Schrötlings- und Stempelgrößen bei den Klever Hälblingen unter den Grafen Dietrich VI. und Dietrich VII.

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Dittsche
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Schrötlings- und Stempelgrößen bei den Klever Hälblingen unter den Grafen Dietrich VI. und Dietrich VII.

Beitrag von Dittsche » Mo 06.07.26 13:19

Eine Beobachtung anhand bekannter Auktionsvorkommen (asearch)

Bei den halben Pfennigen aus Kleve, die unter Graf Dietrich VI. (1202–1260) in der Prägestätte Kalkar geprägt wurden, fällt wiederholt auf, dass Schrötlingsgröße und Stempelgröße nicht zueinander passen.

Auf diese Beobachtung wurde bereits an anderer Stelle hingewiesen:
viewtopic.php?f=7&t=19391&p=610415&hili ... ol#p610415

Auch bei den elf zusätzlich über asearch ermittelten Exemplaren zeigt sich dieser nicht schwerwiegende Mangel, aber auffällige Beobachtung durchgehend (siehe Tabelle).
Screenshot_20260701-231508.jpg

Beobachtung: Schrötling und Stempel unter Dietrich VI.
Bei den Pfennigen Dietrichs VI. ist ebenfalls regelmäßig zu beobachten, dass Schrötling und Stempel nicht vollständig miteinander harmonieren. Allerdings lassen sich hier auch einzelne Stücke finden, bei denen beide Größen augenscheinlich besser aufeinander abgestimmt sind.

Vergleich: Hälblinge Dietrichs VII.
Anders stellt sich die Situation bei den selteneren Hälblingen Dietrichs VII. dar: Mein eigenes Exemplar ist zwar dezentriert geprägt, dennoch stimmen Schrötlings- und Stempelgröße augenscheinlich gut überein.

Grafschaft Kleve – Graf Dietrich VII. (1260–1275)
Halber Pfennig, 11 mm, 0,21 g, 9h

Vorderseite: [DE] CL[IVE]
Über einem gewölbten Torbogen ein breiter, mit Zinnen geschmückter Bergfried; beiderseits des Bogens je ein schlanker Turm mit Kugeldach und abschließender Kugel.
Screenshot_20260626-235043~2.jpg

Rückseite: CV – [_ _ _] – V E – [V _ _]
Langes Doppelfadenkreuz mit nach außen gebogenen Kugelenden. In den Winkeln befinden sich oben links, unten links und unten rechts je drei Kugeln, oben rechts ein Ringel. Die Orientierung bleibt bei Noss (und weiterhin) zweifelhaft, da er anhand seiner sieben bekannten Stempel die Umschrift nicht deuten konnte.
Screenshot_20260626-235059~3.jpg
Referenz: Noss 21

• Ex. Gut Lynt 2025, Auktion 23, Los 2440
• Ex. M & M 2006, Auction 20, Los 1254

Unter Dietrich VII. scheint diese Auffälligkeit weitgehend behoben worden zu sein. Die Pfennige dieses Grafen beschreibt Noss durchgehend mit einem Durchmesser von 13 mm und Gewichten zwischen 0,57 und 0,65 g. Die Hälblinge weisen dagegen einheitlich einen Durchmesser von 11 mm sowie Gewichte zwischen 0,17 und 0,305 g auf.

Die fünf weiteren bekannten Auktionsvorkommen bestätigen diese Zuordnung: Soweit der Durchmesser angegeben ist, beträgt er ebenfalls 11 mm; die Gewichte liegen zwischen 0,18 und 0,28 g.

Einordnung nach Noss und Abgrenzung der Nominale
Für Dietrich VI. nennt Noss Pfennige mit Durchmessern zwischen 11,5 und 14 mm sowie Gewichten von 0,35 bis 0,62 g. Gegen Ende der Prägetätigkeit beschreibt er lediglich einen Hälbling mit 11 mm Durchmesser und 0,28 g Gewicht. Bei Noss Nr. 14 grenzt er die „kleineren“ Pfennige dadurch ab, dass auf der Vorderseite nur der Grafentitel ohne Namensnennung erscheinen soll. Dieser Ansatz ist zunächst nachvollziehbar, passt meines Erachtens jedoch nicht zu den einzelnen lesbaren Legendenfragmenten.

Bereits bei seinem Hälbling Nr. 14 erkennt Noss vier Buchstaben, die vermutlich auf den Namen des Grafen hinweisen. Zudem folgen mit Nr. 15 zwei Pfennige als letzte Ausgaben Dietrichs VI. mit 13 mm Durchmesser und Gewichten von 0,59 beziehungsweise 0,52 g. Ihre Vorderseitenlegende lautet ausschließlich COMES; metrologisch unterscheiden sie sich jedoch nicht von den früheren Pfennigen. Auch die inzwischen bekannten, von Noss noch nicht erfassten Hälblinge des Typs Noss 5/6 zeigen auf der Vorderseite Fragmente des Grafennamens und nicht lediglich den Titel. Die von Noss vorgeschlagene Abgrenzung zwischen Pfennigen und Hälblingen unter Dietrich VI. erscheint daher nicht ausschlaggebend. Wahrscheinlicher ist, dass die Münzen so gegenüber den Prägungen des benachbarten Münzberechtigten in Wesel unterschieden werden konnten: Dort prägte der älteste Sohn Dietrichs, der denselben Namen führte und auf seinen Münzen den Namen statt des Titels verwendete.

Für den ältesten Sohn, Junggraf Dietrich, der von 1241 bis 1244 eine Sonderherrschaft in Wesel ausübte, weist Noss bei der Zuordnung eines Pfennigs ausdrücklich darauf hin, dass der Stempel breiter als der Schrötling sei. Er ergänzt, dass dies bei den meisten westfälischen Münzen des hohen Mittelalters der Fall sei.

Zum Abschluss seiner Betrachtung der ersten Klever Pfennige unter Graf Dietrich VI. betont Noss zudem, dass insbesondere die zeitliche Einordnung dieser frühen Prägungen eine Gefühlssache bleibe.

Als nächster Schritt bietet sich daher ein Vergleich mit den zeitgleichen beziehungsweise vorausgehenden Prägungen des benachbarten Geldern nach van de Chijs an.

Für den wiederkehrenden, nicht schwerwiegenden Mangel kommen mehrere Erklärungen in Betracht:
• allgemeine Anlaufschwierigkeiten zu Beginn der Münzprägung in der Grafschaft Kleve,
• organisatorische oder technische Defizite in den Prägestätten Kalkar und Huissen,
• eine weniger strenge Trennung der Nominale unter Dietrich VI.

Unter Dietrich VII. wurde nach Noss dagegen ausschließlich in Kleve geprägt. Bei den Hälblingen dieses Grafen lässt sich die beschriebene Diskrepanz zwischen Schrötlings- und Stempelgröße bislang nicht signifikant nachweisen.

Noss weist außerdem darauf hin, dass die frühen Klever Gepräge sehr lange umliefen, da keine regelmäßigen, wiederkehrenden Verrufungen vorgenommen wurden. Dies dürfte die teils deutlichen Gewichtsunterschiede beeinflusst haben; die auffällige Diskrepanz zwischen Schrötlings- und Stempelgröße lässt sich dadurch jedoch kaum erklären.

Eine weitere Überlegung ist, ob die Prägung unter Dietrich VI. zumindest teilweise nach einem al-marco-Prinzip erfolgte. Der fließende Übergang der Gewichte zwischen Pfennigen und Hälblingen spricht eher für eine solche Gewichtsausgabe. Für Dietrich VII. lässt sich zwar kein tragfähiger Münzfuß aufstellen; dennoch ist unter seiner Herrschaft eine klarere Trennung der Nominale zu beobachten.

Fazit
Die bislang bekannten Hälblinge Dietrichs VI. (1202–1260) zeigen ausnahmslos eine auffällige Diskrepanz zwischen Schrötlings- und Stempelgröße. Bei den Hälblingen Dietrichs VII. (1260–1275) lässt sich dieses Merkmal dagegen bislang nicht nachweisen. Zusammen mit den einheitlicheren Gewichts- und Größenverhältnissen unter Dietrich VII. deutet dies auf eine grundlegende Veränderung der Vearbeitungstechnik oder der Münzorganisation zwischen beiden Regierungszeiten hin. Eine vollständige Auswertung aller bekannten Exemplare nach Noss wird zeigen, ob sich diese Beobachtung bestätigen lässt.
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B555andi (Mo 06.07.26 14:47) • QVINTVS (Mo 06.07.26 20:26) • Salier (Di 07.07.26 00:06) • didius (Fr 10.07.26 13:21)

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