Ein Beitrag zur Vorbilder-Diskussion für das infragestehende Falsifikat
Der interessierte Münzforscher wird sich im Verlauf der Diskussion über "Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)" schon einmal die Frage gestellt haben: "Woher in Dreiteufelsnamen hat dieser Medaillen-Produzent sein Vorbild hergenommen- von den real existierenden authentischen Prägungen der Münzstätte der Reichsstadt Kaufbeuren ??".
"Lilienpfennigfuchser" hat hierzu in seinem Beitrag vor Jahren bereits die Fährte gelegt:
Lilienpfennigfuchser hat geschrieben: ↑Mo 20.12.10 12:01
Frau Dr. Nau hat sich 1964 umfangreicher mit den Münzen von Kaufbeuren befaßt (in "Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte").
In ihrem Buch ist kein vergleichbares Stück aufgeführt. "Bernhart" steht mir leider nicht zur Verfügung, doch kann man davon ausgehen,
dass Frau Dr. Nau entsprechende Münzbeschreibungen (von Bernhard) in ihre Veröffentlichung übernommen hätte.
Bildlich ist die Münze, wie du schon sagtest, mit dem 1/4 Taler vergleichbar (s. Nau 40-50 u. 53-55). Aber der 1/4 Taler wiegt über 7 g.
Das Gewicht würde etwa mit dem der 3 Kreuzer übereinstimmen, doch aus der Zeit sind mir keine 3 Kreuzerstücke bekannt.
100 % ig kann wohl niemand die Prägung eines solchen Stückes ausschließen --- ich meine aber mit 99 %.
Könnte es sein, dass man ein 1/4 Taler mit modernen Mitteln abgegriffen und auf einen Schrötling in 3 Kreuzergröße verkleinert hat?
Eine Münze mit Brustbild läßt sich doch besser vermarkten.
Die Münze ist m. E., nach der Abbildung zu urteilen, sehr flach geprägt.
Ich würde das Stück, ohne es in den Händen gehalten zu haben, nur als Fälschung kaufen".
Ich möchte an dieser Stelle diesen Ansatz von möglichem Vorbild für das vorliegende Falsifikat noch einmal vertiefen:
Als mögliche bildliche Vorbild-Quellen für dieses Münz-Imitat kämen in Frage:
Abbildung aus
Albert Rehle, das ist der erste namhafte Münz-Historiograph für das Münzwesen der Stadt Kaufbeuren, in seinem frühen Standardwerk: "Die Münzen der Stadt Kaufbeuren, Ein Beitrag zur Münzgeschichte Schwabens,
Kaufbeuren 1880", Tafel 4, Abbildung Nr. 14, Abbildung lithographiert, mit der Beschreibung: "Viertels- oder Ortsthaler, Feingehalt 0,875. Gewicht 6,80 - 6.90 grm (Gramm), Dm 30 mm, sämmtliche R (Rar).
Avers. Wappenschild Form 3. Revers. Stempelzeichen f, Sternrosette. Das Brustbild des Kaisers (Karl V.) von seltener Porträtähnlichkeit".
Das abgebildete Exemplar datiert auf das Jahr
1548.
Dann die Abbildungen im Standardwerk von Prof. Dr.
Max Bernhart, Konservator der Staatlichen Münzsammlung München:
"Die Münzen und Medaillen der Stadt Kaufbeuren, nebst einer münzgeschichtlichen Einleitung", Halle/ S.
1923, Sonderdruck aus den Mitteilungen der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft Jahrgang 1922/3:
Diese Abbildungen der Originalmünze, Vierteltaler Kaufbeuren, wiedergegeben in fotometrischer Weise, Tafel II, Nummer 177.
Dazu Beschreibung auf Seite 59. Das abgebildete Exemplar datiert auf das Jahr
1545.
Anzumerken zu dieser Art der Abbildung ist: die Erscheinung des Viertel-Talers hier ist im Abdruck ziemlich "grieselig". Das abgebildete Exemplar ist zudem in seinem Erhaltungszustand und seinen Konturen wenig scharf geschnitten, ist also in seiner möglichen Vorbildfunktion doch stark eingeschränkt.
Immerhin erscheint im Revers die Abkürzung der Münzstätte mit "
Kaufbur", - denn: die Vollständigkeit dieser Benennung variiert stark je nach Ausgabetyp. Für die Kenntnis dieser Publikation von Max Bernhart des Imitators spricht, dass das Erscheinungsdatum der Schrift 1923 nahe bei den Datierungen der bekannten Silber-10-Kopekenstücke aus den Jahren 1925 und 1928 liegt, die im Untergepräge der Falsifikate erkennbar werden.
Die Prominenz einer solchen Forschungsschrift zum Münzwesen der Stadt Kaufbeuren durch einen namhaften Wissenschaftler mag zur Aktualität und Relevanz einer zeitnahen Reproduktion des hier infragestehenden Falsifikates beigetragen und zu einer solche Produktion erst den Anstoss gegeben haben.
Als wahrscheinlichstes Vorbild für die hier thematisierte Nachahmung "Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)" erscheint mir hier aber
ein dem Imitator real
vorliegendes Münzexemplar des Vierteltalers Reichsstadt Kaufbeuren aus dem Jahr 1543 selbst zu sein.
Der Nachahmer hat das Konterfei des realen Vorbildes dann in freier Nachahmung auf den verkleinerten Maßstab seiner 10-Kopekenmünze übertragen, wobei er die Sukzessionsnachfolgeziffer "Karl
V." gleich mal unterschlagen hat. Auch im Reversstempel mit dem Wappenschild hat sich der Nachahmer ein paar Freiheiten in der Umsetzung des Vorbilds auf seinen Prägestempel erlaubt, so die drei Kugeln im Balken oder die Abänderung des Münzmeister-Zeichens des Meisters [Balthasar Hundertpfund, nein:] Hans Apfelfelder, das er nicht zu lesen verstand, in die Form eines Doppeladlers.
Abschliessende Überlegung
Warum der Anfertiger dieses Falsifikates "Unbekannte Münze von Kaufbeuren (?)" bei seiner Nachahmung allerdings
von der Abmessung der
originalen Vierteltalers der Reichsstadt Kaufbeuren aus dem Jahr 1543 mit der Originalgrösse von Durchmesser 30 Millimeter auf eine augenfällige
"Schrumpfgrösse" der Nachbildung von real 17 bis 22 Millimeter (je nach Abfeilung) gesetzt hat ?? -
Diese Frage würde ich dem Imitator der Originalmünze Vierteltaler aus dem Jahr 1543 der Münzstätte Reichsstadt Kaufbeuren gerne stellen.
Die Klärung dieser Frage, wie auch der Name des "Falsifikators", Herstellungsort, und auch die Frage, weshalb dieser gerade auf die Grösse eines ihm greifbaren 10-Silberkopekenstückes zurückgegriffen hat ???, - die Beantwortung dieser Fragen bleibt dann wohl: sein Geheimnis !
