Roms ewiger Kampf um's Getreide

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

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drakenumi1
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Roms ewiger Kampf um's Getreide

Beitrag von drakenumi1 » Fr 22.05.09 21:55

Erst wollte ich diese beiden Vespasiani eigentlich im Flavier-thread vorstellen, habe mich dann aber doch entschlossen, einen eigenen thread zu eröffnen in der Hoffnung, daß Ihr aus den Tiefen Eurer Sammlungen noch weitere sehenswerte Beispiele unter gleicher Thematik hier einstellen könnt:
Wie wir wissen, hat Rom in seiner Geschichte viele Hungersnöte meistern müssen, weil es nicht über ausreichende Getreidevorräte verfügte und die Quellen zu ihrer Auffüllung zeitweise versiegten, aus welchen Gründen auch immer. Diese Quellen lagen in den Zeiten der größten Ausdehnung des Reiches und des größten Bedarfes überwiegend in Afrika, - Ägypten und Numidien und mußten oftmals während instabiler politischer Zeiten unter Einsatz militärischer Kräfte gesichert werden, was häufig genug nur unvollkommen gelang.
Das unten vorgestellte Denarpärchen aus dem Jahre 77/78 n. Chr. unter Vespasian stellt wohl symbolisch eine interessante Entwicklung der Bekämpfung einer Hungerphase in Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen dar (Mars mit Trophäe und Speer), in deren Folge auch in einer zweiten Phase die Getreideversorgung aus den bekriegten Gebieten für Rom gesichert werden konnte. Das mußte dem Bürger Roms hier auf Münzen mitgeteilt werden, damit gefürchteter Aufruhr des Volkes unterblieb.
Das Dumme ist nur, daß ich trotz Umschau in der mir verfügbaren Literatur in diesen letzten Jahren unter Vespas. weder von einer größeren Hungersnot noch von Kriegen in den fraglichen Gebieten etwas lesen konnte, die letztlich zum Vorteil für Rom ausgegangen wären. Weiß jemand dazu etwas mehr? Oder liege ich mit der Deutung der Symbolik Mars - Trophäe - Ähre etwa völlig falsch?

Bei den beiden Denaren handelt es sich um die Typen
1). links: RIC1 103; RIC2 937; Romanatic 3858; C. 125; ohne Ähre
2). rechts: RIC1 104; RIC2 939; Romanatic 3860; C. 129; mit Ähre

Es würde mich freuen, wenn wir diese Thematik durch sicherlich bei Euch vorhandene Beispiele unter anderen Herrschern hier noch vertiefen könnten, denkt

freundlich grüßend

drakenumi1
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Beitrag von quisquam » Fr 22.05.09 22:33

Hallo drakenumi1,

diese Denare hattest Du mit genau dieser Frage bereits schon einmal vorgestellt. Die Ähre im Feld bezieht sich nicht auf eine Hungersnot, sondern es wurde lediglich die Rückseite des Republikdenars Craw. 306/1 "restituiert".
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 14&Lot=132

Viele Grüße, Stefan

PS: Auf der Suche nach dem alten Thread bin ich nun fündig geworden:
http://www.numismatikforum.de/ftopic29093.html
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Beitrag von drakenumi1 » Fr 22.05.09 22:49

Hallo, quisquam,
:( Schwache Leistung von mir: Das passiert, wenn man vergißt, sich am Objekt eine entspr. Notiz über die Lösung zu machen und das Hirn an den unpasendsten Stellen Löcher aufweist. Pass mal auf, was in nächster Zeit noch so von mir zu erwarten ist .... :wink:

Sorry und Dank für die Nachsicht von

drakenumi1
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Beitrag von Peter43 » Fr 22.05.09 23:11

Passiert mich auch manchmal. Sind es wichtige Informationen zu einer Münze, mache ich mir natürlich Notizen in meiner Datenbank. Aber oft weiß ich nicht, ob ich eine Münze schon mal vorgestellt habe oder nicht. Und die im Forum installierte Suchfunktion macht einem die Kontrolle auch nicht immer leichter.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von quisquam » Fr 22.05.09 23:13

Dies sollte aber hier niemanden davon abhalten, Münzen zum Thema Getreideversorgung einzustellen.

Diesen Dupondius hatte ich bereits schon einmal in anderem Zusammenhang gezeigt und er ist eine meiner schönsten Münzen. Er gehört zu einer recht großen Emission, welche die Ankunft Hadrians in Rom feiert. Andere Rückseiten dieser Emission sind ADVENTVS AVG oder FORT RED (selbe Legende, aber andere Darstellung und "Erklärung" im Abschnitt). Hier gibt Hadrian der römischen Bevölkerung zu verstehen, dass unter seiner Regierung für die Getreideversorgung gesorgt sein wird.

Hadrian, Dupondius, Rom, 118 n. Chr.
12,66 g, 25,7-27,8 mm, Stempelstellung 6h
Av: IMP CAESAR TRAIANVS HADRIANVS AVG, Büste mit Strahlenbinde n. r., linke Schulter drapiert
Rv: PONT MAX TR POT COS II, im Feld S - C, Annona mit Getreideähren und Cornucopiae steht n. l., links am Boden Modius, rechts Prora, im Abschnitt ANNONA AVG
RIC II 555; Cohen 179; BMC 1141

Grüße, Stefan
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Beitrag von Peter43 » Sa 23.05.09 00:19

Die Prozession des Kalathos der Demeter

Meine schönste Münze zu diesem Thema ist der folgende Titus-Denar. Da ich nicht alles wiederholen will, ist hier der Link: http://www.numismatikforum.de/ftopic690 ... tml#106639

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von gutzufuß » Sa 23.05.09 02:29

Auch ich möchte gern mit einem Republikaner einen Beitrag zur Getreideversorgung leisten.

Die Sonderprägung der beiden Quästoren Lucius Calpurnius Piso Caesionius und Quintus Servillius Caipo. Die Denari dienten zur Finanzierung verbilligten Getreides zur Unterstützung des von dem amtierenden Volkstribun Saturnius eingebrachten Gesetzes der " lex frumentaria de semissibus et trentibus". Im Jahre 100 v. Chr. hat sowohl die gewaltsame Vorgehensweise des Volkstribuns als auch sein gewaltsamer Tod in der curia hostilia die Grundfesten der römischen Republik und der römischen Rechtsprechung schwer erschüttert. Eine Entwicklung an der Gaius Marius kein unbeteiligter war. Nach den Gracchen waren die Ereignisse um Saturnius der zweite große Stolperstein der republikanischen Ära und die letztendlich deren Untergang einläuteten. Als wäre es ein Zeichen der Vorhersehung oder eine Laune der Götter, wurde genau in diesem Jahr ein Mann geboren, der der römischen Republik den Todesstoß versetzte und damit zum Wegbereiter des Prinzipats wurde. Gaius Julius Cäsar

Römische Republik
Piso,Caepio Q
AR Denar Rom 100 v. Chr.
3,95 g / 17,7 mm
Av.: Belorbeerter Saturnkopf n.r. , Harpa im Hintergrund , darum PISO CAEPIO Q
Rv.: Zwei Togati auf Subselium, l u. r. Ähre
im Abschnitt AD FRV EMV / EX SC
Sear 210 Cr. 330/1 Albr. 1138


wünsche allen einen guten Morgen :D

gruß gutzufuß
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Beitrag von Peter43 » Sa 23.05.09 02:35

Dank Dir für diese tolle Ergänzung dieses interessanten Themas, die mir neu war.

Mit freundlichem Gruß
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Beitrag von gutzufuß » Sa 23.05.09 02:44

@ Peter43

Gern geschehen und Danke für die frühe Aufmunterung

letztlich aber kein Vergleich zu Deinen hervorragenden Beiträgen


gutes Nächtle :) oder doch noch einen roten :P

gruß gutzufuß

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Beitrag von nephrurus » Sa 23.05.09 11:36

quisquam hat geschrieben:Hallo drakenumi1,

diese Denare hattest Du mit genau dieser Frage bereits schon einmal vorgestellt. Die Ähre im Feld bezieht sich nicht auf eine Hungersnot, sondern es wurde lediglich die Rückseite des Republikdenars Craw. 306/1 "restituiert".
http://www.coinarchives.com/a/lotviewer ... 14&Lot=132

Viele Grüße, Stefan

PS: Auf der Suche nach dem alten Thread bin ich nun fündig geworden:
http://www.numismatikforum.de/ftopic29093.html
da Vespasian ja bekanntlich Augustus sehr verehrt und dessen Münzmotive reichlich übernommen hat, würde mich interessieren, ob sich solche Motive nicht auch unter Augustus finden?

@ Drakenumi:
welche Literatur zu Vespasian hast Du denn gelesen?

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Beitrag von drakenumi1 » Sa 23.05.09 14:43

Wie ich oben ja eindrucksvoll belegen konnte, habe ich Curtis' Theorie der Resttitution der Vespasian-Type "Mars mit Helm, Trophäe, Speer und ggf. Ähre" nicht allzusehr verinnerlicht. Den Brückenschlag von dem Republik-Denar des L. Valerius Flaccus (Mars mit Helm, flamens cap, Speer, Trophäe und Ähre) zu Vespasians beiden Motiven mit Mars, Speer, Trophäe und auch dem mit zusätzlicher Ähre konnte ich als Motivation für lediglich eine finanzökonomische Transaktion nicht nachvollziehen, ebensowenig, wie lediglich ein Anknüpfen an die soliden Zeiten der Republik und des julisch-claudischen Hauses unter erhoffter Ausblendung der gerade überwundenen bürgerkriegsähnlichen Ereignisse der Jahre 68/69. Ich dachte mir, da müsse noch ein bisher nicht genannter weiterer Faktor eine Rolle spielen, - eben diese von mir genannten Ereignisse (siegreicher bzw. gerechter Krieg in Verbindung mit Ernährungsproblemen, für die ich jedoch keine Belege in der von mir gelesenen Literatur fand (in den Jahren 77/Anfang 78 n.). Warum?
Ich betrachte das Vespasian-Denarpärchen mit Mars als eine Einheit und stelle mir die Frage, wie man von Restitution sprechen kann, wenn wesentliche Attribute des Denars von Valerius Flaccus in dem Restitutionstyp des Vesp. nicht mehr vorhanden sind!? (sowohl flamen Martialis wie auch die Ähre fehlen!). Lediglich Mars mit Helm u. Speer erscheinen bei Vesp. noch (wenigstens bei einer der beiden Typen).
Ich versuche mir vorzustellen, wie das Volk diesen angeblich erwünschten gedanklichen Brückenschlag zu den soliden alten Zeiten vollziehen soll: Nur aus der Darstellung eines "üblichen Mars"?
Versetze ich mich mal in die Rolle des nur mäßig gebildeten Römers, dann erkenne ich an der Rs.-Darstellung bei Vesp. mit Ähre: Es hat einen (gerechten) Krieg gegeben, der siegreich verlief (oder es wird ihn geben und mit Hilfe des Mars wird er siegreich sein) und die Getreideversorgung wird künftig gesichert sein. Also eine mit guter Absicht getroffene wirtschaftspolitische Aussage. Nur: gab es zurückschauend Ereignisse, die solche Darstellung rechfertigen? Wenn nicht: Dann fasse ich diese Darstellung als ein wirtschaftlich-politisches Programm auf für die Folgezeit, das das Volk "auf Linie" bringen soll!
Ich meine mit Euch, daß diese Lesung oder Deutung der Rückseite sicherlich die naheliegendste gewesen sein wird und neben den finanzpolitischen Absichten und der Geschlechterdarstellung bzw. -profilierung der Herrschenden nicht vergessen werden sollte (wenn es nur "echte" Beweise aus der Geschichtsschreibung gäbe!)

Gelesene Literatur: "Geschichte des römischen Kaiserreiches"
Dr. G.F. Hertzberg; Grotesche Verlagsbuchhandlg. Berlin 1880 (recht alt!)
- Sueton (wenig hilfreich)

Es grüßt (nach Totalausfall)

drakenumi1
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