Funde historischer Münzen in Wismar

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mfr
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Funde historischer Münzen in Wismar

Beitrag von mfr » Fr 21.07.06 20:51

Funde historischer Münzen in Wismar
20.07.2006: Wismar/MVr Mit den aktuellen drei Funden vom September 2005 wurden in Wismar seit Mitte des 19. Jahrhunderts insgesamt zwölf Münzschätze entdeckt, die alle vermutlich um 1500 versteckt wurden.


Gefunden wurden sie meist bei Bauarbeiten. Die Gelddepots lagen entweder im Innern der Nikolai- oder außerhalb der Marienkirche.

In der Nikolaikirche wurde am 27. April 1846 bei Erdarbeiten in der Nähe der Kanzel ein Gefäß mit Silbermünzen, kleinen Perlen aus Horn, Messingstecknadeln und Messingscheiben entdeckt. Der Münzschatz wurde zunächst im Ratsarchiv untergebracht und gilt mittlerweile als verschollen. 1972/1973 wurde ein weiteres Gelddepot beim Verlegen eines Elektrokabels nahe einer Grabplatte in der Kirche geborgen. Die genaue Fundzeit ist unbekannt. In der Nähe des Westfensters des nördlichen Seitenschiffes wurde am 21. April 1980 ebenfalls ein Gefäß mit historischen Münzen bei Bauarbeiten gefunden. Nur drei Monate später stießen Bauarbeiter auf zwei weitere Münzschätze.

An der Marienkirche wurde erstmals im November 1872 ein Münzversteck entdeckt. Arbeiter machten den Fund bei Reparaturarbeiten an einem Sockel der Westwand. Entweder im gleichen Jahr oder fünf Jahre später wurde ein Steinkrug voller Münzen gefunden. An der Südseite legten Bauarbeiter ein Gewölbe frei, in dem ein Tontopf mit Münzen verborgen war. Im Sommer 1981 stießen Bauarbeiter an der Südwestecke erneut auf ein Münzversteck. Im September 2005 wurden drei weitere Münzschätze in unmittelbarer Nähe bei Grabungsarbeiten am Fundament der Kirche von Archäologen entdeckt.

MVregio red/korr/hwi
Quelle: www.mvregio.de

mfr
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Beitrag von mfr » Fr 21.07.06 20:54

Münzdepots als Zeugnisse einer Pestepidemie?

Zahlreiche Funde an zwei Wismarer Kirchen - Drei Schätze erstmals ausgestelltn)

Viel ist nicht überliefert. Nur die Randbemerkung eines Wismarer Stadtarchivars belegt, dass in den Jahren 1495 und 1496 die Pest in der Hansestadt wütete. «Die Krankheit muss verheerend gewesen sein», vermutet der Ausgrabungskoordinator Heiko Schäfer vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin.

Schwerin (ddp-nrd). Viel ist nicht überliefert. Nur die Randbemerkung eines Wismarer Stadtarchivars belegt, dass in den Jahren 1495 und 1496 die Pest in der Hansestadt wütete. «Die Krankheit muss verheerend gewesen sein», vermutet der Ausgrabungskoordinator Heiko Schäfer vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin. Die Pest habe damals selten länger als einen Sommer gedauert. Die Funde mehrerer Verstecke mit Münzen aus der Zeit um 1500 könnten nach seiner Ansicht ein Hinweis auf das Ausmaß dieser Katastrophe sein.

Im September 2005 fanden Archäologen bei Ausgrabungen an der Marienkirche gleich drei Münzschätze vom Ende des 15. Jahrhunderts. Die Funde sind seit Donnerstag erstmals einem breiten Publikum in der Sonderaustellung «Vom Hacksilber zum Golddollar - Münzschätze des Mittelalters und der Neuzeit von der Ostsee bis zur Lausitz» im Schweriner Archäologischen Landesmuseum zugänglich.

Die drei Wismarer Goldschätze, wie sie jetzt heißen, geben Rätsel auf. Archäologen fanden sie alle an der Marienkirche - beinahe an der gleichen Stelle. «Vermutlich gehörten sie verschiedenen Menschen», sagt Landeskurator Friedrich Lüth. Nummer eins umfasst 95 Münzen, die in einem Rinderhorn steckten. Dieses wiederum lag in einem kleinen Bronzekessel mit drei Beinen. Schatz Nummer zwei ist mit 500 Silbermünzen der größte und steckte in einem unscheinbaren Metallbecher. Fund Nummer drei besteht aus 34 Geldstücken und war in einem kleinen Keramikbehälter verwahrt. «Nirgends war ein Goldstück bei», sagt Schäfer.

Laut Schäfer stammt die älteste Münze aus dem Jahr 1483 und die jüngste von 1490. Bei den Münzen lagen auch kleine Perlen, Reste eines Rosenkranzes. «Wir haben laut nachgedacht, ob es sich um eine Opfergabe handeln könnte», sagt Schäfer. Wahrscheinlich sei, dass die Besitzer die Münzen wieder abholen wollten. Auffallend sei auch, dass seit 1846 inklusive der aktuellen Funde insgesamt zwölf geheime Gelddepots unterschiedlicher Wertumfänge an der Marien- und der Nikolaikirche in Wismar entdeckt wurden. «Diese Häufung von Münzen aus einer Zeit ist ungewöhnlich», sagt Schäfer.

Lüth betont, dass Münzfunde oft auf historische Schreckensereignisse hinwiesen. So seien während des Dreißigjährigen Krieges im Land viele Münzen versteckt worden. Etliche Silbermünzen, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind, wurden in Anklam gefunden. «Wir konnten sie auf 1629 datieren. Damals gab es dort eine Schlacht zwischen den Schweden und Preußen«, sagt Lüth.

Dass die auffällige Häufung der Geldverstecke an den beiden Wismarer Kirchen mit einer Pestepidemie zusammenhängen könnte, ist für Schäfer die bisher logischste Erklärung. Zwar sei die Hansestadt 1511 von dänischen Truppen belagert worden. Das sei aber glimpflich abgelaufen. »Die Dänen haben den Hafen zerstört, aber bei der Belagerung ist kaum ein Wismarer gestorben", sagt Schäfer.

Die drei Münzschätze wurden im Herbst 2005 durch Zufall gefunden. An der Marienkirche, die im 13. Und 14. Jahrhundert erbaut und im Zweiten Weltkrieg bis auf den Turm zerstört wurde, legten Archäologen das Fundament frei. Denn die Ruinenreste waren zu DDR-Zeiten abgetragen worden, um dort einen Parkplatz zu bauen. Seit nunmehr fünf Jahren versuchen Archäologen, das Kirchenfundament zu rekonstruieren, um eine begehbare Ruine zu erschaffen. «Dieser Umstand war ein echtes Glück», sagt Lüth. Die drei Münzschätze waren vollständig und konnten genau datiert werden. Ob sie tatsächlich Belege für eine Pestepidemie sind, soll weiter erforscht werden.

Die Schau ist bis 6. November täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr im Archäologischen Landesmuseum in Schwerin zu sehen.

(ddp)


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Wurzel
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Beitrag von Wurzel » Fr 21.07.06 21:57

Danke Münzenfreund, sehr interessant.

Ich ergänze mal mit dem Link zum enstprechenden Museum, leider wird da nichts weiter zu der Sonderausstellung geschrieben.

http://www.archaeologie-mv.de/index1.html

Aber immerhin gibts dann ggf. die Kontaktdaten.


Wurzel
http://www.pflege-am-boden.de/

mfr
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Beitrag von mfr » Fr 21.07.06 22:23

Archäologie
Arabische Münzen bei Autobahn-Bau entdeckt

Museum zeigt Geld aus dem Mittelalter
Schwerin - Münzschätze aus archäologischen Grabungen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zeigt eine Ausstellung im Schweriner Archäologischen Landesmuseum. Unter dem Titel "Vom Hacksilber bis zum Golddollar" werden Fundstücke vom Mittelalter bis zur Neuzeit präsentiert, darunter arabische, byzantinische, deutsche und englische Münzen. Ein Schwerpunkt seien nach Gewicht zerstückelte Münzen und zerhackter Silberschmuck aus dem zehnten und elften Jahrhundert, teilte das Kultusministerium mit.

Die Münzschätze wurden den Angaben zufolge bei Rettungsgrabungen vor größeren Bauvorhaben zur Stadtsanierung, beim Abbau von Rohstoffen, beim Bau von Autobahnen sowie bei privaten Baumaßnahmen sicher gestellt. Münzen aus dem arabischen Raum belegten die globalen Wirtschaftsbeziehungen im Mittelalter. Als Sparanlage vergrabene Schätze ließen Rückschlüsse auf Kriege und Unruhezeiten zu. Krisenzeiten würden durch die "dramatische Verschlechterung" der Silbermünzen im 16. und 17. Jahrhundert illustriert.

Die Ausstellung war bereits vor drei Jahren in der gemeinsamen Vertretung beider Bundesländer in Berlin zu sehen. Die Exposition im Schweriner Archäologischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern kann vom 20. Juli bis 5. November täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.

epd

Artikel erschienen am Fr, 21. Juli 2006
Quelle: www.welt.de

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Salier
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Beitrag von Salier » Mi 26.07.06 14:53

Hallo,
habe mir die Ausstellung angesehen und kann sie wirklich nur empfehlen.
Neben seltenen und unedierten Taler und Talerteilstücken werden auch zwei
kupferne Brakteatenschalen gezeigt. Allein der Goldwert der Double Eagle beträgt heute ca. 60.000,-€. Wirklich sehr informativ da vom Mittellater bis zur Moderne alles dabei ist.

schöne Grüße
Salier
Sancta Colonia Agrippina

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