Winzigkleine (7-9 mm) Problemchen

Griechische Münzen des Altertums

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cojobo
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Winzigkleine (7-9 mm) Problemchen

Beitrag von cojobo » Mo 04.01.10 15:14

Hallo, ich mal wieder,
ich habe natürlich noch viel mehr Probleme, aber diese hier sind so winzig, dass sie schon wieder hübsch sind.
Die ersten beiden (7-8 mm) mit ihrem 4teiligen Quadratum incusum ähneln einigen Stücken aus Phokaia, aber die dort sind aus Silber, und meine eindeutig aus Bronze.
Beim dritten Stück (9 mm) vermute ich Apollo und irgendeine Nymphe, aber keine Sucherei lieferte mir ein sinnvolles Ergebnis.
Ich würde auch gern mal wissen, wieso eigentlich derartige Winzlinge geprägt wurden. Die waren doch schrecklich unpraktisch.
Mit besten Grüßen
cojobo
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Altamura

Beitrag von Altamura » Mo 04.01.10 15:30

Hallo cojobo,

so eine wie die rechte der oberen zwei hab' ich auch mal gesucht. Das einzige, was ich dazu gefunden habe, war eine Münze in Isegrim (Nummer 19138):

ERD: AM
PRO: LESBOS
PO : MYTILENE <?>
PZ : Zwischen -440 und -400
Vorderseite
VT : KOPF MANN R / APOLLO <?>
VA : TAENIA
Rückseite
RT : INCUSUM VIERGETEILT
Technische Daten
M : AE
GEW: 0.32(1)
Literatur
ZIT: SNG KOP 21 364(1)

Zu den anderen zwei fällt mir spontan nichts ein, ich werd' aber noch ein bisschen suchen.

Gruß

Altamura

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Beitrag von areich » Mo 04.01.10 15:38

Die sind ja ganz schön häufig!
Hier ist eines der beiden AE9, die ich mal hatte.

[ externes Bild ]

Es ist schon erstaunlich, wie attraktiv so eine simple Darstellung sein kann.


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Beitrag von areich » Mo 04.01.10 16:16


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Beitrag von cojobo » Mo 04.01.10 16:27

Juhuu, da kann ich ja zwei schon wieder einordnen. Das geht ja mal wieder blitzartig. Danke sehr!!!
Fehlt nur noch die erste oben links, wo im Incusum in der Mitte ein Punkt ist. Auch zeigt der Kopf nach links. Ich habe bei wildwinds alles "lesbische" durchforstet und nichts derartiges gesehen.
Und meine Frage bleibt: Warum derartiges Kleingeld. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man dafür auch nur ein Brot kaufen konnte.
Beste Grüße
cojobp

Altamura

Beitrag von Altamura » Mo 04.01.10 16:29

Versuchen kann man's ja mal, oder? :? (edit: meint den Link von areich)

Wie darf ich denn, areich, Dein "Die sind ja ganz schön häufig!" von oben verstehen? Scheint da eine gewisse Ironie durch? Oder hab' ich beim Suchen was übersehen 8O ?

Und was die Frage der Praktikabilität solch kleiner Münzen betrifft:
Wie praktisch ist es denn, mit 27 verschiedenen Plastikkarten in der Gesäßtasche rumzulaufen (bei mir zumindest sind die dort; vielleicht hat das ja eine gewisse Symbolik :wink:) und sich dafür mindest genausoviele PINs und Kennwörter merken zu müssen?
Wir sehen also: Alles eine Frage des Standpunkts, und nicht alles, was unpraktisch ist, wird deshalb auch bleiben gelassen :wink:.

Gruß

Altamura

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Beitrag von Iulia » Mo 04.01.10 18:22

Hallo cojobo,
Die meisten dieser kleinen Bronzemünzen wurden im 4. Jh. von griechischen Städten in Kleinasien zur Zeit der persischen Herrschaft geprägt. Im persischen Reich waren offenbar die Metallzuteilung und das Prägerecht aus politischen Gründen reguliert. Auch manche Satrapen durften in eigenem Namen nur winzige Bronzen prägen lassen. Nach der Eroberung durch Alexander d. Gr. wurden die Bronzenominalien größer und variantenreicher.
Zum Transport winziger Münzen: Wahrscheinlich eher in Dosen aus Holz und Bein, als in Lederbeuteln.
Zur Kaufkraft: Die hängt vom damaligen Wert der Bronze ab, nicht vom heutigen, und deren Wert war mit Sicherheit erheblich höher.
Viele Grüße,
Iulia

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Beitrag von cojobo » Mo 04.01.10 19:16

Hallo Iulia,
danke für die einleuchtende Erklärung. Und jetzt weiß ich auch, wie ich diese Winzlinge im Unterricht einsetzen kann, denn das Thema Griechen : Perser steht in der nächsten Zeit mal wieder an.
Bis auf weiteres
beste Grüße
cojobo

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Beitrag von areich » Mo 04.01.10 21:47

Ich finde es nur lustig, gerade hatte ich 2 davon, vorher nie welche gesehen (nicht daß das SO viel bedeutet) und jetzt sind hier gleich noch zwei. Das ist ja aber oft so.

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Beitrag von cojobo » Di 05.01.10 15:58

Gilt das, was Iulia über den historischen Kontext der kleinen Münzen sagte, auch für den 8-mm-Zwerg aus (soweit ich feststellen konnte) Zypern/Marion mit dem Ankh-Symbol im Revers? Dann hätte ich auch dafür eine zeitliche Einordnung.
Und natürlich wieder besten Dank für alle Bemühungen.
cojobo

Und noch eine Frage an areich:
Du hast weiter oben ein schönes großes Foto Deiner Kleinmünze eingesetzt ohne diesen Attachment-Aufwand. Mit welchem Trick geht das?
Beste Grüße!
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Beitrag von areich » Di 05.01.10 16:08

Der Trick ist, daß ich das Bild sowieso schon im amerikanischen Forum hochgeladen hatte.
Hier finde ich die Begrenzung auf 85kb schlecht und die Tatsache daß angehängte Bilder diesen störenden Rahmen haben. Im Normalfall muß ich immer erst eine verkleinerte und komprimierte Version aller Bilder erstellen, das ist nicht viel Arbeit aber irgendwie nervt es doch. Wenn es also geht, benutze ich die [img]-Tags.

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Beitrag von Iulia » Di 05.01.10 19:50

Zypern war im 4. Jh. mal unter persischer Oberhoheit, mal nicht, sodass man in der Bronzeprägung leider kein einheitliches Muster erkennen kann. Gibt es ein Zitat für Prägestätte Marion? Wenn ja, dürfte der Winzling nach 312 V. Chr. nicht mehr geprägt worden sein. Das Stück ist selten, ebenso wie übrigens die kleinen Bronzen mit dem Quadratum Incusum aus Kleinasien, die ich noch nie gesehen habe. Aber Raritäten sind wir ja von den Münzen aus der Schulsammlung inzwischen gewöhnt.
Beste Grüße,
Iulia

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Beitrag von cojobo » Di 05.01.10 21:31

Hallo Iulia,
ich freue mich natürlich über die Einschätzung unserer Sammlung.
Als Quelle für das (von mir vermutete) Marion-Stückchen kann ich nur meinen Sear bieten, bei dem eine Aphrodite/Ankh-Münze allerdings mit Kranz und 15 mm aufgeführt wird. Ich weiß, dass das unter Numismatikern einer Bankrott-Erklärung gleichkommt, aber ich habe nun mal nichts besseres, und die Internetquellen liefern in diesem Fall auch nichts. Ich danke herzlich für die Reaktion und warte gespannt auf weitere Kommentare.
Besten Dank und beste Grüße
cojobo

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