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1764 Verhältnis Kurant Geld zu Gold
Verfasst: Fr 25.09.20 17:51
von Winkel
Hallo Numismatikexperten,
beim Bau eines Gebäudes im Jahre 1764 in der Grafschaft Wernigerode (zu Preußen) wurde eine Kostenaufstellung verfasst.
Die entsprechende Akte aus dem Archiv liegt mir vor (Ausschnitt siehe Anhang).
Dabei wurden Kosten (Material, Arbeitsleistungen) unterschieden in CurantGeld und Gold.
Auch nach intensivem Suchen habe ich als Laie keine schlüssige Erklärung gefunden.
Für Hinweise und Erläuterungen wäre ich sehr dankbar.
Viele Grüße
Re: 1764 Verhältnis Kurant Geld zu Gold
Verfasst: Fr 25.09.20 19:53
von KarlAntonMartini
Ich denke, daß da Zahlungen in Gold und andere in Courant-Währung erfolgt sind. Deshalb die zwei Spalten. Stell Dir vor, Du hättest eine Baustelle, bei denen Du einenen Teil der leistungen in Euro und einen anderen Teil in Franken bezahlst, dann würde so eine Aufstellung auch sinnvoll sein. Vermutlich wurden am Ende beide Spalten aufsummiert und eventuell sogar nach dem aktuellen Kurs in eine der Währungen umgerechnet. Grüße, KarlAntonMartini
Re: 1764 Verhältnis Kurant Geld zu Gold
Verfasst: Fr 25.09.20 22:50
von Rollentöter
Die offizielle Währung war eine Silber-(Courant)-Währung, d.h. der Silberwert der Courant Münzen entsprach ihrem Nominalwert. Goldmünzen wurden in solchen Silberwährungen meist mit Aufschlag gehandelt, waren also mehr Wert als Nominal. Deshalb würde bei Zahlungen genau zwischen (Silber)-Courant-Geld und Goldgeld unterschieden (übrigens auch zu Scheidegeld, was nur bis zu einem geringen Betrag angenommen wurde, meist in Höhe der kleinsten vollwertigen Courant-Münze).
Gruß
Re: 1764 Verhältnis Kurant Geld zu Gold
Verfasst: Sa 26.09.20 14:28
von Winkel
Vielen Dank für die umgehenden Erläuterungen.
Auf Grund der Hinweise habe ich die Akte noch einmal durchgesehen.
Dabei erfolgte am Ende tatsächlich die Umrechnung (9:5), und zwar nach dem Satz von 9 Talern CGeld in Gold über 1 Pistole (=5 Taler in Gold).
Auffällig ist bei den Aufstellungen in der Akte, daß für Fuhrlohn, Maurer- und Zimmerarbeiten der Dorfbewohner die Abrechnung (Bezahlung)
in CGeld, die Abrechnung der gräflichen Lieferungen (Ziegelei, Sägewerk, Klakbrennerei) jedoch von vornherein in Gold aufgeführt sind.
Hat das etwas mit der Geldverschlechterung (7-jähriger Krieg) zu tun?
In einer anderen Akte unseren Ort betreffend verlangt ein Adliger beim Verkauf eines Hofes 1756 den Kaufpreis "in Golde und zwar in Louisdor".
Wie kann man also die unterschiedliche Handhabung Geld-Gold begründen?
Bereits jetzt vielen Dank für die fachkundige Hilfe und viele Grüße.
Re: 1764 Verhältnis Kurant Geld zu Gold
Verfasst: Sa 26.09.20 14:57
von Erdnussbier
Hallo!
Ohne Fachwissen vorweisen zu können vermute ich folgendes:
Der Adel konnte das beliebtere Gold als "Bezahlart" fordern während einfache Leute das vielleicht gerne getan hätten aber man es nicht durchsetzen konnte. Weshalb man diese dann mit der Silberwährung entlohnen konnte was rechtens war aber nicht unbedingt die beliebteste Methode.
Grüße Erdnussbier
Re: 1764 Verhältnis Kurant Geld zu Gold
Verfasst: Sa 26.09.20 15:21
von Numis-Student
Und Silbergeld, vor allem Kleinsilber war das tagtägliche Geld der "normalen" Bevölkerung, Gold war nur üblich bei größeren Geschäftsfällen.
Ein Dorfbewohner wird in seinem Geschäftsleben kaum mit so großen Zahlungen in Berührung kommen.
Auch heute sind doch die 500€ oder die 1000 DM kaum im alltäglichen Gebrauch vorhanden, wie oft hat man denn überhaupt einen 1000-DM-Schein gesehen ? Üblich war die Verwendung von kleinen Stückelungen bis 100 (selten 200) DM.
Schöne Grüße
MR
Re: 1764 Verhältnis Kurant Geld zu Gold
Verfasst: Sa 26.09.20 21:15
von Zwerg
Winkel hat geschrieben: ↑Sa 26.09.20 14:28
In einer anderen Akte unseren Ort betreffend verlangt ein Adliger beim Verkauf eines Hofes 1756 den Kaufpreis "in Golde und zwar in Louisdor".
Wie kann man also die unterschiedliche Handhabung Geld-Gold begründen?
Wohl einfach in einer Sicherung des Preises durch inflationssicheres Gold.
Der Graumann´sche Münzfuß in Preussen wurde ab 1750 eingeführt (der Wikipedia Artikel ist vergessbar). Silber war zu dieser Zeit eine nicht 100% sichere Angelegenheit. (Gold einige Zeit später auch nicht unbedingt - Ephraimiten)
Mit Louis d´or konnte man nichts falsch machen
Grüße
Klaus
Re: 1764 Verhältnis Kurant Geld zu Gold
Verfasst: So 27.09.20 10:08
von Winkel
Für alle Erläuterungen bedanke ich mich recht herzlich.
Die Hinweise geben einen verständlichen Hintergrung zu den damaligen Verhältnissen.
Die Gesamtabrechnung für den Bau wurde vom Bauherrn (Deutscher Orden, Ballei Sachsen mit Sitz in Lucklum)
übrigens nochmal in Gold (Loui d' or) vorgenommen.
Damit hatte man offensichtlich eine solide Bewertung des damaligen Neubaus.
Viele Grüße aus dem Winkel.