Zahlungen um ca. 1400

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

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mumde
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Zahlungen um ca. 1400

Beitrag von mumde » Mi 18.06.03 20:50

Hallo Heripo, ich weiche aus dem Wiener-Pfennig-Thread hierher aus, weil es unter "Wie zahlten unsere Vorfahren" ganz gut paßt. Als Quelle für Zahlungen ist uns unter anderem das Runtingerbuch überliefert, das Rechnungsbuch der Regensburger Kaufmannsfamilie Runtinger, die um 1400 in Venedig Glas, Gewürze, Korallen usw. kaufte, in Ungarn Pferde, in Brabant und Flandern Tuch, und dann jeweils aufschrieb, wie und wo und mit welchen Kosten sie diese Waren wieder verkaufte. Da gibt es beispielsweise am 9. Juni 1384 folgende Eintragung: "Item ez cham der Kriespechk herwider von Wien an underz herren leichnam tag und het der gepleiten parichant (= gebleichtes Barchent, ein in Regensburg hergestelltes Tuch) verchaeuft 28; der gab er der 26 parichant umb 3 pfaerd, di pracht er mir; so gab er di zway parichant umb 18 s. 10 dn. Wiener. Item so gab er 5 Mailanisch parichant hin ye ainz umb 10 s dn. Wiener, summa 6 lb. 60 dn. Summa dy 7 parichant umb 8 1/2 lb. 10 dn. Wiener." Das heißt also: Sein Angestellter Griesbeck ist mit 28 Stück Regensburger Tuch und 5 Stück Mailänder Tuch nach Wien gereist, hat 26 Stück Regensburger Tuch gegen 3 Pferde getauscht und die 2 restlichen Stück Regensburger Tuch für 18 Schilling 10 Pfennig verkauft. Die 5 Stück Mailändisches Tuch hat er für je 10 Schilling verkauft, das macht 6 Pfund und 60 Pfennig. Insgesamt hat er die 7 Stück Tuch für 8 1/2 Pfund und 10 Pfennig verkauft.
Wenn wir jetzt rechnen, müssen wir den süddeutschen Sonderfall des "langen Schillings" berücksichtigen: In anderen Gebieten galt 1 Pfund= 20 Schilling = 240 Pfennig, der Schilling also 12 Pfennig. Nicht so in Süddeutschland. Da war 1 Pfund = 8 Schilling = 240 Pfennig, der Schilling also 30 Pfennig, deshalb "langer Schilling".
2 Stück Tuch = 18x30 + 10 Pfennig = 550 Pfennig
5 Stück Tuch = 50x30 = 1500 Pfennig
7 Stück Tuch also 2050 Pfennig.
Das wird ausgedrückt als "8 1/2 lb. 10 dn. Wiener", also achteinhalb Pfund Pfennige plus 10 Pfennige.
8,5x240 = 2040, plus 10 = 2050 Pfennig.
Die Rechnung stimmt also.
Gruß mumde

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mumde
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Beitrag von mumde » Mi 18.06.03 21:08

Noch ein anderes Beispiel aus dem selben Runtingerbuch, 26. August 1392: "Item mir gab der Haennsl 2 markch ân 1 quaenttaet silbers, pringt 2 lb. 7 sol. und 24 1/2 R,. dez montag vor Augustini."
Da hat Runtinger also 2 Mark minus 1 Quentchen Silber gekauft, und das brachte 2 Pfund, 7 Schilling und 24 1/2 Regensburger Pfennig.
Das Silbergewicht wird in Mark und Quentchen angegeben, während der Geldwert in Pfund, Schilling und Pfennig gerechnet wird.
"lb" ist natürlich die Abkürzung für libra, das lateinische Wort für Pfund. Daher ja auch die italienische Lira = 1 Pfund Pfennige, und das gekürzte L als Zeichen des britischen Pfund Sterling.
So, Heripo, bist Du überzeugt? :wink:
Gruß mumde

heripo
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Beitrag von heripo » Sa 21.06.03 09:59

tja, lieber Mumde ...., wenn wir doch als Münzensammler nicht so "überregional" eingestellt wären, dann könnte man vielleicht so langsam mal "auf Grund" kommen :oops: ... Zwar hatten die Münzreformen der Karolinger (Pippin 751 - Karl d.Gr. 794 ) jeweils ein
"reichseinheitliches" System zugrunde liegen ( damals das Pfund von 327,45 gr auf 367,13 gr ) unterteilt in 20 Schillige zu 240 denare ... aber
der denar begann ja erst im 10. JH langsam Fuß zu fassen und schon zur frühen Stauferzeit entstehen ja zahlreiche "Münzkreise" , was die Regionalität des Pfennigs begünstigt. Wenn demnach manche regionale Pfennige beliebter waren als andere, dann hatte dies ja eine "Wertigkeit" oder "Güte" zum Hintergrund. "Trau, schau, wem" ...?

Ungleich schwieriger - als für den Kaufmann, der bereits gewohnt war, in "Silber" ( Geld ) zu rechnen - war es halt für den "kleinen Mann", denn für ihn war im frühen Mittelalter der "örtliche" Wert z.B. eines Schweins, einer Ziege, eines Kalb's usw. " das Maß aller Dinge".

... Wenn ich mir da z.B. die "Streitereien" in den div. "E..y-Cafes" über die
"aktuellen Betrügereien und Abzocken" vor Augen halte, da versuche ich mir vorzustellen, wie denn die "Zahlungsmoral und Steuerehrlichkeit" damals "vollzogen" wurde ... züchtete man da vielleicht im "offiziellen Stall" halbverhungertes, dahinsiechendes Viehzeug für den Steuereintreiber, um im "heimlichen Stall" eine fette Sau zu mästen, mit der man der Geliebten neues Kleid beim Schneider bezahlte ...???

Na ja, immerhin dürfen ja auch wir uns seit ca zwei Jahren in den Rechenkünsten einer neuen, einheitlichen Währung üben ... und auch hier läuft ja alles "problemlos" ! ( zwar müssen wir nicht mehr das Silber, dafür aber bald die Kartoffel mit der Digitalwaage wiegen :D )

nette Grüße, heripo

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mumde
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Beitrag von mumde » Mo 23.06.03 01:30

Ich wollte mit meinem Beitrag nur darauf hinweisen, daß "Pfund" im damaligen Zusammenhang nicht als Gewicht, sondern als Zählpfund von 240 Pfennig zu verstehen ist.
Gruß mumde

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