Münzen aus Billon

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

Moderator: Locnar

Benutzeravatar
buster
Beiträge: 115
Registriert: Do 15.09.05 11:58
Wohnort: Bielefeld

Münzen aus Billon

Beitrag von buster » Di 24.01.06 11:29

Seid wann werden Münzen aus Billon geprägt? Für die Beantwortung der Frage wäre ich sehr dankbar. :D
Gruß buster
Quot capita,tot sensus. Horaz

Oettlalb
Beiträge: 230
Registriert: Fr 05.08.05 13:45
Wohnort: 1170 Wien

Beitrag von Oettlalb » Di 24.01.06 11:53

Servus buster,

Schon die alten Griechen...
Im Ernst: Billon-Münzen sind mindestens seit dem 6. Jhdt. V.Chr. bekannt.

LG
Albert Öttl
Wien

Gast

Beitrag von Gast » Di 24.01.06 12:09

Hallo buster,

Normalerweise ist Billon eine Legierung aus Kupfer und Silber mit prominentem Kupferanteil - gelegentlich wurde auch Zinn dazugegeben.

Die ältesten mir bekannten Billonmünzen haben die Römer im großen Stil für ihre Provinz Ägypten geprägt. Die Zusammensetzung der dafür verwendeten Legierung ist mir nicht im Detail bekannt - Die Münzen sind meist gelblich und erinnern an Messingfarbe.

Mit Sicherheit gibt es aber auch frühere Beispiele für Billonmünzen, wie Oettlalb ja auch gepostet hat - aber das war vor meiner Zeit :D .

Eine zweite Blütezeit erlebte die Billon-Prägung unter den Byzantinischen Kaisern in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Billon war damals als Edelmetall angesehen, obwohl es nur noch maximal 7% Silber enthielt, dafür aber ansonsten nur Kupfer, welches teuer gehandelt wurde und kein Zinn. Späten Byzantinern (Ende 12. / Anfang 13. Jahrhundert) kann man den Silberanteil von inflationsbedingt nur noch 2,5% kaum ansehen. Die wenigsten wissen, daß sogar das Kleingeld (Tetarteron bzw. Halbtetarteron genannt) in Billon geprägt wurde. Offenbar kennzeichneten die Byzantiner sogar den Feingehalt durch "Geheimzeichen" auf den jeweiligen Münzen.

Nicht zu verwechseln mit echten Billon-Legierungen sind die von den Römern ausgegebenen Antoniniane (2 Denar-Stücke) aus Kupfer/Bronze mit Silbersudüberzug. Dieser wurde oberflächig aufgetragen, während die Billonmünzen der Byzantiner ihren Silberglanz durch einen Fluß der Silbermoleküle an die Münzoberfläche aufgrund des Prägedrucks erhielten.

Ganz große Billon-Fetischisten waren übrigens die Franzosen bis ca. Ludwig XIV.

Leider sind guterhaltene, sprich "silberne" Billonmünzen mit geringem Silberanteil recht selten und werden häufig durch Aufbringen von Silbersud (nach römischer Methode) aufgemotzt.

Gruß
petzlaff
Zuletzt geändert von Gast am Di 24.01.06 14:24, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
buster
Beiträge: 115
Registriert: Do 15.09.05 11:58
Wohnort: Bielefeld

Münzen aus Billon

Beitrag von buster » Di 24.01.06 14:16

Hallo Oettlalb,hallo Petzlaff,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich bin immer wieder überrascht, welch geballtes Fachwissen im Forum versammelt ist,und ich lerne stets gerne dazu. :D
Gruß buster
Quot capita,tot sensus. Horaz

  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
  • Billon-Antoninianus des Aurelian ??
    von stilauge » Mo 29.04.19 10:05 » in Römer
    4 Antworten
    471 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Numis-Student
    Mi 01.05.19 00:47
  • MDL? IS? IB? Pol. Münzen 18./19. Jhd
    von Numis-Sven » So 03.12.17 18:51 » in Sonstige
    3 Antworten
    1028 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Numis-Sven
    Mo 04.12.17 14:35
  • Münzen?
    von marbaz » So 03.06.18 22:01 » in Sonstige
    8 Antworten
    1422 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Reteid
    Sa 21.07.18 15:14
  • Münzen der Sueben
    von Tejas552 » Di 12.12.17 15:51 » in Römer
    13 Antworten
    1724 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Peter43
    Sa 30.12.17 22:01
  • Münzen aus Myanmar
    von Münzsammler2007 » So 07.04.19 12:59 » in Asien / Ozeanien
    2 Antworten
    396 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Münzsammler2007
    Fr 19.04.19 09:30

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast