Die Umlaufmünzen des Byzantinischen Reichs (2)

Münzen des alten Byzanz

Moderator: Wurzel

Gast

Die Umlaufmünzen des Byzantinischen Reichs (2)

Beitrag von Gast » Di 11.02.03 16:30

(Aufgrund der vielen positiven Feedbacks, die mich teilweise auch privat erreichten - warum nicht über das Forum ????? - bereits heute die erste Fortsetzung)

-----------------------------------------------------------------

Mit JUSTIN I (518-527) beginnt für das (byzantinische) Reich der Romaion das blühende Zeitalter der Justinianischen Dynastie. JUSTINs Nachfolger JUSTINIAN I (527-565) vermochte es, dank geschickter Diplomatie und entschlossener Kriegskunst das Reich auf große Bereiche des ehemaligen römischen Imperiums auszudehnen. Das Vandalenreich (heute Tunesien, die Balearen, Korsika und Sardinien, Nordalgerien und –Libyen, sowie Andalusien) wurden zurückerobert, das Reich der Ostgoten in Italien und Dalmatien wurde einverleibt.

Die weiteren Herrscher der Dynastie waren: JUSTIN II (518-527), TIBERIOS II (578-582), MAURIKIOS TIBERIOS (582-602) und PHOKAS (602-610).

Die riesige Expansion machte es erforderlich, die Münzemissionen dramatisch zu steigern. Unter JUSTINIAN wurde nachweislich in Rom, Ravenna, Cherson (Krim), Konstantinopel, Thessaloniki, Nikomedia (Türkei), Cyzikus (Türkei), Antiochia (Syrien), Alexandria (Ägypten), Karthago (Tunesien) und weiteren, bisher unbekannten Münzstätten in Spanien, Nordafrika und Sizilien geprägt. Die wichtigsten Münzstätten unterhielten mehrere Werkstätten, die die Gepräge mit eigenen Münzzeichen versahen.

Darüber hinaus gab es die sogenannten „Militär-Münzen“ (MMI-Prägungen), die zwar die Münzzeichen der Hauptmünzen Konstantinopel, Nikomedia, Thessaloniki etc. trugen, aber nicht dort, sondern in mobilen Prägewerkstätten hergestellt wurden, die die kaiserlichen Truppen auf ihren Feldzügen begleiteten. Stücke mit dem Kreuz über der Wertbezeichnung und dem Ausgabejahr 8 oder 10 gehören meistens in diese Kategorie (vgl. auch Money-Trend 2/2003 S.124 ff.)

[ externes Bild ]

Unter JUSTINIAN I (o. ein ss- Follis aus Nikomedia), dem Erbauer der „Hagia Sphia“, der damals größten Kirche der Christenheit, wurde erstmals eine Serie von Folles und Teilstücken aufgelegt, die das gekrönte Kaiserportrait von vorn zeigen, eine Gestaltungsart, die bisher den Goldmünzen vorbehalten war. (Silbermünzen waren in dieser Epoche übrigens so gut wie unbekannt). Nicht nur das Reich erhielt die größte Ausdehnung seiner tausendjährigen Geschichte, auch die Kupferfolles erreichten Durchmesser von bis zu 42 mm! (s. unten Regierungsjahr XII = 537 aus Cyzikus - heute Balkiz, Türkei am Ostufer der Dardanellen)

[ externes Bild ]

Auf den Frontalportraits trug der Kaiser den bekreuzigten Globus Cruciger (Reichsapfel) sowie ein Schild mit der stilisierten Darstellung des „Reitersturzes“ der FEL TEMP REPARATIO-Prägungen der spätkonstantinischen Ära des untergegangenen Imperiums. Gleichzeitig wurde das Ausgabejahr, meist gemessen vom jeweiligen Regierungsantritt, in die Darstellung der Wertseite integriert.

In den späten Regierungsjahren des JUSTINIAN begannen die Prägungen erstmals leicht skurrile Formen anzunehmen – so wurden zum Beispiel die Vorderseiten von Halbfolles (hier eine Prägung aus Antiochia in Syrien, das nach einem verheerenden Erdbeben im Jahre 528 als Theopolis („Stadt Gottes“) wiederaufgebaut wurde, mit den größeren Prägestempeln des Follis geschlagen, was die Legende nahezu verschwinden ließ. (Zum Vergleich der dazu passende Follis).

[ externes Bild ]

Während unter JUSTINIAN bereits verschiedene Münzstätten und Werkstätten in griechescher Schrift gekennzeichnet wurden (s.Bild oben), hielt unter seinem Nachfolger JUSTIN II das Griechische auch langsam Einzug auf den Münzlegenden.
(Näheres hierzu im nächsten Beitrag).

Benutzeravatar
Locnar
Administrator
Beiträge: 4482
Registriert: Do 25.04.02 17:10
Wohnort: Halle/Westfalen
Danksagung erhalten: 3 Mal

Beitrag von Locnar » Di 11.02.03 20:10

Hallo

Darum habe ich Dir Dein eigenes Forum geschaffen.

Schreib erst mal weiter, ich denke wir werden eine eigene HP daraus machen.

Ich hatte schon vor längerer Zeit mal mit Byzanz angefangen, aber Aufgrund der vielen Arbeit nicht weitergemacht.
Gruß
Locnar

Benutzeravatar
Wolle
Beiträge: 1930
Registriert: Sa 27.04.02 17:59
Wohnort: bei Stuttgart

Beitrag von Wolle » Di 11.02.03 20:25

@petzlaff,

klasse Beitrag, sehr informativ und für einen "Neuzeitmünzensammler" (DM und Euro) wie mich auch ein Anstoß, mal ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen.

Freue mich auf die Fortsetzungen. :wink:
Schöne Grüße
Wolle

Meine Tauschlisten, immer aktuell:
[url=http://www.numismatikforum.de/ftopic4528.html]DM/Euro Liste[/url] - [url=http://www.numismatikforum.de/ftopic8208.html#69002]Goldeuros gesucht[/url]

Gast

Beitrag von Gast » Di 11.02.03 21:12

...neben meiner fortdauernden stillen Bewunderung möchte ich doch für die mitlesenden Egal-Was-Sammler das für die Allgemeinbildung allemal Bedeutende hervorheben dürfen - z.B. daß die Hagia Sophia als eine christliche Kirche gebaut wurde !!! Den Islam gab's damals noch nicht !

Kaum vorstellbar, hätten die Kreuzfahrer "damals" dem "Kaiser* gegeben was des Kaisers ist" .... die Welt würde vermutlich heute anders aussehen!

Ich freu mich auf die Fortsetzung - Danke petzlaff !

* gemeint ist hier natürlich dier Kaiser von Byzanz bzw "Ostrom" !

  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste