Wie kamen alte Münzen in unsere heutige Zeit?

Wie zahlten unsere Vorfahren? Was war überhaupt das Geld wert? Vormünzliche Zahlungsmittel

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Pflock
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Wie kamen alte Münzen in unsere heutige Zeit?

Beitrag von Pflock » So 20.05.07 15:12

Hallöle Zusammen,
mal eine etwas andere Frage:
Ist eigentlich mal untersucht worden, wie alte Münzen in unsere heutige Zeit gelangten? Welches die Haupt-Überlieferungs-Wege sind?
Wenn ich mir den Makt und die Mengen so betrachte, kann ich mir nicht vorstellen, daß dies alles Boden- oder Schatzfunde sind. Auch wenn man bedenkt, daß es schon immer Sammler gab, werden die ja nicht den ganzen Rest in die heutige Zeit geschleppt haben.

Ist es vorstellbar, daß Münzen aus dem Mittelalter oder sogar aus der Antike in der Familie weitergegeben wurden? Oder daß sie durch Handel in menschlicher Hand geblieben sind (also ohne Umweg über Boden oder Schatzversteck)?
Auch wenn die Münzen nicht mehr gültig waren, stellten sie doch durch ihr Material einen Wert da. Selbst Bronze und Kupfer waren ja, zumindest bis zur Industrialisierung, wertvoller als heute.

Ich bin auf Eure Antworten gespannt.

Dietemann
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Beitrag von Dietemann » So 20.05.07 20:22

Das habe ich mich auch schon gefragt:

Aber: wieviele alte Münzen hast Du von Deinem Großvater bekommen?

Es gab zu allen Zeiten Sammler, die Münzsammlung des Prinzen Alexander von Hessen war zu ihrer Zeit berühmt und sicherlich sind die besseren Exemplare dadurch auf uns gekommen.

Eine weitere Quelle sind Schmuckstücke, noch heute werden viele Broschen und Anhänger mit Münzen angeboten. Bei vielen Münzen kann man, wenn man genau hinschaut, noch Fassungsspuren erkennen und weiß dann, dass sie einst als Schmuck dienten. Teilweise wurden sie auch gerollt und als Perlenhülsenschmuck verwendet, irgendjemand später hat sie dann wieder gerade gebogen.

Der weitaus größte Teil wird aber durch Münz- und Schatzfunde zu uns gekommen sein. Man darf nicht vergessen, dass die Dinger einen Metallwert hatten und noch bis vor einhundert Jahren die weniger gut erhaltenen Münzen eingeschmolzen wurden. Wenn ich denke, wie oft meine Vorfahren umziehen mussten, vertrieben wurden, ihre Häuser in der Inflation verloren haben oder Ähnliches, da hatten die garantiert irgendwann die Notwendigkeit auch aufbewahrte Münzen zu Geld zu machen.

Wenn Du willst, dann kann es sein, dass auch in Deinem mittelalterlichen Pfennig der Bruchteil eines römischen Denars steckt.

Es ist übrigens sehr spannend, die Geschichte von Münzen zurückzuverfolgen zu versuchen. Manchmal gelingt das.

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Pflock
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Beitrag von Pflock » So 20.05.07 22:05

Ich weiß jetzt nicht, was Dein Prinz gesammelt hat, aber auch er mußte ja irgendwie an Münzen aus früheren Epochen ran kommen. Also hat er sie sicherlich auch von anderen Menschen bekommen und diese wieder von anderen.

Wäre diese Fragen nicht ein schönes Thema für eine Dissertation? Gibt es vielleicht sowas schon?

P.S. Von meinem Opa habe ich leider nur ein paar Münzen geerbt, welche er im Krieg als "Souvenir" gesammelt hat.

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buster
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Vererbte Münzen

Beitrag von buster » Mo 21.05.07 08:00

Hallo,
hier ein kurzer Beitrag zu dem Thema. Ich habe selber die Münzsammlung von meinem Vater übernommen.
Da fand ich unter anderem eine Reichstaler von Friedrich von Brandenburg-Anhalt 1752 mit einem Zettel in Sütterlin geschrieben :"1826 hat mein Großvater Joh. Phil.Speckmann diesen Thaler seiner 2. Frau PHil. Wilh. Hillmann zur Verlobng geschenkt. Vorher ebenso seiner 1. Frau. Von Mutter geschenkt erhalten 1924." Auf der Rückseite des Zettels steht "Familienerbstück".
Solche Wege können Münzen auch schon früher gegangen sein.Das regt die Phantsie an.
Gruß
buster
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helcaraxe
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Beitrag von helcaraxe » Mi 23.05.07 14:15

Hallo KW,

die Mengen, die durch Bodenfunde auf und kommen, sind nicht zu unterschätzen und stellen sicher die Hauptquelle dar, mindestens seitdem es Metalldetektoren gab.

In der Antike gab es ja keine Banken, wenn jemand Geld besaß und es nicht brauchte, hat er es, um vor Diebstahl zu schützen, oft vergraben. Vor Reisen zum Beispiel. Römische Soldaten haben vor der Schlacht ihr Geld vergraben, dass sie immer vor der Schlacht bekommen haben (ein Soldat ohne Sold kämpft nicht gerne!) - Besser der Boden bekommt es, als der Feind. Die gute alte Mutter Erde war und ist also eine wahre Fundgrube.

Noch ein Beispiel: Carnuntum (österreichische Siedlung in Österreich) war eine so ergiebige Fundstätte antiker Münzen, dass dort früher jährlich bis zu 10.000 Münzen gefunden wurden. DAs hat die österreichische Polizei veranlasst, das Gelände sogar aus der Luft überwachen zu lassen wegen der Raubgräber.

Im Mitttelalter wurde in Deutschland römisches Kleingeld aus Funden wieder in Umlauf gesetzt, aus Mangel an Kleingeld.

Und aus Frankreich ist bekannt, dass römische Sesterzen und große Bronzestücke bis ins 17. oder 18. Jahrhundert im Umlauf waren. Ich weiß aber nicht, ob diese nicht auch aus Funden stammen (z. B. Abriss römischer Bauten). Wäre sehr wahrscheinlich. Es soll sogar römische Münzen mit zeitgenössichen französischen Gegenstempeln geben, ich habe aber selbst noch kein Exemplar gefunden.

Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.
Viele Grüße
helcaraxe
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helcaraxe
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Beitrag von helcaraxe » Mi 23.05.07 14:21

Noch ein Nachtrag zum gößten Fund römischer Münzen, den Fund von Reka Devnia mit über 80.000 Münzen:

http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... eka+devnia
Viele Grüße
helcaraxe
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Chippi
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Beitrag von Chippi » Mi 23.05.07 14:48

Anderes Bsp.: Mein Vater fand bei der Renovierung des Hauses meiner Oma ebenfalls Münzen (besonders in ganz alten Bauten lassen sich immer wieder Münzen finden, die dort einst versteckt wurden). Hinter der Scheuerleiste des 1937 gebauten Hauses fand er 3 Münzen:
-2 Rentenpfennig 1924 A
-1 Pfennig 1912 A
-1 Pfennig 1899 G
Die Münzen sind teilweise fast 40 Jahre älter als das Haus, aber als es gebaut wurde, waren alle diese Münzen noch gültig und im Umlauf zu finden.

Gruß Chippi
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Dietemann
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Beitrag von Dietemann » Mi 23.05.07 17:32

helcaraxe hat geschrieben:Im Mitttelalter wurde in Deutschland römisches Kleingeld aus Funden wieder in Umlauf gesetzt, aus Mangel an Kleingeld.
Gibt es dafür eine Quelle?

Ansonsten eine sehr gute Beschreibung der Situation.

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Schwarzschaf
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Beitrag von Schwarzschaf » So 27.05.07 11:48

:D Es war auch durchaus üblich beim Bau eines Hauses Münzen, meist über der Eingangstür einzumauern. "Damit im Haus das Geld nie ausgeht" Und in Kriegszeiten wurde überhaupt gerne das Vermögen eingemauert. Daher findét man oft beim Abriß alter Gebäude "Münzschätze". Der Verberger starb und die Erben wussten nichts von den Münzen. 8O
Weil ich nicht alles weiß, bin ich neugierig

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helcaraxe
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Beitrag von helcaraxe » Mo 04.06.07 18:24

Dietemann hat geschrieben:
helcaraxe hat geschrieben:Im Mitttelalter wurde in Deutschland römisches Kleingeld aus Funden wieder in Umlauf gesetzt, aus Mangel an Kleingeld.
Gibt es dafür eine Quelle?

Ansonsten eine sehr gute Beschreibung der Situation.
Bestimmt, aber ich muss gestehen, ich kann Dir im Moment keine Quellen nennen. Allerdings dürfte die Menge nicht unerheblich gewesen sein, da es wohl auch die allerdings nicht ernt zunehmende These gegeben hat, das viele Münzen, die wir heute als spätrömische Münzen ansprechen erst in mittelalterlicher Zeit geprägt wurden.

Wer sich allerdings einmal in mittelalterliche Denkweisen versetzt hat, wird sehr schnell einsehen, dass dies Mumpitz ist - antike Denkweisen wie sie sich in den Münzen widerspiegeln, sind vor dem Aufkommen der Renaissance in den Köpfen nicht so präsent, dass sie ein Nachahmen römischer Münzprägung zuließen.

Vielleicht hat noch jemand Literatur zu diesen Quellen.

P.P.S.: Ich habe auch noch zu DM-Zeiten mal ein 2-Pf-Stück aus der Weimarer Republik aus dem Geldbeutel gefischt. Ob es allerdings die ganze Zeit im Umlauf gewesen ist?
Viele Grüße
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Beitrag von Dietemann » Mo 04.06.07 18:54

helcaraxe hat geschrieben:Vielleicht hat noch jemand Literatur zu diesen Quellen.
Das würde mich sehr interessieren. Aus den historischen Quellen (die ich nur für Nordhessen kenne) kommt immer wieder heraus, dass Meißner und Prager Groschen und später fremde Taler (französische, niederländische und habsburger) verwendet wurden. Außerdem gibt es Valvationstabellen, die aber in der Regel zeitgenössische Münzen behandeln.

Aus dem Hoffmeister weiß ich, dass die Münzen des Königreich Westfalen noch vierzig Jahre nach dessen Auflösung massenhaft im Umlauf waren und als normales Geld akzeptiert wurden.

Bei römischen Münznen fällt mir das schwer zu glauben, da hatte ich bisher immer angenommen, die seien in den Schmelzofen gewandert. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass hier nennenswerte Mengen für einen Münzumlauf zusammen gekommen sind (nun sind römische Münzfunde in Nordhessen auch äußerst selten).

Es bleibt spannend.

Chippi
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Beitrag von Chippi » Mo 04.06.07 19:33

Römische Bronzemünzen wurden ja auch eingeschmolzen, in Frankreich nach dem Ende der 2.Republik bei einem Geldumtausch. Hab ich hier im Forum mal gelesen.

Gruß Chippi
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