Kulturgutgesetz

Griechische Münzen des Altertums

Moderator: Numis-Student

raeticus
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Kulturgutgesetz

Beitrag von raeticus » Mo 29.06.15 06:45

Werte Forumsmitglieder,

zum neuen Kulturgutgesetzesentwurf gibt es zur Zeit viel interessante Presse, wenn auch leider zumeist nur auf Kunst fokussiert und Münzen und Münzsammler ignorierend, die ebenfalls von dem bürokratischen Albtraum und der drohenden Willkür betroffen sein würden, Münze für Münze, Sammlung für Sammlung. Und es gibt Millionen von Münzsammlern.

http://www.welt.de/print/wams/kultur/ar ... gnung.html

Interessante Artikel auch hier:
http://www.welt.de/themen/monika-gruetters/

Auch im neuen Kulturmagazin BLAU gibt es einen informativen Artikel, "Warum Monika Grütters irrt", habe ich aber nicht online gefunden, nur als Printcopy.

Sprecht doch mit Eurem Bundestagsabgeordneten, Landtagsabgeordneten, der Presse ?

Altamura2
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Re: Kulturgutgesetz

Beitrag von Altamura2 » Mo 29.06.15 19:40

Jetzt steht solch ein Beitrag in fast jedem Unterforum der Alten Münzen (nur die Römer haben eine Extrawurst :wink: ), das ist vielleicht etwas suboptimal :? .
Könnte da vielleicht ein Moderator bitte so einen übergreifenden Beitrag machen, der dann in jedem dieser Unterforen automatisch zu sehen ist? Dann gäbe es nur eine Diskussion darüber und nicht potenziell sechs. Fände ich zielführender.

Gruß

Altamura

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areich
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Re: Kulturgutgesetz

Beitrag von areich » Mo 29.06.15 20:12

Das wäre gut, das wurde ja auch schon für weniger wichtige Themen gemacht. Das betriift ja potentiell auch einige der neueren Münzen, nach dem, was ich so gehört habe.

raeticus
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Re: Kulturgutgesetz

Beitrag von raeticus » Sa 04.07.15 09:17

Liebe Sammlerkollegen,
der Entwurf des Kulturgutgesetzes wird wohl nächste Woche publik und spricht von Prüfung auch 'einzelner Münzen'. Es wird sicher in der Presse und im Internet die nächste Woche einigen Wiederhall (und hoffentlich auch Widerhall) geben. Sprecht auch mit Euren Bundestags und Landtagsabgeordneten und drückt Eure Sorgen aus !

Ein Lichtblick ist die Stellungnahme der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, die sowohl den berechtigten und notwendigen Schutz von Kulturgut unterstützt, wie auch die Sonderstellung von Münzen und des Münzsammelns mE sehr treffend ausdrückt.


von http://www.numismatische-kommission.de/ ... tzgesetzes

Zitat des Websites:

(29.06.2015) Stellungnahme der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland e. V. zur Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes.

Die Numismatische Kommission verfasste auf ihrer Jahrestagung am 26. Juni eine Stellungnahme zur geplanten Novelle des Kulturgüterschutzgesetzes. Darin wird auf die Besonderheiten von Münzen als Kulturgut hingewiesen.

Die aktuelle Novellierung des Kulturgutschutzgesetzes wurde im Juli 2014 mit der Eröffnung des schriftlichen Anhörungsverfahrens begonnen. Das Bemühen der Bundesregierung, trotz der Pflicht zur zügigen Umsetzung der Richtlinie 2014/60/EU vom 15. Mai 2014 eine ausgewogene und langfristige Lösung zu finden, ist zu begrüßen. Dazu gibt die Numismatische Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland e. V. folgende Erklärung ab.

Münzen sind als serielle Objekte millionenfach in Europa vorhanden. Die Münze ist immer ein Gebrauchsgegenstand, dessen Zweck das Wandern von Hand zu Hand ist. Daher kommen Münzen schon in historischer Zeit oft weit außerhalb ihres Herkunftsstaates vor. Diese Besonderheiten sollte der Gesetzgeber bei der Einschätzung der Münzen als Kulturgut berücksichtigen.
Das Sammeln von Münzen hat eine bis in die Renaissance zurückreichende Tradition. Einzigartig ist bis heute die enge, auch internationale, Zusammenarbeit zwischen Sammlern und Wissenschaftlern in der Numismatik. Wir nehmen wahr, dass die Diskussionen um die Kulturgutschutznovelle der letzten Monate Irritationen über eine mögliche Gefährdung dieser besonderen Sammel- und Wissenschaftskultur ausgelöst haben.
Maßnahmen, um Raubgrabungen und Plünderungen sowie die damit verbundene Ausfuhr von Kulturgütern zu bekämpfen, sind nachdrücklich zu begrüßen. Dabei sollte das verantwortungsbewusste Sammeln von Münzen nicht durch unverhältnismäßig hohen Aufwand bedingende Vorschriften behindert werden.
Die Numismatische Kommission bittet dringend darum, im weiteren Gesetzgebungsverfahren gehört zu werden.
Frankfurt am Main, 26. Juni 2015
Auf der Jahreshauptversammlung der Numismatischen Kommission einstimmig bei einer Enthaltung angenommen.

gez. Dr. Dietrich Klose, 1. Vorsitzender gez. Prof. Dr. Bernhard Weisser, 2. Vorsitzender

Ende des Zitats

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Re: Kulturgutgesetz

Beitrag von Altamura2 » So 05.07.15 11:16

Huuhuu!!! Moodeeraatoor!!! :wink:

Nochmal die Bitte von oben:
Altamura2 hat geschrieben:... Könnte da vielleicht ein Moderator bitte so einen übergreifenden Beitrag machen, der dann in jedem dieser Unterforen automatisch zu sehen ist? Dann gäbe es nur eine Diskussion darüber und nicht potenziell sechs. ...
Würde, glaube ich, wirklich helfen. Oder alternativ auf den Thread im Römerforum verlinken, dort tut sich, glaube ich, am meisten zu diesem Thema.

Gruß

Altamura

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Re: Kulturgutgesetz

Beitrag von raeticus » Mi 08.07.15 08:43

Der Gesetzesentwurf zum Kulturgutschutz ist raus, heute auch in der FAZ bereits ein interview mit Frau Grütters.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/k ... 88258.html

In dem Interview wird aber nur von Bildern und der für Bilder geltende Wertgrenze von 150000Euro gesprochen, nicht davon das es wohl Millionen von anderen Objekten und deren Sammler betrifft, zB scheint jede Münze und jeder archäologische Gegenstand betroffen, unabhängig vom Wert, wenn älter als 100 Jahre. Zu anderen Wertgrenzen Automobile, Bücher, Antiquitäten, Verkehrsmittel, Landkarten, Sammlungen von botanischem oder zoologischem, etc etc.

Es fehlen noch die detailierten Rechtsverordnungen zB für Ein und Ausfuhr, aber jedes einzelne Objekt braucht eine Ein bzw eine Ausfuhr Genehmigung , und der Sammler muss zusätzlich "Sorgfaltspflicht" Beweishürden überwinden um ein Kulturgut in "Verkehr" bringen zu dürfen.

Für uns als Münzsammler droht also eine Einzelobjektprüfung (jede Münze) bei
1) Ein und
2) Ausfuhr nach/aus Deutschland in alle anderen Länder, und auch
3) 'Sorgfaltspflicht' Nachweis das die einzelne Münze NICHT aus Raubgrabungen stammt (unklar wie man das machen soll, aber der Gesetzesentwurf listed zB einen zu niedrigen Preis, Barzahlung, Kauf von Privat ohne Hinzuzug eines Fachmannes als Hinweise auf Raubgrabung).
4) Und zusätzlich wird für das gewerbliche in Verkehr bringen durch den Handel für jede Münze eine Dokumentation mit Foto, sowie eine Provenienzforschung gefordert, zB für Münzen die als Archäologisches Objekt gesehen werden und älter als 100 Jahre sind bei einem Wert über 100 Euro.

Wer keine Rechnungen für alle seiner Münzen über die letzten Jahrzehnte aufgehoben hat (was ja nicht verpflichtend war) wird sich hier schwer tun die geforderten Beweise zu erbringen, und wie oben erwähnt nennt der Gesetzesentwurf ja auch Barzahlung bereits als Verdachtsmoment.

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Chandragupta
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Re: Kulturgutgesetz

Beitrag von Chandragupta » Fr 10.07.15 08:23

@Mods,

leider "zerfasert" das IMO hochwichtige Thema tatsächlich in verschiedenen Teil-Threads. (Wie ich etwas sarkastisch überspitzt "drüben" im Römerforum schon ausgeführt habe, betrifft das nämlich auch Sammler neuzeitlicher Münzen ... nur die WR/BRD/DDR/Euro-Sammler sind "noch" außen vor ... den Ärger bekommen dann "erst" die (Erben ihrer) Erben.) Hier sollte wirklich eine Zusammenlegung in einen forenübergreifenden "Wichtig"-Thread erfolgen. :idea:

Isoliert hierzu eine Anmerkung:
raeticus hat geschrieben:Wer keine Rechnungen für alle seiner Münzen über die letzten Jahrzehnte aufgehoben hat (was ja nicht verpflichtend war) wird sich hier schwer tun die geforderten Beweise zu erbringen, und wie oben erwähnt nennt der Gesetzesentwurf ja auch Barzahlung bereits als Verdachtsmoment.
So, liebe Leute, nun geht mal in Euch: "Wo kauft Ihr Eure Münzen?" ... oder anders herum gefragt: "Wie viele kauft Ihr nicht direkt beim Fachhändler vor Ort per EC/Kreditkarte (also nicht in bar: denn das ist künftig - auch rückwirkend betrachtet - ein 'Verdachtsmoment'!), mit einer 'richtigen' Rechnung?" (Zu der wohl künftig auch eine "Fotodokumentation" gehören soll, was es so - ansatzweise - allenfalls bei hochwertigen Einzelstücken auf Auktionen gibt ... aber wer hebt sich die ganzen ollen, dicken Auktionskataloge auf, wenn er mal eine (teure) Münze auf einer Saalauktion "erkegelt" hat; von Lots oder nicht fotografierten "billigen" Losen mal abgesehen...)

"Die Bucht" lasse ich jetzt völlig außen vor, damit das Thema nicht zu sehr ausufert. Hier kann man ja - zumindest theoretisch - sowas wie eine "Fotodokumentation" hinbekommen und damit die Beweislast auf den Anbieter abwälzen, daß das Stück keine "Raubgrabung" oder so war.

Aber lassen wir einfach mal unseren letzten Besuch auf einer Münzbörse an unserem Inneren Auge vorüber ziehen (nennen wir sie mal "WMF" oder "Numismata" ;) ...): Vieeeeele Händler mit vieeeeelen tollen Sachen, man muß nur genügend Bargeld dabei haben. (Die Schlangen vor den im Objekt vorhandenen oder den nahegelegenen Geldautomaten erinnerten während dieser Börsenstunden schon immer an Griechenland heute!) Dann etwas gesucht, gefeilscht, und schwupps wechselt das Schätzchen den Besitzer. Ohne jede Quittung! Einfach so: Ware gegen Geld! Und ohne, daß ich mir vom Händler erst den Ausweis zeigen lasse und diesen nebst seines Gewerbescheines kopiere, wenn er schon keine "richtige" Rechnung mit Stempel und Unterschrift auf einem Kopfbogen erstellen will. (Ich stelle mir gerade vor, was passieren würde, wenn ich in dem Gedränge auf 'ner Börse "meinen" Lieblingshändlern mit so einem Ansinnen käme ... ich bräuchte dann wohl Personenschutz ;) ...)

Leute, genießt sie einfach - die letzten "noch echten" Münzbörsen "alten Stils" (also, mit Bargeld und ohne Personalausweis und so...) dieses Jahr bzw. Anfang 2016 .... :drinking:
Numismatische Grüße,

Euer Chandra

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