Bestimmungshilfe? (die Zweite)

Griechische Münzen des Altertums

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tournois
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Bestimmungshilfe? (die Zweite)

Beitrag von tournois » Sa 08.03.03 21:59

Hier noch ein Bild einer Münze von Sammlerfreund nikolausi mit der Bitte um Bestimmungshilfe!
nikolausi hat geschrieben:Hallo,
ich schicke Dir mal ein Bild einer Drachme, mit deren Rückseite
ich ganz und gar nichts anfangen kann, (5,58 gr.)
[ externes Bild ]
[b]tournois[/b]
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Wuppi
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Beitrag von Wuppi » Sa 08.03.03 22:20

Hi

ne keine bestimmung von mir ;)

Ist jetzt schon der 2. Grieche von dir Nikolausi - sind die griechen generell so gut erhalten? Das sollte ja eigentlich leicht zu bestimmen sein - alles gut erkennbar, kein "erstmal" rate-Faktor ;)

Also mal viel Erfolg! ;)

Bis denne
Wuppi
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Nikolausi
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Beitrag von Nikolausi » So 09.03.03 00:55

Hallole ,
vielen Dank für die Mühen tournois,
wenn ich mal viel Zeit habe, werde ich mich mal ein wenig mehr mit diesem Elektrischendatenverarbeitungsgerät auf meinem Schreibtisch beschäftigen.
Mit den Griechen ist so ne Sachen, es gibt schöne, und nicht so schöne,
billige und teuere, aber alle Griechenmünzen zu kennen ist meiner unwesentlichen Meinung nach schlicht unmöglich.
Ohne die spezifische Literatur ist man aufgeschmissen.
Die zweite Münze ist ja Aufgrund der Darstellungen relativ klar einzuordnen, ...
aber durch mich bisher ohne Erfolg.
alles was mir bisher dazu eingefallen ist: irgendein Diadoche?
(und da gibts ja so viele)....

Sammlergrüße Nikolausi
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secundus
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Beitrag von secundus » So 09.03.03 02:26

Hallo Nikolausi,

auf der Rs. brennt sich das Wort KALLATIA geradezu ins Auge.
Die Münze dürfte also aus Kallatis / Thrakien stammen.
Vs. Herakles mit Löwenfell, Rs. Ähre, Keule und Köcher.
http://www.wildwinds.com/coins/sg/sg1659.t.html
Was hast Du für die Münze bezahlt ?

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Nikolausi
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Beitrag von Nikolausi » So 09.03.03 13:06

Super, Dankeschön
An Thrakien habe ich nicht einmal gedacht,
und KALLATIA habe ich nicht gefunden, da in meiner Bibliothek
der Stadtname vorne mit C geschrieben wird...

bezahlt habe ich für das gute Stück 75 Euro
ich habe es erworben, da mir die Münze gefallen hat,
obwohl Griechenland nicht ganz zur Römischen Republik passt.

Sammlergrüße Nikolausi
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gorostiza
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Beitrag von gorostiza » Di 08.04.03 23:26

nikolausi: Die oben abgebildete Münze ist ein Oktobol aus Kallatis in Thrakien. SNG Copenhagen Bd 2/Nr. 176; Sear Bd 1/ Nr. 1959. Sie ist recht selten und Sear damals (1978) bewertet Sie in ss mit 225 £. Bei Szaifert (die deutsche Ausgabe des Sear (1980) gibt ein Auktionsergebnis an: MM 54/Nr. 150 in vz: SFr. 2000. Herzliche Gratulation zur sehr schönen Münze.

gorostiza
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Beitrag von gorostiza » Di 08.04.03 23:34

Die Nummer im Sear ist 1659, ich habe mich vertippt. Kallatis war eine Kolonie von Heraklea Pontica. Was ich noch vergessen habe: Die Münze wurde im 3. Jahrh. v. Chr. (vor 281) geprägt. :D

berenike
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Beitrag von berenike » Mi 09.04.03 10:01

Also die Preisangaben aus Sear und vor allem MMAG 54 sind völlig überzogen für das abgebildete Stück. Für das sind die gezahlten 75 Euro gerade richtig. Man muß mal mit dem Stück aus der MM vergleichen, um den Unterschied zu sehen. Das Ding war voll zentriert, hatte ne wundervolle Sammlungspatina, einen erstklassigen Stempelschnitt auf der Vorderseite mit dem besten Alexanderporträt, das man sich wünschen kann und die Rückseite war bis in jedes Detail da. Dafür kann man locker 2.000 Franken zahlen, aber nicht für das abgebildete Stück.
Beste Grüße
:D
Berenike

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Beitrag von gorostiza » Mi 09.04.03 11:13

bereneike: Da gehe ich mit dir einig, ich habe ja auch nur die Literatur zitiert. Alle Preisangaben in den Katalogen sind stets als relativ zu betrachten, sie zeigen höchstens eine Tendenz auf. Zudem sind die Wertsprünge gerade bei den Griechen zwischen den Erhaltungsgraden oft astronomisch. Es sind bei der Bewertung einer Münze so viele Aspekte zu berücksichtigen, ich nenne hier nur ein paar: Seltenheit, Stil, Zentrierung, breiter oder knapper Flan, Kerben und Schläge, von gebrauchtem oder frischem Stempel geprägt, Patina usw. Ein neuer Fund kann z. B. eine Preisinflation auslösen, wenn dabei viele Stücke einer bisher sehr seltenen Münze dabei waren. Das macht ja gerade die antiken Griechen zu einem sehr schwierigen Gebiet, besonders für Einsteiger. Auch die besten Kenner der antiken Numismatik täuschen sich oft dramatisch in der Wertbeurteilung, man beachte nur den Unterschied zwischen geschätztem Wert und dem realisierten Endpreis.

berenike
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Beitrag von berenike » So 13.04.03 14:47

Ein bekannter Schweizer Numismatiker pflegte stets in diesem Zusammenhang zu sagen: Eine Münze ist das wert, was ein Narr bereit ist, dafür zu geben.
Grüße
:D
Berenike

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Beitrag von gorostiza » So 13.04.03 19:22

Gerade bei den Griechen kann man zum Narren werden, wenn man sich von schönen Münzen hinreissen lässt. Eine Dummheit kann sich aber auch zur Freude wenden. Bei einem Händler (Spezialist für antike Münzen)suchte ich mir Münzen aus. Eine hat mir besonders gefallen obwohl ich sie als zu teuer taxierte. Der Händler hat von Privat eine kleine Sammlung gekauft. Die besagte Münze mit Sammleretikett wies sie aus als eine Bronze von Philippos V. von Macedonien. Ich verfiel dem Charme der Münze und kaufte sie. Zu Hause ärgerte ich mich wieder einmal über meine Undiszipliniertheit. Es war zwar eine superschöne Münze mit vz Gegenstempel. Zur Eingabe der Daten in die access-Datei wollte ich dann noch genauere Literaturangaben eruieren. In der ganzen Masse von Literatur fand ich weder unter Philippos III. noch V. Nach langem Suchen und Tafelblättern fand ich dann die Münze bei AMNG, es ist eine Münze des Philippos IV., über den sehr wenig bekannt ist, nur einige Wochen regiert hat und deshalb Münzen von ihm äusserst selten erhalten blieben. Die bei AMNG abgebildete Münze ist ziemlich sicher vom gleichen Stempel und hat auch den gleichen Gegenstempel (ein Caduceus im vertieften Rund). Jetzt ist die Freude natürlich gross über diesen unüberlegten Kauf, denn manchmal findet auch eine blinde Sau eine Eichel.

berenike
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Beitrag von berenike » So 13.04.03 23:07

Ich glaube, daß der Numismatiker das mit dem Narren und dem Preis eher liebevoll gemeint hat. Es war der berühmte Erich Cahn aus Basel. Und der hat von sich auch immer gesagt, daß er ein ganz schlechter Münzhändler sei, weil er viel zu viel für die Münzen bezahlen würde, weil er leider zu viel davon versteht.
Ich habe nie einen Sammler kennengelernt, der sich über den zu hohen Preis einer Münze Jahrelang ärgern konnte. Aber ich kenne viele Sammler, die noch heute einer Münze hinterhertrauern, die sie vor vielen Jahren nicht gekauft haben, weil ihnen das Geld fehlte.
Trotzdem liebe ich den Spruch mit dem Narren, denn wir sind ja alle irgendwie "verrückt". Der materielle Wert ist gleich Null, aber der immaterielle Wert, den das Zeugnis der Vergangenheit hat, ist enorm.
Liebe Grüße
:D
Berenike

PS. Und Gratulation zu dem schönen Fund.

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