Im „Ein numismatischer Spaziergang durch Wien…“ (viewtopic.php?f=82&t=68178&hilit=Spaziergang#p593597) ) hatte ich eine Armenmarke für die Insassen des Großen Armenhauses in Wien mitsamt der Geschichte des Armenhauses vorgestellt. Den Insassen wurde auch der Bezug vergünstigter Medikamente aus der Heilig-Geist-Apotheke ermöglicht, wofür auch diese Marke aus dem Jahre 1756 verwendet wurde:
23 mm, 4,55 g
Stahl 998, Neumann 1212, Slg. Brettauer 3384
Die Marke zeigt auf der Vorderseite die Taube als Zeichen für den Heiligen Geist im Strahlenkranz mit der Umschrift PATRE PAUPERUM (Vater der Armen).
Auf der Rückseite ragt eine Hand, die einen Geldsäckel hält, aus den Wolken. Zusammen mit der Umschrift MUNIFICENTIA PIORUM (Großzügigkeit der Frommen) soll es die Wohltätigkeit und Unterstützung des Armenhauses/der Armen durch fromme oder wohlhabende Stifter betonen.
In der Wien Geschichte Wiki gibt es einen Beitrag über die Heilig-Geist-Apotheke, Die Apotheke Zum heiligen Geist (1652-1872 Kärntner Straße 28–30, danach bis heute Operngasse 16) wurde circa 1550 als "Hausapotheke" des Bürgerspitals gegründet und ab 1652 als öffentliche Apotheke geführt:
Auch nach der Übersiedlung des Bürgerspitals in die Stadt (Bürgerspital Haupthaus) bezog das Spital Arzneien weiterhin bei den Apothekern in der Stadt. Als Lieferant wird 1534 etwa der Apotheker "Zur goldenen Krone", Ludwig Heyn, genannt, der auch das Klosterneuburger Siechenhaus belieferte. Im Zug von Reformvorschlägen wurde 1539 unter anderem angeregt, eine eigene Apotheke im Spital einzurichten. Dazu dürfte es jedoch erst im Jahr 1550 gekommen sein, ein Jahr später wurde – jedoch nur kurzfristig – ein Apotheker im Spital angestellt. Ein Inventar aus dem Jahr 1552 gibt über die damalige rudimentäre Hausapotheke Auskunft. In der Apotheke befanden sich zu diesem Zeitpunkt 20 zinnerne Kannen, eine zinnerne Mensur, ein großer und ein kleiner Mörser samt Stößel, vier zinnerne "balnea Maria" in einem Kessel, ein zinnerner Ständer, zwei große zinnerne Brennhüte, ein kleiner Branntweinkessel und diverse andere Gerätschaften. Im Zimmer des Bürgerspitalmeisters war zudem ein Kräuterbuch vorhanden.
Die zusammengesetzten Medikamente wurden weiterhin von bürgerlichen Apotheken bezogen. Nachweislich belieferte beispielsweise ab 1587 die Apotheke „Zum weißen Engel“, vor allem aber die Apotheke „Zum schwarzen Bären“, über längere Zeit das Bürgerspital mit Medikamenten. Die Belieferung durch die Stadtapotheken führte in der Folge allerdings zu Klagen über mangelnde Qualität und hohe Preise.
Nach diversen Zwischenschritten – 1622 wurde beispielsweise wieder kurzfristig ein Apothekergeselle eingestellt und 1624 von der Medizinischen Fakultät ein Gutachten bezüglich einer etwaigen Spitalapotheke eingeholt – erfolgte schließlich 1642 die Eröffnung einer Apotheke im Hof des Bürgerspitals und die Einstellung eines Provisors. Der erste in dieser Funktion war Johann Leonhard Winheim, der am 3. Juli 1642 seine Prüfung ablegte. Ihm folgten 1650 Sebastian Paul, dann Gerhardt Gymnich, der am 20. November 1651 die Prüfung bestand.
Diese Apotheke dürfte vorerst nur dem Eigengebrauch gedient haben und erst ab 1652, als sie unter dem Zeichen „Zum heiligen Geist“ (nach der Bürgerspitalkirche) in die Kärntner Straße an den Ort der bisherigen Trinkstube verlegt wurde, auch den öffentlichen Verkauf begonnen haben. Eine heute im Wien Museum aufbewahrte Marmortafel mit Inschrift, die außen an der Apotheke angebracht war, erinnert heute noch an diese Übersiedlung.
Eine ursprünglich im Bürgerspital entstandene und heute in der Bibliothek des Salzburg Museums aufbewahrte Handschrift aus dem Jahr 1662 gibt Einblicke in den damaligen Zustand der Apotheke. Sie bestand damals unter anderem aus einem Laboratorium, einem Aquarium (Aufbewahrungsort flüssiger Arzneien), einer Apothekerstube, einer Materialkammer, einem Kräuterboden und einem Glaskämmerchen. Zahlreiche pharmazeutische Bücher waren vorhanden.
Durch die Verlegung der Apotheke an einen frequentierten Ort und den öffentlichen Verkauf sahen sich die bürgerlichen Apotheker in ihren Privilegien beeinträchtigt. Der Streit wurde erst durch ein Privileg Leopolds I. vom 27. Jänner 1681 entschieden, dass der Spitalapotheke offiziell das Recht auf den öffentlichen Verkauf einräumte. Da die Apotheke sämtliche Arzneien für das Bürgerspital und seine Filialen bereitzustellen hatte, wies sie trotz öffentlichem Verkauf immer eine negative Bilanz auf. 1748 erging eine kaiserliche Resolution, wonach in der Kärntner Straße und den umliegenden Gassen keine weitere Apotheke errichtet werden durfte, was in der Folge wieder aufgeweicht wurde. 1754 erfolgte die Einrichtung einer Filiale der Bürgerspitalapotheke im gerade erst vereinigten Spanischen- und Dreifaltigkeitsspital.
Auch nach dem Umbau des Bürgerspitals und auch des Chaosschen Stiftungshauses in das Bürgerspitalzinshaus ab den 1780er Jahren, blieb die Apotheke an ihrem ursprünglichen Standort. Das Bürgerspital war ab diesem Zeitpunkt nur noch für die Versorgung von Bürgern und deren Angehörigen zuständig, die ab 1785 im zum Bürgerversorgungshaus umgewidmeten Spital zu St. Marx untergebracht waren. 1792 wurde die Apotheke an den bisherigen Provisor verpachtet. Dieser und auch künftige Pächter hatten die Waren für das Bürgerversorgungshaus billiger abzugeben.
Die Apotheke existiert noch heute und bietet Führungen durch den denkmalgeschützten Medizinalkeller an.
Literatur:
https://stadtarchaeologie.at/armenhausg ... zialitaet/
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Z ... (Apotheke)
https://apotheke-hl-geist.at
Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund
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Re: Alte Marken und Zeichen und Ihr Hintergrund - Armenmarke Heilig-Geist_Apotheke Wien
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