Garamanten

Griechische Münzen des Altertums

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nephrurus
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Garamanten

Beitrag von nephrurus » Do 14.06.07 15:10

Hallo zusammen ,
ich habe kürzlich einen recht interessanten Artikel über das Volk der Garamanten gelesen , die ja von ca. 500 v.u.Z. bis lange nach der Römerzeit in Nordafrika (Lybien) lebten . In diesem Zusammenhang interessiert mich , ob jemand Hinweise hat - ob und welches Geld dieses Volk nutzte ? Gab es eigene Währungen - bedienten sie sich fremden Geldes ?

vielen Dank vorab
Torsten

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Dapsul
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Beitrag von Dapsul » Do 14.06.07 16:17

Ich glaube kaum, daß sie je eigene Münzen hatten. Ab dem 2. Jh. n. Chr. ist zwar ein intensiver Handel mit den tripolitanischen Küstenstädten nachweisbar, bei demes vor allem um innerafrikanische Produkte wie Erze, Elfenbein, Straußenfedern gegangen sein dürfte, aber wenn dabei Geld im Spiel war, dürfte das allerhöchstens römisches gewesen sein. Jedenfalls habe ich nirgends etwas über garamantische Münzen gelesen und auch in keinem libyschen Museum welche gesehen. Die Situation ist insofern vielleicht der Äthiopiens vergleichbar, wo man bis zur Axum-Zeit keine eigenen Münzen hatte, dafür findet man im Museum von Addis Abeba haufenweise römische Kaiserprägungen.

Wenn Du Dich für die Garamanten interessierst, kann ich Dir das günstig zu erwerbende schöne Buch "Die Garamanten" des Archäologen Erwin Rupprechtsberger empfehlen (Mainz 1997).

Gruß - Frank

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nephrurus
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Beitrag von nephrurus » Do 14.06.07 16:37

...vielen Dank für die Informationen .
Es war so eine Idee von mir , da ja Kyrene und Ptolemäerreich auch eigene Münzen hatten - also noch vor der Römerzeit. Allerdings hatte auch ich bislang keine Hinweise auf eigene Münzprägungen gefunden.
Gruß
Torsten

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Dapsul
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Beitrag von Dapsul » Do 14.06.07 17:26

Je nun, das waren ja auch Griechen!

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nephrurus
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Beitrag von nephrurus » Do 14.06.07 18:32

Dapsul hat geschrieben:Je nun, das waren ja auch Griechen!
...darum ging es mir ja . Das Volk der Garamanten lebte seit ca. 500 v.u.Z. in dem Gebiet - daher fand ich es zunächst nicht so abwegig , dass es dort vielleicht irgendwann mal eigene Münzen gab. Während der Römerzeit waren die jeweils üblichen Münzen vermutlich auch Zahlungsmittel der Garamanten - aber was war davor ??? Ich fand verschiedene Hinweise auf recht umfangreiche Handelsaktivitäten in Afrika und dem Mittelmehrraum ...

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Dapsul
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Beitrag von Dapsul » Do 14.06.07 18:50

Zufällig habe ich gerade ein Buch gelesen, das dazu passen könnte: Tamar Hodos, Local Responses to Colonization in the Iron Age Mediterranean, 2006. Darin gibt es ein Kapitel über Nordafrika; die Autorin schreibt, daß die Bewohner des Hinterlandes lange Zeit nichtdas geringste Interesse am Handel mit den Griechen oder den Phönikern oder später den Römern hatten; nicht einmal in den Keramikformen lassen sich Einflüsse nachweisen, was ansonsten das normalste auf der Welt ist. Materielle Übernahmen kann man erst im 1. Jh. v. Chr. dingfest machen, diese beschränken sich allerdings auf ganz wenige ausgewählte Komponenten, ansonsten bleibt bei den nordafrikanischen Völkern im Grunde alles gleich. Das ist wirklich ein sehr eigentümlicher Befund, aber das würde natürlich auch erklären, warum keinerlei Interesse an Münzgeld bestand.

Gruß - Frank

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Beitrag von nephrurus » Do 14.06.07 19:23

...vielen Dank für Deine Ausführungen - ich habe eben noch einmal einen "SPIEGEL"-Artikel überflogen - hier einige Zitate :

Konnte sich dieser Wüstenstaat wirklich mit den römischen und griechischen Kolonialmächten an der Küste messen? Oder wurde er von Rom im Lauf der Zeit unterjocht? Mario Luni, der langjährige Grabungsleiter der griechischen Metropole Cyrene an Libyens Nordostküste, glaubt an einen florierenden Karawanenhandel zwischen Kolonisten und Garamanten. Das fruchtbare Umland von Cyrene hatte Olivenöl und köstlichen Wein zu bieten, im Gegenzug waren Felle und andere Tierprodukte der Wüstenstämme an der Küste sehr begehrt. Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. übernahmen die Römer an der Küste Libyens die "Geschäftsleitung". Neben Sklaven gehörten wilde Tiere für die Arenen zu den wichtigsten Handelsgütern.

....

Die Römer beließen es bei der Machtdemonstration und schlossen eine Art Joint Venture. Die Garamanten lieferten Elfenbein, Gold, Straußenfedern, Tierhäute, Sklaven, rote Karfunkelsteine aus dem südlichen Äthiopien und wilde Tiere. Im Gegenzug erhielten sie mediterrane Luxuswaren, Amphoren und Glasgegenstände, wie archäologische Funde in ihren Siedlungen belegen.


...sollte das wirklich alles ohne Geld abgelaufen sein ?

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pyrhus
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Beitrag von pyrhus » Do 14.06.07 21:44

Tja,
die Indianer haben es auch nicht viel anders gemacht mit den ganzen Pelzen
;)

Gruß
Pyrrhus
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El Che
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Beitrag von El Che » So 08.07.07 13:35

Ich lese diesen Thread gerade erst, weil ich aus Langeweile etwas bei den Griechen rumgelesen habe. Da ich mich zu Studienzeiten mal intensiv mit dem römischen Nordafrika auseinandergesetzt habe, bin ich über diesen Thread gestolpert, deshalb einige Bemerkungen:

Die Frage des Austausches (damit ja auch die Geldfrage!) scheint hier ja sehr umstritten; aus meiner Arbeit kann ich mich noch sehr gut erinnern, dass man bei beiden historischen Hypothesen (1. "lebhafter Kulturaustausch" versus 2. "kulturelle Eigenständigkeit/Widerstand gegen Romanisierung/...") manchmal mehr Geschichte des 19./20. Jahrhunderts als Geschichte der Antike betreibt; die Befunde und wenigen Textquellen werden gerne entweder im Sinne von Hypothese 1 durch Historiker der ("romanischen" = ital./frz.) Kolonialherren gedeutet mit dem (unbewußten?) Ziel der Verklärung und historischen Legitimation/Begründung der Kolonisierung und im Sinne von Hypothese 2 durch Historiker der ehemaligen Kolonien im Sinne einer "Nationalgeschichte des Widerstands gegen Fremdherrschaft". Letzters wurde z.B. sehr scharf von Bénabou 1976 vertreten. Also: Vorsicht bei Deutungen der wenige Befunde.

Zur Frage der Unterwerfung oder "Joint venture" gibt es starke Widersprüche in der Überlieferung:
Während Vergil die Garamanter schon von Augustus unterworfen sieht (Augustus Caesar [...] super et Garamantas et Indos proferet imperium - Aeneis, VI, 794), sieht Tacitus sie im Jahre 68 noch nicht unterworfen (Mox Oeensium Lepcitanorumque discordias componit, [...] iam per arma atque acies exercebantur; populus Oeensis multidune inferior Garamantas exciverat, gentem indomitam et inter accolas latrociniis fecundam - Historiae, IV, L, 4); bei Tacitus zeigt sich auch, dass die Herrschaft Roms in vielen Regionen noch lange keine territoriale, sondern eine hegemoniale und somit sehr ferne Herrschaft war - sonst hätte man sicher den Senat/den Kaiser und nicht die Garamanter gerufen. Diese Stelle zeigt aber auch, dass die Beziehungen zwischen den Griechenstädten und den Garamantern zu römischer Zeit nicht immer so gut waren...

Schließlich erinnere ich mich noch an eine recht einleuchtende Hypothese dafür, dass die römische Herrschaft in Nordafrika lange Zeit etwas vage blieb: Africa war nämlich eine senatorische Provinz und zwar die einzige mit Legion (im ersten Jhdt. wohlgemerkt). Das bedeutete aber auch, dass ein forscher Eingriff des Kaisers großen Unmut im Senat hevorrufen musste und als Übergriff verstanden werden konnte; es war also evtl aus innenpolitischen Erwägungen für den Kaiser sinnvoll, hier die "Zügel etwas schleifen zu lassen".

Allerdings, wie so oft: Die (historische) Überlieferung ist äußerst dürftig und zudem durch die Brille des römischen Senatorenstands überliefert.

Liebe Grüße,
Uli

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