. Die war genau 100 römische Fuß hoch und zeigte auf einem Spiralband, das wie eine Schriftrolle um die Säule gewickelt war, mit 2500 Figuren die Geschichte der beiden dakischen Kriege. Diese Säule ist auch heute noch ein erhabenes Zeugnis kaiserlicher 'Propaganda'.


Mit freundlichem Gruß
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Zuletzt geändert von Peter43 am Do 09.12.04 00:18, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitrag von B.A. » Mi 08.12.04 20:10

Eine wirklich schöne Münze, und ein ebenso Interessanter Beitrag. :D
Aber ich glaube es hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, Trajan wurde 98 Kaiser, und nicht 88 :wink:

Weiter so, sehr interessante Beiträge. Ich hoffe bald auch eine Münze vorzustellen :D

Mfg
SCheibe
Demonax wurde kurz vor seinem Tode gefragt:"Wer sorgt für dein Begräbnis?" Seine Antwort:"Mein Gestank!"

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Beitrag von Peter43 » Do 09.12.04 00:09

@Scheibe:

Du hast natürlich recht, und ich habe es bereits korrigiert!

Danke!
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spider
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Beitrag von spider » Sa 11.12.04 19:35

Ich möchte diese Münze mal vorstellen da ich mir denke das sie hier reinpasst.
Domitianus 81-96
Nach meiner Lektüre der ungeliebte und ungehobelte Sohn des Vespasianus.
Ob er schuldig am Tod seines Bruders Titus war lässt sich wohl nicht mehr zweifelsfrei klären.Bedauert hat er den selbigen aber wohl nie.
Da er erst vom Vater und später auch vom Bruder von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen worden war konnte er mit deren Ableben gut auskommen.
Sich beim Senat und Volk anzubiedern war durch sein machtbesessenes Verhalten zum Scheitern verurteilt.
"Unser Herr und Gott befiehlt"
Mit solchen Sprüchen machte er sich weder beim Senat noch beim Volke Freunde.
Politische Prozesse kamen wieder in Mode.
Kein Wunder das er unter Verfolgungswahn litt.
Half aber auch nichts,mit 45 wurde er erdolcht.
Und was hat das alles mit dieser Münze zu tun?
Da hoffe ich auf euch, denn ich weiß es nicht. :oops:

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spider
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Beitrag von spider » Sa 11.12.04 19:37

:oops: :oops:
Bilder vergessen.
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