Die Umlaufmünzen des Byzantinischen Reichs (5)

Münzen des alten Byzanz

Moderator: Wurzel

Gast

Die Umlaufmünzen des Byzantinischen Reichs (5)

Beitrag von Gast » Di 25.02.03 18:54

(Vierte Fortsetzung ....)

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Die Nachfolger des CONSTANS II (641-668) teilten bis 717 das Erbe der Herakleianischen Dynastie. Es waren allesamt Kaiser, die kaum geschichtliches Furore machten: CONSTANTIN IV POGONATOS, JUSTINIAN II RHINOMETOS, LEONTIOS, TIBERIOS III APSIMAROS, TIBERIOS IV, PHILIPPIKOS BARDANES, ANASTASIOS II ARTEMIOS und zuletzt THEODOSIUS III. Das späte Herakleianische Zeitalter war geprägt von innenpolitischen Konflikten und von außenpolitischer Bedrängnis – allerdings weniger durch den Expansionskurs des aufkeimenden islamischen Gedanken eines Großarabischen Reiches, als durch die Bulgaren an der Balkangrenze. Überschattet wurde die gesamte Situation durch teilweise banale Streitigkeiten der östlichen Patriarchie mit den römischen Päpsten – erste Anzeichen für das „große östliche Schisma“, das 400 Jahre später das Christentum in einen römischen Katholizismus und eine griechisch orthodoxe Kirche spalten wird, beginnt sich zögernd zu manifestieren.

CONSTANS II regiert, wie viele seiner Nachfolger im 7. Jh., fast sein ganzes Leben lang, das Reich von seinen italienischen Kolonien aus. Kein Wunder, dass gerade die häufigsten Umlaufmünzen für den täglichen Gebrauch aus italienischen Münzstätten stammen. (unten ein Follis aus Syracus von CONSTANTIN V, 741-775 gemeinsam mit LEO III und LEO IV)

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Zudem beginnen die Romaion-Herrscher von Italien aus, die dort inzwischen gängige Silberwährung für ihr Reich zu adaptieren – zunächst mit mäßigem Erfolg – der heutige Sammler bekommt es an den Marktpreisen für silberne Miliaresien des 7. und 8. Jh. unangenehm zu spüren. Mitte des siebten Jahrhunderts ist nun doch „endlich“ die Inflation eingekehrt: Bronzen und Silbermünzen (nach ihrem kurzen Gastspiel) verschwinden, und es regieren der Goldsolidus und der Tauschhandel. Die Wertbezeichnungen auf den Münzen werden überflüssig und stellen nur noch eine ornamentale Verzierung dar. Unter THEOFILOS (829-842) erfolgt schließlich die letzte Follis-Prägung mit der Wertbezeichnung „M“:

[ externes Bild ]

Gegen Ende des 8. Jh. hat sich mittlerweile eine bemerkenswerte kulturelle Revolution im Abendland vollzogen, die sich nirgendwo anders derart massiv manifestiert als auf den Münzprägungen der Romaion:

1) Der Kaiser tritt in den Hintergrund (numismatisch gesehen auf das Revers) – christliche Symbolik übernimmt die Darstellung der herrschaftlichen Attribute.
2) Die lateinisch/griechischen Münzlegenden nehmen die von den Sassaniden im heutigen Irak eingeführten, und von den islamischen Arabern weitergepflegten Schreibweise in 3 bis 5 parallelen Zeilen an.
3) Nur 50 Jahre nach der Einführung der figürlichen Darstellung des Christus auf den byzantinischen Münzen folgen Staat und Klerus dem islamischen Vorbild, welches die Darstellung Gottes und göttlicher Symbolik zur Todsünde erklärt.

----------- warum ????????? ---------- vielleicht ein diplomatischer Schachzug ?????????

Nun denn – bei der Entsorgung ungeliebter „Despotes“ oder „Autokrates“, wie die Herrscher der Romaion jetzt oft auf ihren Münzen genannt werden, verstehen sich die selbsternannten Erben des Throns auf recht unchristliche Methoden: Am beliebtesten ist ein Exil in Armut mit gespaltener Nase und abgetrennter Zunge (kein Witz!).

Und, was uns Numismatiker am meisten ärgert --- die Münzen aus dem 8. und 9. Jh. sind extrem selten. Anders wird es mit dem LEO VI (dem Weisen) und der Makedonischen Dynastie und dem Ende des "Bildersturms". Es wird vermutet, daß der nachstehende Follis des LEO VI die am häufigsten geprägte Münze der Romaion ist.

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Die Fortsetzung folgt (mit den populärsten Prägungen der Romaion - den "Anonymen")

heripo
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Beitrag von heripo » Do 06.03.03 09:34

...lieber Petzlaff ...wieder ein hochinteressanter Beitrag, der - in Anknüpfung an die vorherigen - in gekonnter Form das Verstehen der oströmischen / byzantinischen Prägungen ermöglicht - ohne, daß man nun mit "dicken Büchern" anfangen müßte.
Bitte...bitte.... - auch wenn nun hier ( wie fast zu erwarten ) zunächst wenige Postings ankommen ... laß Dich nicht entmutigen, denn, nicht alle Leser posten auch !!! - Die Zahl der Forums-Freunde steigt von Tag zu Tag und Du wirst sehen, auch das Interesse an den Byzantinern wird wird
zunehmen.
Ich freu mich auf jeden Beitrag - herzliche Grüße, heripo

Gast

Beitrag von Gast » Do 06.03.03 17:39

Lieber heripo - keine Sorge, das geht schon besser ab, als ich vorab jemals vermutet hätte.

Die Fortsetzung folgt sehr bald.

Gruß, petzlaff

heripo
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Beitrag von heripo » Do 06.03.03 22:30

au ja :onfire: .... :onfire: suuuuuuper

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Beitrag von tournois » Fr 07.03.03 01:43

heripo hat geschrieben: ... laß Dich nicht entmutigen, denn, nicht alle Leser posten auch !!!
Man kann auch anhand der "Aufrufe" erkennen wie interessant und gern gelesen Deine Beiträge sind!! Siehe Dir hier mal an was unter "Aufrufe" hinter Deinen Beiträgen steht..... ---->
http://www.numismatikforum.de/viewforum.php?f=47
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"Wir leben in einem Zeitalter, in dem die überflüssigen Ideen überhand nehmen und die notwendigen Gedanken ausbleiben!"
Joseph Joubert 1754 - 1824

Gast

Beitrag von Gast » Fr 07.03.03 10:00

@tournois -

....... nur, wie Ihr alle wisst, wird jeder Aufruf doppelt gezählt (verdammte Technik !).

by the way - ich hab Deine points secrets nicht vergessen - kommt die Tage Alles auf Dich zu !

Gruß - petzlaff

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Beitrag von tournois » Fr 07.03.03 10:42

Keine Hektik! :wink:
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