Historisch interessante Münzen

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

inferus
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neuer Expertenstreit

Beitrag von inferus » Di 02.06.09 23:49

chinamul hat geschrieben:Publius Quinctilius Varus

Es war wohl nicht zuletzt das Auftauchen von mit einem bestimmten Gegenstempel versehenen Asses, das die Annahme erhärtete, man habe bei Kalkriese im Osnabrücker Land endlich den wahren Ort der legendären Varusschlacht entdeckt. Schon Mommsen hatte im 19. Jahrhundert angesichts einschlägiger Münzfunde entsprechende Vermutungen geäußert, war aber, wohl nicht zuletzt aus „deutsch-nationalen“ Gründen, dafür angegriffen worden.
Neben den Schlußmünzen weisen Funde römischer militärischer Ausrüstungsgegenstände darauf hin, daß es bei Kalkriese im Jahr 9 eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Germanen und Römern gegeben haben muß. Ob es sich dabei tatsächlich um die Varusschlacht mit der Vernichtung der 17., 18. und 19. Legion oder ein anderes, weniger bedeutendes Gefecht gehandelt hat, ist noch in der Diskussion. Man darf also auf weitere archäologische Befunde aus Kalkriese gespannt sein.
Natürlich hat auch die neuerliche Entdeckung, wie schon im Falle von Mommsen, prompt Gegenmeinungen provoziert, wobei nicht genau auszumachen ist, wie sie letztlich motiviert sind. Jedenfalls wirken die Argumente beider Seiten nicht immer besonders überzeugend und scheinen auch nicht gänzlich frei von Ressentiments zu sein. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings neige ich dazu, Kalkriese als Ort der Varusschlacht anzusehen, bis das Gegenteil überzeugend nachgewiesen ist. Daher habe ich mich auch entschlossen, dem Förderverein für die Ausgrabungen in Kalkriese beizutreten, denn um historischen Boden mit Römerzeugnissen handelt es sich dort allemal.
Was nun die gefundenen Asses betrifft, so tragen auffällig viele von ihnen den Gegenstempel des Varus, auch wenn selbst das von einigen Numismatikern inzwischen angezweifelt wird.
Natürlich stehen nicht alle im Handel anzutreffenden Stücke dieser Art in einem unmittelbaren Kontext mit der Varusschlacht, wo auch immer diese letztlich stattgefunden haben mag. Man muß wohl davon ausgehen, daß Varus auch schon vor dem Jahr 9 Münzen mit seinem Gegenstempel hat versehen lassen, zumindest in den beiden Jahren davor, als er in Germanien schon Legatus Augusti pro praetore war. Daher sind solche Stücke nicht notwendigerweise auf dem Schlachtfeld verlorengegangen, auch wenn diese Vorstellung ausgesprochen reizvoll wäre.
Das unten abgebildete Exemplar aus meiner Sammlung scheint kein Bodenfund zu sein und wird demnach mit einiger Sicherheit eher nicht aus Kalkriese stammen.

AUGUSTUS 27 v. Chr. - 14 n. Chr.
AE As Lugdunum 15 - ca. 10 v. Chr.
Av.: CAESAR PONT MAX - Belorbeerter Kopf rechts
Rv.: ROM ET AVG (im Abschnitt) - Der Altar von Lugdunum flankiert von zwei einander zugewandten Victorien auf zwei hohen Säulen; Altarfront mit großer Corona Civica in der Mitte, von zwei Lorbeerzweigen innen und zwei nackten Männergestalten außen flankiert.
Zwischen den Victorien Gegenstempel VAR (ligiert)
RIC 230; BMC 550 (10,69 g)


Literatur:
Frank Berger, Kalkriese 1 - Die römischen Fundmünzen, Mainz 1996, ISBN 3-8053-1917-7

Gruß

chinamul


vielleicht sind ja hierzu die neueren Vermutungen zu dem Ort der Varusschlacht aus numismatischer Sicht ganz interessant...siehe folgende Literatur:
Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit. Der Fundplatz von Kalkriese im Kontext neuerer Forschungen und Ausgrabungsbefunde. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2007. ISBN: 978-3-525-82551-8; 449 S.
Rezension unter:
http://edoc.hu-berlin.de/e_histlit/2008 ... 3.php#9520

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Peter43
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Beitrag von Peter43 » Mi 03.06.09 00:06

Hallo inferus!

Vielen Dank für diese interessante Rezension. Sie wirft natürlich ein kennzeichnendes Licht auf die Bemühungen, Kalkriese zum Ort der Varusschlacht zu machen. Ich befürchte nur, daß inzwischen so viel Geld ausgegeben worden ist und daß sich so viele Wissenschaftler und Politiker für Kalkriese ausgesprochen haben, daß allein dies eine Entscheidung präjudiziert.

So stören Untersuchungen wie die über die geologischen Strukturen dieser Gegend zu Christi Geburt, die zeigen, daß es sich damals um eine offene Siedlungslandschaft gehandelt haben muß und eben nicht um die von antiken Autoren beschriebene Sumpflandschaft, nur den Konsens.

Was das mit kritischer Wissenschaft zu tun haben soll, bleibt mir ein Rätsel.

Jedenfalls steht als Ergebnis dieses Kongresses fest, daß Kalkriese nicht das finale Schlachtfeld der Varusschlacht sein kann.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von j-u.thormann » Mi 03.06.09 01:10

Peter43 hat geschrieben: Vielen Dank für diese interessante Rezension. Sie wirft natürlich ein kennzeichnendes Licht auf die Bemühungen, Kalkriese zum Ort der Varusschlacht zu machen.
Sie wirft m. E. eher ein Licht auf die Bemühungen des Herrn Kehne, eine vermeintliche "Kalkriese-Verschwörung" aufzudecken. Die Art und Weise seiner Argumentation (mit doch sehr persönlichen Angriffen gegen Rainer Wiegels und Frank Berger) toppt sogar sein Verhalten beim ersten Kolloquium zu den Fundmünzen von Kalkriese. :roll:

Gruß,

j-u.thormann

inferus
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Beitrag von inferus » Mi 03.06.09 01:20

Hallo Peter43,

diese Erkenntnis deckt sich ja zum großen Teil mit dem archälogischen Gedankengang, dass sich die Varusschlacht vermutlich mehr in vielen kleineren bis hin zu groeßeren Scharmuetzeln zugetragen hat, die sich flächenmäßig auf ein viel größeres Areal ausbreiten, als der angegebene Ort des Kalkriesen...hinzu kommt, dass häufig(auch bei den althistorikern) noch zu wenig über topoi der antiken historiker nachgedacht wird, wie z.B. der einer sumpflandschaft, welcher die assoziation an irgendwelche umherstreifenden nomois weckt, die mehr oder weniger zufällig die römer besiegt haben, als eine geschlossene heeressvereinigung von etlichen germanischen stammesverbänden

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justus
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Beitrag von justus » Mi 03.06.09 09:27

Zunächst ein Wort zur Bedeutung von Fundmünzen im Zusammenhang mit der Datierung von Fundplätzen. Die historische Einordnung oder Datierung eines Fundplatzes geschieht niemals nur auf der Grundlage von Fundmünzen. Diese können allenfalls dazu dienen, Zeiträume genauer einzugrenzen.

Die Zuordnung der Fundstätte von Kalkriese-Bramsche in den Horizont der Varusschlacht beruht überwiegend auf der überwältigenden Menge von Waffenteilen und Ausrüstungsgegenständen, die sowohl kämpfenden Einheiten, als auch einem nachfolgenden Tross zu zuordnen sind; sowie auf dem ergrabenen, mit einem Weidenrutenzaun befestigten Rasen-Soden-Wall. Dergleichen Befundsituationen finden sich nur auf Schlachtfeldern, wobei sich der bisher bekannte Horizont auf fast 30 km Länge in Richtung Weser erstreckt und eine erhebliche Fundverdichtung dann vor dem Rasen-Soden-Wall festzustellen ist (s. unten Cassius Dio).

Die Fundmünzen, allen voran die aufgefundenen Gaius-Lucius-Denare und Lugdunum II-Asses, ermöglichen nur eine ungefähre historische Einordnung. Interessanter ist dagegen in diesem Zusammenhang schon die Tatsache, dass vergleichbare Münzen des Tiberius hier fehlen.

Heinrich Chantraine*, Varus oder Germanicus? Zu den Fundmünzen von Kalkriese. In: Thetis. Mannheimer Beiträge zur Klassischen Archäologie und Geschichte Griechenlands und Zyperns 9, Mannheim 2002, S. 81-93.

In diesem Beitrag erörtert Chantraine zwei Aufsätze gleicher Zielsetzung von Peter Kehne und Reinhard Wolters, welche die Funde von Kalkriese den Ereignissen der Jahre 15/ 16 n. Chr. zuordnen wollen.

Kehnes Argumente, der sich schon seit langem bemüht, die bisherige Datierung zu erschüttern und z. B. nachzuweisen, dass Haltern auch nach der Varusschlacht noch weiterbestanden hätte und die Kalkrieser Funde daher in den Germanicushorizont einzuordnen wären, löst Chantraine vollständig auf und weist nach, dass sie oft genug sich widersprechend und ohne jeglichen Nachweis in den Raum gesetzt worden sind.

Sachlich und ausgewogen (im Gegensatz zu Kehne), aber unterschwellig genervt von dessen Maß an publizierter Unwissenheit, formulierte er das Resultat folgendermaßen: „In Summa. So wichtig es ist, etablierte Forschungsmeinungen und –methoden immer wieder zu überprüfen, so nützlich es für den Mitforscher und den Nutzer seiner Ergebnisse ist, die bisherigen Positionen zu überdenken und gegebenenfalls zu verdeutlichen, eine ausgewogenere Diskussion wäre der Sache dienlicher gewesen.“

* Heinrich Chantraine war bis 1995 Professor für Alte Geschichte an der Universität Mannheim.

mfg Justus

Nachtrag:

Cassius Dio, D 56,20,4 (1. Kampftag), D 56,21,1 (2. Kampftag), D 56,21,2 (3. Kampftag) und D 56,21,3 (4. Kampftag).
Kalkriese/Bramsche wird dem 4. Kampftag, also der entgültigen Vernichtung der Varus-Legionen zugeordnet.

D 56,20,5 (1. Kampftag) – „Es war unmöglich, erstens in irgendeiner Ordnung zu marschieren, sondern nur in einem Durcheinander von Wagen und Unbewaffneten, zweitens konnten sie sich auch nur schwer zusammenscharen, und waren Schar für Schar immer weniger als die Angreifer, und so litten sie schwer ohne Abhilfe schaffen zu können“.
mit freundlichem Gruß

IVSTVS
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Beitrag von chinamul » Mi 03.06.09 10:35

Natürlich sind die Diskussionen um den wahren Ort der Varusschlacht sehr interessant. Leider aber verlieren viele Argumentationen durch ihren polemischen Tonfall an Überzeugungskraft. Man kann sich mitunter des Eindrucks nicht erwehren, als habe der vermutete Schlachtort Kalkriese anderenorts reflexhaft Ablehnung und Widerspruch hervorgerufen, wobei als Motive Eifersüchteleien und Eitelkeiten, vielleicht sogar persönliche Rivalitäten wohl nicht immer ganz auszuschließen sind. Jedenfalls haben die Kontrahenten sich nicht ausreichend bemüht, diesen Eindruck gar nicht erst entstehen zu lassen.
So bleibt für mich nur das Fazit, daß hier von einigen Wissenschaftlern, die es eigentlich besser wissen müßten, der hehre Grundsatz mißachtet wird, der gelehrte Diskurs habe ergebnisoffen und vor allem sine ira et studio geführt zu werden. Der interessierte Laie steht damit vor der undankbaren und von ihm kaum zu bewältigenden Aufgabe, sich aus mehreren divergierenden Ansichten ein eigenes stimmiges Bild zusammenklauben zu müssen.

Mit großem Bedauern grüßt

chinamul.
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Beitrag von beachcomber » Mi 03.06.09 13:49

ich fürchte chinamul hat recht. eitelkeiten und eifersucht begleiten gerade bei einer wissenschaft wie der archäolgie, wo selten aus den befunden eine hundertprozentige sicherheit gewonnene werden kann, die erkenntnisse jeder neuen untersuchung.
und gerade bei einer so wichtigen entdeckung wie des ortes der varus-schlacht, wird es immer zweifler geben.
im übrigen, selbst wenn in kalkriese vereinzelte münzen gefunden wurden die nachweisbar erst nach 9 n. C. geprägt wurden, so ist das immer noch kein widerspruch. schliesslich gab es den feldzug des germanicus, der den ort der niedrlage aufgesucht hat, und warum sollen dabei nicht auch münzen verloren worden sein?
die entdeckung von massenhaft meschlichen knochen, die begraben wurden nachdem sie lange offen gelegen hatten und von tieren benagt wurden, lässt mich jedenfalls nicht an kalkriese als dem ort der varus-schlacht zweifeln!
grüsse
frank

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Beitrag von Peter43 » Di 16.06.09 12:45

Einige Bemerkungen zur antiken Kleidung

Diese Beiträge sind vor über 3 Jahren erschienen. Damals gab es noch keinen Historischen Thread. Ich glaube, daß sie hier bsser aufgehoben sind, da sie es wert sind, nicht im Orkus zu verschwinden.

Auf vielen antiken Münzen kommen reich drapierte weibliche und männliche Figuren vor. Ich finde, es ist interessant, herauszufinden, um welche Kleidungsstücke es sich dabei handelt, wie sie heißen und welche Funktion sie hatten. Dabei gibt es einige grundlegende Probleme. Die antiken literarischen Quellen sind oft nicht sehr klar, und die Darstellungen der antiken Kunst gehorchen eigenen Gesetzen, die oft mit den literarischen Quellen nicht übereinstimmen.
Bei der Beschäftigung mit der antiken Kleidung handelt es sich um eine Wissenschaft. Das kann ich natürlich nicht reproduzieren. Deshalb handelt es sich hier nur um einen Überblick. Zudem hat sie sich über einen Zeitraum von fast 1000 Jahren entwickelt. In dieser Zeit haben sich natürlich die Bekleidungen stark verändert. Aber man kann die griechische Kleidung im Prinzip auf drei Grundformen zurückführen. Das sind

1. Der Chiton
2. Der Peplos
3. Das Himation
Dazu kommt noch
4. Die Chlamys.

Der Chiton

Der Chiton ist das eigentliche Hauptgewand der Griechen. Er ist bekannt seit dem 4.Jh. und wird von Frauen und Männern getragen. Er kann kurz, also bis zu den Knien, oder lang sein, d.h. bis auf die Füße fallen. Er besteht aus Leinen und hat die Form eines großen Rechtecks, in das man hineinschlüpft. Er wird also nicht umgehängt! Er kann auch Ärmel haben. Er kann ungegürtet getragen werden, aber auch gegürtet, sodaß er einen Überwurf bildet, das Ampechonion oder Diploidion, das dann den Gürtel verdeckt. Oft wird darüber ein weiteres Oberkleid getragen.

Bilder:
1) Demeterpriesterin in gegürtetem Chiton
2) Dionysos in kurzem Chiton, gegürtet, langärmlig (Mesambria AMNG 4018)
3) Artemis mit Chlamys über langem, gegürteten Chiton (Hadrianopolis Jurokova 591)

(wird fortgesetzt)
Dateianhänge
Demeterpriesterin_2.JPG
mesambria_philippI&otacilia_moushmov4018.jpg
hadrianopolis_gordianIII_jurukova591.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 16.06.09 12:50

(Fortsetzung)

Der Peplos

Der Peplos ist das klassische Kleidungsstück der griechischen Frauen. Es besteht in der Regel aus Wolle, ist also dicker als der Chiton, und besteht aus einem großen Rechteck, das so umgehängt wurde, daß die eine Seite durch einen Gürtel geschlossen werden mußte. Auf den Schultern wurde er durch Knöpfe(?) festgehalten. Er ist ärmellos. Normalerweise war der Peplos länger als der Körper, sodaß der obere Teil umgelegt werden mußte und dadurch einen Überwurf über dem Oberkörper bildete, die Apoptygma. Dieser Überwurf beeindruckt dann als großer Bausch, Kolpos. Der Peplos kann mit einem Gürtel unter diesem Überwurf getragen werden, untergegürtet, aber auch über dem Überwurf gegürtet werden. Besonders reizvoll ist seine vielfältige Drapierungsmöglichkeit, die zusammen mit der Vielfalt der Stoffqualität und der Musterung zur einer großen Variationsbreite führt. Unter dem Peplos wurde normalerweise der Chiton getragen, den man oft unter dem Peplos herausschauen sehen kann.

Bilder:
1) Eirene mit Pluton im Peplos über langem Chiton
Statue des Kephisodotos (Vater des Praxiteles)
2) Tyche in untergürtetem Peplos über langem Chiton
(Amorion, SNG von Aulock 3419)
3) Demeter im Peplos über langem Chiton, langärmlig, mit Kalyptre
(Odessos, Moushmov 1659)

(wird fortgesetzt)
Dateianhänge
Eirene_mit_Pluton.JPG
amorion_geta_SNGvon_Aulock3419var.jpg
odessos_gordianIII_moushmov1659.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 16.06.09 12:53

(Fortsetzung)

Das Himation

Das Himation, aus der Chlaina hervorgegangen, setzt sich am Ende des 5.Jh. durch. Es ist so etwas wie der Mantel der Griechen. Es besteht ebenfalls aus einem großen rechteckigen Tuch und wurde immer so umgelegt, daß die re. Schulter frei blieb. Es war also nicht befestigt! Es war nicht einfach ein Himation umzulegen. Typisch an ihm ist, daß das Ende über den Arm geworfen getragen wurde. Berühmt ist die Statue des Sophokles oder des Demosthenes im Himation. Beide tragen das Himation achiton, d.h ohne Chiton darunter. So bleibt die re Schulter unbedeckt. Es konnte aber auch mit einem Chiton darunter getragen werden, und zwar von Männern und von Frauen. Wegen seiner Größe war es möglich, es über den Kopf zu ziehen, wie es z.B. Sokrates tat, als er sich zum Sterben zur Wand drehte. Auch verhüllte Frauenfiguren sind meistens zusätzlich in das Himation gekleidet. Dies gab den Frauen auch die Möglichkeit, kokett mit dem Verhüllen zu spielen! Daneben gab es aber noch die Kalyptre, das Kopftuch der Fauen, das bis auf die Schultern herabfiel. Das Himation hielt sich bis zum Ende der Antike.

Bilder:
männlich:
1) Demosthenes in Himation, Glyptothek in Kopenhagen
2) Asklepios in achitonem Himation (Serdica, Ruzicka 245)

weiblich:
3) Demeter mit doppelgegürtetem Chiton und Himation
4) Tyche in Himation über langem, hochgegürteten Chiton
(Markianopolis, AMNG 775)

(wird fortgesetzt)
Dateianhänge
Demosthenes.JPG
serdica_caracalla_ruzicka245.jpg
Demeter_2.JPG
markianopolis_macrinus&diadum_pick775.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 16.06.09 12:58

(Fortsetzung und Schluß)

Die Chlamys

Die Chlamys war ursprünglich ein kurzer Mantel der thrakischen Krieger, der dann von den Griechen übernommen wurde. Sie besteht aus einem ovalen Stoffteil, wurde auf einer Schulter mit einer Fibel befestigt und läßt den rechten Arm frei. Eigentlich handelt es sich um ein Männerkleid, wurde allerdings auch von Artemis als Jagdkleid getragen. Auf Darstellungen flattert sie oft dem Träger hinterher. Sie wird üblicherweise über einem kurzen Chiton getragen, kann aber auch ohne Chiton auskommen, z.B. bei Helios.

Unbekleidet, nackt, waren in der Regel nur die Götter. Dies war ein Zeichen ihrer Reinheit, die sie von den sterblichen Menschen unterschied.

Bilder:
1) Apoll von Belvedere
2) Diana mit Chlamys über kurzem Chiton (Nikopolis AMNG 1843)
3) Apollo mit Chlamys (Cremna, SNG France 1528)

Lit.:
Margarete Bieber, Entwicklungsgeschichte der griechischen Tracht, Verlag Mann Berlin 1967
Bruhn/Tilke, Kostümgeschichte in Bildern, Verlag Wasmuth Tübingen 1955
Der kleine Pauly
http://www.uky.edu/AS/Classics/agfc-moyrsmith.html

Ich hoffe, daß ich unseren neueren Mitgliedern etwas Interessantes habe bieten können.

Mit freundlichem Gruß
Dateianhänge
Apoll_von_Belvedere.JPG
nikopolis_diadumenian_AMNG1843.jpg
cremna_aurelian_sngfrance1528_713.jpg
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Beitrag von Peter43 » Di 04.08.09 15:37

Der stehende Seegott von Savatra

In den Mythologiethread übertragen!
Zuletzt geändert von Peter43 am Mo 25.06.12 19:57, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von justus » Mi 26.08.09 12:42

Constantinus I.

Æ 3, Constantinopolis 327 n. Chr.
Av. CONSTANTI – NVS MAX AVG / Kopf mit Diadem n. r.
Rv. LIBERT – A – S PVBLICA / Viktoria n. l. auf Galeere stehend, hält Kränze in beiden Händen. Im Feld l. E. Im Abschnitt CONS.
Gewicht: 3,7 g. Durchmesser: 20 mm.
RIC VII Constantinople 25 (sehr selten, R2s); RSC 319; Sear 3877; Kampmann 136.152.

LIBERTAS PVBLICA ist Teil einer Serie von Münztypen, die zum erfolgreichen Abschluss des Bürgerkrieges mit Licinius geprägt wurden. Sie ist eine Anspielung auf den Seesieg unter Crispus am Bosporus. Die Serie wurde geprägt, um die Arbeiter zu bezahlen, die mit dem Bau der neuen Stadt Constantinopolis beschäftigt waren.

Grüße IVSTVS

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Beitrag von Peter43 » Do 27.08.09 20:35

Die mobilen Reserven des Gallienus

Gallienus, 253-268
AR - Antoninian, 3.56g, 23mm
Köln, 257 n.Chr.
Av.: IMP GALLIENVS P AVG
Büste, cürassiert, mit Strahlenkrone, n.r.
Rv.: IOVI VI - CTORI
Jupiter, nackt, steht nl. auf Cippus mit der Inschrift IMP / CES in 2 Zeilen, hält in der li
Hand Speer und in der ausgestreckten Rechten kleine Victoria
Ref.: Göbl (Köln) 870d var.; Zschucke 18; RIC V/1, (Lyons, 258 n.Chr.) 21; C.398
Nicht häufig, fast SS, einige Prägeschwächen

IMP / CES wird üblicherweise aufgelöst zu IMPERATOR CVM EXERCITV SVO = Der Kaiser mit seinem Heer.

Zur Zeit des Gallienus wurde das römische Reich von 3 Seiten gleichzeitig bedroht: an der Donau, am Euphrat und am Rhein. 256/257 teilten Valerian und Gallienus das Reich unter sich auf, um es besser verteidigen zu können. Valerian übernahm den Osten, Gallienus den Westen. Die Inschrift auf der Münze weist darauf hin, daß Gallienus zwar nicht nach dem Gesetz, aber doch praktisch selbständig war in der militärischen Entscheidungsgewalt.

Wohl während seines Kommandos am Rhein schien Gallienus sich eine neue Strategie zur Verteidigung des Reiches überlegt zu haben. War erst einmal die Grenzverteidigung von den Barbaren durchbrochen, gab es praktisch kein Halten mehr für ihre berittenen Truppen. Dem römischen Feldheer mit seinen feststehenden Legionen und Auxiliarkräften fehlte eine strategische mobile Reserve. Im Osten waren die Sassaniden den Römern überlegen durch ihre gepanzerten Reiter, den catafractarii. Diese Kriegswaffe wurde von den Römern übernommen in ihren Equites catafractarii, womit wohl bereits Marcus Aurelius begonnen hatte. Das Problem der mobilen Reserve wurde durch Gallienus' Kavalleriereform behoben.

1. Die strategische mobile Reserve
In der Leo-Quelle heißt es: "Gallienus aber stellte als erster Kavalleriecorps auf (protos hippika tagmata)." Der erste Reiterführer war wahrscheinlich Aureolus. Das besondere an ihnen war, daß sie dem Kaiser persönlich unterstanden: imperator exercitus suo. Dies war also schon der Fall vor der eigentlichen Militärreform von 263.
Der Titel des Aureolus war wahrscheinlich dux omnium vexillationem, d.h. soviel wie "Kommandeur aller zur Eingreifsarmee zusammengefaßten Detachements".
Die literarischen und numismatischen Quellen weisen auf ein Reiterheer in Mailand hin. Aurei mit der Inschrift FIDEI EQVITVM scheinen für einen größeren Reiterverband geprägt worden sein, nicht nur für eine Vexillation. Damit steht die Reiterarmee gleichberechtigt neben der römischen Feldarmee.
Die erste mobile Armee, die Gallienus aufstellte, war gegen die Alamannen gerichtet, die 258/9 Italien unsicher machten. Sie bestand aus der Legio II Parthica und den Prätorianern. Dazu kamen Vexillationen vom Rhein, aus Pannonien und Noricum. Mit ihr gelang es ihm die Alamannen bei Mailand zu schlagen. Die Reiter, mit denen Aureolus gegen den Usurpator Ingenuus kämpfte, waren die illyrischen Reiter, die Equites Illyricorum. Es ist möglich, daß sie zur Basis der gallienischen Reform wurden.
Diese Abteilung war nicht wie das Feldherr an einen bestimmten Ort gebunden, sondern wurde nach Bedarf eingesetzt. Es war die strategische Reserve, die so dringend benötigt wurde. Ihre Aufstellung in Mailand war sinnvoll, weil es von da aus gleichweit an den Rhein wie an die Donau war.

2. Die operativen mobilen Reserven
Dann wurden operative Reserven gebildet. Die römische Armee bestand bereits aus den 3 Waffengattungen Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Die Infanterie war natürlich die zahlreichste von ihnen und machte den Großteil der Legionen und Auxiliarien aus. Jede Legion besaß neben der Infanterie 120 Reiter, Equites legiones. Gallienus hatte sie auf 726 aufgestockt, um die Legionen mobiler zu machen. Daneben entnahm er jeder Legion eine Vexillation und machte aus zwei von ihnen eine neue Einheit, die er an wichtigen Punkten im Hinterland stationierte, um durchgebrochene Gegner zu stellen.

3. Die protectores
Daneben gab es noch eine kaiserliche Privatreiterei, die Equites singulares Augusti, die zum Schutz des Kaisers selbst bestimmt war. Sie war bereits von Trajan geschaffen und von Severus auf 2000 Mann aufgestockt worden. Zwischen 253 und 258 tauchte eine weitere Truppe auf, die protectores, wohl eine Art von Leibwache, aber auch ein Ehrentitel, der die Loyalität dem Kaiser gegenüber ausdrückte. Es gab drei Klassen: die unterste bestand aus den Centurionen, eine weitere aus den Legionspräfekten und Tribunen, und die höchste waren die obersten Offiziere mit einem besonderen Kommando, was als Karrieresprungbrett benutzt werden konnte. Gallienus verfolgte wohl das Ziel, diese hohen Offiziere an sich zu binden im Sinne der Gefolgstreue. Er hatte sich damit eine Art von Stab in unserem Sinne geschaffen.

Dies waren Reformen, an die dann Aurelian und Diocletian anknüpfen konnten. Der Wiederaufstieg des Reiches begann.

Mit freundlichem Gruß
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gallienus_Lyons_21.jpg
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Beitrag von justus » Sa 29.08.09 19:28

Sehr interessanter und informativer Bericht über die Heeresreform unter Gallienus, Jochen! Aus welchen Sekundärquellen stammt er?

Grüße IVSTVS

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