3 salische Pfennige?

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Bert
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3 salische Pfennige?

Beitrag von Bert » Mo 25.05.09 20:06

Hallo Münzfreunde,

ich habe hier drei kleine MA-Münzen, mit denen ich nicht so recht weiterkomme.

1. Avers: Frontalgesicht, Umschrift EINRICU
Revers: ziemlich zermatscht, ich erkennen nur die Buchstaben ...AN... oder ...AD...

2. Avers: traurig dreinblickendes Kerlchen, Umschrift CIN (N spiegelverkehrt ?)
Revers: Burg, Umschrift AM...

3. Avers: Kopf mit Krone (?) nach rechts, Umschrift HEINRICUS
Revers: Kirchengiebel, Umschrift SAL...

ich vermute, dass es sich bei allen dreien um salische Pfennige des 11. Jhdts. handelt, habe aber noch keine Vergleichsstücke finden können. Bin daher dankbar für jeden Hinweis! Interessant wären auch Vergleichsbilder.

Adios, Bert
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heinricus_1a.JPG
Nr. 1
heinricus_1b.JPG
Nr. 2
heinricus_1c.JPG
Nr. 3

Bert
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Beitrag von Bert » Mo 25.05.09 20:07

... und noch die Rückseiten
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heinricus_2a.JPG
heinricus_2b.JPG
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Salier
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Beitrag von Salier » Mo 25.05.09 20:28

Hallo Bert,
Nr.3 ist ein Pfennig Kaiser Heinrich III. mit Bischof Balduin aus der Münzstätte Salzburg, geprägt zwischen 1046-1056.
Hahn 109 var.
Kompliment, ein sehr schönes Stück.

Zu den beiden anderen Stücken melde ich mich später.

schöne Grüße
Salier
Zuletzt geändert von Salier am Di 26.05.09 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Bert
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Beitrag von Bert » Mo 25.05.09 20:45

Hallo Salier,

vielen Dank für deine schnelle Antwort! Hast du ein Vergleichsbild zu dem Salzburger Pfennig oder eine Literaturquelle? Bei coinarchives habe ich diese Münze nicht finden können, auch bei Weege ist sie nicht drin.

Adios, Bert

P.S: Habe gerade gesehen, dass du schon eine Literaturquelle angegeben hast, kannst du mir noch den ganzen Titel nennen?

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Beitrag von Salier » Mo 25.05.09 21:19

Bert hat geschrieben: P.S: Habe gerade gesehen, dass du schon eine Literaturquelle angegeben hast, kannst du mir noch den ganzen Titel nennen?
W.R.O. Hahn -
MONETA RADASPONENSIS , Bayerns Münzprägung im 9.-11. Jahrhundert

Gruß
Salier
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Beitrag von Salier » Di 26.05.09 13:09

Hallo Bert,
Nr. 1 ist ein Pfennig Heinrich III. aus der Münzstätte Regensburg. Es zeigt das Brustbild des Kaiser im byzantinischen Stil. Trotz der starken Dezentierung der Rückseite lässt sich Anhand der Buchstaben die Legende in RADASPONA auflösen, Hahn 60 var., vgl. Kluge 155.
Die Nr.2 würde ich stilistisch ebenfalls in diese Richtung legen. Die ganze Art der Darstellung passt nur in diese Gegend. Eine Prägung aus dem Speyerer oder Wormser Raum kann man Anhand von Vergleichen ausschließen. Zwar kommt diese Art der Kronendarstellungen auch auf Magdeburger Geprägen vor, aber dort ist der Stempelschnitt viel gröber und nicht so fein wie bei diesem Stück hier. Bei der Rückseitendarstellung dürfte es sich um eine Burg, Stadt - oder Domansicht halten. Als Prägeherren dürften Heinrich III. oder IV. in Frage kommen.
Anbei Bilder zu den Nr. 1 und 3.

schöne Grüße
Salier
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3. Heinrich III. Salzburg.jpg
1. Heinrich III. Regensburg.jpg
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Bert
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Beitrag von Bert » Di 26.05.09 21:25

Hallo Salier,

vielen Dank für deine Bestimmungen und die Vergleichsbilder!

Ich habe nur noch ein paar kleine Fragen zu den Münzen.

Zu Nr. 3: Kann es sich auch um eine Salzburger Prägung ohne Zutun des Erzbischofs handeln? Im Katalog "Reich der Salier" 1992 ist eine Münze beschrieben Friedrich III., Salzburg, Av. Gekrönter Kopf nach rechts, Umschrift Heinricus IMP AUG; Re. Kirchengiebel, Umschrift SALZBURCH, bei der es sich wahrscheinlich um diese Münze handeln wird (ohne Abb.). Allerdings gelistet als reine kaiserl. Prägung. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Bischof - wenn er an der Prägung beteiligt war - ebenfalls sein Konterfei bzw. Namen mit auf der Münze untergebracht hätte.

Zu Nr. 2 und 1: Ich habe jetzt gelesen, dass die Zuordnung dieser Münzen zu Heinrich III. oder Heinrich IV. "momentan kontrovers diskutiert" wird (Reich der Salier). Und tatsächlich hat ein Bekannter mir zwischenzeitlich diese beiden Münzen als Regensburger Pfennige Heinrich IV. bestimmt. Gibt es dazu inzwischen einen Konsens unter den Numismatikern? Bei coinarchives scheinen diese Typen im byzantinischen Ornat auch eher Heinrich IV. zugeordnet zu werden.
http://www.coinarchives.com/w/lotviewer ... 3&Lot=2234

Viele Grüße, Bert

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Beitrag von Salier » Di 26.05.09 23:02

Hallo Bert,
zu Nr. 3 schreibt Hahn das es sich um Prägungen zugleich mit Bischof Balduin handelt, was nicht unbedingt bedeutet das der Bischof auch erwähnt werden muss.
Zu den anderen beiden Stücken muss ich sagen das es sich hierbei wohl doch eher um Prägungen Heinrich IV. und nicht Heinrich III. handelt. Ich bitte dies zu entschuldigen. Ich musste mir erstmal mein Buch - Fernhandel und Geldwirtschaft - zurück holen das ich verliehen hatte. Es scheint richtig zu sein das es um die genaue Zuordnung einen Disput gibt. Kluge schreibt ein vergleichbares Stück in Deutsche Münzgeschichte Kaiser Heinrich III., vgl 155, zu. Das hat wohl etwas mit der Darstellung des Gebäudes oder Dom auf der Rückseite zu tun. Laut den historischen Quellen gab es zur Zeit Heinrich IV. keine umfassenden Bautätigkeiten am Regensburger Dom weshalb man annahm das die Stücke nur während der Regierungzeit Heinrich III. geprägt worden seien können. Hahn schreibt in einem Aufsatz über das Herzogtum Bayern in der Münzpolitik der Salischen Könige das es sich bei den hier vorliegenden Gepägen um eine sogenannte Typenkopie nach einer rheinischen Vorlage und zwar einem Duisburger Gepräge handelt das um die Mitte der Regierungzeit Heinrich IV. zu datieren sein wird. Vgl. hierzu auch Hahn - Regensburger Münzen mit dem Bildnis Kaiser Heinrich IV. in byzantinischen Stil als Schlußmünzen in nordischen Schatzfunden -, in Acta Universitatis Upsaliensis ( Figura Nova series 19 /1981).
Die genaue Zuweisung zu dem einen oder anderen Heinrich wird wohl noch geraume Zeit in Anspruch nehmen und die Forschung auch weiterhin beschäftigen. Es ist sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich im Bereich der Mittelalternumismatik und besonders die Zeit der sächsischen und fränkischen Kaiser immer auf den laufenden zu bleiben. Das liegt aber auch daran das viele Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zur Mittelalternumismatik auch in nicht numismatischen Publikationen veröffentlicht werden die sehr schwer zu bekommen sind, was häufig daran liegt das viele nur im Ausland erscheinen und in Deutschland nicht vertrieben werden. Selbst Bibliotheken müssen auf Anfrage meist passen.

Teil mir bitte mal die Seite im Katalog - Reich der Salier - mit wo die Münze mit Zuweisung an Friedrich III. beschrieben wird.

schöne Grüße
Salier
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Beitrag von Bert » Di 26.05.09 23:56

Hallo Salier,

vielen Dank für deine Erläuterungen und Bemühungen!
Die Salzburger Münze wird im Salierkatalog S. 235, Nr. 38 beschrieben.
Die Umschrift auf dem Revers lt. demnach SALZBURC CIVIT(AS). Dieser Münztyp wird als Beispiel angeführt, dass auch in den bischöfl. Münzstätten die königl. Münzrechte wieder stärker durchgesetzt werden.

Viele Grüße, Bert

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Beitrag von Salier » Mi 27.05.09 10:05

Hallo Bert,
die im Reich der Salier beschriebene Münze ist identisch mit der von mir abgebildeten. Die Zuweisung ist eindeutig Heinrich III. und Bischof Balduin, Hahn 109 var. Wie ich oben bereits erwähnte handelt es sich um Prägungen mit Erzbischof Balduin. Dieser Münztyp ist der einzige auf dem der Bischofsname nicht erscheint und damit gelten sie als rein kaiserliche Prägungen. Für die Zeit Heinrich III. kommt in Salzburg nur Erzbischof Balduin (1041-1060) in Frage. Einen Bischof Friedrich III. gab es zwar aber der regierte von 1315-1338. fast 300 Jahre später.

schöne Grüße
Salier
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Beitrag von Bert » Mi 27.05.09 14:25

Hallo Salier,

ich meinte natürlich in meinem obigen Beitrag auch Heinrich III., nicht Friedrich III. War ein Fehler von mir.

Viele Grüße,
Bert

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