Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 26.12.07 23:00

Hier möchte ich wieder einmal eine Münze vorstellen, die auch historisch interessant ist:

Thrakien, Philippopolis, Caracalla, 198-217
AE 26, 8.44g
Av.: AVT KM AVR CEV - ANTWNEINOC
Büste, etwas Draperie auf der li. Schulter, mit Strahlenkrone, n.r.
Rv.: KOINON QR - AKWN PVQIA
Büste der Stadtgöttin (Tyche), drapiert, mit Schleier und
belorbeerter Mauerkrone, n.r.
Ref.: Varbanov (engl.) 1499
Sehr selten (bei Varbanov als R8 ), SS, hübsche grüne Patina, feiner Stil

Diese Münze wurde in Philippopolis für das KOINON QRAKWON (Liga der Thrakischen Städte) geprägt. Der Typ kann auf die Jahre 213-214 datiert werden, als die römische Armee durch Thrakien und Makedonien zog, um gegen der Parther zu kämpfen. Es gibt eine Reihe von Typen aus Philippopolis, die auf die Pythischen Spiele hinweisen und die Caracalla in heroischer Pose zeigen. Caracalla gab jetzt seiner Phantasie nach, ein heroischer Eroberer zu sein vom selben Format wie sein Vorbild Alexander der Große. Dabei ging er so weit, seine Truppen als Makedonier zu kleiden. Diese Münze bestätigt auch Herodians Bericht, der die Restauration der Pythischen Spiele in den Städten Thrakiens betrifft, die auf Befehl Caracallas zur Ehre von und zur Erinnerung an Alexander den Großen eingerichtet wurden. Caracallas zunehmend unberechenbareres Benehmen im Velauf dieses großen Zuges ostwärts gipfelte dann im sinnlosen Massaker an den Bewohnern Alexandrias. Dies hat eventuell seine Offiziere unter Macrinus dazu gebracht, ihn endlich zu ermorden (CNG).

Mit freundlichen Grüßen
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philippopolis_caracalla_Varbanov 1499.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 22.01.08 19:22

Das Scherflein der armen Witwe

Die Geschichte dieser Münze - englisch 'widow's mite' genannt - bezieht sich auf den Bibeltext Markus 12, 41ff.:

Scherflein der Witwe.
41. Und Jesus setzte sch gegen den Gotteskasten und schaute, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten; und viele Reiche legten viel ein.
42. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; die machen einen Heller.
43. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt denn alle, die eingelegt haben.
44. Denn sie haben alle von ihrem Überfluß eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut alles, was sie hatte, ihre ganze Nahrung, eingelegt.

(nach der Übersetzung von Martin Luther, in der Fassung von 1927)

Das Wort 'Scherflein' (nicht 'Schärflein' bitte!) hängt etymologisch zusammen mit altdeutsch 'scerp' = Kerf (Käfer) und ist damit inhaltlich verwandt mit dem engl. 'mite', was 'Wanze' heißt. Bezeichnet wurde damit eine kleine unbedeutende Münze, die nicht viel wert war.
Um herauszufinden, um welche Münze es sich jetzt historisch gehandelt haben kann, sehen wir uns mal andere Bibeltexte an:
Auf griechisch, der Sprache, in der das Neue Testament geschrieben wurde, heißt es: "ebalen lepta dyo, ho estin kodrantes". Damit haben wir die Münze schon: Es sind zwei Lepta (Sing. Lepton). Um den Wert klarzumachen, sagt der Autor, daß 2 Lepta = 1 Kodrantes ist. Dies ist eine Graecisierung des römischen Quadrans, wie wir in der lateinischen Übersetzung des NT lesen können: "misit duo minuta, qoud est quadrans".
In der neuesten Bibelfassug heißt es: "zwei Scherflein, das ist ein Pfennig".
In dieser Zeit, ca. 40 n.Chr., gab es als nur das Lepton des Alexander Jannaeus (in der Bibel Yehonatan genannt), 103-76 v.Chr. Diese Münze muß in solchen Massen geprägt worden sein, daß sie heute noch in Israel massenhaft im Boden zu finden ist. Das Problem ist eher, eine Münze zu finden, auf der Av. und Rv. vollständig zu sehen sind. Die Schrötlinge für diese Münzen wurden baumartig gegossen und dann abgeschlagen. Deshalb sieht man bei ihnen immer auf zwei Seiten die Gußansätze.

Judaea, Alexander Jannaeus (Yehonatan), 103-76 v.Chr.
AE - Lepton, 14.1mm, 1.05g
Jerusalem, 78 v.Chr.
Av.: BASILEWS ALEZANDROV
Anker umgeben von Kreislinie, an den Spitzen L KE (Jahr 25)
Rv.: Stern mit 6 Strahlen (Diadem) in Punktkreis, umgeben von alt-hebräischer Inschrift (gegen den Uhreigersinn):
MLK' ALKSNDRWS (Sh)NH HK
= MALIK ALEKSANDROS SHANA HA HK
= König Alexander Jahr 25
Ref.: Hendin 471, TJC Typ L
SS+
Die Ankermünzen des Alexander Jannaeus wurden in Anlehnung an die Seleukiden gewählt, nachdem er außer Askalon die Küstenstädte erobert hatte. Der Anker sollte wohl die Annexion dieser Gebiete bekanntmachen (Ancient Yewish Coinage, Jaakov Meshorer)

Die Hasmonäer (in der Bibel Makkabäer genannt) hatten unter Judas Makkabaeus 165 n.Chr. nach dem Makkabäeraufstand gegen die Seleukiden eine Dynastie gegründet, die bis zur Eroberung durch Pompejus 63 v.Chr. an der Macht blieb. Danach war es bis zur Einsetzung des Idumenäers Herodes (des Großen) 37 v.Chr. ein Klientelstaat der Römer. Erst Augustus machte es dann 6 n.Chr. zur röm. Provinz Judaea.

Das typische an den Hasmonäern war, daß sie sowohl Könige als auch Hohe Priester waren. Judaea unter ihrer Herrschaft war praktisch ein Gottestaat. Sie prägten die ersten jüdischen Münzen und mit dem erwähnten Lepton des Alexander Jannaeus auch noch die erste zweisprachige Münze Judaeas. Die Sprache auf ihren Münzen ist nicht das zu der Zeit geschriebene Hebräisch, sondern ein altes Paläo-Hebräisch, das zur Zeit des babylonischen Exils geschrieben wurde. Sie wollten damit betonen, daß ihre Herrschaft an alte Traditionen anknüpft. Man nimmt aber an, daß zumindestens die Gebildeten diese Schrift auch lesen konnten.

Eine zweite Münze, die manchmal auch als 'widow's mite' bezeichnet wird, ist ein Prutah des Alexander Jannaeus:
Judaea, Alexander Jannaeus (Yehonatan), 103-76 .Chr.
AE - Prutah, 15mm, 1.3g
Jerusalem, 95-76 v.Chr.
Av.: Stern mit 8 Strahlen um Kugel herum in einem Diadem; zwischen den Speichen die Alt-
Hebräische Inschrift (gegen den Uhrzeigersinn):
Y-H-WN-TN-H-M-L-K
= YEHONATAN HA MALIK (Yehonatan der König)
Rv.: Anker mit der Spitze nach oben (wie er auch am an der Schiffswand hing!)
Im Kreis, beginnend bei 7Uhr im Uhrzeigersinn, auf Griechisch:
BASILEWS ALEZANDROY
Ref.: Hendin 469 , TJC Typ K
gutes SS, hübsches Ex.
Hier sind einige Buchstaben aus einer späteren Schrift: z.B. das letzte K.

(wird fortgesetzt)
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alexander_jannaeus_Hendin471_2.jpg
alexander_jannaeus_Hendin469.jpg
alexander_jannaeus_Hendin469_1.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 22.01.08 19:31

(Fortsetzung)

Die Münzen der Hasmonäer

Einige Worte zur Schrift der Hasmonäer auf ihren Münze. Die findet sich nur hier und auf den Schriftrollen der Essener von Qumran. Dies ist ein starkes Argument dafür, daß diese Schriftrollen unter Johannes Hyrcanus II. (Yonatan) entstanden sind. Wie bereits gesagt, benutzten die Hasmonäer aus politischen Gründen eine sonst ungebräuchliche proto-hebräische Schrift, die man besser als Alt-Aramäisch bezeichnen sollte. Siew ist bekannt aus einer Weihinschrift des Königs Panammu aus Hadad aus der 1.Hälfte des 8.Jh. v.Chr. Sie hatte noch viel Ähnlichkeiten mit dem Phönikischen, von dem ja bekanntlich alle Alphabetschriften der Welt abstammen. Man muß aber sagen, daß es tatsächlich das Aramäische war, das dann dafür sorgte, daß sich die Alphabetschriften bis nach Indien ausbreiteten.

Zunächst also das Alphabet, das die Hasmonäer benutzten. Dann zwei Münzen, auf denen diese Schrift klar zu erkennen ist, was leider nicht so oft der Fall ist.

1. Münze:
Judaea, Johannes Hyrcanus I. (Yehochanan), 135-104 v.Chr.
AE - Prutah, 14.5mm, 1.73g
Jerusalem
Av.: Text in alt-hebräisch in 4 Zeilen, darüber griechisches A, alles in Lorbeerkranz
1. NN(Ch)WHY
2. GHNHKH
3. HRB(Ch)WLD
4. MYDHY
Rv.: Doppelcornucopiae, geschmückt mit Bändern, dazwischen Granatapfel, alles im
Punktkreis
Ref.: Hendin 454, TJC Typ A
sehr selten, VZ/SS+, zentriert mit voller Inschrift
Das 'A' zeigt wahrscheinlich an, daß diese Münze in der ersten Zeit der Regierung des Johannes geprägt worden ist, noch unter der Aufsicht der Seleukiden. Daher auch der feine Stil.
Auflösung der Inschrift (von re nach li):
YHW(Ch)NN H KHN H GDL W (Ch)BR H YHDYM
YHW(Ch)NN = Yehochanan
H = ha = der
KHN = Kohen = Priester
H = ha = der
GDL = Gadol = großer, hoher
W = we = und
(Ch)BR = Chaver = Rat
H = ha = der
YHDYM = Yehudim = Juden
also: Yehochanan, der Hohe Priester und der Rat der Juden

2. Münze:
Judaea, Johannes Hyrcanus II. (Yonatan), Köng 67 v.Chr., danach nur noch Ethnarch 63-40 v.Chr.
AE - Prutah, 17mm, 1.82g
Jerusalem
Av.: Inschrift auf Alt-Hebräisch in 5 Zeilen, im Lorbeerkranz
1. H NTNY
2. DG NHK
3. RB(Ch) W L
4. YDHY H
5. M
Rv.: Doppelcornucopiae, geschmückt mit Bändern, dazwischen Granatapfel, alles im Punktkreis
Ref.: Hendin 478, TJC Typ S
SS, wunderbar vollständige Inschrift
Auflösung der Inschrift (von re nach li):
YNTN H KHN GDL W (Ch)BR H YHDYM
YNTN = Yonatan
H = ha, der
KHN = Kohen = Priester
GDL = Gadol = großer, hoher
W = we = und
(Ch)BR = Chaver = Rat
H = ha = der
YHDYM = Yeduhim = Juden
Also: Yonatan, der Hohe Priester und der Rat der Juden
Hier ist die Schrift bereits sehr unordentlich geworden! Das Y (Jod) ist zu drei parallelen Strichen verkommen, das H sieht aus wie ein umgekehrtes E, das L ist verkehrt herum usw. und die Buchstabengröße ist fast beliebig!

Anmerkung: Zimmermann übrigens übersetzt Chaver mit 'die Genossenschaft'

Mit freundlichem Gruß
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aramaic.gif
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hyrcanusI_Hendin454.jpg
hyrcanusI_Hendin454_1.jpg
hyrcanusII_Hendin478.jpg
hyrcanusII_Hendin478_1.jpg
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Beitrag von Peter43 » Do 07.02.08 16:35

Vespasian in Judaea

Kurze Enführung in den judäischen Feldzug 67/68:
Nach der Niederlage des Cestius beauftragte Nero Vespasian mit der Niederschlagung des jüdischen Aufstandes. Dieser marschierte von Syrien nach Judaea, während sein Sohn Titus ihm aus Ägypten zu Hilfe kam. Im Mai 67 gelangten sie nach Galilaea und Caesarea Maritima wurde ihr Hauptquartier. Vespasian wußte, daß Jerusalen wegen seiner starken Mauern nur schwer zu erobern war. Deshalb war seine Strategie, Jerusalem durch die Inbesitznahme von Galilaea und Judaea zu isolieren. Juni/Juli wurden Gabara und Jotapata erobert und Josephus wurde gefangen genommen. Japha und der Berg Gerizim wurden erobert und die Piraten von Joppa vernichtet. Tiberias ergab sich ohne Gegenwehr dem Titus. Dann fand auf dem See Genezareth die Seeschlacht gegen den Rest der Piraten statt. Im November floh der judäische Anführer Johannes von Gischala zusammen mit seinen Anhängern nach Jerusalem. Im Frühjahr 68 begann der judäische Feldzug. In Jerusalem begannen sich die jüdischen Parteien zu bekämpfen, auch um die weitere Strategie. Das östliche Judaea und Jericho wurden von Placidus erobert, das westliche Judaea von Vespasian. Zu diesem Zeitpunkt wurde Nero ermordet und die Operationen wurden eine Zeitlang angehalten. Dann wurde auch noch der Rest von Judaea und Idumaea erobert und Jerusalem war endlich isoliert.

69 rief die Armee in Caesarea Maritima Vespasian zum Kaiser aus, der daraufhin Josephus wegen seiner eingetroffenen Vorhersagen freiließ. Vespasian verließ Judaea und ging nach Alexandria. In Rom besiegten pro-vespasianische Kräfte Vitellius und Vespasian verließ Alexandria, um nach Rom zu gehen.


Die Münze:
Samaria, Caesarea Maritima, Nero, 54-68 n.Chr.
AE 20, 9.18g
Caesarea, Frühjahr 68 n.Chr. (Jahr 14)
Av.: Büste des Nero, belorbeert, n.r.
Rv.: EPI / OYECPA / CIANOY / KAICAR / ET ID (Jahr 14)
Legende in 4 Zeilen in einem Eichenkranz
Rosenberger 17; Meshorer City Coins 24
extrem selten, fast SS

Hintergrund:
Diese Münze ist nicht nur selten, sondern auch historisch sehr interessant. Meshorer schreibt: "Von besonderem Interesse ist ein Münztyp...mit der griechischen Inschrift 'Zur Zeit des Vespasian, in Caesarea, Jahr 14 (des Nero)', die zeigt, daß bereits zu diesem frühen Zeitpunkt seines Lebens, als Vespasian noch kaiserlicher Legat in der römischen Armee war, Münzen mit seinem Namen geprägt wurden. Diese Tatsache bestätigt die Geschichte , die sowohl von Josephus als auch von Sueton berichtet wird, nämlich daß das Volk von Judaea noch während Nero regierte vorhergesagt hat, daß Vespasian zum Kaiser von Rom ausgerufen werden würde."

Hier ist der Text von Josephus (Der Jüdische Krieg 3.8.9., 399-408):
"Vespasian gab den ausdrücklichen Befehl, daß Josephus mit großer Vorsicht behandelt werden sollte, weil er vorhatte, ihn zu Nero zu senden.
Als Josephus das hörte, bat er darum, mit ihm allein zu sprechen.Als daraufhin allen befohlen wurde, sich zurückzuziehen, bis auf Tito und zwei seiner Freunde, sagte er: 'Oh Vespasian, obwohl Du glaubst, Du habest den verlassenen Josephus zum Gefangenen gemacht, komme ich dennoch als Bote zu Dir mit großen Nachrichten. Wäre ich nicht von Gott zu Dir gesandt worden, ich kenne die jüdischen Gesetze und wie es sich für einen General gehört zu sterben.
Du schickst mich zu Nero? Warum? Wird irgendein Nachfolger von Nero Bestand haben - bis zu Dir? Du wirst Caesar werden, oh Vespasian, und Kaiser, Du und dieser Dein Sohn. Nun aber binde mich noch fester und behalte mich für Dich selbst, oh Caesar, weil Du nicht nur Herr über mich bist, sondern auch über das Land und die See und die ganze Menschheit; und sicher verdiene ich es bestraft zu werden durch engere Bewachung als jetzt, wenn ich mir irgendetwas ausgedacht habe, von dem, was Gott betrifft.'
Als er das gesagt hatte, glaubte Vespasian ihn zu diesem Augenblick nicht, im Glauben, daß Josephus dies alles nur gesagt hatte als einen listigen Trick um sich zu retten. Doch nach einer kleinen Weile begann er Vertrauen darein zu bekommen, weil Gott ihn bereits in seinen Gedanken zum Kaiser erhoben hatte, und wegen anderer Zeichen, die seinen Aufstieg vorausahnen ließen."

Und hier die Stelle aus Sueton, Vespasian 5:
"In Judaea befragte Vespasian das Orakel des Gotts von Karmel und ihm wurde das Versprechen gegeben, daß er niemals von enttäuscht sein würde von dem, was er plane oder ersehne, wie hochfliegend auch sein Ehrgeiz sei. Auch beharrte ein bedeutender jüdischer Gefangener namens Josephus darauf, daß er bald freigelassen werde von dem selben Mann, der ihn jetzt in Fesseln habe legen lassen, und der dann Kaiser sein würde. Berichte über weitere Vorzeichen kamen aus Rom."

Hinzugefügt habe ich ein Bild, das Vespasian in dem oben erwähnten Gespräch mit Josephus zeigt.

Quellen:
Josephus, Der Jüdische Krieg
Sueton, Die zwölf Kaiser
http://www.hagalil.com/judentum/feierta ... pasian.htm
http://www.bu.edu/ict/anrw/pub/II/2/schalit.html

Mit freundlichem Gruß
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caes_maritima_nero_Rosenberger17.jpg
Vespasian und Josephus.JPG
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Beitrag von Peter43 » Sa 16.02.08 21:02

Claudius Attalus, römischer Statthalter von Thrakien

Hier möchte ich euch heute eine sehr seltene Münze vorstellen zusammen mit ihrem historischen Hintergrund:

Münze:
Moesia inferior, Nikopolis ad Istrum, Commodus, 177-192 n.Chr.
AE - AE 30
geprägt unter dem Statthalter Claudius Attalus
Av.: AVT KAI M AV[R] - KOMODOC
Büste, cürassiert, beorbeert, n.
Rv.: HGE KL ATTALOV N - IKOPOL / PROC I
Zeus, in Hüftkleid, n.l. thronend, stützt sich mit der Linken auf Szepter und hält in
der Rechten Patera; li vor seinen Füßen der Adler.
Ref.: Varbanov (engl.) -; Moushmov 891 cf. (nur Rs.-Darstellung)
SS, Sehr selten, evtl. unique, in den gößeren Werken unpubliziert
bei Wildwinds

Attalus trägt hier den Titel HGE für HGEMONEVONTOC. Das ist der Gen. abs. von HGEMONEVWN und bedeutet 'als Legatus Augusti pro praetore [dienend]', im Gegensatz zu dem häufigeren Titel VP für YPATEVONTOC, was 'als consularischer Legat [dienend]' bedeutet.
.
Auf den Provinzialmünzen finden wir regelmäßig die Namen der ausgebenden Magistrate, Legaten u.a. Diese Namen haben mich immer interessiert, weil sie uns neben den Namen der Kaiser einen intimen Einblick in die Administration des römischen Kaiserreiches geben. Leider ist oft wenig über diese hohen Beamten bekannt, wenn nicht gerade Inschriften und ähnliche archäologische Funde uns weitere Informationen liefern, oder wenn sie in der Literatur erwähnt werden. Hier aber haben wir den Glücksfall, daß dieser Gouverneur bei Cassius Dio vorkommt.

Cassius Dio, Epitome des Buches LXXX:
In Arabia beseitigte er (d.h. Avitus) den Provinzstatthalter Pica Caerianus, weil er sich ihm nicht sofort angeschlossen hatte, in Zypern den Claudius Attalus, der früher einmal Thrakien verwaltet hatte. Er war von Severus während des Krieges mit Niger aus dem Senat entfernt, von Tarautas jedoch dorthin zurückberufen worden und hatte nun damals durch Losentscheid Zypern übertragen erhalten. Grund seines Untergangs war eine Beleidigung des Komazon, den er wegen eines Verbrechens in der Zeit seines Militärdienstes in Thrakien auf die Galeeren geschickt hatte.
Doch obgleich dieser Komazon ein solcher Kerl war und er seinen Namen vom Mimenspiel und von der Possenreißerei herleitete, befehligte er jetzt die Praetorianer; dabei hatte er sich in überhaupt keiner verantwortlichen oder führenden Stellung außer in der Lagerleitung erprobt, empfing aber nun konsularischen Rang und wurde später tatsächlich Konsul und auch noch Stadtpräfekt, nicht nur einmal, sondern auch zum zweiten- und drittenmal - eine Auszeichnung, wie sie niemand sonst zuvor widerfuhr. Daher wird in der Tat auch dies als eine der schlimmsten Verletzungen des Herkommens gezählt werden. Attalus fand nun seinetwegen den Tod.

Erläuterungen:
(1) Avitus = Name des Elagabal (Avitus Bassianus)
(2) Tarautas = Schimpfname, mit dem Cassius Dio gewöhnlich den Antoninus (Caracalla) bezeichnet; nach einem verhaßten und blutdürstigen Gladiator

Arthur Stein kannte 1920 noch keine Münzen des Attalus aus Nikopolis:
Er ist als Statthalter unter Kommodus bekannt durch Münzen von Pautalia mit der Umschrift HGE KL ATALLOV. Kommodus führt den Namen M.; das, wie es scheint, leicht bärtige Portrait ist wegen seiner Flüchtigkeit nicht zu verwerten. Der Zufall unserer literarischen Überlieferung bringt es mit sich, daß wir auch aus Dio (LXXX 3, 5,; 4, 3) einiges über ihn und seine Statthalterschaft in Thrakien erfahren. Auch er scheint später, so wie Asellius Aemilianus, an der Erhebung des Pescennius Niger gegen Septimius Severus teilgenommen, abe sich nicht so weit wie jener gewagt zu haben; denn der siegreiche Herrscher begnügte sich damit, ihn aus dem Senat zu stoßen (Er sei möglicherweise damals noch Legat von Thracia gewesen und habe die Besetzung von Byzanz durch Niger zugelassen oder wenigstens nicht verhindert; vgl. Ceuleneer). Unter Karakalla wurde er wieder in den Senat aufgenommen und erhielt später durch Verlosung um die prokonsularischen Provinzen Zypern. Als Prokonsul von Zypern wurde er durch den Einfluß von Elagabals allmächtigem Günstling (Valerius) Cmazon (Eutychianus) auf Befehl des Kaisers getötet. Es war ein Racheakt Comazons, der unter seiner Statthalterschaft in Thrakien beim Militär gedient hatte und wegen eines Vergehens strafweise unter die Flottensoldaten versetzt worden war.
Schon mit Rücksicht auf die spätere Laufbahn des Claudius Attalus, dr, wenn auch aus besonderen Ursachen, erst 26 Jahre nach Kommodus' Tode Prokonsul von Zypern war, kann seine Verwaltung von Thracia nur für die letzten Jahre des Kommodus (das Münzportrait ist hier nicht entscheidend, s.o.) in Betracht kommen. Wenn Ceuleneers Vermutung zutrifft, dann hätte er hier sogar die Regierung dieses Herrschers überdauert.

Die Provinz Thrakien:
Nach dem Tod des Rhoimetalkes III. wurde das Klientelkönigtum der Odrysen von Claudius I. 45/46 n.Chr. eingezogen und zur römischen Provinz Thracia gemacht. Mehrere Aufstände wurden militärisch niedergeschlagen. Zunächst wurde die Provinz durch Prokuratoren aus dem Ritterstand verwaltet. Spätestens unter Trajan wurde die Provinz einem kaiserlichen Legaten anvertraut, einem Legatus Augusti pro praetore, wie es immer üblich war, wenn nur eine Legion in der Provinz stand. Thrakien diente Trajan als Aufmarschgebiet für seinen Feldzug gegen die Daker. Sitz des Statthalters war Perinthos, Metropole war Philippopolis. Nikopolis gehörte zu Thrakien, bis Severus neue Grenzen zog und Nikopolis zu Moesia inferior kam. Nach der Neuorganisation des Römischen Reiches durch Diokletian wurde Thrakien zur Diözese mit der Hauptstadt Markianopolis. Nach dem Einfall der Goten im Jahre 375 und dem Untergang des Weströmischen Reiches 476 gehörte Thrakien als Provinz und Diözese zum Oströmischen Reich.

Quellen:
Cassius Dio, Römische Geschichte
Arthur Stein, Römische Reichsbeamte der Provinz Thrakien, Sarajevo 1920
Der kleine Pauly

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von Peter43 » So 02.03.08 21:05

Homonoia-Prägungen

Wir hatten bereits einmal eine Homonoiaprägung im Forum. Leider hat sie sich dann als eine Touristenfälschung herausgestellt. Hier möchte ich eine neue Münze aus meiner Sammlung vorstellen und dann etwas über diese merkwürdigen Prägungen erzählen.

Münze:
Ionien, Ephesos, Gordian III., 238-244
Av.: AVT K.M.AN - T.GORDIANOC
Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r
Rv.: EFECIWN / TYXE / KAI A - LEZ - AN - DREWN
Stadtgöttin (Tyche), mit hohem Kalathos, n.l. lehnend, hält im li Arm Cornucopiae und in
der ausgestreckten Rechten Kultstatue der Artemis Ephesia mit den typischen
Kultbändern
Ref.: BMC 425; Nolle Homonoia 450 (nur 1 Ex.)
Sehr selten (wahrscheinlich 2. bekanntes Ex!), SS, blaugrüne Patina

Diese faszinierende Münze belegt eine Allianz oder ein gemeinsames Fest von Ephesos und Alexandria. Ägypten war die Kornkammer der römischen Welt und Ephesos, die bedeutendste Stadt in Kleinasien, hatte starke kommerzielle Verbindungen zu Alexandria. So gab es in Ephesos, dicht am Theater und nicht weit vom alten Hafen entfernt, einen imposanten Serapistempel. Dieser zusammen mit der Serie der Homonoia-Prägungen, die Ephesos für Alexandria ausgab, und einer Anzahl von archäologischen Gegenständen, die aus Ägypten stammten, sind ein Beweis dafür, daß es in Ephesos eine größere Kolonie von ägyptischen Händlern gegeben haben muß (G)

Die Homonoia:

In augusteischer Zeit findet in den griechische Städten Kleinasiens der Münztypus der Homonoia-Prägungen große Verbreitung. Mit diesen Münzen propagierte die jeweils prägende Stadt ihre Partnerschaft mit einer anderen, ebenfalls auf der Münze genannten Stadt. Das Schlagwort hierfür lautete Homonoia: Eintracht. Eine Homonoia konnte die Beendigung eines Disputs feiern, aber auch aus wirtschaftlichen oder kulturellen gründen erfolgen. Die Darstellung von Handschlägen war z.B. ein beliebtes Motiv... Homonoia-Münzen wurden in Kleinasien in einer Zeit geprägt, in der eigenständige Politik für die Städte in Roms Machtbereich nicht mehr ohne weiteres möglich war. Womöglich ist die Homonoia eine Nachfolgerin der Isopolitie in einem durch römischen Machteinfluß veränderten politischen Umfeld. Jedoch ist für Homonoiai kein festgelegter, juristischer Inhalt nachzuweisen, es handelte sich eher um lockere Verbindungen zwischen den Staaten, die zwischen einheit und Zank schwankten. Aufgrund der zahlreichen konkreten Vorteile, welche mit dem ideellen Wert der Homonoia einhergingen und von zeitgenössischen Rednern in den höchsten Tönen gepriesen wurden, blieb das Streben nach Homonoia bestehen. Auch von Feiern anläßlich einer Homonoia wissen wir. Nolle und Nolle halten den Handschlag für ein zentrales, feierliches Ritual bei solchen Anlässen. Allerdings handelt es sich hier wohl nicht um einen staatsrechtlichen Akt bei einem konkreten Vertragsabschluß, sondern nurmehr um ein Zeichen von Verbundenheit (Silke Knippschild)

Homonoia-Prägungen sind uns aus insgesamt 87 Städten Kleinasiens und der thrakischen Randgebiete ((Kerngebiet: Ephesos, Smyrna, Pergamon, Laodikeis und Hierapolis) erhalten, wobei es sich meistens um Prägungen für Nachbarstädte handelt. Überregionale Prägungen erfolgten für Athen, Sparta, Delphi und Alexandria in Ägypten, sowie für Rom.

Bedeutung der Homonoia:
Besonders bei Dion Chrysostomos finden wir die Lobpreisung der Homonoia als Basis alles Großen, Guten und Schönen. Weiter bezeichnet sie der Redner als einzige praktikable Möglichkeit für die griechischen Städte, sich vor Übergriffen durch römische Beamte zu schützen, als Weg zu größerer Rechtssicherheit in Asien, da sich Verbrecher nicht mehr der Strafverfolgung in einer Stadt durch das Asyl einer verfeindeten Stadt entziehen könnten, und betont die wirtschaftlichen Vorteile, die allen Beteiligten aus der Homonoia erwüchsen. Entsprechend einer solch positiven Sicht der Homonoia erfolgte ihre Verwendung als Propagandamittel auf Münzen.
Es ist verständlich, daß Rom solche Zusammenschlüsse kleinasiatischer Städte mit Mißtrauen verfolgte, da es ein Machtkonglomerat befürchtete. Allerdings gab es auch das Gegenteil, als Gordian III. eine Homonoia zwischen Side und Pere ausdrücklich anordnete, weil er durch den Streit dieser beiden Städte um den Vorrang in Pamphylien eine Störung von Roms militärischen Unternehmungen fürchtete. Auffallenderweise gab es nie eine Homonoia zwischen Ephesos und Smyrna, deren Eifersucht aufeinander berüchtigt war.

Isopolitie:
Dies ist ein Begriff aus dem griechischen Staatsrecht. Man versteht darunter den Vertrag, den zwei unabhängige griechische Städte eingingen. Sie verabredeten in ihm eine Zusammenarbeit auf verschiedenen politischen Feldern, ohne dabei ihre eigene staatliche Souveränität einzuschränken. Im Vergleich zu dieser Isopolitie wird die hier besprochene Homonoia oft nur als schwacher Abklatsch bezeichnet.

Quellen:
(1) der Kleine Pauly
(2) Silke Knippschild, "Drum bietet zum Bunde die Hände", Rechtssymbolische Akte in zwischenstaatlichen Beziehungen im orientalischen und griechisch-römischen Altertum
(3) CNG

Mit freundlichem Gruß
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ephesos_gordianIII_BMC425.jpg
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loron
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Registriert: Di 30.11.04 20:39

Beitrag von loron » So 02.03.08 21:34

Lieber Frank,

besten Dank für die stete Arbeit an dieser Rubrik. Ich bin stiller Genießer, möchte aber zum aktuellen Beitrag eine kleine Bemerkung liefern. Du schreibst:
"Homonoia-Münzen wurden in Kleinasien in einer Zeit geprägt, in der eigenständige Politik für die Städte in Roms Machtbereich nicht mehr ohne weiteres möglich war."
Das finde ich ein wenig irreführend, denn der Verlust der Freiheit der griech. Städte war ja bereits im 1. Jh. v. Chr. vollends besiegelt. Eigenständige Politik kaum möglich. Dies wiederum ist eine nach wie vor geeignete Begründung für das Aufkommen der reichhaltigen städt. Prägungen überhaupt, nicht aber speziell für die Homonoia-Münzen. Da müsste man doch anders argumentieren und das Ganze in Bezug setzen zum im frühen 2. Jh. aufkommenden "Prahlen" mit allen möglichen Titeln u.ä. Mein Literaturtipp (den du sicher schon kennst) zum Weiterlesen für alle Interessierten: P.-R. Franke, M. K. Nollé: Die Homonoia-Münzen Kleinasiens und der thrakischen Randgebiete. Saarbrücken 1997.

Beste Grüße:

Florian

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mo 03.03.08 00:04

Danke für den Beitrag! Das tolle ist, daß Franke/Nolle online ist bei books.google.de!

Mit freundlichem Gruß
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loron
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Beitrag von loron » Mo 03.03.08 09:31

Danke für den Tipp! Könntest du mir den link schicken? Ich konnte es nicht finden!

payler
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Beitrag von payler » Mo 03.03.08 19:19

loron hat geschrieben:Danke für den Tipp! Könntest du mir den link schicken? Ich konnte es nicht finden!
http://books.google.de/books?q=Franke%2 ... ern+suchen

loron
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Beitrag von loron » Di 04.03.08 09:45

Lieber payler,

bei deinem Link erscheinen nur 4 bibliographische Zitate des besagten Buchs!

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Beitrag von Peter43 » Di 04.03.08 10:21

Hallo Loron!

Jetzt habe ich das auch gesehen, schade!
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Beitrag von Peter43 » Sa 08.03.08 15:25

Die Legio XIIII Gemina Martia Victrix

Die Provinzialmünzen aus Nikaia (Nicaea) mit den Standarten auf der Rückseite gehören zu den häufigsten Provinzialmünzen überhaupt. Umso bemerkenswerter ist es, wenn man dann auf Überraschungen stößt. Dies ist mir hier geschehen. Ob diese Verbindung wirklich den Tatsachen entspricht, kann ich allerdings nicht beweisen.

Bithynien, Nikaia, Severus Alexander, 222-235 .Chr.
AE 22, 5.31g
Av.: M AVR CEVH ALEZANDROC AVG (VG ligiert)
Bloßer Kopf, belorbeert, n.r.
Rv.: NI-K-A-I, im Abschnitt EWN
zwischen 3 Feldzeichen, die beiden äußeren mit je einem Capricorn an
der Spitze
Ref.: SGI 3287 var. (andere Legendentrennung auf der Rs.)
seltenere Variante mit EWN im Abschnitt und Capricorn-Signa
SS, mittelbraune Patina

Die Capricorn-Feldzeichen repräsentieren wahrscheinlich die Legio XIIII Gemina Martia Victrix, die Legion, die Severus zum Kaiser ausrief und und ihn im Kampf um den Purpur unterstützte. Während Alexander Severus durch Julia Domna entfernt mit Severus verwandt war, und deshalb nach ihm benannt war, scheint er doch das Gerücht unterstützt zu haben, daß er in Wirklichkeit ein illegitimer Sohn des Caracalla und damit der Enkel des Severus sei. Diese Münze zeigt dann eine interessante und raffinierte Propaganda.

Die Lego XIIII Gemina war von Augustus aufgestellt worden. Das Epitheton Gemina zeigt, daß sie wahrscheinlich durch die Zusammenlegung zweier anderer Legionen entstanden ist, von denen die eine die Legio XIII gewesen ist, die bei Alesia gekämpft hatte. Martia Victrix war ein Ehrenname, den sie von Nero nach dem Sieg über Boudicca in Britannien erhalten hatte. Ihr Emblem war das Capricorn, wie bei vielen Legionen des Augustus.

Seit 9 n.Chr. war sie in Moguntiacum (Mainz) in Germania superior stationiert. dann war sie eine der 4 Legionen, mit den Aulus Plautius und Claudius 43 die Invasion in Britannien unternahmen. 60/61 nahm sie teil an der Unterwerfung des Aufstandes unter Boudicca. 68 n.Chr. war sie stationiert in Gallia Narbonensis.

89 rebellierte Lucius Antonius Saturninus, der Statthalter von Germania superior, mit Hilfe der Legio XIIII und XXI Rapax gegen Domitian. Die Rebellion wurde jedoch niedergeworfen.

Als 92 n.Chr. die Legio XXI verlorenging, wurde die Legio XIIII Gemina nach Panonnien geschickt, um sie zu ersetzen, und wurde in Vindibona (Wien) stationiert. Nach dem Krieg gegen die Sarmaten und Trajans Dakerkriegen 101-106 n.Chr. wurde sie nach Carnuntum verlegt, wo sie für 3 Jahrhunderte blieb. Einige Teileinheiten kämpften unter Antoninus Pius in den Kriegen gegen die Mauren, und sie nahm teil am Feldzug des Lucius Verus gegen die Parther. Während seines Krieges gegen die Markomannen svchlug Marcus Aurelius sein Hauptquartier in Carnuntum auf.

Nach dem Tod des Pertinax 193 n.Chr. wurde Severus, der Befehlshaber der Legio XIIII Gemina, von den panonnischen Legionen zum Kaiser ausgerufen, wobei natürlich seine eigene Legion am meisten beteiligt war. Die Legio XIIII kämpfte danach für ihren Kaiser auf dem Weg nach Rom, um den Usurpator Didius Julianus anzugreifen, trug erheblich bei zum Sieg über Pescennius Niger 194 n.Chr., und kämpfte wahrscheinlich mit im Krieg gegen die Parther, der mit der Eroberung ihrer Hauptstadt Ktesiphon endete (Wikipedia)

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
nikaia_sev_alex_SNG3287var.jpg
Zuletzt geändert von Peter43 am Sa 08.03.08 20:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von beachcomber » Sa 08.03.08 19:21

illegitimer Sohn des Elagabal
du meinst natürlich des caracalla!
grüsse
frank

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Beitrag von Peter43 » Sa 08.03.08 20:17

Schon korrigiert! Danke!
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