Sommerloch

Münzen des alten Byzanz

Moderator: Wurzel

Gast

Sommerloch

Beitrag von Gast » Fr 18.07.03 12:09

Hallo, Sammlerfreunde -

nicht, dass Ihr denkt, das Sommerloch hätte mich verschluckt.
Im Gegenteil - es hat mir gerade eben einen bemerkenswerten Zugang zu meiner Sammlung beschert. Ich hoffe, ich habe mich bei der Auktion mit niemanden von Euch angelegt !

Für die, die es nicht auf Anhieb wissen - wen haben wir denn da ?

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petzlaff

dodo9999
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Beitrag von dodo9999 » So 20.07.03 19:10

dann sag mal was du da hast......



:cry:

secundus
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Beitrag von secundus » Do 24.07.03 15:35

Gehört zeitlich gesehen nicht zu den Byzantinern, aber wegen dem rustikalen Stil ist er in dieser Rubrik sicherlich am besten aufgehoben. :D
Giebt es einen Grund, weshalb Münzen dieses Herrschers, trotz seiner langen Regierungszeit nicht häufig zu finden sind ?

@ dodo9999: kleiner Tip: http://www.mcintosh55.com/mono.html

Gast

Beitrag von Gast » Do 24.07.03 19:27

@secundus

da hast Du ja recht: das ist ein spät-spät-Römer (immerhin ein östlicher Kaiser). Aber da Kleinbronzen aus dem 5.Jh in unserer Römer-Rubrik nicht so gern gesehen sind, habe ich mich des guten alten LEO I erbarmt und ihm gnädig Asyl in unserem Forum gewährt.

Die Gelehrten streiten sich ja ohnehin schon seit Jahrhunderten, ob "Byzanz" mit CONSTANTIN und seinen Söhnen oder mit ARCADIUS und den auf ihn folgenden Herrschern des Oströmischen Teilreiches oder erst mit der Münzreform des ANASTASIUS anzufangen hat. Ich vertrete die Ansicht, dass geschichtlich die ARCADIUS-Variante i.O. ist und MÜNZgeschichtlich die ANASTASIUS-Betrachtung.

Die Münzen der oströmischen Kaiser ARCADIUS, THEODOSIUS II, MARCIANUS und LEO I gehören sowohl zum späten Rom als auch zum frühen Byzanz. LEOs Nachfolger ZENO steht im historischen Niemandsland zwischen dem Fall des westlichen Reiches und dem Erneuerer der römischen Währung, ANASTASIUS im Osten.

LEO I (457-474) war ein kluger, weitsichtiger und großherziger Staatsmann (Werte, die heute bei den Politikern dieser Welt meist kaum greifbar sind). Sein historisches Verdienst ist, dass er unter Einsatz der daraus umgesetzten Politik die Grundlage für 1000 folgende Jahre die (ost)römische Kultur als Staatsgebilde sichern half. Nicht umsonst wird er auch als "LEO der Große" in den Enzyklopädien mehr als nur erwähnt.

...........

Jawohl - seine Bronzen sind selten - warum ????? I don't weiss nich.
Wenn jemand über dieses Phänomen aufklären kann - ich freue mich auf einen Beitrag (BERENIKE ????????)

Gruß - petzlaff

secundus
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Beitrag von secundus » Do 24.07.03 21:06

Hi Petzlaff,

aus purer Neugier sei einmal gefragt, was das Prachstück Dich gekostet hat ?

Wenn ich bei wildwinds oder coinsarchive herumstöbere, beschleicht mich der Eindruck, die Bronzen sind seltener anzutreffen als das Goldgepräge und liegen daher im Preisverhältnis ungünstiger als dies bei den meisten anderen Regenten üblich ist. Noch fataler ist die Situation allerdings in der Zeit zwischen 472-474 ( Leo II. Olybrius und Glycerius), aus der weder Bronze- noch Silbermünzen bekannt sind bzw. die Echtheit der wenigen Exemplare heftig umstritten ist. Womit mag damals der kleine Mann seinen Scheffel Getreide bezahlt haben ?

Um dem Leo I. seinen Aufenthalt im Münzschuber so angenehm wie möglich zu gestalten, sollte ihm noch seine treusorgende Gattin Verina zugesellt werden. Viel Erfolg bei der Raritätenjagt ! :D

Gast

Beitrag von Gast » Fr 25.07.03 08:40

@secundus -

dafür habe ich zwei Zwanziger hingelegt. Hat mich aber bis zur letzten Auktionsminute eine Menge Nerven gekostet !!!

Gruß, petzlaff

berenike
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Beitrag von berenike » Fr 25.07.03 09:03

Buh, irgendwie überschätzt ihr mich allmählich ein bißchen. Alles weiß ich leider auch nicht. Ich gebe zu, Ostrom und Byzanz bin ich eher schwach.

Und warum oströmische Bronzen so selten vorkommen? Kann es sein, daß im 5. Jahrhundert die Geldwirtschaft im Kleingeldbereich schon so sehr zurück gegangen ist, daß nicht mehr für die gesamte Bevölkerung, sondern nur noch für diejenigen, die in den Städten lebten, geprägt wurde.
Wenn ich mich recht entsinne, beginnt seit Diokletian langsam im ländlichen Bereich wieder der Rückschritt von der Geld- zur Naturalwirtschaft. Dies schlägt sich natürlich nicht in der Edelmetallprägung nieder. Gold brauchte man durch das ganze Mittelalter hindurch, um große Summen zu zahlen. Soweit verfügbar benutzte man dafür die byzantinischen Solidi, aber das Kleingeld fiel praktisch weg, da der bäuerliche Kleinbetrieb alles produzierte, was man zum Überleben brauchte. Wenn ich mich richtig erinnere sind im byzantinischen Bereich Bronzen zu der Zeit noch wesentlich häufiger, aber wohl deshalb, weil dort die Welt noch wesentlich städtischer ablief.

Merkelbach hat mal nachgewiesen, daß der Übergang von der Tausch- zur Geldwirtschaft im Wesentlichen am Bestehen von Kleingeld hängt. Könnte man nun nicht das Fehlen des Kleingeldes als Indiz nehmen, inwieweit die Geldwirtschaft wieder zur Tauschwirtschaft geworden ist.
Allerdings ist das nur eine Vermutung!!!

Beste Grüße
:D
Berenike

secundus
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Beitrag von secundus » Mo 28.07.03 04:18

@petzlaff: Manch einer bezahlt alleine für´s Nervenkitzeln 20 Euro und Du hast noch ´ne Münze als kostenlose Zugabe.

Noch unter Arcadius u. Honorius sind Bronzen sehr häufig zu finden und erst mit ihrem Abtreten ändert sich die Lage abrupt, wobei im politisch instabilerem Westrom noch weniger unedles Metall geprägt wurde als im Osten. Ein Rückschritt zum Tauschandel, könnte man wohl als Indiz für die Auflösung der staatlichen Ordnung werten.

Ob in düsterer Zukunft nur noch Gold-Euros geprägt werden ?

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