Ostgoten/ Gepiden unter Theoderich? -> Viertelsiliqua

Münzen des alten Byzanz

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coin-catcher
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Ostgoten/ Gepiden unter Theoderich? -> Viertelsiliqua

Beitrag von coin-catcher » Di 29.12.15 19:58

Hallo,

in meine Sammlung hat sich eine Viertelsiliqua verirrt.

Ich kann das Stück leider gar nicht einschätzen und bitte euch, einmal zu diesem Stück eure Meinungen zu schreiben.

Münzstätte: Sirmium (?)
Avers: D N ANASTASIVS PP AVG drapierte Büste mit Diadem n. r.
Revers: M INVIT A ROMA D, Theoderichmonogramm

Gewicht: ~0,54 Gramm
(wie kommt es hier zu den vielen versch. Gewichten von 0,5 - teilw. 0,9 Gramm für die Viertelsiliquas?)

Danke vorab.

Gruß
cc
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Tejas552
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Re: Ostgoten/ Gepiden unter Theoderich? -> Viertelsiliqua

Beitrag von Tejas552 » Mi 30.12.15 14:27

Hallo,

Du hast die Münze richtig bestimmt. Es ist eine Viertelsiliqua im Namen des Anastastius I. Sie wurde in Sirmium geprägt, allerdings vermutlich vor AD 530. D.h. zu einer Zeit, als Sirmium unter ostgotischer Herrschaft stand. Dein Stück zählt vom Typ her zu den früheren Emission. Allerdings ist das Gewicht mit 0,54 Gr. ungewöhnlich niedrig. Dieser Typ hat normalerweise ein Gewicht von 0,8 bis 1,0 Gramm. Zum Teil könnte das geringe Gewicht auf Materialverlust durch Randausbrüche die bei 12 Uhr auf dem Avers erkennbar sind entstanden sein. Ansonsten sind grosse Gewichtsschwankungen bei den Münzen aus Sirmium nicht ungewöhnlich.

Die Münze imitiert übrigens eine Viertelsiliqua aus Mailand wie an den Resten der Münzstättenbezeichnung M * D (Mediolanum) auf der Rückseite erkennbar ist. Die Halbsiliquae aus Sirmium, die viel seltener sind als die Viertelsiliqua, zeigen hingegen sehr prominent die Buchstaben SMR (u.ä.) für Sirmium auf der Rückseite.

Als die ersten wissenschaftlichen Arbeiten zu diesen Münzen entstanden (Stefan Friedrich und Brunsmid) entstanden waren diese Viertelsiliqua extrem selten. Vor 100 Jahren, als Friedrich und Brunsmid geschrieben haben waren kaum 10 Stücke bekannt. Die Halbsiliquae waren gänzlich unbekannt. Mittlerweilen sind die Viertelsiliquae häufig anzutreffen. Sie werden von Raubgräbern mit Metalldetektoren in Serbien gefunden und mit Schaufeln und Baggern ausgegraben. Dabei sollen schon viele Antike Stätten geplündert und zerstört worden sein.

Gruss
Dirk

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coin-catcher
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Re: Ostgoten/ Gepiden unter Theoderich? -> Viertelsiliqua

Beitrag von coin-catcher » Mi 30.12.15 18:28

Hallo Dirk,

danke dir für die ausführliche Antwort.

Habe mich auch ein wenig durch die Auktionen "geklickt" und vom Gewicht her, vergleichbare Stücke gefunden:

http://www.acsearch.info/search.html?id=750771
http://www.acsearch.info/search.html?id=80248
http://www.acsearch.info/search.html?id=374331
http://www.acsearch.info/search.html?id=409015
http://www.acsearch.info/search.html?id=2162799

Ja, Münzen der Völkerwanderung bzw. Ostgoten werden in den Auktionskatalogen deutlich mehr - wo die wohl alle immer herkommen?! ;-) Ist aber mal ne schöne Abwechslung in der Sammlung bzw. findet man nicht alle Tage.

Viele Grüße
cc

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Tejas552
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Re: Ostgoten/ Gepiden unter Theoderich? -> Viertelsiliqua

Beitrag von Tejas552 » Do 07.01.16 08:40

Dieser Eintrag gehört eigenlich zur Abteilung Byzanz, wo er vielleicht auf mehr Interesse stösst. Vielleicht möchte einer der Moderatoren ihn verschieben?

Gruss
Dirk

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Numis-Student
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Re: Ostgoten/ Gepiden unter Theoderich? -> Viertelsiliqua

Beitrag von Numis-Student » Do 07.01.16 11:28

Tejas552 hat geschrieben:Dieser Eintrag gehört eigenlich zur Abteilung Byzanz, wo er vielleicht auf mehr Interesse stösst. Vielleicht möchte einer der Moderatoren ihn verschieben?

Gruss
Dirk
bitte gerne :)

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Tejas552
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Re: Ostgoten/ Gepiden unter Theoderich? -> Viertelsiliqua

Beitrag von Tejas552 » Do 07.01.16 14:25

Vielen Dank! .... Ich bin sehr an diesen Münzen interessiert und habe eine recht grosse Spezialsammlung dazu, darunter mehrere der seltenen Halb-Siliquae. Mich würde sehr interessieren ob sich hier noch jemand mit diesen Münzen der Münzstätte Sirmium beschäftigt.

Die Viertel-Siliquae tauchen mittlerweile regelmässig in Auktionen auf. Der Grossteil des Ausstosses der Münzstätte Sirmium dürfte in den Jahren 504 bis ca. 535 unter den Goten stattgefunden haben. Nachdem Sirmium an die Gepiden gefallen war, wurde weiter gemünzt; diese Münzen sind aber deutlich seltener. Zuzeit sieht es so aus, als ob viel mehr ostgotische Münzen aus Sirmium auf den Markt kommen als von den italischen Münzstätten. Kann es sein, dass die Münzstätte Sirmium mehr geprägt hat als die italischen Münzstätten zusammen, oder ist dies ein vorrübergehendes Phänomen?

Gruss
Dirk

kalleari
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Re: Ostgoten/ Gepiden unter Theoderich? -> Viertelsiliqua

Beitrag von kalleari » Do 23.02.17 15:08

Theodorich.jpg
Noch ein Theodorich 1/4 Siliqua Sirmun im Namen des Anastasius zum Vergleich

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