Heraklius Tremissis

Münzen des alten Byzanz

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Timesitheus
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Heraklius Tremissis

Beitrag von Timesitheus » Sa 02.05.09 23:40

Hallo Byzanzforum,

dieser Tremissis der Heraklius, mit 1,44 Gramm wurde mit folgender Bestimmung erworben: Konstantinopel, Sear BCV 787 / Ratto 1289.

Zwei Fragen habe ich dazu:

1) Stimmt die Bestimmung bzw. passt der Stil (noch) für Konstantinopel?

2) Erfüllt die Darstellung der Nase den Tatbestand der "Majestätsbeleidigung"? :D

Viele Grüsse
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kuddlbutschi
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Beitrag von kuddlbutschi » So 03.05.09 10:21

hallo,

der stil passt voll und ganz zu konstantinopel,bei der bestimmung würde ich sagen sear 786,ratto 1287 da der anfangsbuchstabe der vorderseiten legende mit einem kleinen d anfängt.sear 787 hat ein O das meist senkrecht zum folgenden N steht.umso größer die nase,umso bedeutender der Kaiser :wink: Nase weg= Kaiser weg :(

viele grüße...........robert

Timesitheus
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Beitrag von Timesitheus » So 03.05.09 10:59

Danke Robert

für die Korrektur auf Sear 786.

Das mit der Nasen-Kaiser Gleichung hat wohl bis Justinian II. Gültigkeit gehabt.

Viele Grüße, Gerd
Timesitheus

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Wurzel
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Beitrag von Wurzel » So 03.05.09 12:23

Zur Kaiserwerdung und zur Nasenabschneidethematik habe ich hier mal was geschrieben:

http://www.numismatikforum.de/ftopic170 ... astraktion

passt ganz gut hierher, und gelacht habe ich nachträglich auch noch mal...
Wurzel hat geschrieben:Übrigens gab es in Byzanz verschieden Methoden Kaiser zu werden:

Durch den natürlichen Tod des Vorgängers
, in diesem Fall trat der zumeist designierte Nachfolger das neue Amt an. Dies konnte ein Verwandter sein, oder aber ein vom Kaiser bestimmter Nachfolger. Auch gab es gelegentlich Kämpfe um den vakanten "Arbeitsplatz"

Durch Rebellion: man sammelt genügend unzufriedene Gegner des derzeitigen Herrschers und macht einfach einen Aufstand, hier war es durchaus von Vorteil, wenn man bei seiner Anhängerschaft auch eine ausreichende Zahl von Truppen hatte. Denn merke viele unzufriedene Mönche machen einen noch nicht zum Kaiser. :wink:

Die Ablösungszeremonie bestand dann schließlich entweder in der Tötung des Vorgängers, gerne auch mit demütigenden Gesten, oder man schnitt dem Vorgänger die Nase ab. Ein auf eine solche Art entstellter Mensch konnte nach byzantinschen Moralvorstellungen kein Kaiser sein. Hier ist die einzige Ausnahme der Kaiser JUSTINIAN II, der auch mit abgeschnittener Nase (vielmehr ohne Nase) eine zweite Regierung führen konnte. Die wurde allerdings dann auch recht endgültig beendet. Die ehemaligen Kaiser, die ihre Absetzung überlebt haben durften anschließend (ohne Nase) ein sehr frommes leben in einem Kloster (des neuen Kaisers wahl) verbringen.

Um seinen Nachkommen die Kaiserwürde zu sichern wurde den möglichen männlichen Konkurrenten auch gerne durch Kastration die Möglichkeit genommen den Thron zu besetzen.
In Byzanz galten Eunuchen immer als sehr vertrauenswürdig, weil sie einfach kein Kaiser werden konnten. So bekleideten Eunuchen oft sehr mächtige Positionen und haben so manchmal aus dem Hintegrund das Reich regiert. Die Alternative war hier ebenfalls das Kloster, diesmal mit Nase, dafür aber ohne "edle Teile".
So wurde durch eine "kleine Operation" bei einem anderem die Zukunft des eigenen Kindes gesichert.

Alles in Allem wundert es nicht, das es in Byzanz recht viele Mönche gab, denen das eine oder andere Körperteil "abhanden gekommen" war.

Die weibliche Verwandtschaft des alten Kaisers hatte zumeist immer einen Platz im Kloster sicher.

Liebe Grüße Michael
Liebe Grüße
Micha
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Beitrag von Timesitheus » So 03.05.09 16:29

Hallo Micha,

klasse Beitrag. Ergänzen könnte man noch, daß die Blendung bei Thronaspiranten und das Herausreißen/Abschneiden der Zunge bei der weiblichen Verwandschaft (z.B. Martina) weitere brutale Praktiken waren.

Viele Grüße
Gerd
Timesitheus

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Beitrag von kuddlbutschi » So 03.05.09 21:38

hallo,

huch,sind deine beiträge jugendfrei....zähle bitte keine weiteren verstümmelungen auf,meine tochter soll das nicht lesen :D :lol:

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