Anklam: Außergewöhnlicher Silberschatz gefunden

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

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wsnieders
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Anklam: Außergewöhnlicher Silberschatz gefunden

Beitrag von wsnieders » So 05.09.10 18:23

Anklam: Außergewöhnlicher Silberschatz gefunden

Einen 1.200 Jahre alten Silberschatz haben Archäologen in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Die Forscher bargen 82 Münzen und Münzfragmente sowie einen Armreif und drei Silberbarrenstücke in der Nähe von Anklam. Mitten auf dem pommerschen Acker - auf einem Areal von 20 mal 25 Metern - haben die Archäologen einen der spektakulärsten Funde aus dem frühen Mittelalter im südlichen Ostseeraum gemacht.


Fund beweist globalen Handel im frühem Mittelalter

"Münzschätze aus dieser Zeit sind äußerst selten, in der Menge ist das einer der wirklich bedeutenden", sagt Archäologe Michael Schirren von der Landesbehörde für Denkmalpflege. Ein Teil der bei Anklam gefundenen Münzen ist inzwischen datiert, die älteste stammt aus der Zeit um 610, die jüngste aus der Zeit um 820. Der bis dahin letzte spektakuläre Silberschatz aus dem 8./9. Jahrhundert war 1973 bei Ralswiek auf Rügen geborgen worden. "Der Fund arabischer Münzen an der Ostseeküste beweist, dass es bereits vor mehr als 1.200 Jahren einen globalen Handel gab", sagt der Greifswalder Historiker Fred Ruchhöft. Die Münzen wurden in Regionen geprägt, die heute in Nordafrika, im Iran, Irak oder Afghanistan liegen.


Peenetal war "Boomregion" im Ostseeraum

Über osteuropäische Handelsrouten entlang des Schwarzen Meeres, des Dnjepr, der Wolga und dann der Ostsee seien die Münzen in der Größe von Zwei-Euro-Stücken dann nach Nordeuropa gelangt. Der Fund in der Nähe eines slawischen Siedlungsplatzes erweitert die Kenntnisse über den Handel im südlichen Ostseeraum und die Bedeutung dieser Region. Im Frühmittelalter war das Land an der Peene, das heute unter einem dramatischen Bevölkerungsschwund leidet, eine Art "Boomregion" im Ostseeraum, wie der Historiker berichtet. Mit der Peene hatte die Region einen direkten Zugang zur Ostsee.


Brachten arabische Kaufleute die Münzen?

Nach Einschätzung Ruchhöfts pflegten die Slawen und Wikinger als Nachbarn nicht nur ein friedliches Miteinander, sondern auch einen regen Handel. "Auf diese Weise lässt sich auch erklären, wie arabische Münzen in slawische Hände kamen." Die Münzen könnten aber auch über arabische Kaufleute oder slawische Handelsreisende direkt in die Region gebracht worden sein. Angelangt in Pommern, verloren die Münzen allerdings ihren monetären Wert, wie Ruchhöft sagt. Entscheidend sei nicht mehr der Zahlungswert, sondern nur noch das Gewicht der Silbermünze gewesen.


Warum wurde der Schatz vergraben?

Die ästhetisch prachtvoll gestalteten Münzen wurden - wie auch ein ebenfalls zum Schatz gehöriger, vermutlich in der Wolgaregion hergestellter Armreif - beim Handeln zerhackt und dann gewichtsweise in Viertel- oder Halbmünzen gegen Naturalien getauscht. Warum der Schatz vergraben wurde, können die Wissenschaftler nicht mit Bestimmtheit sagen. "Möglicherweise war es die Angst vor Raub, die einen Slawen animierte, den Schatz in den Acker zu versenken", sagt Ruchhöft. Für rund 200 Gramm Silber - so viel wiegt der Schatz - konnte sein Besitzer vier Ochsen oder mit etwas Handlungsgeschick einen Sklaven erwerben.


Quelle: NDR
Gruß, Wilfried

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Zwerg
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Re: Anklam: Außergewöhnlicher Silberschatz gefunden

Beitrag von Zwerg » So 05.09.10 19:12

Soeben im ZDF:

Der Silberschatz wird von den Speizialisten jetzt geputzt und konserviert.
Igittigitt!

Im Übrigen sind solche Wikingerschätze absolute Massenware

Grüße
Zwerg
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