Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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Peter43
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FEL TEMP REPARATIO

Beitrag von Peter43 » Mi 29.09.04 02:18

Hallo!

Beim Zurückblättern in diesem interessanten historischen Thread habe ich den Beitrag von chinamul gefunden über eine Münze von Constantius II. mit dem Schiffs-Typ. Natürlich springt einem der symbolische Gehalt der Rückseite ins Auge. Auch die Römer kannten schon den Begriff des Staatsschiffs, das durch schwierige Zeiten gesteuert werden mußte. Chinamul hat dies ausführlich und kenntnisreich ausgeführt.

Aber er gibt auch eine andere, konkretere Bedeutung. Die FEL TEMP REPARATIO Münzen bilden (mit einigen Ausnahmen, z.B. den Phönix-Typen) eine Serie von 4 Typen:
1. Kaiser steht auf Schiff, das von Victoria gesteuert wird
2. Soldat führt Barbaren aus einer Hütte
3. Soldat ersticht gestürzten Reiter
4. Kaiser mit 2 Gefangenen
Wenn man die Ausgabeorte dieser Typen sortiert nach der Menge der ausgegebenen Münzen, dann stellt man fest, daß sie 2 Gruppen bilden:
Eine westliche mit den Typen 1 und 2 und eine östliche mit den Typen 3 und 4. Die westliche gehört überwiegend zu Constans, die östliche zu Constantius II.

Daß der gestürzte Reiter ein Perser ist - zu erkennen an Haartracht und Kleidung - ist hinlänglich bekannt. Auch die 2 Gefangenen von Typ 4 sind augenscheinlich Perser. Nimmt man einmal an, daß sich diese Darstellungen auf konkrete Ereignisse beziehen, dann sind es Siege der Römer gegen die Perser. Ich kann hier aus Platzgründen nicht auf Einzelheiten eingehen, aber es kommt praktisch nur die Schlacht von Singara 344 n.Chr. in Frage, in der die Römer auch den sassanidischen Thronfolger gefangen nahmen. So sollte der gestürzte Reiter am ehesten diesen Thronfolger darstellen und der Soldat ist dann nicht irgendein Soldat , sondern der römische Kaiser. Auf diese Schlacht scheint sich dann auch der Typ mit den 2 Gefangenen zu beziehen.

Wenn diese beiden Typen die Erfolge des Constantius feiern, dann sollten die beiden anderen Typen Erfolge des Constans feiern.Typ 2 müßte dann zu einem Ereignis im Westen gehören. Und wir finden folgendes historische Ereignis: Im Jahr 342 schloß Constans mit den Franken einen Vertrag, der ihnen erlaubte sich in Taxandria (im heutigen Belgien) niederzulassen. Man sieht deutlich, daß der Barbar nicht aus der Hütte gezerrt wird, sondern eher friedlich geführt wird. Es war eine Art von Friedensvertrag.
Ebenso gehört der Schiffstyp zu Constans. Sucht man ein Ereignis im Westen, das mit einer Schiffsfahrt zusammengehört, findet man einen Feldzug des Constans gegen Britannien im Jahre 343. So liegt es nahe anzunehmen, daß dieser Typ den erfolgreichen Feldzug und die glückliche Rückkehr nach Gallien feiert (Von der symbolischen Bedeutung einmal abgesehen, die mit Sicherheit auch von den Römern so gesehen wurde).
Es gibt ein Panegyricum des Libanius, das diese Ereignisse so beschreibt, als ob er dabei diese 4 Münztypen vor sich liegen gehabt hat.

Dazu gibt es es einen interessanten Artikel von Konrad Kraft, Die Taten der Kaiser Constans und Constantius II., in Gesammelte Aufsätze zur antiken Geldgeschichte und Numismatik I, Darmstadt WBG 1978.

Von Zwerg habe ich am 18.5.05 einen Teil dieser Arbeit als Proseminarsarbeit bekommen. Wegen der Bedeutung dieses Themas, immerhin sind es ja mit die häufigsten Münzen des späten Römereichs, füge ich ihn hier an:

DIE TATEN DER KAISER CONSTANS UND CONSTANTIUS II. AUF IHREN MÜNZEN

Im Jahre 348 wurde unter der Herrschaft der Kaiser Constans (337-350) und Constantius II. (337-361) eine Reform des Münzsystems vorgenommen. Die Verwaltung gab neue, wertbeständige Bronzemünzen in drei verschiedenen Nominalen aus. Leider kennen wir die Namen dieser Nominale nicht. Allen Münzen war aber eines gemeinsam - die Rückseitenlegende lautete einheitlich FEL TEMP REPARATIO (Wiederherstellung der glücklichen Zeiten) und bezog sich eindeutig auf Roms elfhundertsten Geburtstag, der in diesem Jahr gefeiert wurde. Zu einem System gehört aber auch, daß die verschiedenen Werte eindeutig voneinander zu trennen sind. Die Verantwortlichen bestimmten, die Unterscheidung nicht anhand der Metalle und Gewichte, sondern durch die Münzbilder vorzunehmen. Die Bilder wurden gleichzeitig so gewählt, daß sie beide Kaiser als siegreiche Feldherren darstellten - überaus wichtig in jenen kriegerischen Zeiten.

Das große Nominal wog theoretisch 5,26g (60 dieser Münzen gingen auf ein römisches Pfund) mit einem Silbergehalt von 2,5 Prozent. Eine Rückseite zeigt den Kaiser mit Labarum (Standarte mit Christogramm) und Phönix. Er steht in einem Schiff, das von einer Victoria gesteuert wird. Im Jahre 342/343 besuchte Constans als letzter rechtmäßiger Kaiser Britannien und kämpfte am Hadrianswall, dem “englischen” Limes. Die Münzdarstellung kann nur diese Kanalüberquerung verdeutlichen. Die zweite Rückseite dieses Nominals zeigt einen Krieger, der einen mit seinem Pferd gestürzten Reiter niedersticht. Der Reiter wird durch seine Kopfbedeckung - die “phrygische Kappe” - eindeutig als Perser bzw. Sasanide gekennzeichnet. Dieses Volk war währen der gesamten Spätantike der gefährlichste Feind an der Ostgrenze des Reiches. Im Jahre 344 kam es zu einer großen Schlacht zwischen den Sasaniden und dem von Constantius II. geführten römischen Heer. Die Römer erlitten dabei eine ziemliche Schlappe, konnten aber den sasanidischen Kronprinzen gefangennehmen, der entgegen den Weisungen des Kaisers von römischen Soldaten erschlagen wurde. Die römische Propaganda münzte dieses Ereignis (im wahrsten Sinne dieses Wortes) zu einem Sieg um. Die Münze zeigt Constantius II., der den sasanidischen Kronprinzen ersticht.

Das zweite, etwas kleinere Nominal wog durchschnittlich 4,25g (72 dieser Münzen gingen auf ein römisches Pfund) mit einem Silbergehalt von 1 Prozent. Das Bild des Kaisers auf der Vorderseite ist nach links gewendet, die rechte Hand hält einen Globus. Hier zeigt eine Rückseite einen gepanzerten Krieger mit Helm und Lanze, der einen Mann aus einer Hütte führt, die mit einem Baum beschattet ist. Auch dieses Bild muß ein historisches Ereignis wiedergeben. Wahrscheinlich bezieht es sich auf die Ansiedlung fränkischer Stammesteile in Toxandrien, einem Gebiet südlich des Unterlaufs der Maas. Der römische Kaiser führt den demütig und kleinen Franken aus seiner schäbigen Hütte in eine bessere Zukunft. Das entsprechende Bild der anderen Münze zeigt einen römischen Kaiser mit Diadem und Panzer. Er hält das Labarum, zu seinen Füßen sind zwei Gefangene. Die Darstellung ist so allgemein gehalten, daß ein Bezug zu einem bestimmten Ereignis bisher nicht möglich war. Da die Gefangenen aber eine orientalische Kopfbedeckung tragen, muß das Ereignis im Osten zu suchen sein. Die von den Münzen wiedergegebenen Ereignisse sind somit gleichmäßig auf den Kaiser des Westens (Constans) und des Ostens (Constantius II.) verteilt.

Das kleine Nominal der neuen Münzserie trug nur ein Bild, den Phönix auf einem Globus oder einem Berg. Der nach der Selbstverbrennung aus seiner eigenen Asche wiedererstehende Wundervogel war und ist das Symbol der Ewigkeit.

Mt freundlichen Grüßen
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Constantius II RIC VIII, Antiochia 132
ausgezeichnetes VZ
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SIGNIS RECEPTIS

Beitrag von Peter43 » Mi 29.09.04 22:35

Hier möchte ich eine weitere, historisch interessante Münze vorstellen:

AR - Denar, 3.74g, 19mm, Colonia Patricia(?), ca. 19-18 v.Chr.
Av.: CAESAR AVGVSTVS, bloßer Kopf n.r.
Rv.: SIGNIS über, RECEPTIS unter Rundschild mit Inschrift CL. V
zwischen Adlerstandarte li. und Feldzeichen re. S.P.Q.R. an den 4
Ecken des Schildes
RIC I, 86a; BMCR 417; RSC 265
gutes SS, getönt

CL. V ist die Abkürzung von Clipeus Virtutis = Schild der Tapferkeit, der vom Senat für hervorragende Verdienste für den Staat verliehen wurde.

Im Jahre 53 v.Chr. wurde der Triumvir M. Licinius Crassus in der Schlacht von Carrhae vernichtend geschlagen und durch Verrat getötet. 3 Legionen wurden dabei vernichtet und ihre Legionsadler von den Parthern erbeutet. Dies war eine der schwersten militärischen Niederlagen der Römer und der Verlust der Legionsadler galt als schwerste Schande eines Feldherrn. Diese Niederlage war eine schwärende Wunde im Selbstbewußtsein der Römer.

Im Jahre 20 v.Chr. gelang es Augustus auf diplomatischem Wege, die Parther unter Phraates IV. zur Rückgabe dieser Legionsadler und der römischen Gefangenen zu bewegen. Diese Rückgabe wurde als großer Sieg gefeiert. Ihm zu Ehren wurde der Partherbogen errichtet und auch der vorgestellte Münztyp feiert diesen Erfolg.

Die Rückgabe wird auch in der Hauptszene auf dem Brustpanzer der berühmten Augustusstatue von Prima Porta dargestellt (heute im Vatikanmuseum). Die Legionsadler wurden im neu errichteten Mars-Ultor-Tempel auf dem Augustusforum aufgestellt. Der Tag der Rückgabe wurde zum Staatsfeiertag erklärt und noch bis ins 4. Jahrhudert hinein gefeiert.

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von chinamul » Do 30.09.04 13:31

Hallo Freunde!

Auf dem folgenden Republikdenar ist die gesamte Romulus-Remus-Sage bildlich zusammengefaßt. Das Stück ist ein weiterer schöner Beleg für die Bemühungen der Münzmeister, die Abstammung ihrer jeweiligen Familie (Gens) auf mythische Zeiten zurückzuführen.

Römische Republik
Münzmeister Sextus Pompeius Fostlus
AR Denar aus unbekannter italischer Münzstätte 133 - 126 v. Chr.
Av.: Behelmter Kopf der Roma rechts; links im Feld ein Milchkrug; unter ihrem Kinn: X (Wertzahl)
Rv.: Die Wölfin steht nach rechts vor einem Feigenbaum und säugt Romulus und Remus. Im Geäst des Baumes sitzen Spechte, die der Legende nach die Zwillinge mit den Feigen gefüttert haben. Von links naht der Hirte Faustulus, der die Kinder aufnahm und großzog und den der Münzmeister Fostlus mit dieser Münze als Ahnherrn und Namenspatron für sich in Anspruch nimmt.
Rundum von außen: SEX • PO • FOSTLVS; im Abschnitt: ROMA
Sydenham 461a - 4,01 g

Gruß

chinamul
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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 06.10.04 13:27

@chinamul:

Eben habe ich auch einen Dupondius von Germanicus 'SIGNIS RECEPT - DEVICTIS GERM' erhalten. In der Erhaltung SS+, also nicht ganz so schön wie Dein Exemplar. Nun habe ich eine Frage zum Ablativus absolutus: Du hast ihn übersetzt mit 'Die Feldzeichen sind zurückerobert worden, vernichtend geschlagen sind die Germanen.' Ich denke, daß der Abl. hier auch eine kausale Bedeutung hat, und man dann übersetzen könnte mit 'Weil die Feldzeichen zurückerobert und die Germanen geschlagen worden sind.' Dies wäre dann eine Nebensatzkonstruktion und würde den Ablativus absolutus auch im Deutschen etwas nachahmen, und es würde eben den kausalen Sinn nicht unterschlagen.
Was sagt der Fachmann zu diesen Überlegungen?

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von Iotapianus » Mi 06.10.04 13:57

Das macht den besonderen spröden Charme des Lateinischen aus, dass man in lakonischer Kürze, aber trotzdem mit Stil Sachverhalte darstellen kann, was gerade für ein kleines Medium wie Münzen wichtig ist. Meistens würde man bei der Übersetzung eines kompletten Satzes den ablativus absolutus mit einem Nebensatz wiedergeben, wobei man sich aussuchen kann, ob man ihn kausal (weil...), temporal (nachdem...) oder anders einleitet, aber manchmal bietet sich auch eine Parataxe (Hauptsatzkette) stilistisch an.

Bürokratisch-deutsch ginge auch eine Subjekt-Konstruktion:
"Anläßlich der Rückeroberung der Feldzeichen und dem völligen Sieg über die Germanen" - sowas findet sich manchmal auf deutschen Medaillen des 19./20. Jahrhunderts.

Chinamuls Übersetzung hat den Reiz, dass sie den Chiasmus (die Kreuzstellung) des Lateinischen nachvollzieht: Substantiv-Partizip-Partizip-Substantiv; das geht mit einer Hypotaxe nicht so gut.

Iotapianus

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Beitrag von chinamul » Mi 06.10.04 17:52

@Peter43
@Iotapianus (schön, mal wieder von Dir zu hören!)

Zunächst meinen Glückwunsch zu Peters Neuerwerbung! Mein Stück ist bereits das zweite seiner Art in meiner Sammlung, nachdem ich jahrelang hinter ihm her gewesen war. Vor einigen Jahren glückte mir dann der richtige Fang, und der weniger ansehnliche Platzhalter konnte nun einen anderen Sammler glücklich machen.
Was nun den ablativus absolutus angeht, so ist er zunächst einmal rein temporal, indem er lediglich ein Zeitverhältnis ausdrückt. Das Partizip der Gleichzeitigkeit (besser und allemal anschaulicher als der Ausdruck "Partizip Präsens") ist dabei aktivisch, während das Partizip der Vorzeitigkeit ("Partizip Perfekt") passivisch ist. Unsere Inschrift stellt eigentlich nur fest, daß die Feldzeichen zurückerlangt und die Germanen geschlagen worden sind. Der Aspekt der Vorzeitigkeit auf unserer Münze ergibt sich dann aus dem gedachten Kontext hic nummus cusus est ("Nachdem die Feldzeichen ..., wurde diese Münze geprägt.") Wenn es nun der inhaltliche Kontext hergibt oder sogar nahelegt, kann durchaus ein kausales Element hinzutreten, was natürlich auch hier der Fall sein dürfte. Ich erinnere mich noch sehr gut meiner lateinischen Lehrjahre, als uns eingebleut (alte und etymologisch korrekte Rechtschreibung!!!) wurde, den abl. abs. beim ersten Übersetzungsversuch auf keinen Fall anders als rein temporal aufzufassen. So wäre uns etwa das berühmte gladiis strictis gnadenlos angestrichen worden, wenn wir es übersetzt hätten "mit gezogenen Schwertern", also modal oder instrumental. Es habe "nachdem sie ihre Schwerter gezogen hatten" zu heißen. Diese Warnung hat sich seinerzeit unauslöschbar bei mir eingebrannt.

Gruß

chinamul
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Beitrag von Iotapianus » Mi 06.10.04 19:01

Könnte es sein, dass manche Forumsteilnehmer sich jetzt in Krämpfen winden ob ihrer schmerzvollen Erinnerungen? :evil:

Ich war ja schon froh, dass überhaupt mal jemand nach viertägiger Pause wieder was postet. Aber da ich selbst nichts Welt Erschütterndes mitzuteilen hatte, habe ich mich auch zurückgehalten.

Gruß

Iotapianus

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Beitrag von richard55-47 » Mi 06.10.04 19:20

@Iotapianus
Seit nunmehr 40 Jahren habe ich mit der lateinischen Sprache keinen schulischen Eigenkontakt mehr. Meine aktiven Kenntnisse tendieren demnach gegen Null, die passiven ... na ja. Latein wurde auch mir eingebleut, im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht bin ich Masochist, weil ich gerne Latein gelernt habe und an diese "Leidenszeit" gerne zurück denke. Vielleicht bin ich Sadist, weil ich meine Kinder auch zum Latein und zu humanistischer Bildung gebracht habe. Deren Horizont ist aber entschieden weiter als bei manch anderen. Dies behaupte ich mal ganz überheblich und frech.
do ut des.

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Beitrag von Peter43 » Mi 06.10.04 20:51

Ich danke allen für ihre Beiträge, insbesondere chinamul. Dann werde ich den kausalen Nebensinn wohl vergessen müssen!

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von Peter43 » Mi 06.10.04 23:07

Da schon längere Zeit keine historisch interessante Münze vorgestellt wurde, möchte ich wieder aktiv werden und eine Münze von Marcus Aurelius (161-180) vorstellen:
AR - Denar, 3.53g, 18.1mm, Rom Sommer - Dez. 166
Av.: M ANTONINVS AVG ARM PARTH MAX
belorbeerter Kopf n.r.
Rv.: TRP XX IMP IIII COS III
Victoria steht frontal, Kopf n.r., hält Palmzweig in der
re. Hand und hängt mit der li. ein Schild mit der Inschrift VIC PAR an
eine Palme
RIC III, 163; C.878
VZ, selten in dieser Erhaltung

Der Krieg gegen die Parther 161-166:
Der Einmarsch in Nordbritannien und die Schwiergkeiten entlang der Donau konnten durch den Einsatz von Legaten zufriedenstellend gemanagt werden. Die Gefahr im Osten aber war von anderem Kaliber. Die Spannungen zwischen Rom und dem Reich der Parther hatten sich in den letzten Jahren der Herrschaft des Antoninus intensiviert wegen der Kontrolle über Armenien, dieses wichtigen Pufferstaates, der so oft zu Feindseligkeiten zwischen den beiden großen Mächten Anlaß gab, da jede wünschte, dort einen ihr willfährigen König einzusetzen. Nach dem Tod des Antoninus und der Unsicherheit in der kaiserlichen Nachfolge (zum erstenmal in der römische Geschichte gab es zwei Herscher, eine Diarchie) reagierte der parthische Herrscher Vologaeses IV sofort und setzte seinen eigenen Kandidaten auf den armenischen Thron und fügte römischen Heeren, die ihm entgegentreten sollten, schwere Verluste zu. Daraufhin entschied sich Marcus Aurelius, seinen Kollegen Lucius Verus zu senden, dessen Prestige allerdings die Ernsthaftigkeit der kaiserlichen Entscheidung nicht stützen konnte. Verus hatte nämlich keine militärischen Erfahrungen und litt leider an einem Mangel an Führungseigenschaften und Befehlsgewalt. Er war bekannt dafür, daß seine Hauptinteressen Vergnügungen und Luxus waren. Aber Marcus umgab ihn mit mehreren der besten Generale, die das Reich zu Verfügung hatte, darunter als wichtigsten Avidius Cassius (ca 130-175). Ihnen gelangen von 162 an entscheidende und weitreichende Erfolge und Eroberungen. Die meisten der bedeutendsten parthischen Städte und Festungen, wie Seleucia oder Ctesiphon, wurden im Sturm genommen und zerstört. Der römische Vormarsch nach Osten war so erfolgreich und zügig, daß er Erinnerungen an den Vormarsch von Alexander dem Großen - 5 Jahrhunderte vorher - hervorrief. 166 endlich kapitulierten die Parther, und die Römer konnten einen König ihrer Wahl auf den armenische Thron setzen. Dieser Sieg erschien den Römern der entscheidenste seit der Eroberung Daciens durch Traian. (nach http://www.roman-emperors.org )

Zur Feier dieses Sieges wurden die Münzen mit der Inschrift VIC PAR geprägt.

Nummis durensis hat mich am 1.1.11 darauf aufmwerksam gemacht, daß es sich nicht im Vologaeses III, sondern um Vologaeses IV handele. Wikipedia dazu: "In älteren (und noch in einigen neueren) Darstellungen wird für diese Zeit oft als König Vologaeses III. angegeben, was aber falsch ist und der teils problematischen Chronologie der Arsakiden geschuldet ist." Diesen Fehler hat also auch Herbert W. Benario von der Emory University gemacht, von dem der oben übersetze Artikel über Marcus Aurelius stammte.

Mit freundlichen Grüßen
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mark_aurel_163.jpg
Zuletzt geändert von Peter43 am Sa 01.01.11 18:05, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitrag von Wurzel » Mi 06.10.04 23:14

Ich wollte mich auf diesem Weg einmal bei den verschieden Authoren bedanken ich lese hier gerne und mit immer weiter wachsender Begeisterung mit.

Ich kann leider ( noch ) nicht Mitreden aber es ist eine freude die hier geführte Diskussion zu verfolgen.

Weiter So !!!! :D


Gruß Wurzel
http://www.pflege-am-boden.de/

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Beitrag von Peter43 » Mi 06.10.04 23:24

@wurzel:

Solche Kommentare freuen einen natürlich und motivieren für weitere Beiträge!

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von chinamul » Do 07.10.04 10:40

Hallo Peter43!

Venus hat zwar in Amor/Eros einen kleinen geflügelten Erfüllungsgehilfen, der seinerseits den Liebenden mit Pfeil und Bogen Flügel verleihen kann, trägt aber selbst keine! Die Figur auf dem Rv. Deines tollen Denars ist natürlich eine Victoria, auch wenn es hier sogar fast so aussieht, als sei sie "oben ohne" dargestellt worden.
Den kausalen Nebensinn des abl. abs. kannst Du keinesfalls vergessen. Meine Warnung betraf nur die erste Annäherung an die Übersetzung, die grundsätzlich eine rein temporale sein sollte. Was sich dann an weiteren Aspekten aufdrängt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Da Ursache und Wirkung (Kausalität) zeitlich aufeinander folgen, läßt sich mit der Vorzeitigkeit des abl. abs. auf unserem Germanicus natürlich ohne große Verrenkungen auch ein Kausalzusammenhang zwischen dem abl. abs. (Rückgewinnung der Feldzeichen ... ) und dessen gedachtem Kontext (Prägung der Münze) herstellen. Aber lege artis sollte das in jedem Fall erst der zweite Schritt nach der rein temporalen "Rohübersetzung" sein.

Gruß

chinamul
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Beitrag von Peter43 » Do 07.10.04 11:10

@chinamul:

Klar ist es Victoria; ich weiß nicht, wo ich meine Gedanken hatte. Habe es bereits korrigiert. Mit dem Abl.abs ist es so, daß ich jetzt immer den Schmidt/Wecker, Lateinische Sprachlehre, neben mir liegen habe!

Mit freundlichen Grüßen
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Beitrag von chinamul » Do 07.10.04 13:01

Der Janustempel auf Münzen Neros

Der Ianus Geminus stand am Forum Romanum, ist aber heute verschwunden. Nicht einmal sein genauer Standort ist mehr bekannt. Er war ein zunächst hölzernes und mit Bronzeblech beschlagenes, später aber ein aus massiver Bronze errichtetes Bauwerk mit zwei in Ost-West-Richtung einander gegenüberliegenden Türen, die stets offen standen, so daß er einen überdachten Durchgang bildete. In seinem Inneren stand eine überlebensgroße Statue des zweigesichtigen Ianus Bifrons, dessen Gesichter auf die beiden Tore blickten.
Nur wenn im gesamten Imperium Romanum Frieden herrschte, wurden die beiden Tore geschlossen. Einige Kaiser setzten ihren ganzen Ehrgeiz darein, einmal eine solche Schließung veranlassen zu können und so als Friedensfürsten in die Geschichte einzugehen. Augustus gelang das bei drei Gelegenheiten. Nero, der sich ja eher als Künstler denn als Kriegsherr sah, hatte seine Chance im Jahre 63 nach dem Friedensschluß mit den Parthern und feierte dieses Ereignis mit einer Serie von Asses und Sesterzen, die es mit Links- und Rechtsporträt und mit geschlossenem Tempeltor links und rechts gibt.
Interessant ist wieder die Rv.-Legende PACE P R TERRA MARIQ PARTA IANVM CLVSIT (auf Asses etwas verkürzt PACE P R VBIQ PARTA IANVM CLVSIT), und wieder haben wir hier einen ablativus absolutus. Diesmal aber ist im Gegensatz zum Germanicus-Dupondius auch sein Kontext ausdrücklich mitgenannt. Die großzügigeren Numismatiker übersetzen inhaltlich zwar zutreffend, grammatisch aber eben doch ein bißchen ungenau: „Nachdem er für das römische Volk zu Lande und auf dem Meer Frieden erreicht hatte, schloß er den Janustempel,“ statt: „Frieden ist für das römische Volk zu Lande und auf dem Meer erreicht worden. Er hat (daraufhin) den Janustempel geschlossen.“ Auch hier riecht es natürlich wieder nach einem Kausalzusammenhang, der im „daraufhin“ ja auch deutlich mit anklingt.
Neben dem HOC SIGNO VICTOR ERIS (s. Seite 2 in diesem Thread!) ist dies die einzige weitere mir bekannte syntaktisch komplette Legende, d. h. eine mit einem verbum finitum.

NERO 54 – 68
AE Sesterz Rom (die Münze wurde wohl bis zu Neros Tod im Jahre 68 weitergeprägt.)
Av. NERO CLAVD CAESAR AVG GER P M TR P IMP P P - Belorbeerte Büste rechts mit Aegis
Rv. PACE P R TERRA MARIQ PARTA IANVM CLVSIT • - Janustempel mit geschlossenem Tor rechts; links und rechts S - C
RIC 264 - 26,52 g

Eigentlich wollte ich mir diesen Beitrag noch ein wenig aufsparen, bis mal wieder eine Flaute in diesem Thread eintritt, aber er paßt so gut in die laufende Diskussion, daß ich ihn schon jetzt loslasse.

Gruß

chinamul
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