Blickrichtung des Portraits

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

curtislclay
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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von curtislclay » Mo 28.12.15 20:33

Du meinst wohl, dass die Blickrichtung nach dem Nominal wechselt?

Caligula, Gold und Silber: Kopf rechts.

Sesterze und Asses: Kopf links.

Claudius, Gold und Silber: Kopf rechts.

Sesterze: ebenfalls Kopf rechts.

Dupondii und Asse: Kopf links.

Man könnte daraus vielleicht schliessen, dass die Blickrichtung zu dieser Zeit keine tiefere Bedeutung oder Verbindung mit Rechtshändigkeit hatte, sondern von den Münzbeamten gewählt und ziemlich egal war.

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mike h
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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von mike h » Mo 28.12.15 20:52

Man könnte das jetzt noch ausweiten:

Augustus
Tiberius
Drusus (jun)
Nero
Verspasian
Titus

...

Probus

to be continued

Ich würde vermuten, das die Blickrichtung der Portraits möglicherweise überbewertet wird

Martin
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Muttis Liebling
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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von Muttis Liebling » Mo 28.12.15 21:08

curtislclay hat geschrieben:Du meinst wohl, dass die Blickrichtung nach dem Nominal wechselt?

Caligula, Gold und Silber: Kopf rechts.

Sesterze und Asses: Kopf links.

Claudius, Gold und Silber: Kopf rechts.

Sesterze: ebenfalls Kopf rechts.

Dupondii und Asse: Kopf links.
So ist es.
Ich meine, dass zu jener Zeit das Nominal in erster Linie die Blickrichtung bestimmt haben könnte.
Von der These "Rechtshänder/Linkshänder" halte ich absolut nichts.

alex456
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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von alex456 » Mo 28.12.15 22:03

Dieser "Regel" würden aber zumindest die Prägungen unter Claudius für Drusus, Nero und Britannicus nicht folgen.

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von Muttis Liebling » Mo 28.12.15 22:14

Nero Drusus war eine Pater-Gedächtnisprägung (Ag, Or), Nero und Britannicus waren Thronanwärter. Kann sein, dass das Einfluss auf die Gestaltung hatte. Die Divus-Claudius-Prägungen unter Nero sind, glaube ich, auch alle links gerichtet.
Ich bin bei meinem ersten Denkanasatz erstmal nur von den amtierenden Imperatoren ausgegangen.
Ein eindeutiges Faktum ist, dass mit Beginn der Prägungen in Rom (Münzmeisterzeit) nur die Asses den Imperatorkopf trugen. Unter Caligula kamen dann die Sesterzen mit Kopf dazu, unter Claudius schließlich die Dupondien.
Und sind nicht Gold und Silber schon ab ca. 9 v.Chr. einheitlich rechtsköpfig? Bringen das nicht erst der Bürgerkrieg 68/69 und die nachfolgenden Flavier durcheinander?
Ich hoffe, nichts übersehen zu haben.
Zuletzt geändert von Muttis Liebling am Mo 28.12.15 22:28, insgesamt 1-mal geändert.

alex456
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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von alex456 » Mo 28.12.15 22:23

Das ist soweit richtig. Passt aber nicht für die Gold- und Silberprägungen für Nero.

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von alex456 » Mo 28.12.15 22:31

Verstehe mich nicht falsch. Ich finde den Ansatz wirklich gut und überlegenswert.

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von Muttis Liebling » Mo 28.12.15 22:33

tja, vielleicht hat ja MacDowall dazu herausgefunden mit deinem Nero?

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von Muttis Liebling » Mo 28.12.15 22:43

Die Problematik wird ja noch erschwert durch die zu beachtende Trennung Prägestätte Rom / westliche Provinzprägestätten, so etwa Asses mit (Stadt) und ohne (Provinz) "SC" unter Augustus ff., städtische Sesterzen mit und ohne SC unter Caligula, Asses mit Strahlenkrone und Dupondien ohne Strahlenkranz unter Nero/Vespasian).
Das ehemals nur für Rom/Italien etablierte Geldsystem nun einheitlich auf das gesamte Westreich auszudehen scheint komplex, langwierig und vielschichtig gewesen zu sein, dass vohlmöglich verschiedene Experimente bei den Nominalen stattgefunden haben.
Zuletzt geändert von Muttis Liebling am Mo 28.12.15 23:32, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von alex456 » Mo 28.12.15 22:52

Redest du von "The Western Coinages of Nero"? Das habe ich leider nicht. Was schreibt MacDowall dazu?
Wie gesagt, ich finde den Ansatz gut. Später kommt ja auch noch die Strahlenkrone als weiteres Unterscheidungsmerkmal zw. Dup. und As.
Drususprägungen etc. könnten demnach auch als deutliches Unterscheidungsmerkmal zu denen des Augustus und der Augusta das Linksporträt gehabt haben.
Aber warum die Ausnahme bei Nero?

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von Muttis Liebling » Mo 28.12.15 22:59

MacDowall hab ich auch noch nicht.
Ich halte nichts von der These, die Strahlenkrone sei ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Dupondien und Asses.
Die ersten Asses/Dupondien kamen ca. 20 v.Chr. heraus, die ersten Dupondien mit Strahlenkrone ca. 63 n.Chr.
Wie, so frage ich, sollen Dupondien/Asses 80 Jahre unterschieden worden sein? Die Strahlenkrone war zu jener Zeit nun deffinitv Kein Unterscheidungsmerkmal, weil es sie ganz einfach noch nicht gab!

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von alex456 » Mo 28.12.15 23:13

Du hast aber auch ein erfrischend ruhiges und freundliches Gemüt. Na ja, diese These ist glaube ich keine solche mehr.
Ich denke mal, dass man die beiden Nominale ganz einfach am Metall unterscheiden konnte. Das ging aber nur solange gut, solange die Münzen neu und unverfärbt waren. Was man erst nach ein paar Jahrzehnten als Problem feststellen konnte.
Die Strahlenkrone gibt es natürlich schon in der ersten Hälfte des 1. Jhdt. n. u. Z..
Nur, dass sie damals noch eine Bedeutung als Zeichen für die Divinisierung des Augustus hatte.
Davon mal abgesehen, sollte dies nur ein weiterer Beleg für die Genese des Geldsystems sein ;-)
Thema ist hier ja auch die Porträtrichtung.

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von Muttis Liebling » Mo 28.12.15 23:31

alex456 hat geschrieben:Ich denke mal, dass man die beiden Nominale ganz einfach am Metall unterscheiden konnte.
Ja, neben dem Gewicht.
alex456 hat geschrieben:Das ging aber nur solange gut, solange die Münzen neu und unverfärbt waren.
Nunja, wenn die Münzen alt und verfärbt waren, dürfte der Strahlenkranz als Hilfe zur Unterscheidung kaum noch genützt haben, denn da war er zu 90% sicherlich schon durch den Umlauf abgerieben
alex456 hat geschrieben:Thema ist hier ja auch die Porträtrichtung.
Ja, man treibt immer zu leicht zu weit vom Thema ab.
Schlimm.

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Re: Blickrichtung des Portraits

Beitrag von alex456 » Mo 28.12.15 23:46

Wenn er damals schon immer abgerieben war, warum ist er heute noch auf so vielen Münzen zu erkennen, frage ich mich. 8)
Ok, jetzt zurück zum Thema!

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