Geschichte der Münze Berlin

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

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mfr
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Geschichte der Münze Berlin

Beitrag von mfr » Do 17.07.03 19:25

Staatliche Münze Berlin

[ externes Bild ]Seit mehr als 700 Jahren werden in der Haupstadt Berlin Münzen geprägt. Beim Gang durch die Jahrhunderte stoßen Interessenten auf den "ewigen Pfennig", die Aluminium-Münzen aus DDR-Zeiten und goldene Euros.

Eigentlich ist die Stadt Berlin noch relativ jung, zumindest im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen. Die Ursprünge der deutschen Hauptstadt liegen am Ende des 12. Jahrhunderts.
1237 und 1244 werden die beiden Kaufmannssiedlungen Cölln und Berlin zu beiden Seiten der Spree erstmals urkundlich erwähnt. Die beiden Städte, am Schnittpunkt mittelalterlicher Handelsstrassen gelegen, nehmen einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung. Schon bald wird eine erste Münzprägestätte eingerichtet.
Am 4. April 1280 ist es soweit. Zwar wurde bereits früher in Berlin Geld geprägt, doch die älteste Nachricht über die Münze Berlin datiert auf diesen Tag. Aber was heißt schon Prägestätte? Damals wurden die Münzen noch einzeln mit dem Hammer hergestellt.

Fast ein Jahrhundert später, am 24. Juni 1369, erwirbt Berlin, inzwischen in einer Union mit Cölln vereinigt, zusammen mit 13 anderen Städten das städtische Münzrecht zur Prägung des "Ewigen Pfennigs".
Kein billiges Vergnügen, 1,5 Tonnen Silber kostete zur damaligen Zeit dieses Münzrecht.
Die Pfennige Berlins zeigen den Markgrafen mit Schwert und Speer, und auf der Rückseite den nach links laufenden Bären. Damals befand sich doie städtische Münze in der Münzer Straße, nahe dem Neuen Markt.

Mitte des 15 Jahrhunderts wird Berlin von den herrschenden Hohenzollern zur ihrer Residenzstadt ausgebaut. Der Handelsplatz Berlin, Anfang des 14. Jahrhunderts der Hanse beigetreten, wurde so auch zur Hauptstadt der Mark Brandenburg. Ein tiefer Einschnitt für die Entwicklung Berlins war der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648), durch den sich die Bevölkerung auf etwa die Hälfte verminderte. 1666 wird die städtische Münze geschlossen, obwohl dem Magistrat das Privileg zur Münzprägung noch weitere 100 Jahre vom Kurfürsten bestätigt wird.

Erst das 18. Jahrhundert wird zur Blütezeit der Stadt und ihrer Münze. 1701 wird der Kurfürst zum König und die Münze zur Königlichen. Das Schloss, in dem die Prägestätte seit 1680 untergebracht war, wird königliche Residenz - und die Münze zieht aus. Bereits 1688 war ein Spreearm zum so genannten Münzkanal umgestaltet worden. Dorthin, in die Unterwasserstraße, zieht die Münze. Die Technik des Münzprägens hat sich zwischenzeitlich weiterentwickelt. Spreewasser treibt die Maschinen in der Münze an.

Unter der Regentschaft Friedrichs II. (1740 bis 1786) wurde Preußen zu einer europäischen Großmacht - auch die Bedeutung der Hauptstadt Berlin wächst. Die Münze kann sich vor Aufträgen kaum retten und benötigt immer mehr Platz. 1752 wird die Prägeanstalt erneut verlagert, dieses Mal in die Münzstraße. Etwa zur gleichen Zeit wird die lang geübte Praxis, die Münzen mit den Anfangsbuchstaben der Münzmeister zu kennzeichnen, als unübersichtlich und altmodisch abgeschafft. Durch die neue Münzordnung erhält die Münze im Jahre 1750 mit dem Buchstaben A ihr bis heute gültiges Münzzeichen.
Auch ein erneuter Ortswechsel findet statt: Nach der Grundsteinlegung am 10.November 1798 wird am Werderschen Markt ein neues Gebäude für die Münze gebaut und 1800 bezogen.


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So wurde im 19. Jahrhundert in Münzprägestätten gearbeitet (Holzstiche von 1877): Glühofen (oben links), Schmelze (oben rechts), Prägemaschinen für größere Silber- und kleinere Kupfermünzen (unten links), Maschine zum Strecken der Bänder (unten rechts)

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Im 19. Jahrhundert halten modernste Fertigungsmethoden Einzug. Schon 1820 wird die wenige Jahre zuvor entwickelte Prägetechnik der Uhlhornschen Kniehebelpresse in der Münze eingeführt.
Mit der Gründung des Deutschen Reiches wird der preußische König Wilhelm I. Kaiser von Deutschland, die Münze in Berlin wird zur preußischen Staatsmünze. Mit dem Münzgesetz vom 4.Dezember 1871 wird das Währungssystem des Deutschen Reiches neu geordnet - neben Berlin gibt es neun weitere Münzprägestätten. Aber mehr als die Hälfte aller Münzprägungen des Reiches werden in Berlin ausgeführt. 18 Prägemaschinen werfen Minute für Minute 60 bis 70 Münzen aus, täglich entstehen so etwa 750.000 Münzen.

Die Wirren des Ersten Weltkrieges und der Inflation führen zu Hektik und Aufregung in der Münze. Schon 1914 wurde die Prägung von Goldmünzen eingestellt, Scheidemünzen aus Eisen, Zink und Aluminium werden produziert. Als nach dem Krieg Anfang der 20er Jahre die Geldentwertung galoppiert, kommen die meisten Aluminiummünzen erst gar nicht in Umlauf, sondern werden gleich wieder in den Schmelzofen geworfen. Ab 1924 gibt es wieder die Reichsmark, diesmal aus Kupfer, Nickel und Silber.

Während der Naziherrschaft ändert sich das Münzwesen in Deutschland erneut. Per Gesetz vom 2. Juli 1934 werden die sechs deutschen Münzstätten zur Reichsmünze in Berlin zusammengefasst. Ein neues repräsentatives Gebäude am Molkenmarkt soll entstehen. Während des Krieges kommt die Bautätigkeit am Molkenmarkt zum Erliegen, aber es kann weiter geprägt werden. Die nach wie vor genutzten Gebäude am alten Standort Unterwasserstraße werden im Krieg vollständig zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird aus der Preußischen Staatsmünze wieder die Münze Berlin, schon 1947 werden wieder Münzen aus Zink geprägt. Nach Gründung der DDR gibt es wiederum neue Münzen. Ab 1966 prägt die Münze Berlin auch Gedenk- und Sonderumlaufmünzen. Bis zum Ende der DDR entstehen so 123 Gedenkmünzen von überaus hoher Prägequalität.

[ externes Bild ]Nach der Wiedervereinigung warten auf den "VEB Münze der DDR" neue Aufgaben: die Bevölkerung in den neuen Bundesländern muss mit DM-Münzen versorgt werden. Am 16. Juli 1990 startet die Prägung von 1-DM-Münzen mit dem Münzzeichen A. Doch schon wenige Jahre später ist Schluss: Prägestopp, weil der Euro vor der Tür steht.
Bis zur Einführung der neuen Währung prägt die Münze Berlin Tag für Tag fünf bis sieben Millionen Münzen. Insgesamt kommen für die Euro-Erstausstattung 3,4 Milliarden Münzen aus Berlin.
Im Jahr 2001 wird erstmals seit vielen Jahren in Berlin wieder eine Goldmünze hergestellt: zur Erinnerung an die DM-Ära werden 1-DM-Münzen aus 12 g Feingold 999,9 geprägt.

Quelle: http://www.bwpv.de/sammlermuenzen.php3?iid=354

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