Steckbriefe für Falschgeld

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

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Pflock
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Steckbriefe für Falschgeld

Beitrag von Pflock » So 22.06.08 17:25

Hallo,
in einer Gastronomie-Ausstellung habe ich unten abgebildete Steckbriefe entdeckt.

Jetzt habe ich glatt vergessen, von wann die sind. :oops: Ich glaube da stand irgendwas von 14xx dran. Aber das können die Experten sicherlich an den dargestellten Münzen erkennen.
Wie, besser wann auch immer ...
Diese Steckbriefe hingen damals in Schencken aus und dienten dem Volke zum erkennen von Falschgeld.

Ich finde diese Dienstleistung der Herrschenden recht beachtenswert. Anscheinend wurde das Falschmünzerwesen recht genau beobachtet und dokumentiert. Wie heute auch.

Zur besseren Lesbarkeit, habe ich mich mal an einer Abschrift versucht. Beide Texte beschreiben das Gleiche, wurden aber anscheinend von unterschiedlichen Personen geschrieben. Sie unterscheiden sich daher in der Rechtschreibung und den Zeilenumbrüchen. Ich habe daher eine Mischung aus Beidem erstellt.
In den Klammern habe ich mich an eine Übersetzung in´s Hochdeutsche gewagt. Einige Wörter sind mir aber unklar (mit ? markiert), bzw. bin ich mir nicht sicher, ob ich die Buchstaben richtig erkannt habe.

Vielleicht kann mir jemand die ersten beiden und den vorletzten Absatz erklären.
Was ist ein "vier herren schleg"?
Was ist ein "haim-burger ~", "kölnischen ~", "Franckfurter ~" oder überhaupt ein "schlag"?
Was ist ein "dittel"? Die Mäuse gab´s damals doch noch nicht. Oder? :?
Wie dick ist ein "Halms"?
Wie wird man "übergült"?
Nÿe seind zemercken (Neu sind zu merken) die zeichen der falschen guldin
im nÿderland gemacht·unnd seind etlicher mün-
tzer zu Göttingen in Sachssen unnd in andern stät-
ten verprannt und auff vier thunne (Gewicht/Maßeinheit?) golds vo in gemuntzet.

Item die guldin auff der vier herren
schleg (Gemeinschaftsprägung, s.u.) mit einem zwifaltigen ·w· das
steet (steht) oben an de mentzer rad (Mainzer Rad) ist falsch.

Die guldin mit einem apffel auf ei-
ner seyten unnd die sant johannes auff d(er)
andern seyte ein schilt mit einem löwe
etlich seind falsch.

Die guldin mit einem apffel auf ei-
ner seyten und die ander seyten sant
Peter mit einem sterne an der brust.
sölt steen (sollte stehen?) sant johanes auf den haim-
burger schlag (Hamburger Schlag, s.u.)·ist valsch.

Die guldin mit dem byschoff mit
einem grossen schilt·vn oben an dem
haupt ein ·b· mit einem dittel (?) auf den
kölnischen schlag·seind valsch.

Die guldin mit einem apffel auff
einer seyten und ein kreütz mit einem
steren (Stern?) die ander seÿten zwischen den
füssen auf Franckfurter schlag seind
etlich falsch.

Item die vorgenanten guldin ist einer nit besser dann v.
weÿßpfennig.und ist der raiff umbher (wie umher) guldin eins halben
halms dick. und das corpus ist gantz küpfferin unnd
übergült (vergoldet).

Item das kupffer ist so hört (hart?) gemüntzet un gesotten das
es vol klingt·darumb mag sy niemant erkennen an dem
klang oder an dem strich.
Edit: Die in Klammern gesetzten Übersetzungen ins Hochdeutsche, habe ich entsprechend den Antworten korrigiert.
Dateianhänge
Steckbrief Falschgeld 2.JPG
Steckbrief Falschgeld 1.JPG
Zuletzt geändert von Pflock am So 22.06.08 18:55, insgesamt 4-mal geändert.
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Beitrag von Pflock » So 22.06.08 17:45

... hierzu würde auch dieser Beitrag passen: http://www.numismatikforum.de/ftopic26498.html
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Re: Steckbriefe für Falschgeld

Beitrag von Gerhard Schön » So 22.06.08 17:46

Vielen Dank für das Einstellen der Bilder von den Ausschreiben, das ist auf jeden Fall sehr interessant und wurde auch zu allen Zeiten so bekannt gegeben.
Pflock hat geschrieben:Item die guldin auff der vier herren
schleg (?) mit einem zwifaltigen ·w· das
steet (steht) oben an de mentzer rad (Münzen Rand?) ist falsch.
Die Gulden auf der vier Herren Schlag (in der Art der rheinischen Goldgulden als Gemeinschaftsprägung der vier Münzherren), mit zwei Buchstaben W über dem Mainzer Rad.
Zuletzt geändert von Gerhard Schön am So 22.06.08 17:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Pflock » So 22.06.08 17:55

Danke, hab´ die Übersetzung oben korrigiert.
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Re: Steckbriefe für Falschgeld

Beitrag von Gerhard Schön » So 22.06.08 18:09

Pflock hat geschrieben:"sölt steen sant johanes auf den haimburger schlag". Was ist .. überhaupt ein "schlag"?
Das sind Münzen im Typ und der Machart eines auswärtigen Münzstandes, die damit auch deren Umlaufgebiet für sich beanspruchen wollen. Die Goldgulden der Stadt Hamburg brachten anstelle des hl. Johannes des Täufers den hl. Petrus.
Pflock hat geschrieben:"und das corpus ist gantz küpfferin unnd
übergült". Wie wird man "übergült"?
Die Münze besteht aus Kupfer und ist mit Gold überzogen (damit der Fälscher den maximalen Gewinn hat).
Pflock hat geschrieben:Nÿe seind zemercken (Neu sind zu bemerken?)
Das "zu" wurde noch bis ins 17. Jahrhundert proklitisch geschrieben. Neu sind also zu merken (werden kundgetan und sollen im Gedächtnis behalten werden, damit sich das Publikum vor Schaden zu hüten wisse).
Zuletzt geändert von Gerhard Schön am So 22.06.08 18:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Pflock » So 22.06.08 18:12

... unnd seind etlicher müntzer zu Göttingen in Sachssen unnd in andern stätten verprannt ...
Verstehe ich das richtig, hier wurden (Falsch-)Müntzer verbrannt? Hexen wurden ja auch bis mitte 18. Jahrhundert verbrannt.
Oder ist "verprannt" nur ein altdeutsches Wort für etwas Anderes, wie "verbannt" oder so?
Gruß Pflock

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Beitrag von Gerhard Schön » So 22.06.08 18:17

Pflock hat geschrieben:Verstehe ich das richtig, hier wurden (Falsch-)Müntzer verbrannt? Hexen wurden ja auch bis mitte 18. Jahrhundert verbrannt.
Ja, auf Falschmünzerei stand als Strafe der Feuertod, der auch noch im 17. Jahrhundert gegen Münzfälscher verhängt wurde, seit damals aber "aus sonderlichen Gnaden" zum Tod durch das Schwert abgemildert wurde, damit der Delinquent wenigstens "an geweihten Ort und Kirchhof" begraben werden und dort "frölich der Auferstehung harren" konnte.
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