Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Di 25.11.08 00:06

Hormisdas

Wie ihr vielleicht bemerkt habt, schweife ich im Augenblick an den Grenzen des Römischen Reiches umher. Aber es lohnt sich, sich auch mit den Feinden der Römer zu beschäftigen. Ich stelle hier mal eine Drachme der Sassaniden ein, weil ich bei der Recherche auf neue, interessante Geschichten gestoßen bin, die es wert sind, in diesem Thread zu erscheinen, auch wenn der Ausgangspunkt keine römische Münze ist. Ich bitte deshalb um Verzeihung. Meinen Grund werdet ihr beim Verfolgen meines Beitrags verstehen!

Sassanidenreich, Hormizd II., 309-309 n.Chr.
AR - Drachme, 27.2mm, 3.48g
Av.: unterbrochene Legende in Pahlevi
Bärtige Büste n.r., Krone mit Adler n.r., der in seinem Schnabel eine Perle
trägt, darüber Korymbos (Göbl Kronentyp I)
Rv.: Taenienumkränzter Feueraltar, in den Flammen bärtige Büste des
zoroastrischen Gottes Ahuramazda n.l.; auf der li Seite Hormizd mit
Adlerkrone und Korymbos n.r. und re ein bärtiger Priester mit Mauerkrone n.l.
stehend, beide mit Pluderhosen und mit beiden Händen ein Schwert haltend
(Göbl Revers 1a); hinter den Figuren in Pahlevi 'Feuer des Hormizd', auf der
Basis des Altars 3 Globuli übereinander.
Ref.: cf.Göbl 83; cf.Mitchener ACW 867; cf.Paruck 176 (haben alle nur einen
Globulus)
Die Pahlevi-Legende (etwas verstümmelt) auf der Vs. heißt: 'Der Verehrer des Mazdas, der göttliche Hormizd, der König der Könige des Iran, der von den Göttern herabgestiegen ist' (nach T.K.Mallon von www.grifterrec.com , danke!).
Dieser König erscheint auch unter dem Namen Hormuzd oder Hormazd. Ich habe mich für Hormizd entschieden, weil er so auch im Kleinen Pauly vorkommt.
Der Korymbos (nicht Globus!) war eine typische Haartracht der sassanidischen Könige. Es war eine kugelförmige Zusammenfassung des Haupthaares, das mit einem Seidentuch umgeben war. Jeder Sassanidenkönig hatte seine eigene Krone, woran man ihn gut von den anderen unterscheiden kann.

Nun zur eigentlichen Geschichte, bei der diese Münze nur der Aufhänger war:
Die Römer hatten bekanntlich Probleme an der Nordgrenze ihres Reiches mit germanischen Völkern und an der Südostgrenze mit den Persern. Groß wurde die Gefahr, als die Sassaniden das persische Reich übernahmen. Unter ihnen erstarkte Persien nicht nur militärisch, sondern es kam auch zu einer kulturellen Hochblüte. Allen bekannt wird der Tiefpunkt des römischen Reiches sein, als zum erstenmal ein römischer Kaiser, Valerian, Gefangener des persischen Großkönigs, Shapur I., wurde. Aber wie Rom an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen mußte, hatte auch Persien neben Rom noch Feinde im Osten, die Kushans und die Hunnen, die das Sassanidenreich im Laufe der Zeit so schwächten, daß es schließlich von den islamischen Arabern erobert werden konnte.

Hormizd, oder Hormizdas, war der Name von 5 Königen der sassanidischen Dynastie. Dieser Name ist nur eine andere Form von Ahuramazda oder Ormuzd (Ormazd), dem Namen des zoroastrischen Hauptgotts, der unter den Sassaniden zum normalen Personennamen wurde und nicht nur von vielen Generalen und hohen Beamten jener Zeit getragen wurde - deshalb erscheint er oft auf persischen Siegeln - sondern selbst von einem römischen Papst (Papst Hormisdas 514-523). Genaugenommen ist es eine Abkürzung von Hormuzd-dad, 'gegeben von Ormuzd', einer Form die überliefert ist durch Agathias IV. 24.25 als Name für die Könige Hormizd I. und II.

Hormizd II., der Sohn des Narseh, regierte sieben Jahre und fünf Monate, 302-309 n.Chr. Über seine Regierung ist nicht viel bekannt. Nach seinem Tod wurde sein Sohn Adarnases von den Granden des Reiches nach nur sehr kurzer Regierungszeit ermordet, weil er einen grausamen Charakter zeigte; sein zweiter Sohn, Hormizd, wurde gefangengesetzt und der Thron wurde bereitgehalten für das Kind mit dem eine seiner Konkubinen schwanger war und der den Namen Shapur II. erhielt.

Hormizd gelang 323 durch eine List seiner Frau die Flucht aus seinem Gefängnis und er floh zu Constantin dem Großen, an dessen Hof er Zuflucht fand. (Zosim. II. 27, Johannes von Antiochia, Fr. r78; Zonar. 13.5). In den römischen Quellen erscheint er unter dem Namen Hormisdas. Von Constantius II. wurde er zum Führer eines Reitergeschwaders ernannt und diente ihm im Kampf gegen die Perser. Er befand sich in seiner Begleitung, als Constantius 357 in Rom einzog. 363 war er mit Julian II. in Antiochia, und dieser soll daran gedacht haben, ihn an Stelle seines Bruders Shapur II. auf den persischen Thron zu erheben. Bei dem Perserfeldzug des Julian II. begleitete ihn Hormisdas und leistete ihm durch seine Kenntnis des Landes und der Sprache wertvolle Dienste.

Sein Sohn, der ebenfalls Hormisdas hieß, wurde vom Usurpator Procopius 365 zum Proconsul Asiae ernannt (Ammian. Marc. 26.8.12). Ihm wurde nicht nur die zivile, sondern auch die militärische Gewalt übertragen, und er kämpfte tapfer gegen Valens. 366 wurde er sogar römischer Consul. Um 380 erscheint er als Feldherr des Kaisers Theodosius (Zosim., Amm., Zonar., Joh. Ant., Liban.).

Resumee:
Die Beziehungen zwischen Rom und dem persischen Feind waren viel komplexer, als wir es ahnen!

Quellen:
Der kleine Pauly
Internetseite der iranischen Botschaft

Mit freundlichem Gruß
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hormizdII_Göbl_I.1a.jpg
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Beitrag von Iotapianus » Di 25.11.08 18:09

Die enge Bindung dieser beiden Hormisdas an Rom könnte auch erklären, wieso ein Papst des 6. Jahrhunderts diesen für einen Christen sehr eigenartigen Namen trug:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hormisdas_(Papst)

Iotapianus (nach mir nannte sich noch kein Papst!)

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Beitrag von nephrurus » So 07.12.08 13:42

ok, dann möchte ich hier auch mal eine meiner Lieblinge vorstellen:
absolut kein Prachtstück - aber ganz sicher ein Stück erzählte Geschichte.

Karien - Stratonikeia
AE 36/38
CARACALLA & GETA - Getas Büste eradiert!
mit Gegenstempel
Slg. v. Aulock 2685

Ich finde dieses Stück hochinteressant, da hier nach der Ermordung Getas
die Münzen - vermutlich auf Befehl der Statthalter (?) - so zu präparieren waren, daß das Porträt Getas nicht mehr sichtbar ist. Damit die Münze dennoch als gültiges Zahlungsmittel anerkannt wird, wurde dem Stück noch ein passender Gegenstempel verpasst (Kopf des Caracalla ?)
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9.jpg

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chinamul
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Beitrag von chinamul » So 07.12.08 15:01

Münzen wie diese sind besonders interessant, weil sie über ihre historische Bedeutung hinaus auch noch Einblicke in die angewendete Erasionstechnik bieten. Zudem provozieren sie Überlegungen zu Zeitpunkt und Ort der Erasion.
Zu diesem Stück möchte ich Dir herzlich gratulieren und danke Dir dafür, daß Du es uns hier zeigst. Die Erhaltung ist dabei in meinen Augen eher zweitrangig.
Hier noch zwei Links zu einem anderen Stück mit einer damnatio memoriae gegen Geta aus Stratonikeia:

http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... ulock+2686
http://www.numismatikforum.de/ftopic11928-1365.html (scrollen!)

Gruß

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Beitrag von nephrurus » So 07.12.08 16:32

chinamul hat geschrieben:Münzen wie diese sind besonders interessant, weil sie über ihre historische Bedeutung hinaus auch noch Einblicke in die angewendete Erasionstechnik bieten. Zudem provozieren sie Überlegungen zu Zeitpunkt und Ort der Erasion.
Zu diesem Stück möchte ich Dir herzlich gratulieren und danke Dir dafür, daß Du es uns hier zeigst. Die Erhaltung ist dabei in meinen Augen eher zweitrangig.
Hier noch zwei Links zu einem anderen Stück mit einer damnatio memoriae gegen Geta aus Stratonikeia:

http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... ulock+2686
http://www.numismatikforum.de/ftopic11928-1365.html (scrollen!)

Gruß

chinamul
vielen Dank!
Ich finde solche Stücke auch ausgesprochen interessant - sie regen auch die Phantasie an... Ich habe lange nach einem derartigen (bezahlbaren)
Stück gesucht.
Hier ein weiteres Stück aus einem vcoins-shop:http://www.vcoins.com/ancient/nemesisop ... 83&large=0

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Beitrag von chinamul » Sa 13.12.08 16:12

In früheren Beiträgen in diesem Thread (s. Link) wurden die ludi saeculares des Domitianus bereits behandelt und eine Münze dazu gezeigt. Zu den Spielen selbst hat Peter43 dort das Wesentliche auch schon gesagt. http://www.numismatikforum.de/ftopic6900-120.html
Es lag in der Natur der Sache, daß ein Römer eine Veranstaltung, die nur alle 105 Jahre stattfand, also im wahrsten Sinne des Wortes ein Jahrhundertereignis war, nur einmal erleben würde, und so sandte Domitian Herolde durch das Reich, die die Bürger auf die bevorstehenden Spiele aufmerksam machen und sie dazu einladen sollten. Der folgende Denar zeigt einen solchen Herold.

DOMITIANUS 81 – 96
AR Denar Rom 88/89
Av.: IMP CAES DOMIT AVG GERM P M TR P VIII - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: COS XIIII LVD SAEC FEC - Herold mit gefiederter Kappe nach links schreitend; in der Rechten Stab, in der Linken Rundschild
RIC 117
3,14 g

Gruß

chinamul
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domit lud saec.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 16.12.08 23:22

Das ist ja interessant! Habe ich noch nie gesehen. Danke fürs Zeigen.

Jochen
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Beitrag von Iotapianus » Mi 17.12.08 13:08

Wie ist denn das FEC zu verstehen?
Soll das für "fecit" stehen? Finite Verbalformen sind in Münzlegenden ganz ungewöhnlich.

Iotapianus

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Beitrag von antoninus1 » Mi 17.12.08 13:51

Ja,

ich denke, es heißt "Er hat während seines vierzehnten Konsulates Ludi Saeculares veranstaltet".
Gruß,
antoninus1

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Beitrag von Peter43 » Mi 17.12.08 14:15

Hallo Iotapianus!

Du hast recht, wenn Du sagst, daß finite Verbalformen sehr ungewöhnlich sind. Sie sind in der Tat selten, aber es gibt sie. Hier einige andere Beispiele:
A-C = absolvo - condemno (auf reublikanischen Münzen)
FC = faciendum curavit (außerdem noch ein Gerundivum, Münzen aus Utica)

Noch interessanter sind vollständige Sätze:
HOC SIGNO VICTOR ERIS
PACE PR TERRA MARIQVE PARTA IANVM CLVSIT (die berühmte Stelle über das Schließen des Janustempels)

Von Curtis Clay:
IMP T VESP AVG RESTITVIT (dazu eine ganze Reihe von ähnlichen Legenden)
MEMMIVS AED CERIALIA PREIMVS FECIT, "Memmius als Aedil hat die Spiele der Ceres zuerst veranstaltet"
M LEPIDVS AN XV PR H O C S = M. Lepidus annorum XV praetextatus hostem occidit, civem servavit, "M. Lepidus, fuenfzehnjaehrig und noch als Jugendlicher, hat einen Feind erschlagen und einem Mitbuerger das Leben gerettet"

Dazu gibt es einen Thread http://www.numismatikforum.de/ftopic10085.html#83177

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von chinamul » So 21.12.08 20:03

Auch der Cippusdenar auf Seite 1 dieses Threads zeigt, falls die Auflösung korrekt ist, zwar keinen kompletten Satz, wohl aber finite Verbformen:
S.P.Q.R. / IMP.CAE / QVOD.V / MSEX / EAPQIS / ADADE,
für die der neue erste Band des RIC-Katalogs diese althergebrachte und sehr einleuchtende Auflösung anbietet:
„Senatus PopulusQue Romanus IMPeratori CAEsari QVOD Viae Munitae Sunt EX EA Pecunia Quam IS AD Aerarium Detulit“, was zu übersetzen ist mit „Der Senat und das römische Volk (widmen diese Inschrift) dem Imperator und Caesar, weil die Straßen befestigt worden sind von dem Geld, das er (Augustus) an den Staatsschatz abgeführt hat.“
Am selben Ort zitiert RIC jedoch noch eine andere Lesung, nämlich diejenige, die J.-B. Giard vorschlägt. Dieser liest, wobei er der vorgenannten Auflösung des ersten Teils der Inschrift bis einschließlich „EX EA Pecunia“ folgt, dann weiter: „ ... Quae Iussu Senatus AD Aerarium Delata Est“, also etwa: „ ... von dem Geld, das (von wem auch immer – Verf.) auf Anordnung des Senats an den Staatsschatz übertragen worden ist“.

Gruß

chinamul
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Beitrag von Peter43 » Mi 28.01.09 23:49

GERMANVS INDVTILLI L.

Heute möchte ich euch eine Münze vorstellen, die eine 'barbarische' Nachprägung eines interessanten römischen Quadrans' ist:

Augustus, 27 v.Chr.-14 n.Chr.
AE - Quadrans(?), 17mm, 2.47g
geprägt im Namen von Germanus Indutilli L.
Av.: Kopf, diademiert, Haarrolle im Nacken
Rv.: Stier mit gesenktem Kopf n.l. stürmend
darüber GERMANVS
darunter INDVTILLI L
Ref.: cf. RIC I, 249; AMC 459ff.; RPC 506 (für die offizielle Prägung!)
selten, S+, interessanter barbarischer Stil

Der dargestellte Münztyp stellt noch immer ein Problem dar. Offensichtlich bestehen Ähnlichkeiten mit dem Quadranten RIC 358 aus Lugdunum. Das bezieht sich auf die Rs., nicht aber auf die Vs., die mit Sicherheit nicht Augustus darstellt. Der abgebildete Kopf trägt keinen Lorbeerkranz, sondern ein Stirnband (Tänie) oder ein Diadem. Zudem trägt er eine Haarrolle im Nacken. Diese Darstellung findet sich auch auf anderen keltischen Münzen und könnte einfach als Fürstenabzeichen aufgefaßt werden. Zudem kommt der Name des Augustus nirgends vor.

Die Legende heißt sicherlich GERMANVS INDVTILLI L(ibertus). Diese Lesart wurde bereits 1856 von Birch vorgeschlagen, obwohl auch noch später anstatt eines L ein F gelesen wurde. Die Endung -ILLVS findet sich häufig in gallischen Namen und der Wortstamm INDV-, INDVTVS findet sich ebenfalls in gallischen Inschriften. So scheint die gallische Herkunft des Namens dokumentiert zu sein.

Als Prägeort ist mit größter Wahrscheinlichkeit das Gebiet der Treverer zu betrachten. Allerdings sind die Fundorte weit gestreut. Sie reichen von England, dem Gebiet der Belger, der Treverer, der Mediomatrici, Leuci bis nach Vindonissa und im Süden bis Bibracte. Aus Süddeutschland gibt es eigenartigerweise nur ein Ex.

Die Prägezeit fällt in die 2. Hälfte des 1.Jh. v.Chr. Wenn man den Quadranten als Vorbild betrachtet, muß die Prägezeit danach liegen, am ehesten 15-12 v.Chr. Dafür spricht auch, daß ein Quadrans RIC 357 existiert, der mit einem Germanus-Typ überprägt ist.

Doppler schreibt weiter: In frühaugusteischer Zeit gab es im Norden und Nordosten der gallischen Povinz also eine Kleinbronze, die wahrscheinlich im Gebiet der Treverer geprägt wurde und auf der der Name Germanus, Freigelassener eines Indutillus, zu lesen ist. Dieser Indutillus könnte ein gallischer Fürst gewesen sein und Germanus hätte als dessen Münzmeister diese Münzen geprägt. Es ist bekannt, daß gerade die Treverer bei den Römern eine besondere Rolle spielten. Vielleicht hat es sich bei Indutillus um einen Treverer gehandelt. Es spricht viel dafür, daß Indutillus das römische Bürgerrecht besessen hat, das er wohl schon von Caesar zugesprochen bekommen hatte. Deshalb konnte er nach römischer Sitte auch Freigelassene (Liberti) haben und mit Verwaltungsaufgaben betrauen. Es ist ja bekannt , daß in Gallien die alten Volksgemeinden auch unter den Römern erhalten blieben. So hatten die alten Stammesfürsten unter Augustus noch immer bedeutende Stellungen inne. Dies hat eine Parallele zu Augustus, bei dem auch Freigelassene zu hohen Stellungen aufsteigen konnten, z.B. auch als tresviri monetales.

Es ist unwahrscheinlich, daß diese Münzen ohne Wissen des Augustus geprägt worden sind. Indutillus könnte z.B von Augustus - evtl. bei seinem Aufenthalt in Gallien 16-13 v.Chr. - den Auftrag erhalten haben, für den Norden Galliens eine Münze zu prägen, die dem Lugdunumquadrans im Süden entsprach. Ein - nicht das einzige - Beispiel dafür gibt es z.B. von P. Carisius in Emerita. Vielleicht hat auch der Mangel an Kleingeld den Anlaß gegeben, den wir aus späterer Zeit aus Südgallien kennen, besonders seit eigene Prägungen verboten worden waren. So kann der Kopf auf der Vs. als Idealtyp eines gallischen Fürsten angesehen werden, sodaß dieser Typ immer noch den alten 'Häuptlingsmünzen' ähnelte, aber durch den römischen Münzfuß die große Verbreitung erreichen konnte.

Zum Vergleich darunter der Quadrans des Augustus aus Lugdunum.

Quellen:
Hugo W.Doppler, Über die GERMANVS INDVTILLI L-Prägung, in GNS Nr.17, 1967
Wikipedia

Mit freundlichem Gruß
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Augustus_249_barbaric_imitation.jpg
Augustus_ 228.jpg
Zuletzt geändert von Peter43 am Do 29.01.09 18:27, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von emieg1 » Do 29.01.09 16:53

Danke für diesen sehr interessanten Artikel.

Die Trierer Prägungen interessieren mich (wie die anderen rheinländischen) um so mehr, weil sie aus meiner Heimat stammen.

Karl Josef Gilles schreibt übrigens in seinem Büchlein "Das Münzkabinett im Rheinischen Landesmuseum Trier" über diese wohl an verschiedenen Orten Galliens geschlagene Münze (unter anderem auch Trier), dass sie auf Basis des römischen Quadrans vermutlich die keltischen Kleinbronzen zu ersetzen und zum römischen Münzsystem überzuleiten hatte.

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Beitrag von Peter43 » So 03.05.09 20:54

Damit dieser wichtige Thread nicht einschläft:

Gadara und die Schlacht am Yarmuk

Auf eine Münze aus Gadara war ich schon lange scharf. Endlich ist es mir gelungen, eine bei der
letzten Helios-Auktion zu ergattern. Leider kommt auf den Zuschlagpreis noch 15% Aufpreis und dann die 19% MWSt.

Syrien, Dekapolis, Gadara, Marcus Aurelius, 161-180
AE 23 - 7.31g
geprägt 160/61 (Jahr 224)
Av.: AVT KAIC M AVR - ANTWNEINOC
Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.
Rv.: GADAREW[N] li. von unten nach oben
re DKC (Jahr 224)
Stadtgöttin (Tyche) von Gadara, in kurzem Chiton, frontal stehend, Kopf n.r., hält im li Arm
Cornucopiae und stützt sich mit der Rechten auf Langszepter; re neben ihr Nike auf Säule n.l.
stehend und Tyche bekränzend; zu ihren Füßen Flußgott frontal schwimmend.
Ref.: Spijkerman 42; RPC IV online temp. nr. 6669 (stempelgleich)
Sehr selten, SS, graugrüne Patina
Pedigree:
ex coll. Reinhart Falter
ex Helios Auktion Nr.3, 29./30.4.2009, Lot 739

Gadara, das heutige Umm Quais, das in der römischen Kaiserzeit zum südsyrischen Städtebund
der Dekapolis gehörte, liegt heute im äußersten Nordwesten Jordaniens 35km westlich der Pro-
vinzhauptstadt Irbid. Die bevorzugte Lage in unmittelbarer Nachbarschaft eines landwirtschaftlich
ertragreichen Plateaus oberhalb des Flusses Yarmuk, Blickkontakte zum See Genezareth und in
das Jordantal, die dem Ort zu jeder Zeit eine besondere strategische Bedeutung gaben, und
schließlich die Anbindung an das überregionale Straßennetz bildeten die Grundlage für die Gründung
der Stadt auf einer isolierten 350m hohen Felskuppe, die darüber hinaus günstige Verteidigungs-
möglichkeiten bot. Der Yarmuk hieß in der römischen Zeit Hieromax, deshalb glaube ich, daß
der dargestellte Flußgott der Hieromax ist.

Gadara war vermutlich eine ptolemäische Festung, die durch Antiochos III. um 200 v.Chr. zerstört
wurde. Hundert Jahre später wurde die Siedlung von dem HasmonäerAlexander Jannäus ein weiteres
Mal zerstört. Pompeius eroberte die Stadt für das römische Reich im Jahr 64 v. Chr. Sie wurde Teil
der Dekapolis. Zeitweise unterstand Gadara Herodes dem Großen, nach seinem Tod im Jahr 4
v. Chr. wurde es Teil der römischen Provinz Syria, später der Provinz Arabia Petra.
Als römische Stadt kam Gadara zu erheblicher Bedeutung.

Gadara ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Unter Hadrian begann der Bau einer 170km
langen Wasserleitung, die teilweise unterirdisch verlief. Dazu gehört ein 106km langer Tunnel - der
längste antike Tunnel der Welt - der 2004 von deutschen Forschern entdeckt worden ist. Er ist
eine technische Meisterleistung und sollte die Städte Adra'a, Abila und Gadara versorgen. Der Spiegel
vom 12.3.2009 widmete diesem Tunnel einen längeren Artikel.

Geschichtlich ist Gadara bedeutend, weil hier vom 15.-20. August 636 n.Chr. die sog. Schlacht am
Yarmuk stattfand. Dies war eine 6 Tage dauernde Schlacht zwischen dem Kalifat der Rashidun und
dem Byzantischen Reich, die mit der vernichtenden Niederlage des byzantinischen Heeres endete. Sie
wird als eine der entscheidensten Schlachten der Menschheitsgeschichte betrachtet. Die Schlacht stellt
die erste große Welle der islamischen Eroberungen nach dem Tod des Mohammeds dar und führte zum
rasanten Vormarsch des Islam in die christliche Levante. Byzanz verlor Mesopotamien, Syrien und
Palästina und konnte Ägypten nicht mehr halten. Es war ein Schlag, von dem Byzanz sich nicht mehr
erholen konnte. Es war der Beginn des Untergangs, der 1457 mit der Eroberung von Constantinopolis endete.
Khalid ibn al-Walid, der Sieger in dieser Schlacht gegen einen erheblich größeren Gegner - man schätzt die
byzantinischen Truppen auf 80-120 Tausend, die islamischen Truppen hingegen
25-40 Tausend Mann - erzielte hier seinen entscheidensten Sieg und verfestigte damit seinen Ruhm
als eines großen Strategen und Kavallerieführers. Wer sich für den Verlauf und die Bedeutung dieser
Schlacht interessiert, dem sei der Wikipedia-Artikel wärmstens empfohlen.

Hinzugefügt habe ich ein Bild der byzantinischen Zentralkirche, die bei Grabungen ab 1974 im Auftrag des
Deutschen Evangelischen Institituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes freigelegt wurde. Heute
arbeitet es eng mit dem Deutschen Archäologischen Institut zusammen bei der Erforschung dieses antiken
Ortes.

Quellen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Yarmouk_River
http://www.dainst.org/index_580_de.html
Wasserleitung nach Gadara:
http://www.zabern.de/pdfs/2200038_1.pdf
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotos ... 517-4.html
Schlacht am Yarmouk:
http://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Yarmouk

Mit freundlichem Gruß
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gadara_marc_aurelius_Spijkerman42.jpg
760px-Gadara_Oktogon.jpg
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Römische Imitation aus Sri Lanka

Beitrag von Peter43 » Sa 09.05.09 20:05

Hallo!

Hier möchte ich eine Münze vorstellen, die zeigt, wieweit der Einfluß des römischen Reiches ging.

Römische Imitation aus Sri Lanka
geprägt in Sri Lanka, 5.Jh. n.Chr., in der Zeit von Valentinian und Honorius, 364-423
Av.: Büste, drapiert und cürassiert, belorbeert, n.r.; Legende repräsenntiert durch kleine Striche
Rv.: 3 starre Figuren mit erhobenem Arm
Pedigree:
ex coll Dr.Francis Jarman, coin 9

Zeitgenössische Imitationen von Bronzen des späten Römischen Reiches sind nichts ungewöhnliches und können gefunden werden in Europa, Ost-Europa und dem Vorderen Orient. Unzählige Imitationen von Bronzen des Tetricus, des Claudius Gothicus und des Constantin I. und seiner Söhne werden gefunden von den britischen Inseln bis Antiochia.

Die Gruppe aber, zu der diese Münze gehört, ist von ganz anderem Charakter. Diese kleinen, dünnen Bronzen mit einer Durchschnittsgröße von 14mm und einem Gewicht von ungefähr 1g imitieren die Prägungen von ungefähr 364-423 n.Chr. also der Zeit von Valentinian bis Honorius und stammen aus Ceylon (dem heutigen Sri Lanka) an der südlichsten Spitze Indiens. D. P. M. Weerakkody, in seinem Buch 'Taprobane: Ancient Sri Lanka as known to the Greeks and Romanshas, reviewed by Nancy C. Wilkie, Carlton College', hat eine Hypothese für das Auftauchen dieser Indo-Romanen in Sri Lanka im 5.Jh. n.Chr. Er zitiert 'die Invasion von Süd-Indien durch einen gewissen Pandu, der, zufolge Mahavamsas, die Insel von 433-460 beherrschte. Er glaubt, daß die meisten dieser Münzhorte in Sri Lanka Tempelgeschenke repräsentieren, und Soldzahlungen an die Soldaten unter der Herrschaft des Pandu. Die große Anzahl von ihnen sei das Ergebnis von Wirren, die die Sinhala-Erhebung unter Dhatusena begleiteten, die die süd-indische Herrschaft über die Insel 460 n.Chr. beendete.' Weerakkody stellt auch fest, daß diese Bronzeimitationen 'in großer Zahl auf der Insel gefunden worden sind, oft als Teil von großen Horten. Viele befinden sich in Privatsammlungen, unbekannter Provenienz, oder unzureichend publiziert. Im Allgemeinen sind diese Münzen sehr abgenutzt, und wenn man einmal ihren Kontext kennt, stammt der oft aus einer viel späteren Zeit als ihr Prägedatum.'

Diese Sammlung wurde von einem deutschen Reisenden zu Beginn des 20.Jh. in Ceylon erworben. Sie ging durch die Hand von Dr. Francis Jarman (unter Britannicus im amerikanischen Forum), der es als erster unternahm, eine grobe Klassifizierung zu versuchen. Sein Ziel war, diese Sammlung auch für spätere Studien aufzuzeichnen. Deshalb ist die ganze Sammlung auf seiner Website zu sehen, zu Studienzwecken auch für zukünftige Numismatikergenerationen.

Obwohl die meisten dieser Münzen in keinem guten Zustand sind, - sie sind meistens rauh und abgenutzt - sind sie doch eine Bereicherung jeder Sammlung von Römern, weil sie in historischem Sinn der wichtige Beweis sind, für den Handel Roms mit Indien, und damit auch für die weitgesteckten Ziele des Reiches..

Mit freundlichem Gruß
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    von Rezi » Di 16.06.20 02:57 » in Sonstige Antike Münzen
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    Letzter Beitrag von chevalier
    Mo 22.06.20 20:16
  • 2€ Münzen
    von Revoar » Mi 11.11.20 11:04 » in Euro-Münzen
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    Letzter Beitrag von Reteid
    Do 12.11.20 20:23
  • Münzen aus Marsberg
    von mauerhuepper » Di 11.06.19 20:58 » in Altdeutschland
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    Letzter Beitrag von didius
    Fr 26.07.19 09:37

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