Das Problem ist doch folgendes: Wann ist eigentlich eine Gedenkmünze eine Gedenkmünze?
Ich würde nicht unbedingt alle römischen Münzen, die sich auf ein bestimmtes Ereignis beziehen als Gedenkmünze bezeichnen wollen. Ist es nicht vielmehr Propaganda, wenn ein Kaiser im Lande bekannt macht, was er alles an Großartigem vollbracht hat. Gehen wir da nicht mit unserem Geschichtsverständnis aus dem 19. Jahrhundert hin und oktroyieren den Römern eine Vorstellung auf, die sie gar nicht mit einer bestimmten Münze verbunden haben?
Eine Gedenkmünze ist für mich eine Münze, die den Zweck hat, ihren Besitzer an ein bestimmtes Ereignis der Gegenwartsgeschichte oder der Vergangenheit zu erinnern und die nur im Notfall dem Geldverkehr zugeführt wird (all die 10-Mark-Gedenkmünzen kamen erst wieder auf den Markt, als ihre Besitzer Angst haben mußten, daß sie ihren Wert verlieren). Ich würde die Wurzeln für diese geistige Einstellung in der Renaissance suchen mit ihrem ganz neuen Geschichtsbewußtsein. Und ich könnte mir vorstellen, daß die Gedenkmünze eine Weiterentwicklung der Medaille ist: Eine Medaille, die im Notfall auch als Geld eingesetzt werden kann, weil sie vom Wert her in einem bestimmten Verhältnis zum Kurantgeld steht.
Interessante Frage, seit wann es Gedenkmünzen gibt, denn damit fassen wir eine geistesgeschichtliche Entwicklung, die sich auf unser Verständnis von Vergangenheit und ihrem Weiterwirken in der Gegenwart bezieht.
Berenike