Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

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Wilhelm I.
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Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Wilhelm I. » Fr 31.08.18 11:53

Wenn ich mit einer Magnetwaage meine Silbermünzen des Kaiserreiches z.B. Preußen (2, 3, 5 Mark) sowie der Weimarer Republik (3 oder 5 Mark) prüfe, ergeben sich negative Werte zwischen - 0,04 bis - 0,15g.
Liegen bei diesen Münzen allgemein ferromagnetische Verunreinigen vor oder handelt es sich um Fälschungen?
Die technischen Parameter (Gewicht, Abmessungen) liegen in den Referenzbereichen. Bei den Münzbildern sind keine Auffälligkeiten festzustellen.
Auf eine positive Antwort würde ich mich sehr freuen.
Vielen Dank.

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Mynter » Fr 31.08.18 20:04

Interessante Frage - ich verstehe leider hiervon nichts. Kannst Du erklären, was diese Werte beinhalten und wie sie sein sollten ?
Wie sehen denn die Randschriften der fraglichen Münzen aus ?
Grüsse, Mynter

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Mynter » Fr 31.08.18 20:09

Im Gegensatz zu den Reichsgoldmünzen, deren Quellen , zumindest der ersten Jahrgänge , ( teilweise ) bekannt sind ( alte Landesgoldmünzen, Französisches Gold ), habe ich über die Materialquellen für die Rechssilbermünzen noch nie etwas gehört. Ich nehme mal an, dass der Teil der eingezogenen Landesmünzen, der nicht als Barren verkauft wurde, hierzu verwendet wurde. Aber wie gut war die Aufbereitung ? Beim Gold kann man in den damaligen Quellen etwas davon lesen, dass die unterschiedlichen Legierungen nicht gründlich gereinigt wurden.
Ich kann am Wochenende mal im Schlösser nachsehen, ob dort etwqs zum Silber steht.
Grüsse, Mynter

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von olricus » Sa 01.09.18 22:38

Hallo Wilhelm I.,
Deine Untersuchungen der Reichsmünzen mit einer Magnetwaage finde ich sehr interessant, die geringen Abweichungen vom Sollgewicht sagen aber sicher nichts über die Echtheit
Deiner Stücke, die Waage reagiert auf geringe ferromagnetische Verunreinigungen der Münzen, die von Eisen und auch von Nickel und Kobalt kommen können.
Sicher wurde ein großer Anteil der eingezogenen alten Talermünzen für die Prägung der Reichsmünzen verwendet, staatlich war ein Silbergehalt von 900/1000 garantiert, der Rest
war Kupfer, aber sicher enthielten die alten Münzen noch geringe Mengen von Verunreigungen.
So hab ich mal vor längerer Zeit in einer Fachzeitschrift gelesen, dass einige Firmen sich spezialisiert hatten, aus den alten Talermünzen den geringen Goldanteil zu gewinnen, der
ja in den Silbererzen vorhanden war, ein damals einträgliches Geschäft.
Einen Beweis könnte nur eine genaue RFA-Analyse bringen, Veröffentlichungen darüber sind mir leider nicht bekannt.
Grüße von olricus

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Mynter » So 02.09.18 06:01

@Olricus : Danke fuer den interessanten Hinweiss. Kannst Du Dich noch an den Titel des Artikels erinnern ?
Grüsse, Mynter

Wilhelm I.
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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Wilhelm I. » So 02.09.18 14:18

Hallo olricus, vielen Dank für die hilfreichen Informationen. Der genannte Artikel interessiert mich auch sehr. Nach deinen Angaben befinde ich mich schon auf dem richtigen Weg. Um Missverständnisse vorzubeugen möchte ich meine Anfrage noch etwas konkretisieren. Es gibt u.a. drei magnetische Eigenschaften der Materie: Diamagnetismus, Paramagnetismus und Ferromagnetismus. Ein ferromagnetischer Stoff wird von einem Magneten stark angezogen (wie. z.B. Eisen, Nickel und Kobalt). Paramagnetisches Material wird nur sehr schwach angezogen. Ein diamagnetischer Stoff (z.B. Gold, Silber, Kupfer) wird sogar schwach abgestoßen. Dieser Unterschied zwischen paramagnetischen und diamagnetischen Stoffen bildet die Grundlage für die Echtheitsbestimmung von Edelmetallen (z.B. Silber- oder Goldmünzen) mittels einer Magnetwaage.
Diamagnetischen Stoffe bewirken einen leicht positiven Wert (typischerweise +0.010 bis +0.090 Gramm), da das Material den Magnetmesskopf leicht abstößt und dieser daher leicht auf die Waage drückt. Im Falle von paramagnetischen Stoffen wird das Material leicht vom Magneten angezogen und die Waage entlastet; es ergibt sich ein negativer Wert. Meine genannten Münzen (Kaiserreich 2, 3, 5 und Weimarer Republik 3 u. 5 Mark) müssten sich wegen der Materialzusammensetzungen AG 900/ CU 100 bzw. AG 500 / CU 500, bei der Prüfung im positiven Bereich finden. Leider ergeben die Messungen Werte von -0,04 bis -0,15g. Sie liegen also im negativen Bereich. Hier wäre die Kernfrage, ob sich in diesen Münzen Verunreinigungen durch kleine Anteile von Eisen oder Nickel befinden könnten???? Oder besitze ich einige Fälschungen???
Vielleicht kann mir noch jemand weiterhelfen… Ich bin für jede Info dankbar.
Viele Grüße.

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Mynter » So 02.09.18 17:09

Kannst Du mal Bilder eines 3- oder 5 Mk- stückes aus dem Kaiserreich hier einstellen, bitte mit Randschrift, die ist für Fälscher ( bisher ) glücklicherweise immer eine unüberschreitbare Hürde gewesen.
Grüsse, Mynter

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Mynter » So 02.09.18 21:15

In " Die Münztechnik " von E. Schlösser ( 1883 ) steht zur Qualität der Silberschmelzen direkt nichts, allerdings wird erwähnt, dass viele der zwischen 1873 und 76 in Frankfurt geprägten Goldmünzen spröde waren, da die Legierung mit Eisen, Nickel und Blei verunreinigt war.Zitat Schlösser :" sodass es geboten erscheint, mehr Vorsicht auf das Münzmaterial selbst zu legen und dasselbe auf seine Reinheit zu prüfen " ( S.107 )

Was für das Gold gegolten hat, mag auch für das Silber gestimmt haben. Vielleicht hat man den Scheidemünzen, die sich im Gegensatz zu den Währungsmünzen sowieso bis zum Exzess verschleissen sollten, weniger Aufmerksamkeit gewidmet ?
Grüsse, Mynter

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von villa66 » Mo 03.09.18 00:16

Interesting discussion, fun to read. One question only: are some of the contaminants being talked about here thought to be the result of off-metal counterfeits infiltrating the stream of old state coinage that was being melted and recoined?

:) v.

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Mynter » Mo 03.09.18 16:05

villa66 hat geschrieben:Interesting discussion, fun to read. One question only: are some of the contaminants being talked about here thought to be the result of off-metal counterfeits infiltrating the stream of old state coinage that was being melted and recoined?

:) v.
Interesting thought. The fakes of Empire- coins in my collection consist of lead or tin. I wonder how many of them would by neccessary to corrupt a given charge of metall ( silver,according to Schlösser, was usually melted in charges of 400- 700 lbs, that is 200 - 350 kg. ) ?
Grüsse, Mynter

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Wilhelm I. » Mo 03.09.18 18:37

Hallo Mynter,
wie hast du herausgefunden, dass es sich um diese beschriebenen Fälschungen handelt?????
Gib mir bitte einen kleinen Hinweis.
Vielen Dank und Grüße.

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Re: Ferromagnetische Verunreinigungen in Silbermünzen

Beitrag von Mynter » Mo 03.09.18 19:58

Wilhelm I. hat geschrieben:Hallo Mynter,
wie hast du herausgefunden, dass es sich um diese beschriebenen Fälschungen handelt?????
Gib mir bitte einen kleinen Hinweis.
Vielen Dank und Grüße.
Bei den Fälschungen, die ich in einer kleinen Nebensammlung aufbewahre, handelt es sich um zeitgenössische Fälschungen zum Schaden des Zahlungsverkehrs, nicht um Fälschungen zum Schaden des Sammlermarktes. Auf solche Stücke wird sich auch villa66 beziehen, wenn er die Frage in den Raum stellt, ob eine Legierungsverunreinigung möglicherweise auf Falschgeld im Schmelzgut zurückzuführen sein könnte.
3 x 2 Mk falsch Re.JPG
3 x 2 Mk falsch Av.JPG
Diese Stücke stellen natürlich für einen Sammler keine Gefahr dar,sie waren für den " Bauernfang " von damals gedacht. Aber auch Sammlerfälschungen haben ihre Fehler und meistens ist es der Rand, der nicht ganz überzeugend ist, da die Rändelungen besonders schwer hinzubekommen sind.
Grüsse, Mynter

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