Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Homer J. Simpson
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Beitrag von Homer J. Simpson » Mo 12.03.07 22:10

Hier habe ich mal eine historisch interessante Münze für diesen Thread. Das ist die Münze, über die ich mich in den letzten 12 Monaten am meisten gefreut habe, weil ich eigentlich keine realistische Chance hatte, sie zu bekommen, zumal das Stück auch noch korrekt beschrieben war. Aber es haben wirklich alle Flavier-Spezialisten und alle Judentum-Spezialisten geschlafen. Noch nachdem ich die Auktion gewonnen hatte, war die Angst da, es könnte jemand dem Verkäufer noch ein deutlich höheres Angebot machen. Ich habe SEHR tief durchgeatmet, als ich die Münze in der Hand hatte und sie noch deutlich besser aussah als auf den Auktionsbildern.

Vespasianus, subaerater Denar
Vs. IMP CAESAR VESPASIANUS AUG
Belorbeerter Kopf re.
Rs. IUDAEA - DIVICTA (soll wohl DEVICTA heißen, aber Querstriche sind nicht zu erkennen)
Iudaea mit vor dem Körper gefesselten Händen n. li. stehend, hinter ihr Palme
RIC 148B
Durchmesser 17,5 mm, Gewicht 2,18 g, Stempelachse 6 Uhr

Dieser sehr seltene Münztyp zur Feier der Niederschlagung des 1. Jüdischen Aufstands ist in zwei Varianten bekannt: RIC 289, Lugdunum zugeordnet, mit TRP am Ende der Vs.-Legende und aus massivem Silber, und RIC 148B ohne TRP, im RIC als hybrid bezeichnet ("Vs. Tarraco?, Rs. Lugdunum"), der anscheinend nur als antike Fälschung existiert. Exemplare sind bekannt in den Museen von London und Paris, ein weiteres wurde 1991 mit der Sammlung Bromberg versteigert, die damals als die größte Sammlung jüdischer und thematisch zum Judentum gehörender Münzen galt. Die Münzen sind, soweit mir bekannt ist, von nur einem Vs.- und zwei Rs.-Stempeln geprägt. Alle sind subaerat.
Nicht daß ich meine Sammlung jetzt in eine Reihe mit den genannten stellen möchte, aber es hat mich doch ziemlich glücklich und stolz gemacht, dieses tolle Stück darin einordnen zu können!

Homer
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Beitrag von Peter43 » Di 03.04.07 00:15

Bituitus

Nach längerer Pause wird es wieder einmal Zeit für einen historischen Artikel. Da paßt es gut, daß ich kürzlich diese interessante Münze erstehen konnte:

Römische Republik, C. Poblicius Malleolus, gens Poblicia
AR - Denarius serratus, 19.5mm, 3.8g
Narbo, 118 v.Chr. (Crawford)
Av.: C.MA - L - L - E.C.F.
Kopf der Roma mit dekoriertem und geflügeltem attischen Helm, n.r.
dahinter X
Rv.: Nackter gallischer Krieger (Bititus) fährt in Biga n.r., schwingt Speer und hält
Schild und Carnyx.
im Abschnitt L.LIC.CN.DOM
Ref.: Crawford 282/3; Sydenham 524; Poblicia 1

Carnyx = Eine Art keltischer Trompete

Die Rückseite feiert den Sieg des C. Domitis Ahenobarbus über die Allobroger und ihren Verbündeten Bituitus, den König der Averner. Die Legende im Abschnitt bezieht sich auf die Münzmeisterkollegen L. Licinius Crassus und C. Domitius Ahenobarbus. Der letztere war der Sohn des Proconsuls, der an der Niederwerfung der Gallier beteiligt war.

Dies ist eine der wenigen Münzen, die während der römischen Republik außerhalb von Rom geprägt wurden. Diese Ausgabe stammt aus der gerade neugegründeten Stadt Narbo in Gallien. Diese Münzen, die von einer Reihe von Münzmeistern geprägt wurden und ihre Namen tragen waren wichtig bei der Etablierung einer repblikanischen Chronologie.

Geschichte

Die Averner und die Allobroger (von keltisch 'aill' = Berg und 'brog' = Bewohner, steckt auch in unserem 'Nachbar'!) waren mächtige, kriegerische und ärgerlicherweise hochmütige gallische Stämme, die den Römern wohlbekannt waren als Feinde, die fortwährend ihr Verträge brachen und römisches Territorium angriffen. 121 v.Chr. wurden sie wieder einmal angegriffen von römischen Legionen unter dem Kommando des Proconsul Domitius Ahenobarbus und dem Consul Q. Fabius Maximus. Die Gallier wurden besiegt und Bituitus, der König der Arverner, wurde wahrscheinlich gefangengenommen und nach Rom geschickt für den darauffolgenden Triumph des Q. Fabius. Man sagt, daß er zu diesem Anlaß durch Rom geführt wurde in seinem eigenen silbernen Kriegswagen.

Die Gallier waren immer die Buhmänner der Römer. In früheren Zeiten hatten sie beinahe Rom erobert und die Mütter benutzten das Bild der großen, blonden Hünen mit ihren breiten Schnauzbärten und ihren blauen Malereien auf der nackten Haut, wie sie Amok liefen und verrückte Schreie ausstießen und alles, was sich ihnen entgegenstellte, abschlachteten, um damit ihre Kleinen zu anständigen und braven kleinen Römern zu erziehen.

Dieses Bild - oder die Heftigkeit des Krieges gegen Bituitus selbst - muß die Römer tief beeindruckt haben, mehr als die Historiker uns erzählen, weil nicht weniger als 5 römische Münzmeister Münzen prägten, die Bituitus und seinen Kriegswagen späteren römischen Generationen in Erinnerung halten sollten. Diese 5 waren waren L. Porcius Licinius, L. Cosconius, L. Pomponius, C. Malleolus und M. Aurelius Scaurus.

G. Domitius prägte noch eine andere Münztype, die sich auf Bituitus bezieht, auf der Victoria im Wagen steht unter dem die kleine Figur eines Mannes und eines Hundes zu sehen ist. Dies bezieht sich auf die Geschichte, daß Bituitus, bevor er besiegt wurde, eine Meute von riesigen Hunden gegen die Römer losgelassen haben soll.

Bituitus

Während des 2.Jh. v.Chr. führten die Römer zahlreiche Kriege, um ihre Nordgrenze abzusichern. Dabei hatte jedoch C. Sextius Calvinus ständig große Schwierigkeiten mit dem gallischen Hauptstamm dieser Gegend, den Allobrogen, die einst Hannibal dabei geholfen hatten, die Alpen zu überqueren. Das Faß zum Überlaufen aber brachte die Weigerung der Allobroger, den Römern einen übergelaufenen ligurischen Häuptling, der bei ihnen um Asyl gebeten hatte, auszuliefern.

112 v.Chr. führte der Proconsul C. Domitius Ahenobarbus den ersten Krieg gegen die Gallier aus Gallia Transalpina af deren eigenem Territorium. Mit Hilfe einer Elefantenabteilung gelang es Ahenobarbus das Heer der Allobroger in die Flucht zu schlagen. Dieser Sieg gab den Römern die Herrschaft über das ganze linke Ufer der Rhone bis nach Genova im Norden.

Beunruhigt darüber beschlossen die Arverner, in der heutigen Auvergne, ein Heer gegen die Römer aufzustellen, das von ihrem König Bituitus, dem Sohn des Lovernius, geführt werden sollte. Die Arverner rückten vor zum Zusammenfluß von Rhone und Isere. Hier wollte eine römische Armme unter Q. Fabius Maximus sie zurückschlagen. Das größere Unglück für die Arverner ereignete sich aber, als beim Rückzug über den Rhein die Brücke einstürzte und viele Arverner in der starken Strömung untergingen. Fabius Maximus behauptete später er hätte 120000 Gallier getötet bei einem Verlust von nur 15(!) Römern, eine Angabe, die sehr kritisch behandelt werden sollte.

Jedoch auch wenn man seinen Bericht zurückstutzt, steht fest, daß Arverner und Alloborger eine empfindliche Niederlage erlitten hatten, und daß nun die Römer das ganze südliche Gallien entlang der Mittelmeerküste beherrschten. Die Niederträchtigkeit der Römer zeigte sich darin, daß der Konsul Ahenobarbus, Bituitus, den König der Arverner, überreden konnte, nach Rom zu reisen, um dort die Friedensverhandlungen zwischen den beiden Völkern persönlich zu führen. Einmal in Rom wurde Bituitus überwältigt und zum Gefangenen gemacht. Der Senat nutzte die Verletzung der Zusicherung sicheren Geleits voll aus und warf Bituitus ins Gefängnis in Alba Longa. Hier wurde Bititus zusamen mit seinem Sohn Comm oder Congentiatus zusammengeführt. Domitius Ahenobarus aber errichtete ein Siegesdenkmal, den Großen Turm in Nimes.

Quelle:
http://www.kernunnos.com/culture/warriors/scaurus.html

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Peter43 » Mi 04.04.07 22:13

Hier ist als Nachtrag der Denar des Domitianus Ahenobarbus mit der Kampfszene unter der Biga.

Römsche Republik, Cn. Domitianus Ahenobarbus, 128 v.Chr.
AR - Denar, 18.52mm, 3.66g
Av.: Kopf der Roma mit dekoriertem und geflügeltem attischen Helm, n.r., davor Stern, dahinter Getreideähre
Rv.: Victoria gallopiert in Biga n.r., hält in der li Hand die Zügel und in der
re Hand eine Peitsche; darüber ROMA, darunter Kampf eines
Mannes mit einem riesigen Hund.
im Abschnitt CN.DOM.
Ref. Crawford 261/1; Sydenham 514; Domitia 14
gut SS/SS, Rs. etwas exzentrisch, dunkle alte Tönung
Pedigree:
ex Gorny & Mosch Auktionen 155-157, Lot 263 I

Die Szene wird allerdings auch oft interpretiert als Kampf eines Gladiators gegen einen Löwen. Den Bezug zu Bituitus habe ich aus der oben angegeben Referenz, die auf Numism-L verweist.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Peter43 » Do 05.04.07 12:35

Varus in Syrien

Da Ostern vor der Tür steht und einige Mitglieder vielleicht etwas mehr Zeit zum Stöbern in den Threads haben, noch ein historischer Beitrag:

Syrien, Berytos, Augustus, 27 v.Chr. - 14 n.Chr.
AE 20, 6.19g
geprägt unter dem Proprätor Quinctilius Varus, 6-4 v.Chr.
Av.: IMP CAESAR AVGVSTV
Bloßer Kopf des Augustus n.r.
Rv.: P.QVIN - CT L - VS - VRVS (beginnend li oben)
2 Adlerstandarten zwischen 2 Feldzeichen
BMC 55; RPC 4543
gut S/fast SS, sog. Sandpatina

Diese Münze wurde unter dem Proprätor Quinctilius Varus in Syrien geprägt und hat damit einen engen Bezug zur deutschen Geschichte. Es handelt sich dabei nämlich um den Varus, der 9 n.Chr. mit seinen Legionen in der Schlacht im Teutoburger Wald (Kalkriese?) unterging. Ein Grund für den Aufstand der Germanen soll ja gewesen sein, daß er die freiheitsliebenden Germanen genauso herablassend behandelt haben soll wie die eher unterwürfigen Syrer.

Hier ein Artikel über die Zeit des Varus in Syrien von der Website der Universität Osnabrück:

Als Quaestor des Jahres 21 v.Chr. begleitete Varus wohl den nunmehrigen Alleinherrscher Augustus auf seiner Orientreise in den Jahren 22-19 v.Chr., wie uns verschiedene Inschriften versichern, die wohl auf den Stationen dieser Reise gesetzt wurden. Augustus mußte hier Regelungen im Verhältnis zu den Parthern treffen, den mächtigen Rivalen Roms, die an der Grenze Syriens das römische Herrschaftssystem im Orient bedrohten. Seiner Diplomatie war es zu verdanken, daß eine einvernehmliche Regelung erreicht werden konnte, die zudem die Rückgabe der durch die Parther einst erbeuteten Legionsadler vorsah, ein Verdienst dessen sich Augustus selbst rühmte. Trotz der Gegnerschaft seines Vaters war also Varus in den engen Kreis des Princeps Augustus eingetreten, dessen persönliche Wertschätzung er wohl auch genossen haben dürfte.

Die Karriere des Varus verlief dementsprechend. Nach dem von Augustus verordneten Intervall von 5 Jahren durfte er die neben Asia, dem heutigen Westkleinasien, vornehmste Provinz Africa verwalten, das heutige Tunesien, die an sich dem Senat vorbehalten war. Darüber sind wir nur durch - nicht datierte - Münzen unterrichtet, die unter seinem Proconsulat in Achulla und Hadrumetum geprägt wurden. Anderes gilt für die Statthalterschaft in Syrien, die sich für Varus als weitere Station für die Jahre von 7/6 bis 5/4 v.Chr. anschloß, einer außerordentlich wichtigen 'kaiserlichen' Provinz an der Grenze des Imperiums zum Partherreich. Varus trug hier den Titel eines legatus Augusti pro praetore, also eines Statthalters des Imperators im consularischen Rang. Dies ist ebenfalls durch Münzprägungen bezeugt. Wir verfügen in diesem Falle für die Statthalterschaft aber auch über reichhaltige literarische Zeugnisse, die zeigen, daß hier Varus mit den besonderen Problemen der vorderorientalischen Welt konfrontiert war, um deren Lösung er sich durchaus tatkräftig bemühte. Zu Syrien gehörte nämlich das unruhige Palästina mit dem verbündeten judäischen Königreich des Herodes, als dessen Berater Varus zu fungieren hatte. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Jesus unter der Statthalterschaft des Varus geboren sein. Brisant wurde die Situation insbesondere nach dem Tode des Herodes im Jahre 4 v.Chr. angesichts der unter den Juden gegen den Nachfolger ausbrechenden Revolten. Zugleich ging es um eine Nachfolgeregelung, die Varus zu verfügen und durch Augustus zu bestätigen lassen hatte. So wie seinerzeit im Jahre 5 v.Chr. Varus anläßlich des Giftmordprozesses des Herodes gegen seinen eigenen Sohn in Jerusalem erscheinen mußte, so galt es nunmehr zu intervenieren und die Ordnung im Sinne Roms wieder herzustellen. Dies erfolgte durch einen regelrechten Feldzug im Jahre 4 v.Chr., der mit der Hinrichtung der Rädelsführer und der Stationierung einer der drei Legionen in Jerusalem zunächst endete.

Der in Jerusalem zurückgelassene Finanzprokurator Sabinus sah sich allerdings von neuem schweren Auseinandersetzungen mit aufständischen Juden ausgesetzt, die ihn in Jerusalem belagerten. Im weiteren Verlauf kam es zu einer ersten Brandschatzung des Tempelbezirks und einer Plünderung des Tempels durch die Römer. Nunmehr griff die Woge des Aufstands auf ganz Iudaea über, so daß sich Varus von Antiochia aus zu erneutem und nachhaltigem militärischen Eingreifen genötigt sah. Der Aufstand wurde mit aller Gewalt niedergeworfen und war von erheblichen Verwüstungen begleitet, die an den späteren jüdischen Krieg unter Vespasian und Titus erinnerten. Varus ließ 2000 Aufständische kreuzigen. Dennoch schienen die Maßnahmen für römische Verhältnisse nicht unbedingt willkürlich, da Varus immerhin die Unschuldigen frei ließ und zudem die Entschuldigungen der jüdischen Bevölkerung Jerusalems über die eingedrungenen Störenfriede entgegennahm. Allerdings war die Stadt Emmaus auf seinen ausdrücklichen Befehl eingeäschert worden, während er die Stadt Samaria ungeschoren ließ. Die undisziplinierten arabischen Hilfstruppen wurden ebenfalls entlassen. Zudem bemühte er sich, in der Regelung der Nachfolgefrage zwischen den beiden Söhnen des Herodes neutral zu bleiben und zu vermitteln. Er gestattete darüberhinaus einer offiziellen jüdischen Delegation, ihr Anliegen in Rom gegen das jüdische Königtum vorzubringen. Sie wurde von den dort ansässigen Juden unterstützt, die für die Einrichtung einer römischen Provinz plädierten.

Mit freundlichem Gruß
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caesar
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Beitrag von caesar » So 15.04.07 17:19

hallo rufus01
habe soeben deine anfrage betreffend gekauftem caesar-portrait-denar gelesen.die münze wurde am 6.april 2006 bei NAC für 3400 SFr.versteigert.-schau hier mal rein......

http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 67&Lot=362

gruss caesar

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mo 30.04.07 22:57

Asylon

Syrien, Apameia, quasi-autonom, 8-9 n.Chr.
AE 21, 8.7g
geprägt in der Zeit des Augustus
Av.: Jugendlicher Kopf des Dionysos mit Efeukranz, n.r.
Rv.: APAMEWN THS IERAS - KAI ASYLOY
Thyrsos, mit Taenien geschmückt
im Feld DT (= Jahr 304 der seleukidischen Ära)
SNG Copenhagen 301; RPC I, 633, 4353; Lindgren III, 1176

Die Münze zeigt einen hübschen Dionysoskopf. Aber ich möchte die Aufmerksamkeit mehr auf die Legende lenken, THS IERAC KAI ASYLOY, der Heiligen und der des Asyls!

Das Asylon (lat. asylum) heißt wörtlich 'unverletzlich' und ist eine Einrichtung aus vorgeschichtlicher Zeit, in der es außer den menschlichen Gesetzen noch Götter gab, die über ihnen standen. Dies im Gegensatz zu heute, wo es keine 'rechtsfreien Räume' mehr geben darf, und die Asylbewerber aus den Kirchen geholt werden.

Das Asylon war ein gewöhnlich durch deutliche Grenzen horoi abgegrenzter heiliger Ort, der es auf Grund seiner Unverletzlichkeit verbot, Personen oder Sachen mit Gewalt von ihm zu entfernen. Die Zuwiderhandlung war sakraler Frevel und zog dem Täter die Rache der beleidigten Gottheit zu, nicht minder dem verantwortlichen Schutzherrn des Asylons, wenn er die Verletzung duldete. Somit verlieh das Asylon prinzipiell jedem Flüchtigen, der es als hiketes, Flehender, aufsuchte, Schutz vor dem Zugriff des Verfolgers; der Status, den es verbürgte, heißt hiketeia. Ursprünglich hatte jedes Heiligtum Asyloncharakter; das Phänomen der Asylie findet sich dementsprechend allgemein verbreitet. Religionspsychologisch liegt ihm die magisch-dynamistische Vorstellung vom Vorhandensein einer numinosen Kraft zugrunde, die den in ihren Bannkreis Getretenen in ihre Tabuwirkung einschließt. Infolgedessen erhält das Faktum der unmittelbaren, möglichst engen Berührung besondere Wichtigkeit: der hiketes setzte sich an den Altar bzw. ließ sich als xenos, Fremder, in der Asche des sakralen Herdes nieder; aber auch indirekter Kontakt blieb noch wirksam. - Die Gottheit des Asylons gewährte das Geschenk der Immunität jedem unschuldig Verurteiltem, besonders auch dem Landfremden, ferner dem in seiner persönlichen Rechtswahrung behinderten Unfreien, doch auch dem mit Mordschuld Beladenen, um die Kontinuität der Blutrache aufzuheben.

Hier liegen die Ansätze für die sekundäre politisch-soziale Ausformung des Asylie-Gedankens im utilitaristischen Sinne einer nicht mehr vorwiegend religiös gebundenen Rechtsordnung. Diese billigte nicht mehr allen, sondern nur bestimmten, durch Tradition und Bedeutung hervorragenden Heiligtümern die Asylie als ein von staats- und wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten diktiertes und der diplomatischen Anerkennung durch ein Dekret bedürftiges Privileg zu. Sie garantierte damit den Schutz des sonst praktisch rechtlosen Fremden (ich erinnere nur daran, daß unser 'im Elend' von 'im Ausland' herrührt!) im Interesse internationalen Handelsverkehrs, sicherte dem Sklaven zeitweilige bzw. endgültige Aufhebung seiner Abhängigkeit und stellte dem Delinquenten eine geräumige, für langen Aufenthalt, oft für Lebenszeit zureichende Freistatt, die unter Umständen Keimzelle einer ethnisch-politischen Neubildung werden konnte, wie es z.B. für das Rom der Frühzeit berichtet wird (Liv. 1, 8, 5).

Da sich diese alte Sitte infolge der Ruhmsucht der einzelnen Orte insbesondere in Kleinasien zu einem förmlichen Unwesen entwickelte, wurde die Asylie unter Tiberius überprüft und Anweisung erlassen, die Entscheidung des Senats, ob die Asylie beibehalten werden durfte oder nicht, auf ehernen Tafeln im Tempel bekanntzumachen, damit, wie Tacitus (Ann. 13, 63) schreibt, sie fortan in Ehren gehalten und nicht als Deckmantel ehrgeiziger Pläne mißbraucht werde. Natürlich legten die Städte großen Wert darauf, die Auszeichnung auch in die Außenwelt hineinzutragen. Deshalb erscheint das ASYLOY hier auf den Münzen.

Quellen.
Der kleine Pauly
Franke, Kleinasien zur Römerzeit

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swisstrader
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Beitrag von swisstrader » Fr 11.05.07 20:25

Mein Lieblingsstück aus meiner Sammlung ist eines meiner Kelten aus Südbayern:

Vindeliker Hirschkopf, Typ VI (bekannt aus Schatzfund Gaggers)
Stater AV,
Gewicht: 7.480 g
Band 12: "Die Ausgrabungen von Manching" von Prof. Dr. Hans-Jörg Kellner, Nr. 1967
bisher bekannt ein Unikat in Staatlicher Münzsammlung, München
http://staatliche-muenzsammlung.de/highlights_04.html
Siehe auch Fünfte Gruppe, Abb. 85 aus
http://www.ingolstadt.de/stadtmuseum/sc ... reber2.htm
Literatur: Kupferstich Klauber – Hundt, Glonn, Tafel 1, Abb. 6 – Streber I, Tafel 7, Abb. 85

Ich trenne mich ungern, aber meine Sammlung löse ich auf.
Würde gerne das Stück in einem Münzkabinett einer der bedeutenden Dt. Museem sehen ... ist doch zu schade, eine solche Rarität nur allein zu Hause in der Schublade zu haben. Oder nicht?

-swisstrader
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Money is printed freedom!

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Beitrag von Peter43 » Do 17.05.07 21:14

Das Königreich Bosporus

Als Ergänzung zu dem Artikel über Aphrodite Urania im Mythologiethread, möchte ich hier etwas über das Königreich Bosporus erzählen. Wie ich bereits dort geschrieben habe, habe ich bis vor kurzem nichts darüber gewußt. Aber je mehr ich davon erfahren habe, umso spannender wurde es. Ich glaube, daß es eine wichtige Ergänzung zu unserem Wissen über das antike Griechenland ist.


1. Münze
Königreich Bosporus, Aspurgus und Tiberius, 14-38 n.Chr.
AE 24 /12 Nummi), 7.53g
geprägt ca. 35-37
Av.. KAISAROS - TIBERIOV
Kopf des Tiberius, belorbeert, n.r.
Rv. Kopf des Aspurgus, diademiert mit Taenia, n.r.
davor IB, dahinter Monogramm MacDonald No.10 (BAP mit Halbkreis darüber)
MacDonald 300 (dort falsch mit TIBERIOS!); Anokhin 319; RPC I 1903
SS+, sehr attraktiv

2. Münze:
Königreich Bosporus, Königin Gepaepyris, 37-39 n.Chr.
AE 23 (12 Nummi), 8.04g
Av.: BACILICCHC GEPAIPYREWC
Büste, drapiert und diademiert, n.r
Rv.: Büste der Aphrodite Urania, mit Schleier und Kalathos, n.r.
davor IB
MacDonald 306; Anokhin 326 var; RPC I, 1907 var. (haben IB dahinter)
fast SS, braune Patina mit grünen Highlights

Geographie:
Mit Bosporus ist hier nicht der heutige Bosporus mit Istanbul gemeint, sondern der taurische oder kimmerische Bosporus, zwischen dem Schwarzen Meer (Pontos Euxeinos) und dem Asowschen Meer (Maeotis). Er liegt zwischen dem östlichen Ende der Krim (Taurischer Chersonnes) und der Tamanhalbinsel und heißt heute Straße von Kertsch. Zur besseren Orientierung habe ich eine Übersichtskarte hinzugefügt.

Geschichte:
Wann die Griechen begannen, in das Schwarze Meer vorzudringen, ist nicht genau bekannt. Die Südküste mit Sinope und Trapezunt wurde vielleicht schon vor 700 v.Chr. besiedelt. Die Siedler kamen übewiegend aus Milet, aber auch aus Megara und Teos. Die Nordküste und die Krim (Taurischer Chersonnes) wurden erst später besiedelt. Die Region, die später zum Königreich Bosporus zusammengeschlossen wurde, hatte für Griechenland eine große Bedeutung. Der Fischreichtum der Gewässer und die Getreideausfuhr machten es zu einem wichtigen Handelspartner. Ebenso wichtig war der Handel mit den dort lebenden eingeborenen Völkern. Dies, der äußerste Vorposten europäischer Kultur, war der Ort, an dem nach Aischylos Io, die Geliebte des Zeus, die von Hera in eine Kuh verwandelt worden war und durch den Stich einer Bremse um die Erde getrieben wurde, von Asien nach Europa übersetzte (Der Gefesselte Prometheus, 729-735)!

Zunächst wurden in dieser Region einzelne Städte gegründet, von denen einige der wichtigeren Pantikapeion (das heutige Kertsch), Theodosia auf der Krim, Phanagoria auf der Tamanhalbinsel auf der östlichen Seite des Bosporus, Tanais, an der Mündung des Don ins Asowsche Meer (die östlichste Stadt überhaupt) und Chersonesus auf der westlichen Krim waren. Diese Städte hatten eigene Stadtrechte und eigene Volksversammlungen. Unter dem Druck der äußeren Feinde sahen sie sich aber gezwungen, sich zusammenzuschließen, ohne dabei ihre Eigenständigkeit jemals vollständig aufzugeben. Das Königreich Bosporus war aber nie nur ein griechisch bestimmtes Herrschaftsgebiet, sondern hatte immer enge Beziehungen zu den umliegenden Stämmen und Völkern, insbesondere den Skythen und Sarmaten. Die ursprüngliche Bevölkerung der Krim waren die Kimmerer, die 635 v.Chr. einen vernichtenden Feldzug in das griechische Anatolien unternahmen. Andere, wie die Sindoer und die Aspurger assimilierten sich und wurden so zu einem Bestandteil des Reiches.

Das änderte sich mit dem Auftreten der Goten im 3.Jh. n.Chr. Sie schwächten das Reich und ließen es verarmen. Im 4.Jh. kam es dann zum Ansturm der Hunnen, deren Einfluß auf das bosporanische Reich noch nicht endgültig geklärt ist. Jedenfalls bestand es danach noch in irgendeiner Form bis es endlich in das absolutistische Reich des Justinian eingegliedert wurde.

Die römische Zeit:
Die beiden Münzen, die ich hier vorstelle, stammen aus der Zeit, in der das Königreich Bosporus unter dem Einfluß der Römer stand. Als Mithradates VI von Pontus den Römern unter Lucullus nicht mehr standhalten konnte, unternahm er mit seinem Heer in der Mitte der 60er Jahre v.Chr. einen 'langen Marsch' an der Ostküste des Schwarzen Meeres entlang und eroberte - auch mit Hilfe von einheimischen Stämmen - das Königreich Bosporus. So wurde Mithradates VI von Pontus zu Mithradates I. von Bosporus! Durch eine Palastrevolution verlor einer der gefürchtesten Feinde Roms sein Leben, und Pharnakes wurde sein Nachfolger. Dieser wurde von Asander besiegt, der hoffte, von Julius Caesar als König anerkannt zu werden. Caesar aber setzte seinen Freund Mithradates von Pergamon auf den Thron. Asander jedoch besiegte und tötete ihn 46 v.Chr. Da Rom genug mit sich selbst zu tun hatte, gelang es ihm, seine Macht auszubauen. Um die Römer nicht zu reizen, nannte er sich jedoch nicht Basileus, sondern nur Archon, und heiratete sogar Dynamis, die Tochter des Pharnakes, bis Augustus ihn als König anerkannte und ihm den Titel 'Freund Roms' verlieh.

Über die Zeit zwischen dem Tod des Asander und dem Aufstieg des Aspurgus zum König ist nur wenig bekannt. Manches wissen wir nur von den gefundenen Münzen. Wahrscheinlich hat Dynamis einige Jahre selbst regiert. Es gab einen Usurpator Scribonius, der sie heiratete, aber Dynamis scheint die Herrschaft selbst in der Hand gehalten zu haben.

Zu dieser Zeit betrat Polemo I. die Szene. Er stammte aus Laodikeia und war mit Marcus Antonius befreundet. Wegen seiner Hilfe im Kampf mit den Parthern belohnte der ihn mit der Herrschaft über Armenia Minor, und Polemo unterstützte ihn bis zur Niederlage bei Actium. Octavian - der das ganze nur für Loyalität hielt - vergab ihm und machte ihn zum König von Bosporus. Als Polemo in Bosporus ankam, hatten die Bosporianer in einem Aufstand bereits den Scribonius getötet. Polemo I. wurde der 3. Ehemann der Dynamis. Seine Hochzeit und auch seine Herrschaft scheint ordungswidrig und unruhig gewesen zu sein. So hat er wohl eine 2. Ehefrau gehabt, Pythodoris, deren Mutter eine Tochter des Marcus Antonius gewesen war. Er wurde zum Ahnherr einer ganzen Reihe von bosporanischen Königen, jedoch mehr durch Pythodoris als durch Dynamis. Diese herrschte in Bosporus während Polemo seine Pflichten in Anatolien wahrnehmen mußte. Als er 9/8 v.Chr. nach Bosporus zurückkehrte, brach schnell eine Krise aus und Aspurgus, ein Führer, dessen Hintergrund unklar ist (vielleicht war er ein sarmatischer Führer), revoltierte gegen ihn, und gewann dazu Dynamis (als 4. Ehemann!). Als Polemo nach Tanais zog und belagerte, um die von ihm abgefallene Stadt zu bestrafen, wurde er von Aspurgern gefangen genommen und getötet.

Aspurgus, ca. 14/15 - 37/38 n.Chr.
Über die nächsten 20 Jahre ist wieder nicht viel bekannt. Polemo I. war der offizielle Kandidat der Römer gewesen und Aspurgus hatte ihn besiegt und getötet. Sich jetzt selbst zum König zu machen, wäre eine zu große Herausforderung Roms gewesen. So wurde Dynamis Königin, Aspurgus blieb Archon, und ihre Verbindung wurde offiziell übersehen. Es ist nicht bekannt, ob sie mit Rom einen modus vivendi fanden, oder ob sie nur den östlichen Teil regierten und römische Offizielle den westlichen Teil des Königreiches. 8/9 n.Chr. starb Dynamis, nach einem langen und abenteuerlichen Leben und 4 Ehemännern, die alle den Anspruch erhoben hatten, König von Bosporus zu sein. Aspurgus heiratete erneut, und seine neue Königin, Gepaepyris, sollte nach seinem Tod noch eine wichtige Rolle in Bosporus spielen. Ebenso ihr Bruder, Polemo II.

Als Augustus 14 n.Chr. starb und Tiberius Kaiser wurde, war die Zeit der Versöhnung gekommen. 14/15 ernannte Tiberius Aspurgus zum König und verlieh ihm unter dem Namen Tiberius Julius Aspurgus die römischen Bürgerrechte. Er regierte bis 37/38 n.Chr. Unter seiner Herrschaft reichte das Königreich bis zum entfernten Tanais. Er soll die Skythen unterworfen haben und die Taurer, die berüchtigte Piraten waren. Er scheint ein fähiger und energischer Herrscher gewesen zu sein, den man nach seinem Tod verehrte und für den es sogar Kulte gab. Die Dynastie, die er gründete, herrschte für 3 Jahrhunderte über Bosporus. Seine Nachfolger trugen alle den Namen Tiberius Julius, um sich mit ihm zu verbinden.

Gepaepyris, 37/38 - 38/39
Moderne Wissenschaftler haben Gepaepyris als Enkeltochter von Aspurgus' altem Feind Polemo I., und seiner Frau Pythodoris identifiziert, die selbst die Tochter des Kotys III. von Thrakien war und über ihre Mutter die Enkeltochter des Marcus Antonius. Nach dem Tod des Aspurgus übergab Caligula die Herrschaft über Pontus und Bosporus dem Polemo II. Der übernahm die Herrschaft über Pontus, aber regierte selbst niemals über Bosporus, wo seine Schwester Gepaepyris bis 38/39 die Regierung innehatte. Die familiäre Beziehung zwischen ihr und ihrem Bruder Polemo II erklären seinen Fehler, eine agressivere Sicherung des bosporanischen Reiches unterlassen zu haben. 38/39 erhob Mithradates III., der Stiefsohn der Gepaepyris, Anspruch auf den Thron. Gepaepyris zog sich ins Privatleben zurück, aber auch dort blieb sie eine starke politische Kraft. Claudius ernannte Polemo II. offiziell 41 n.Chr. zum König von Bosporos. Er regierte auch weiter noch über Pontus, bis ihn Nero dort absetzte. Aber noch unter Galba unterstanden ihm Teile von Kilikien.

Die Nachfahren von Gepaepyris und Polemo II. regierten noch über dreihundert Jahre über Bosporus. Ihre Abkunft vom thrakischen Königshaus wurde betont durch ihre Namenswahl, Cotys und Rhesuporis, und durch ihren Anspruch, Nachfahren des Herakles und des Eumolpos, eines Sohns des Poseidons, zu sein. Ausgedrückt wurde dies durch den Dreizack und die Keule, die oft neben dem Portrait des Königs auf den Münzen erscheinen.

Quellen.:
David MacDonald, An Introduction to the History and Coinage of the Kingdom of the Bosporos, CNG 2005
Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
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bosporos_aspurgus_Anokhin319.jpg
bosporos_gepaepyris_Anokhin326var.jpg
Königreich Bosporus.jpg
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Beitrag von Peter43 » Mi 15.08.07 23:18

War doppelt!
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Beitrag von Peter43 » Mi 15.08.07 23:18

Zur Wiederbelebung dieses Threads, der doch schon so viele schöne Beitrage gebracht hat, ein neuer Versuch:

Cato Uticensis

Heute möchte ich eine Münze vorstellen, die in Verbindung steht mit einem der aufrechtesten, aber auch umstrittensten römischen Republikaner, Cato Uticensis, einem Römer, den ich bereits in meiner Schulzeit bewundert habe, und über den wir uns damals die Köpfe heißgeredet haben.

Römische Republik, M. Porcius Cato, gens Porcia
AR - Quinar, 13.8mm, 1.94g
Utica/Nordafrika, 46/47 v.Chr.
Av.: M.CATO.PRO.PR
Kopf des jungen Bacchus mit Efeukranz n.r.
Rv.: Victoria Virgo n.r. sitzend, hält Patera in der re. Hand und Palmzweig über der li
Schulter.
Im Abschnitt VICTRIX (TR als Monogramm)
Ref.: Crawford 462/2; Sydenham1054a; S 1383, Porcia 11
selten, SS+
Diese Münze wurde mit Genehmigung des römischen Senats in Utica geprägt. Die Rs. ist die Kopie eines Denars (Crawford 343) eines anderen M.Cato aus dem Jahre 89 v.Chr. Die Rs. kann Victoria Virgo darstellen, weil Cato der Ältere ihr in Rom einen Tempel in der Nähe des Victoriastempels eingerichtet hatte.

Marcus Porcius Cato war der Urenkel von Cato dem Älteren (der allen bekannt ist durch sein ewiges 'Ceterum censeo Carthaginem esse delendam!'). Eigentlich hieß er Marcus Porcius Priscus und wurde zum Unterschied u seinem Urgroßvater Cato Minor, Cato der Jüngere, genannt. Den Namen Uticensis bekam er erst nach seinem Tod in Utica.

Während eines Militäraufenthaltes in Makedonien reiste er nach Pergamon zu dem stoischen Philosophen Athenodoros Kordylion. Der junge Römer machte einen so großen Eindruck auf den Philosophen, daß er ihm nach Rom folgte und dort bis zu seinem Tod in dessen Haus wohnte. Durch ihn wurde Cato ein überzeugter Stoiker, der diese Philosophie auch lebte.

Politisch war er ein Vertreter der Optimaten und damit ein entschiedener Gegner der Populares wie Julius Caesar. Er trat für die genaueste Einhaltung der Gesetze ein und forderte z.B. 65 n.Chr. als Quästor die von Sulla während der Proskriptionen ausgezahlten Kopfgelder zurück. Daß er sich dadurch keine Freunde machte, ist klar. Zusammen mit Cicero kämpfte er gegen die Catilinarier, für die Caesar durchaus Sympathien hegte, und sorgte für deren Hinrichtung. Er wurde zum Gegner des Pompeius, als der nachträglich Maßnahmen gegen Mithradates vom Senat absegnen lassen wollte. Cato siegte und konnte so der römischen Verfassung wieder Geltung verschaffen. Seine Pflichtauffassung wurde oft als übermäßig korrekt angesehen. Seine dignitas allerdings wurde von allen anerkannt.

Als Caesar am 11. Januar 49 v.Chr. den Rubikon überschritt, war das der Beginn des eigentlichen Bürgerkrieges. Aus Sorge um die Republik stellte Cato sich jetzt auf die Seite des Pompeius. Wegen der Übermacht Caesars verließen sie Italien und konnten ihm bei Dyrrachium eine Niedelage zufügen. Kurz danach wurden sie aber bei Pharsalos vernichtend geschlagen und Pompeius in Ägypten ermordet. Cato gelang es, seine Armee nach Nordafrika zu Metellus Scipio und dem Numiderkönig Juba zu führen. Sie eroberten Utica, dessen Schleifung Cato verhindern konnte. Als Caesar Anfang 46 nach Africa übersetzte, gelang es ihm, die uneinigen Heerführer bei Thapsus endgültig zu schlagen. Nun gab es keine Hoffnung mehr, zumal die Einwohner Uticas caesarfreundlich waren.

Wie die stoische Philosophie es in einer solchen Situation vorsah, beging Cato Selbstmord, obwohl Caesar ihm freies Geleit angeboten hatte. Vor seinem Tod soll er noch Platons Phaidon gelesen haben (Plutarch).

Die geschichtliche Beurteilung des jüngeren Cato ist umstritten. Ihm wird vorgeworfen, legalistisch gewesen zu sein, also das Gesetz über alles gestellt zu haben. Er soll ein 'Sturkopf' gewesen sein, auch das, was wir vielleicht heute mit 'Fundamentalist' bezeichnen würden. Selbst Scheinheiligkeit wird ihm vorgeworfen, gerade wegen des Bündnisses mit Pompeius. Ich aber halte ihn, wie andere auch, für den letzten aufrechten Republikaner. Man kann ihm vorwerfen, daß er von vornherein auf verlorenem Posten stand, und daß er sich für eine Sache eingesetzt hatte, die von Beginn an verloren war. Aber ich finde, gerade das macht ihn liebenswert, auch wenn dieser Begriff eigentlich nicht zu diesem über alles korrekten Mann paßt. Er hat damit durchaus Ähnlichkeit mit dem späteren Don Quichote. Er scheiterte an der Verderbheit und Machtbesessenheit, die diese Zeit kennzeichnete. Lukan sagt über Cato: "Victrix causa diis placuit, sed victa Catoni (Die siegreiche Sache gefiel den Göttern, aber die besiegte gefiel dem Cato)"

Trotz aller Widersprüche haben ihn seine Haltung und insbesondere sein Tod in Utica bei der Nachwelt zum leuchtenden Vorkämpfer der libera res publica gemacht.

Zum Vergleich das Vorbild für diese Münze: Der Denar Crawford 343/1b; Sydenham 596; Porcia 5 aus dem Jahre 89 v.Chr.

Quellen:
[1] Der kleine Pauly
[2] Plutarch, Cato Minor, online (in englisch) unter
http://www.greektexts.com/library/Pluta ... index.html
[3] http://en.wikipedia.org/wiki/Cato_the_Younger

Mit freundlichem Gruß
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porcius_Crawford462.2.jpg
porcius_Crawford343.1b.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 28.08.07 17:41

Anakreon

Berühmte Dichter oder Wissenschaftler auf antiken Münzen sind selten. Am bekanntesten sind noch die Abbildungen von Homer auf Münzen von Smyrna, Nikäa, Amastris und Kolophon. Daneben gibt es auch Münzen mit dem Astronomen Hipparchos, dem Philosophen und Mathematiker Pythagoras, dem Stoiker Chrysipp, dem Arzt Hippokrates und eben - sehr selten - dem Dichter Anakreon.

Münze:
Ionien, Teos, 2.-3.Jh. n.Chr.
Av.: Büste des Poseidon, bärtig, n.r.; davor Dreizack, um den sich ein Delphin windet.
Rv.: EP GEG ALAK THIWN (ALAK ist Stempelfehler, muß ANAK heißen!)
Der Dichter Anakreon, in Himation, n.r. sitzend, hält mit beiden Händen eine
Lyra auf seinen Knien.
Ref.: BMC 59
Sehr selten, SS, olivfarbene Patina

Anakreon ist einer der bedeutendsten Lyriker der alten Griechen. Er wurde wahrscheinlich 550 v.Chr. im ionischen Teos geboren. Als die Perser 540 Ionien bedrohten, emigrierten die Einwohner - und mit ihnen Anakreon - nach Abdera. Sein Lebensweg führte ihn an den Hof des Tyrannen Polykrates von Samos und nach dessen Tod zum Tyrannen Hipparch nach Athen. Er soll dort 495 gestorben sein, angeblicher an einer Weinbeere. Im Vergleich zu Archilochos, Alkaios oder Sappho gilt er als ein etwas oberflächlicherer Dichter, weil seine Hauptthemen Liebe, Wein und heitere Geselligkeit waren und das auch noch im hohen Alter, wie auch die ausgewählten Verse bezeugen. Verfaßt waren seine Lieder, die durch ihre Schönheit und Anmut berühmt waren, im weichen ionischen Dialekt.

Mein Lieblingsverse sind die folgenden:

ΣΦAIRH ΔHYTE ME ΠOPΦYREH
BAΛΛΩN XPYΣOKOMHΣ EPΩΣ
NHNI ΠOIKILOΣAMBAΛΩ
ΣYMΠAIZEIN ΠPOKAΛEITAI.

H Δ', EΣTIN ΓAP AΠ' EYKTITOY
ΛEΣBOY, THN MEN EMHN KOMHN,
ΛEYKH ΓAP, KATAMEMΦETAI,
ΠPOΣ Δ' AΛΛHN TINA XAΣKEI.

(Mir wieder den Purpurball zuwerfend
fordert mich der goldgelockte Eros auf
mit dem buntsandaligen
Mädchen zu spielen.

Dies aber - aus dem schöngebauten
Lesbos stammend - verschmäht mein Haar
- das bereits weiß ist -
und gafft nach einer anderen hin.)

Anm.: In alten Schulausgaben, z.B. von Teubner, stand anstatt AΛΛHN TINA (= einer anderen) AΛΛON TINA (= einem anderen). So waren die Verse moralisch wieder in Ordnung, aber verfälscht!

Anakreon war in der Antike hochberühmt und beliebt, sodaß sich nach ihm viele Dichter seines Stils annahmen. Dieser ist bekannt unter dem Namen Anakreontik. Ein berühmtes Gedicht dieser Nachfolger handelt vom 'Verwundeten Eros':

In einer Rose schlummert
Ein Bienlein, dessen Eros
Sich nicht versehn. Am Finger
Von ihm verwundet schrie er
Und schlug seine Händchen
Halb lief er dann, halb flog er
Hin zu der schönen Kypris.
O weh mir, liebe Mutter!
O weh, ich sterbe! rief er.
Gebissen bin ich worden
von einer kleinen Schlange
mit Flügeln, Biene heißt
sie bei den Ackersleuten.
Sie sprach: Kann so der Stachel
Von einem Bienchen schmerzen,
was meinst du, daß die leiden,
die du verwundest, Eros?

1835 wurde eine antike Statue des sitzenden Anakreon am Monte Calvo in Rom gefunden. Heute befindet sie sich in der Villa Borghese. Die Münze zeigt vielleicht ein Bild dieser Statue.

Mit freundlichem Gruß
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teos_BMC59.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 30.10.07 00:55

Die AEQVITI-Serie des Probus

Wir hatten bereits einmal über sog. codierte Münzen gesprochen. Das waren Folles von Diocletian und Maximian, bei denen die griechischen Buchstaben, die im Abschnitt hinzugefügt waren, die Wörter IOBI und HRKOVLI bildeten. http://www.numismatikforum.de/ftopic6900-135.html#69220

Hier ist eine zweite, erheblich komplexere Gruppe von codierten Münzen: Die AEQVITI-Serie des Probus. Die Münzstätten Rom und Ticinum brachten eine Serie von Münzen heraus, bei denen zusätzlich zu den Zahlen der Offizin im Feld ein weiterer Buchstabe gezeigt wurde, sodaß man, wenn man die Münzen in der Reihenfolge der Offizinnummern ordnet, das Wort AEQVITI (in Rom) oder EQVITI (in Ticinum) gebildet wird. Dabei handelt es sich um den lat. Dativ von 'für die Reiterei'. Es handelt sich dabei also wahrscheinlich um eine Ehrung für Probus' Kavallerie. Der eigentliche Sinn dieser Codebuchstaben ist aber leider- wie auch im obigen Fall - nicht bekannt.

Dabei hat Rom 2 verschiedene Serien herausgebracht und bei Ticinum unterscheidet man 3 oder sogar 4 Serien (nach Chip Scoppa). Mir gelang es jetzt, Münzen der Serie aus Ticinum aus der Sammlung von Dr.Scott zu erwerben. Ticinum hatte damals nur 6 Offizine. Deshalb mußte man das I am Ende weglassen. In der 1.Serie gehören also folgende Buchstaben und Münzmarken zusammen:
A und PXXI
E und SXXI
Q und TXXI
V und QXXI
I und VXXI
T und VIXXI
In der 2.Serie hat man dann das A am Anfang weggelassen:
E und PXXI
Q und SXXI
V und TXXI
I und QXXI
T und VXXI
I und VIXXI
Die 3.Serie unterscheidet sich von der vorigen dadurch, daß man zusätzlich noch einen Stern im Gegenfeld hinzugefügt hat. Die 4.Serie entspricht der 1.Serie, hat aber griechische Zeichen.

Wie man erkennen kann, sind meine Münzen aus der 2.Serie (E PXXI, Q SXXI, V TXXI, T VXXI) und aus der 3.Serie (I * QXXI, * I VIXXI).

Ausführlich wird dieses Thema behandelt von Chip Scoppa unter http://www.forumancientcoins.com/numisw ... ey=AEQVITI

Mit freundlichem Gruß
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probus_Ticinum480_E.jpg
probus_Ticinum489_Q.jpg
probus_Ticinum500_V.jpg
Zuletzt geändert von Peter43 am Fr 02.11.07 12:31, insgesamt 5-mal geändert.
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Beitrag von Peter43 » Di 30.10.07 00:57

Und hier noch die fehlenden 3 Münzen!
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probus_Ticinum509_I.jpg
probus_Ticinum517_T.jpg
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Beitrag von alexander20 » Fr 02.11.07 06:28

Guten Morgen Peter43,

zunächst einmal vielen Dank für Deine hervorragenden Ausführungen zu der Aequiti-Serie des Probus. Ich muss zugeben, dass ich diese nicht kannte bzw. das Thema der codierten Münzen ist mir neu. Den Aufsatz von Chip Scoppa habe ich mit größtem Interesse gelesen. Ein wirklich spannendes Thema wie ich finde, mit dem ich mich ab sofort auch näher beschäftigen werde.

Für diesen neuen Anreiz nochmals vielen Dank

Noch eine Frage in diesem Zusammenhang: Kennst Du noch weitere Spezialliteratur zum Thema "codierte Münzen"?

Alexander20

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Beitrag von Peter43 » Fr 02.11.07 12:28

Hallo Alexander!

Ich freue mich darüber, daß ich Dir einige Anregungen geben konnte. Ich kenne nur doch die Seiten, auf die Scoppa selbst verweist:
http://dougsmith.ancients.info/equiti.html
http://dougsmith.ancients.info/feac73xxi.html

Und zu den HRKOVLI-IOBI-Münzen
http://dougsmith.ancients.info/code.html
http://www.forumancientcoins.com/numisw ... cia%20Mule
http://www.forumancientcoins.com/numisw ... =Codewords
(enthält eine Reihe von Literaturhinweise!)

Mit freundlichem Gruß
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