Liard oder Doppelliard ?

Europa (ohne Euros) und Afrika - ab etwa 1500.
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Marc
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Liard oder Doppelliard ?

Beitrag von Marc » Mi 23.08.06 17:18

So da alle Münzen finden ( s. Byzanz, Römer etc. ) muss ich das auch ;)
Ich fand das Stück aber nicht im Briefkasten, was die Freude aber noch größer macht, da man bei Funden im Briefkasten ja schon damit rechnete, weil das Konto erleichtert wurde.
Ich hatte in den frühen 90zigern ein Lot unbestimmter Kupfermünzen ersteigert, war nicht teuer, mich interessierte nur eine Münze daraus, ein Stück von Rethel aus dem Jahr 1609. Ich vermerkte in meinem Sammlungsverzeichnis das ich es noch genau bestimmen muss, hatte aber nicht die Zeit genauer nachzuforschen.
Als ich Jahre später meine Sammlung neu ordnete fand ich das Stück nicht mehr. Ich durchforstete auch mehrmals die französischen Stücke nach 1618 ( welche nicht mehr zu meiner Sammlung gehören, meist in Lots dazugekauft wurden, und einer Verwertung harrten ) fand es aber nicht mehr. Vor einem Jahr, als ich mal wieder sie Sammlung neu sortierte löschte ich dann den Vermerk auf den abgängige Münze, war wohl beim Umzug abhanden gekommen, oder die Katze hatte es gefressen, was weis ich, jedenfalls war sie nun über 10 Jahre verschwunden, und galt nun als Verlust :(
Gestern beschloss ich die Münzen welche ich meist in Lots mitgekauft hatte und nicht in meine Sammlung gehören aufzuarbeiten, um sie über Ebay zu verwerten. Ich packte also das erste mal seit langen die italienischen Kupfermünzen an, und siehe an was hatte ich plötzlich in der Hand, als ich eine Partie mantuarer Münzen bearbeitete, ein Stück aus Rethel :)
Freudig darüber das ich einer der wenigen unerklärlichen Abgänge wieder meiner Sammlung zuführen konnte, lies ich die Münzen nach 1618 liegen und kümmerte mich um meine wiedergefundene Münze, jedoch macht sie mir beim beschreiben ein Problem, darum die Anfrage hier.


Es handelt sich um eine Kupfermünze von 1609 von Charles de Gonzague, Fürst von Arches (1601-37) aus Rethel (liegt in den Ardennen bei Luxemburg).

VS: drapierte Büste von der Seite mit großer Halskrause aus Spitze, unten : . 1609 .
CAR . GONZ . D . NIV . ET . RETH .
RS: gekröntes Wappen
SVP . PRINCEPS . ARCHENSIS .
Boudeau (Monnaies francaises provinciales) führt es unter der Nummer 1806 als 'Double Liard' auf.

Im Internet fand ich aber folgendes (siehe Nr. 1284) : Liard
Dort steht unter anderem das Fürst Karl von Gonzague den Münzmeister Didier Briot (1607-1612) und seinen Sohn Nicolas damit beauftragt hat, in der von Karl neu geschaffenen und nach ihm benannten Hauptstadt Charleville, mittels einer mechanischen Mühle dies Münzen zu prägen. Sie würden irrtümlich als Doppelliards bezeichnet seinen aber nur einfache Liards.
Und dort steht im übrigen auch, warum das Stück bei den Italienern lag, wo ich es nie gesucht hatte. Denn 1627 wird Karl Herzog von Mantua und bleibt bis zu seinem Tod in Italien.

An anderer Stelle wird sie als Doppelliard geführt (siehe Nr. 5) : Doppelliard

Leider wird nicht angegeben warum es sich um einen Liard handeln soll. Die Liards von Karl II. von Gonzague sind deutlich kleiner, aber auch deutlich später geprägt. Es wäre möglich. Nun stehe ich vor der Frage vertraue ich der alten Fachliteratur oder der neueren Angabe welche aber ohne Quelle und Begründung ist. Hat irgendjemand von euch Informationen zu den (Doppel-) Liards von Rethel ?

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Marc
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Beitrag von Marc » So 27.08.06 07:13

Nun wo sind den hier die Frankreichexperten ?

Ich habe weitergeforscht, und bin nun noch verwirrter als zuvor :(

Also in Frankreich hatte man ja eigentlich Liards ( also 3 Pfennigsstücke ) bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts aus Silber geprägt. Nur einfache und Doppelpfennige wurde in Kupfer geprägt.
Nun habe ich mir mal alle französischen Feudalherren angeschaut, wer schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts Münzen im Wert über 2 Pfennig in Kupfer prägte. Diese lagen wie nicht anders erwartet an der Französisch-Deutschen Grenze.
Ich war schon immer davon ausgegangen, das der Impuls von deutschen Münzstätten ausging, wie z. B. Artois, Hennegau oder Flandern im Burgundischen Reichskreis oder Sedan im Westfälisch-Niederheinischichen Kreis.

Übrig blieb nur noch sehr wenig, was um 1600 zu Frankreich gehörte, und Liards oder größere Münzen in Kupfer prägte :
Rethel, und Chateau-Renaud von dem ich auf meinem historischen Atlas nicht genau erkennen konnte auf welcher Seite der Grenze es lieg.

Bei der Suche nach Chateau-Renaud stieß ich auch eine Aufzählung der Münzstände im Oberrheinischen Kreis, darunter waren :
- Arches/Rethel/Nevers (1606-1656 im Namen von Karl/Charles I. II. u. III. von Gonzaga)
- Chateau-Renaud am Maasbogen (1613-1629)

Aber Rethel liegt laut meinem Geschichtsatlas im Jahr 1600 in Frankreich. Wer kann mir da weiterhelfen ?
:?

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Marc
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Beitrag von Marc » Mo 28.08.06 07:14

Ich habe weitergesucht habe aber keine Lösung gefunden :

Die Familie Gonzaga regierte von 1328 bis 1708 in Mantua. 1362 wurden sie in den Grafenstand erhoben, 1433 in den Hochadel als Markgrafen und 1530 wurden sie zu Herzögen von Mantua ernannt. Sie waren also Reichsitalienischer Adel.
Ludwig Gonzaga, der dritte Sohn Friedrich II. Gonzaga, Herzog von Mantua und Montferrat (1519-40), heiratete am 4. März 1565 Henriette von Kleve, Tochter des Herzogs Franz I. von Nevers (1540-1563). Henriette war zu diesem Zeitpunkt schon die Erbin des Herzogtums Nevers und der Grafschaft Rethel. Somit begründete Ludwig Gonzaga (1565-95) eine Nebenlinie als Herzog von Nevers und Graf von Rethel. Rethel wurde 1581 vom französischen König Heinrich III. zum Herzogtum erhoben.

Ihm folgt sein Sohn, Karl I. Gonzaga als Herzog von Nevers und Rethel (1595-1637) welcher 1599 Katharina von Lothringen, Tochter Herzogs Karl V. von Mayenne, heiratet.
Über Mayenne konnte ich bis jetzt noch nichts herausfinden, außer das es wohl auch an sie gefallen sein muss, denn Ferdinand, der jüngste Sohn der beiden, wird Herzog von Mayenne. Karl V. von Mayenne war zweitältester Sohn von François von Lothringen, Herzog von Guise. Die Lothringische Nebenlinie der Herzöge von Guise, hatte im Gegensatz zur Hauptlinie ihre Besitzungen in Frankreich, war sogar verfeindet mit den deutschen Kaisern, so das anzunehmen ist das auch Mayenne zu dieser Zeit in Frankreich lag.
Am Rande erwähnen könnte man noch, das François, welcher zeitweise als eigentlicher Machthaber Frankreichs galt, mit dem Blutbad von Vassy die Hugenottenkriege begann.

Die Hauptlinie der Gonzagas erlosch 1627 mit Vincenzo II. Gonzaga. Seine Nichte Maria war mit Karls Sohn Karl II. Gonzaga verheiratet, außerdem war die Linie der Herzöge von Nevers und Rethel die ältesten Nebenlinie der Gonzagas. Jedoch Kaiser Ferdinand II. war mit Eleonora Gonzaga, einer Schwester der drei letzten Herzöge von Mantua verheiratet. Er versuchte Mantua als erledigtes Reichslehen einzuziehen, um es anschließend an die jüngere Linie Gonzaga-Guastalla zu vergeben, die auf spanischer Seite stand. Karls Ansprüche wurden von Frankreich unterstützt, welches Truppen nach Oberitalien schickte. Dem Kaiser gelang es 1630 die Stadt Mantua zu erobern, er musste dann jedoch wegen des Eingreifen Schwedens in den Dreißigjährigen Krieg seine Truppen abziehen. So das Karl I. als Herzog von Mantua und Montferrat vom Kaiser belehnt wurde. 1659 dann verkauft Karl III., Sohn Karl II. Gonzaga, seine französischen Besitzungen an den Kardinal Jules Mazarin, den wahren Machthaber in Frankreichs. Karls III. Sohn, Karl IV. Gonzaga Herzog von Mantua und Montferrat trat im Spanischen Erbfolgekrieg auf die französische Seite, woraufhin Kaiser Leopold I. Mantua und Montferrat als erledigte Reichlehen einzog.

Zum Fürstentum von Arches welches Karl I. 1601-37 gehabt haben soll, fand ich noch nichts. Es gibt aber ein Arches in der Nähe von Epinal an der Mosel, mitten im Herzogtum Lothringen. Welches also im Oberrheinischen Kreis läge. War das der Hauptort eines Fürstentums, und woher hatte Karl dieses ?

Also ich finde außer diesem ungeklärten Arches nichts was auf Münzregal von Karl I. Gonzaga im Oberrheinischen Kreis hindeutet. Alles was ich finde liegt bis 1627 in Frankreich. Es macht Sinn das diese Münzen mit deutschen Recht geprägt wurden. Wie schon gesagt, in Frankreich wurden zu dieser Zeit Liards noch aus Billon geprägt. Aber mit welchen Recht prägte sie Karl ?

Das einzige was ich mir noch Vorstellen kann ist das man 'CAR . GONZ . D . NIV . ET . RETH' komplett als Namen, und 'PRINCEPS . ARCHENSIS' als das Münzberechtigtes Gebiet interpretiert. Dann würde aber der Prägeort vermutlich ausserhalb dieses Fürstentum liegen ?
Also der Prägeort Charleville liegt sehr nah der Grenze nicht weit von Sedan, vermutlich aber noch im Herzogtum Rethel gelegen. Selbst wenn er auf deutscher Seite lag, müsste er nach meiner Karte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis gehören.
Vermutlich wurden die Münzen also mit deutschem Regal aber in Frankreich geprägt. Erlaubte der französische König überhaupt den Umlauf dieses Geldes in Frankreich ?

Gibt es denn hier keine Sammler von Frankreich oder dem Oberrheinischen Reichskreis die mir hier weiterhelfen können ?
:(

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Marc
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Beitrag von Marc » Mo 28.08.06 19:45

Juhu, das französische Wikipedia hat was über das 'Principauté d'Arches' und da steht es auch : :D
En 1293 la terre d'Arches est achetée par les comtes de Rethel. Le 6 mai 1606, le jour même de ses 26 ans, Charles III de Nevers fait commencer les travaux de ce qui va devenir son grand'œuvre, Charles-ville. Le lieu choisi est situé sur son duché de Rethel, à environ 45 km au nord de cette ville, dans un double méandre de la Meuse. La citadelle de Mézières occupe l'accès à la boucle la plus au sud, en rive droite. La cité de Charleville va se trouver un peu plus au nord, à côté d'un petit hameau nommé Arches, dans le méandre suivant, sur la rive droite, et une forteresse située au nord et en regard de Charleville, à l'emplacement même de l'ancienne Castrice, dans la deuxième boucle, sur la rive gauche, va en assurer la défense. L'intêret de l'emplacement de la nouvelle cité est qu'elle se trouve sur la rive gauche de la Meuse, hors de France et donc de l'influence économique du royaume. En effet, le traité de Verdun de 843 qui a consacré la partition de l'Empire de Charlemagne a fixé la Meuse comme frontière entre la Francie occidentale (qui deviendra la France) et la Francie médiane (qui sera la Lotharingie). Charleville et la principauté se trouvent ainsi sur le comté de Castrice en Lotharingie.
Es handelt sich also um einen kleinen Zipfel, an Rethel angrenzend und in der Nähe Sedan, der aber auf der deutschen Seite lag. Wohl zu klein für meine Karten. In diese Ecke baute Karl ganz bewusst seine neue Hauptstadt Charleville, da er hier als Fürst weitaus mehr Rechte als in Frankreich hatte, z. B. das Münzrecht für das besagte Stück.

Somit ist das Stück entgegen der gängigen Literatur keine Münze aus Rethel, und somit kein Gepräge eines französische Feudalherren, sondern eine Münze aus Arches und somit eine Münze eines deutschen Fürstens. Auch wenn sie immer unter Rethel verkauft wird.
Hach, ist das immer kompliziert mit den lothringischen Herren, die auf beiden Seiten der Grenze ihre Lehn haben. :roll:

Nun bleibt nur noch eine Frage. Lies der französische König den Umlauf in Frankreich ( Rethel / Nevers ) zu oder waren die für den lothringischen Markt gedacht ?

Und natürlich noch die Frage mit der alles begann : Sind das Liards oder Doppelliards ?

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Marc
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Beitrag von Marc » Mi 20.09.06 14:18

Nun ja, irgendwie scheinen hier keine Frankreichsammler zu sein, schade. Wo ist eigentlich tournois, ich hatte ein weinig auf seine Hilfe gehofft, schließlich sind französische provinciale und feodale Gepräge sein Hauptsammelgebiet. Aber ich sah in schon Wochen nicht mehr im Forum, hoffentlich macht er nur eine Weltreise und ist nicht krank oder so was. :?

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KarlAntonMartini
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Beitrag von KarlAntonMartini » Mi 20.09.06 17:50

Wenn man auf eine Frage keine Antwort findet, könnte es an falschen Prämissen für die Frage liegen. Du unterstellst in diesem Gebiet damals die Existenz einer Grenze, wo links der frz. König, rechts der Kaiser das Sagen über den Münzumlauf hatte. Die lehens- und staatsrechtlichen Verhältnisse in dieser Ecke, die früher zum Königreich Burgund zählte waren so kompliziert, daß schon die Zeitgenossen nicht mehr durchblickten. Zudem war die politische Wirklichkeit oft anders als die Rechtslage. Ich hab grade mal im Köbler die Stichworte Burgund und Burgundischer Reichskreis durchgesehen, auch da findet man keine Antwort auf deine Frage, nur daß Nevers frühzeitig aus dem alten Königreich Arelat zum frz. Herzogtum Burgund gezogen wurde, und ua Nevers und Rethel 1369 durch Heirat an Philipp den Kühnen, frz. Herzog von Burgund kam. Nach dem Tod dessen Enkels Karls des Kühnen 1477 ging sowohl das frz. Herzogtum Burgund als auch das Reichslehen Freigrafschaft Burgund an die Habsburger, 1548 bildete Karl V. daraus den burgundischen Reichskreis, die von Frankreich beanspruchte Hoheit über das Herzogtum Burgund ging unter. Diesem Reichskreis gehörten die fogenden Stände an: Herzog von Burgund, Grafen von Nassau, Breda, Dillenburg, Herren von Hoya, Egmond, Bergen und Wahlen. Später wurden noch etliche Herren dazugezählt, aber Nevers oder Rethel habe ich nicht gefunden. Der Zedler Artikel schafft Klarheit: Frankreich, gehörte später dem Kardinal Mazarin und wurde entsprechend umbenannt. Wirklich spannender Stoff. Viele Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von Marc » Mi 20.09.06 19:16

KarlAntonMartini hat geschrieben:Du unterstellst in diesem Gebiet damals die Existenz einer Grenze, wo links der frz. König, rechts der Kaiser das Sagen über den Münzumlauf hatte. Die lehens- und staatsrechtlichen Verhältnisse in dieser Ecke, die früher zum Königreich Burgund zählte waren so kompliziert, daß schon die Zeitgenossen nicht mehr durchblickten.
Also es gab immer eine Grenze, die den Zeitgenossen auch bewusst war. Die Maasgrenze bestand über viele Jahrhunderte. Die deutschfranzösische Grenze war bis zur französischen Ostbestrebung ab dem 17. Jahrhundert (Rhein als natürliche Grenze) einer der stabilsten Grenzen Mitteleuropas. Es gab nur wenige Grenzkorrekturen, und diese meist im nördlichen Teil. Das jeweilige lokale Große Gebiete auf der anderen Seite der Grenze erwarben, macht das ganze zwar recht kompliziert, ändert aber nicht an der Lage der Grenze. Ja die Lage der oben beschriebene Gründung von Charleville ist sogar nur dadurch zu erklären, dass den Zeitgenossen die Grenze klar war. Ich unterstelle also keine Grenze, die war da.
KarlAntonMartini hat geschrieben:Zudem war die politische Wirklichkeit oft anders als die Rechtslage.
Genau das war ja ein Teil meiner Recherche und ist Teil der Frage. Geklärt habe ich ja schon, das Charleville im Reich lag, somit die Prägung auf jeden Fall rechtens war. Und eine Frage war nun, ob diese Münzen in Wirklichkeit auch in Frankreich umliefen, und ob das rechtens war.
KarlAntonMartini hat geschrieben:Ich hab grade mal im Köbler die Stichworte Burgund und Burgundischer Reichskreis durchgesehen, auch da findet man keine Antwort auf deine Frage, nur daß Nevers frühzeitig aus dem alten Königreich Arelat zum frz. Herzogtum Burgund gezogen wurde, und ua Nevers und Rethel 1369 durch Heirat an Philipp den Kühnen, frz. Herzog von Burgund kam. Nach dem Tod dessen Enkels Karls des Kühnen 1477 ging sowohl das frz. Herzogtum Burgund als auch das Reichslehen Freigrafschaft Burgund an die Habsburger, 1548 bildete Karl V. daraus den burgundischen Reichskreis, die von Frankreich beanspruchte Hoheit über das Herzogtum Burgund ging unter. Diesem Reichskreis gehörten die fogenden Stände an: Herzog von Burgund, Grafen von Nassau, Breda, Dillenburg, Herren von Hoya, Egmond, Bergen und Wahlen. Später wurden noch etliche Herren dazugezählt, aber Nevers oder Rethel habe ich nicht gefunden.
Wir wissen aus zeitgenössischen Quellen das diese Stücke in Charleville geprägt wurden. Und wie ich oben darstellte, liegt Charleville weder in Nerves noch in Rethel sondern in Arches. Der Burgundische Reichskreis kam (wegen seiner speziellen Struktur) für das Stück eh nicht in Frage, nur der Niederrheinisch-Westfälische oder der Oberrheinische. Aber diese Fragen sind ja alle geklärt, der Oberrheinische Kreis führt diese Prägungen von Karl ja auf. Mich persönlich hatte das anfangs nur verwirrt, da ich wie in der französischen Literatur üblich, diese Stücke nach Rethel gelegt hatte.
KarlAntonMartini hat geschrieben:Wenn man auf eine Frage keine Antwort findet, könnte es an falschen Prämissen für die Frage liegen.
Also ich sehe bei mir keine falsche Prämisse. Wo, wann und mit welchen Recht die Münze geprägt wurde, habe ich ja schon raus. Deshalb sind die Fragen recht einfach, wenn man die entsprechende Fachliteratur hat :

a) Die Münzen werden meist fälschlich unter Rethel geführt. Die Frage ist ob diese Münze in Rethel überhaupt umlaufen durften.
In Frankreich dieser Zeit, dürften Feudalprägungen nur im Gebiet des Feudalherren umlaufen. Also eine Münze aus Rethel z. B. nur in Rehtlel und Nerves. Außerdem versuchten die Französischen Könige zu verhindern, das deutsche Münzen in den französischen Gebieten der deutschen Fürsten umliefen. So sollten die Münzen der lothringischen Herzöge nicht in den lothringischen Besitzungen in der Champangne umlaufen. Das heißt eigentlich sollte das besprochene Stück nicht in Rethel umlaufen.
Da aber überall die Münze unter Rethel geführt wird, frage ich mich ob Herzog Karl, der ja eng mit dem Königshaus verbunden war, eine Ausnahme oder Duldung erreichte, und diese Stücke in Frankreich umliefen.

b) In meiner (älteren) Literatur werden diese Stücke als Doppelliard bezeichnet, im I-Net steht nun es seinen einfache Liard. Ich fragte ob jemand die Quelle dieser neuen Ansicht kennt.

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Beitrag von KarlAntonMartini » Do 28.09.06 13:37

Die spannende Frage hat mich nicht losgelassen. Es scheint so zu sein, daß Arches oder Charleville weder zu Frankreich noch zum Reich gehörte, sondern jedenfalls bis 1708 als souverän galt. Siehe: http://books.google.de/books?vid=ISBN05 ... p16zOGJT1g - Jedenfalls habe ich noch keinen Beleg für eine Zugehörigkeit des Gebiets zum Reich gefunden. Ich suche aber noch. Grüße, KAM
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Beitrag von Marc » Do 28.09.06 16:43

Schön, das du mir bei der, zweifellos recht komplizierten, Suche weiterhin hilfst. Aus dem Standgreif ( ohne irgendeine Quelle dazu gelesen zu haben ), kann ich sehr gut vorstellen, das z. B. im Westfälischen Frieden Arches souverän wurde. Denn in ihm wurden ja auch die Schweiz und die spanische Niederlande souverän. Eine Souveränität von Arches hätte für das französische Königtum den Vorteil das der Inhaber auch rechtlich nicht mehr Vasall des deutschen Kaisers war. Und 1659 wird es ja an Kardinal Mazarin verkauf, der alles nur kein Vasall des Kaisers sein wollte ;)
Für die Entstehungszeit der Münzen kann das Gebiet aber nicht souverän gewesen sein, sonst hätte sich der Oberrheinische Kreis nicht die Aufsicht über die Münzprägung ausüben können.

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Beitrag von KarlAntonMartini » Do 28.09.06 16:54

Nun ja, das Staatsrecht des Alten Reichs ist ja ein Hobby von mir und Territorien, die nicht im Köbler stehen, von da her interessant. Die von mir zitierte Quelle geht von einer Souveränität schon zur Zeit der Erbauung von Charleville aus, aber dannhätte der Oberrheinische Reichskreis zu den MÜnzen nichts mehr sagen dürfen. Naja, mal sehen. Grüße, KAM
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Beitrag von Marc » Do 28.09.06 17:28

Eins ist klar, so kurz vor dem 30 Jährigen Krieg war die Oberaufsicht des Reiches insbesondere auf Randgebiete nur noch sehr schwach, und ab 1618 für viele Gebiete faktisch nicht mehr da. Man sieht es z. B. ja an der Schweiz vor ihrer Unabhängigkeit 1648. Das der Oberrheinische Kreis die Münze beaufsichtigte, könnte Karl sogar sehr gepasst haben, denn dadurch wurde allen Zweiflern offenkundig, das er nicht an das strengere französische Münzrecht gebunden war. Und mit durchsetzbaren Einschränkungen durch den Kreis musste er nicht rechnen. Der Kreis wird aber nur dann aktiv geworden sein, wenn rechtlich das Fürstentum zum Reich gehörte. Ansonsten wird am Vorabend des großen Krieges sich das Reich kaum um das Minifürstentum gekümmert haben.
Bei oberflächlicher Betrachtung, könnte der Eindruck einer Souveränität seit Erbauung von Charleville entstehen. Die Erbauung einer Stadt hat ja keinen Einfluss auf die Souveränität des Gebietes, das Gebiet müsste also schon vorher souverän gewesen sein, und das halte ich für unwahrscheinlich. Vor 1648 sind mir keine Souveränen Gebiete zwischen Deutschland und Frankreich bekannt, 1618-48 herrschte eine Art staatsrechtliche Anarchie da sich Reichsfürsten gegen das Reich erhoben, doch die Souveränität beginnt nach meinem Verständnis erst mit der Anerkennung aller Kriegsführenden Parteien (insbesondere des Reiches) im Westfälischen Frieden.

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Beitrag von KarlAntonMartini » Do 28.09.06 17:51

Ja, das hätte ich bisher auch immer so gesehen. Aber in allen Quellen zur Familie Gonzaga, Arches, Rethel etc. wird immer wieder behauptet, ab 1608 sei Arches ein souveränes Fürstentum gewesen. 1606 begann ja schon die Erbauung von Charleville. Nun waren die Gonzaga um diese Zeit schon eine Macht, gut möglich, daß sie hier eine Exemtion erwirken konnten. Das Gebiet, um das es geht war ja winzig. Grüße, KAM
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Wert?

Beitrag von jn1910 » Fr 03.04.09 16:29

Mein Schwiegervater in spe hat eine solche Münze von 1609 auf dem Dachboden gefunden. leider erkennt man die Bste auf der einen Seite kaum noch und auch sonst ist sie nicht im besten zustand (was die suche im Internet nicht sonderlich einfach machte :roll: )
Nun meine Frage, was würde ein Sammler für so eine Münze noch bezahlen? bzw. wäre diese Münze überhaupt interessant für Sammler?

Habe leider echt nichts im Netz gefunden und hoffe ihr könnt mir irgendwie helfen oder mich weiterverweisen.

Danke jn

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Beitrag von klosterschueler » Fr 03.04.09 18:22

Hallo jn1910!

Die Frage nach dem Interesse der Sammler kann ich fast mich Sicherheit mit JA beantworten, was ein Sammler bereit ist, dafür Geld auszugeben, kommt natürlich sehr auf die 'Äußerlichkeiten' an, ohne Bild wird man diese Frage wohl nicht endgültig beantworten können

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Beitrag von jn1910 » So 05.04.09 11:08

da ich mich hier nicht so auskenne, habe ich mal meine alte homepage ausgegraben und zwei fotos hochgeladen

http://unsere-kleine-50qm-farm.npage.de ... 20550.html

danke für die schnelle antwort

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