Münzreform des Anastasios im Jahre 495

Münzen des alten Byzanz

Moderator: Wurzel

Basil
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Münzreform des Anastasios im Jahre 495

Beitrag von Basil » Mo 21.09.09 19:27

Kann mir jemand Einzelheiten zu dieser Münzreform nennen? Insbesondere interessiert mich die Frage: welche Münzen seiner Vorgänger zum Zeitpunkt der Reform noch als gültiges Zahlungsmittel in Umlauf waren.

danke

Gruß Basil

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Posa
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Beitrag von Posa » Mo 21.09.09 20:51

Hallo Basil,
an Gold dürfte im Osten noch eine ganze Menge und von weit zurück im Umlauf gewesen sein. Im Westen wurde das Gold zusehends knapper. Was die Bronzen anbelangt, war die Sache wohl ziemlich komplex: Einerseits hatten sie keinen Wert: Auf eine Solidus gingen bis zu 168000 solcher Winzlinge. Andererseits scheinen sie gängig gewesen zu sein, es wurden gigantische Horte gefunden. D.h. aber auch, die großen Münzmengen der Vorgänger reichten nicht aus oder waren nicht verfügbar. In den wilden Jahren des 5. Jhdts muss auch im Osten viel durcheinandergebracht und verschüttet worden sein.


Hast Du "Münzen von Byzanz" von Whitting greifbar? da ist einiges beschrieben. Das könnte ich scannen oder kopieren....

Posa

Basil
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Beitrag von Basil » Di 22.09.09 10:33

danke Posa für die Informationen. Auf den Whiting habe ich zumindest Zugriff. Danke für Dein Angebot bzgl. Kopien.

Gruß Basil

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Posa
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Beitrag von Posa » Di 22.09.09 13:37

Mit Arcadius beginnt die verstärkte Ausmünzung dieser Minimi, danach werden kaum noch Mittelbronzen geprägt, wenige unter Leo I. Diese Münzen ließen sich also vermutlich alle nahtlos ins Finanzsystem integrieren.
Unter Arcadius wurde auch der Tremissis zur häufigsten Münze. Unter Theodosius II. kam es zu den schweren Hunneeinfällen im Westen des Ostteils, was sichelich Unmengen vernichtet hat - und gleichzeitig wegen der Tribute die Ausmünzung von Gold vorantrieb.
Zuvor hatten die Goten den Balkan verwüstet, die Perser/Sasaniden starteten neue erfolgreiche Vorstöße nach Westen. Die Kaiser brauchten also Gold und auf dem Land wurde Geld verhortet oder verschwand in feindlichen Geldbeuteln, wichtige Bronzemünzstätten wie Sirmium gingen verloren.

Interessant sind drei Dinge
1. Anastasios Versuch ist neben dem des Westreichs und dem der Vandalen der letzte Reformversuch, dafür aber der anhaltendste.
2. Das Nummion wird noch weiter ausgemünzt, obwohl längst überholt. Vermutlich auch um das Gewohnte nicht zu schnell abzuschaffen.
3. Der Wechselkurs zwischen Bronze und Gold muss wohl nicht geregelt gewesen sein, also Verhandlungssache

Posa

Edit: Unsinn: Sirmium hat schon vorher seine Tore als Münze geschlossen, um 474 schlossen allerdings Antiochia, Alexandria, Nicomedia, Cyzikus, Thessalonike und Heraclea!
Zuletzt geändert von Posa am Di 22.09.09 20:33, insgesamt 1-mal geändert.

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adson
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Beitrag von adson » Di 22.09.09 13:46

Ich habe mir gerade den Whitting antiquarisch über Amazon bestellt. Es gibt dort noch ein Exemplar für 34€ falls jemand Interesse hat.

Grüße
adson

Basil
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Beitrag von Basil » Di 22.09.09 13:52

danke adson


Gruß Basil

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Beitrag von Posa » Mi 30.09.09 08:30

an Gold dürfte im Osten noch eine ganze Menge und von weit zurück im Umlauf gewesen sein.
Vielleicht zur Präzisierung dessen: ab 368 führte Kaiser Valentinianus den obryza-Feinstgold-Standard ein, der bekanntlich ab da lange wirksam blieb. Hierzu/hierbei wurde enorm viel Vorgängergold eingeschmolzen. D.h., Gold ab diesem Datum besaß auch unter Anastasius Gültigkeit. Anderes Gold wurde und musste, sobald oder bevor es dem Fiskus in die Hände kam gereinigt und umgeschmolzen werden. Das ging so weit, dass, wer seine Steuern mit nicht-standardisiertem Gold bezahlen wollte, Aufpreis bezahlen musste.

Zitierbar nach: S. Schmidt-Hofner: Reagieren und Gestalten - Der Regierungsstil des spätrömischen Kaisers am Beispiel der Gesetzgebung Valentinians I. München 2008.

Posa

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Beitrag von Basil » Mi 30.09.09 08:47

Danke Posa. Weißt Du auch etwas über die Kupfermünzen? Diese gehörten ja auch zum "Wertgeld" und waren keine Scheidemünzen. d.h. die Münzreform müßte eigentlich auf alle Nominalien angewendet wordet sein. Oder liege ich hier falsch?

Gruß Basil

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Beitrag von Posa » Mi 30.09.09 09:08

Hm, gute Frage. Das Problem bei der Frage, ob Scheidegeld oder nicht, ist, dass es - wie gesagt - bis zu Anastasius keinen offiziellen Wechselkurs und damit Wert für die Bronze gab. Der Wert musste wohl erst zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt werden. Wann das anfing ist natürlich nicht klar

Man muss ab dem 5.Jhdt von einer erheblichen Verstärkung/ ansteigenden Naturalwirtschaft ausgehen. Konkrete Angaben dazu fehlen - vermutlich nicht nur mir.

Was Valentinian angeht, so wurden unter ihm tatsächlich die Nominalien zum ersten mal streng nach Metallen getrennt
Solidus et al. Gold: obryza-Standard
Siliqua et al. Silber: pusulatum-Standard
Und Bronze/Kupfer war ab da eigentlich idealerweise von jeder Silberbeimischung frei, auch die großen. Das war ein mutiger Schritt.

Und was nun zwischen Valentinian und Anastasius passierte ..... man weiß es ja, aber eben nicht genau

Posa

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Beitrag von Posa » Mi 30.09.09 10:16

Ok, ich setz´ noch einen drauf: Valentinian stellte relativ früh (um 366) die Ausmünzung der Großbronzen nach dem Vorbild Iulianus´ ein. Es wurden weiter Kupfermünzen zu grob 1/60 und zu 1/120 Pfund ausgegeben. Die "großen" wurden zusehends seltener, der sog. Centenionalis wurde Standardmünze, variierte aber wohl im Gewicht immer wieder. Der ungefähre Wechselkurs betrug wohl
Solidus: 1800 Centenionalis, Siliqua: 125 Centenionalis.
Mit einher geht eine deutliche Rückseitenvariantenverknappung, auch der Sonderbüstenquatsch, über den sich wir Sammler so freuen, wurde stark eingeschränkt. Die Kupferstücke bekamen also einen deutlich erkennbaren Platz im Währungssystem: unten.

Posa

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