Die Umlaufmünzen des Byzantinischen Reichs (3)

Münzen des alten Byzanz

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Gast

Die Umlaufmünzen des Byzantinischen Reichs (3)

Beitrag von Gast » Fr 14.02.03 18:04

Auf vielfachen Wunsch - hier bereits am Freitag die Fortsetzung

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JUSTINIANS Nachfolger vermochten das byzantinische Reich der Romaion nicht dauerhaft in seiner grössten Ausdehnung zu erhalten. Bereits JUSTINIANS Neffe JUSTIN II (565-578), ein schwachsinniger, aber ungeachtet dessen harmloser Kaiser auf dem oströmischen Thron liess lieber seine Kaiserin SOPHIA regieren, statt politisches Unheil anzurichten. SOPHIA genoss als griechisch volksnahe Kaiserin eine nahezu göttliche Verehrung seitens der Untertanen, die immer weniger mit dem lateinischen Erbe des vormaligen römischen Reiches anfangen konnten.

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Insbesondere in den östlichen Provinzen des Reiches gab es kaum noch eine Menschenseele, die der lateinischen Sprache mächtig war. Viele Münzen aus dem syrischen Antiochia (Theopolis - s. Bild oben) weisen unter JUSTIN II und seinen Nachfolgern innerhalb der justinianischen Dynastie,TIBERIOS II KONSTANTINOS (578-582), MAURIKIOS TIBERIOS (582-602) und PHOKAS (602-610) völlig unsinnige Legenden aus einem unidentifizierbaren Mischmasch aus griechischen und lateinischen Buchstaben auf.

Unter JUSTIN II trat neben das inzwischen übliche en-face Portrait des Kaisers das Bild des thronenden Kaiserpaares mit den Reichsinsignien. Später nahmen sich zahlreiche Herrscher der Romaion dieser Münzdarstellung ganzer Familien an, um in politisch unsicheren Zeiten permanent im Geldbeutel der Beherrschten zu demonstrieren, dass es dem jeweiligen Despoten (wie die Kaiser auch genannt wurden) nicht an Caesaren, Söhnen oder adoptierten Nachfolgern mangelte.

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Der Wechsel von der lateinischen zur griechischen Schrift vollzog sich in einem 150 Jahre währenden Prozess. Anfänglich sind „Mutationen“ der Buchstaben V, D und E zu beobachten. Die herkömmlichen lateinischen Attribute PP AVG bleiben zunächst unverändert, während das DN am Anfang der Avers-Legende langsam aber sicher zu einem griechischen dN mutiert. Der "Imperator" wird zum "Autokrat".

Das Münzsystem der Romaion war im 6. Jahrhundert unbestreitbar das fortschrittlichste der Welt. Vergleichbar mit modernen Währungssystemen basierte es auf dem Goldwert und eine auf den Umlauf abgestimmte Kupferserie in brauchbaren Stückelungen als Scheidemünzen (unten eine Serie des MAURIKIOS).

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Silbermünzen wurden in geringen Stückzahlen vor Allem in Italien geprägt, dienten aber nicht dem normalen Zahlungsverkehr, sondern wurden zu zeremoniellen Zwecken, ähnlich wie die bekannten „Maundy Money“ Grossbritanniens in „Umlauf“ gebracht. Gegen Ende der justinianischen Dynastie wurden die Kupferprägungen inflatorisch beeinflusst – die kleinen Nominale verschwanden nach und nach, bis nur noch der Follis als Hauptkurant übrig blieb. Die Wertangabe „M“ wurde wie die Legenden in eine griechische Schreibweise überführt (hier zwei Münzen des TIBERIOS - wer hätte das bei DER Legende gedacht ???? - der linke TIBERIOS trägt immer noch das römische Schild mit dem "Reitersturz", der rechte wirkt schon recht griechisch-orthodox)

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– eigentlich ein Paradoxon, da das „M“ genauso wie das „K“ des Halbfollis ohnehin griechische Zahlen darstellten – ein Grund mehr, anzunehmen, dass die Menschen, die mit diesen Zahlungsmitteln tagtäglich umzugehen hatten, keinen Bezug mehr zur römisch-lateinischen Tradition des Reiches hatten.

Am Ende der jsutinianischen Ära stand die Revolte des HERAKLEIOS. Die daraus entstandenen nächsten 100 Jahre bilden eines der spannendsten Kapitel der frühbyzantinischen Numismatik.

(Mehr dazu beim nächsten Mal)

heripo
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Beitrag von heripo » Sa 15.02.03 09:14

...guten Morgen und - herzlichen Dank petzlaff für die hervorragende Morgenlektüre ....
endlich einer, der den Byzantinern gibt - "... was des Kaisers ist" ... die
Würdigung nämlich, die sie numismatische ohne jede Frage verdienen !

Ich bin wahrlich auf die Fortsetzung gespannt - herzl. Gruß, heripo

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