Königsbrück (Sachsen) Truppenübungsplatz 20 Pf. [Uneditiert]

Privat ausgegebene Münzen, Notgeld und Münzersatzmittel

Moderator: KarlAntonMartini

paeddy6
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Königsbrück (Sachsen) Truppenübungsplatz 20 Pf. [Uneditiert]

Beitrag von paeddy6 » Mo 16.02.09 08:50

Hallo!
Ich hatte dieses Wochenende die Möglichkeit mir Teile der Sammlung meines Großvaters anzusehen. Dabei ist mir als Notgeld-Sammler ein Stück aus seiner "Heimatsammlung" ins Auge gesprungen, dass mir bisher - obwohl es in mein "Beuteschema" fällt - total unbekannt war:

ein 20 Pfennig Stück des Truppenübungslatzes Königsbrücks. Das Stück ist wohl vor 1900 einzuordnen ("wertHmarke") jedoch für die zeit relativ ungewöhnlich da aus Aluminium.

Ich wollte auf diesen Wege nachfragen, ob das Stück im aktuellen Menzel verzeichnet ist. Ich besitze als "armer Student" leider nur die Erstausgabe von 1993 in der keinerlei Stücke unter Königsbrück verzeichnet sind (oder ich bin blind...?!).
Falls das Stück uneditiert sein sollte, werde ich es selbstverständlich sofort mit Foto und genauen Angaben melden. Als gebürtiger Königsbrücker will man ja seinen Heimatort auch im Menzel erwähnt wissen *g*

Danke für eure Hilfe!

EDIT: Thema wurde nach Münz-Goofys Auskunft durch "uneditiert" ergänzt
Zuletzt geändert von paeddy6 am Mo 16.02.09 18:18, insgesamt 2-mal geändert.

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soggi
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Beitrag von soggi » Mo 16.02.09 17:34

Wie klein die Welt doch ist...die Russen kommen!

Viele Grüße aus Lbg. bei Pulsnitz
soggi
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Beitrag von paeddy6 » Mo 16.02.09 17:51

Ja, seh selbst hier (Raum Augsburg/Bayern) relativ oft die KM Nummernschilder. Dass das jetzt alles zu Bautzen gehören soll stellt mir aber irgendwie die Nackenhaare auf.

zurück zum Thema, naja, die Russen kamen erst so 50 Jahre später (mitsamt ihren Mittelstreckenraketen usw, die Dinger standen ja nur 6,5km vom Stadtkern weg). Das Stück enstand wie schon erwähnt vor der Rechtschreibreform 1900/1. Trägt außerdem das sächsische Wappen, vom Typ her ähnlich wie die letzten sächsischen Scheidemünzen.
Auch erschließt mich der Verwendungszweck nicht wirklich. Definitiv hat es nichts mit den doch recht bekannten Gefangenlager-Scheinen zu tun (Zum einen besagt die Inschrift Truppenplatz und nicht Gefangenenlager, zum anderen stimmt die Zeit nicht).
Mögliche "Einsatzorte" wären:
a) das Kasino (wohl eher nicht, zu kleiner Nominal, etc)
b) als Kantinengeld
c) als Wert(h)marke im Manöver. Die Einheiten wurden ja i.d.R. aus ganz Sachsen angekarrt und mussten irgendwie vor Ort in die Versorgung eingebunden werden, da sind Gutscheine (bzw wie hier Ersatzmünzen) naheliegend.

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Beitrag von Münz-Goofy » Mo 16.02.09 17:55

@paeddy6

Auch im neuen Menzel ist keine Münze aus Königsbrück verzeichnet.

Viele Grüße
MG

paeddy6 hat geschrieben:Ja, seh selbst hier (Raum Augsburg/Bayern) relativ oft die KM Nummernschilder.
PS: Sieht man denn in Schwabmünchen noch Autos mit SMÜ-Kennzeichen?
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Beitrag von paeddy6 » Mo 16.02.09 18:13

SMÜ sind extrem selten, mir eigentlich nur von Traktoren bekannt. WER (Wertingen, dort hab ich gewohnt bevor mich meine bessere Hälfte entführt hat) dagegen findet man doch noch erstaunlich häufig, zB bei Oldtimern. man bemerkt, die Landkreisreform von 76 (?) kommt nur schleppend voran *g*

Zurück zum Thema: da das Stück auch hier unbekannt ist, werd ichs mach wiegen, vermessen und scannen. Kann allerdings dauern. Erwartungsgemäß hat mein Opa als Jahrgang 27 keinen Computer oder gar Scanner und soooooo oft erlaubt mir meine Freizeit auch nicht die knap 500km einfach zu fahren.

Was mich ein bisschen verwundert ist die Tatsache dass Herr Menzel ein Stück aus seiner "näheren Umgebung" "übersehen" zu haben scheint. Ist ja vor allen nicht "bloß" eine Biermarke. Zumal das Stück wohl (so genau kann sich mein Opa nicht erinnern) Ende 70ger, anfang 80ger aus einer Wühlkiste bei einen Tausctreff des Numismatischen Vereins zu Dresden (bzw damals Kulturbund Fachgruppe Numismatik) stammt. Zu dieser Zeit war dort Herr Menzel doch auch Mitglied und hat bereits an seinen Katalogen gearbeitet. Ertaunt mich dass ihn das Stück in diesen Zusammenhang nie vorgelegt wurde.

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Beitrag von Münz-Goofy » Mo 16.02.09 18:56

paeddy6 hat geschrieben:... und soooooo oft erlaubt mir meine Freizeit auch nicht die knap 500km einfach zu fahren.
Vielleicht kann soggi das Teil ja scannen. Wie ich lese, wohnt er um die Ecke.

Bis andermal
MG
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Beitrag von paeddy6 » Mo 16.02.09 19:11

Werd mich mal mich mal kümmern, gibt da ja noch 1, 2 andere Leute in der gegend, die mein Opa gut kennt.

war schon ein "Theater" seine dezentralen 10 Pfennig KR aus Zink zwecks Konservierung nach Bayern zu "exportieren". Dass er das Stück mir nicht "zeitweise überlassen" wollte kann ich gut verstehn. Das Stück hätte für der ich nur die ersten 14 Jahre meines Lebens dort gewohnt habe schon enormen emmotionalen bzw. idiellen Wert. Für ihn muss der noch ungleich größer sein.

Ich werd mich a.a.F. kümmern, auch wenns eventuell einige Zeit braucht. Das Stück war mehr als 20 Jahre (ausgehen vom Transpress-Menzel) uneditiert, da kommts auf ein paar Wochen oder Monate auch nicht mehr an.

P.S.: und ja, soggi wohnt "gleich nebenan". nach Pulsnitz sinds glaub ich 15 km

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Beitrag von Münz-Goofy » Mo 16.02.09 19:29

paeddy6 hat geschrieben:...nach Pulsnitz sinds glaub ich 15 km...
... und nach Lbg. vielleicht ein paar Meter weniger...
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Beitrag von paeddy6 » Do 04.02.10 00:37

Leider hat das ganze jetzt wirklich fast 1 Jahr in Anspruch genommen, hatte das Stück fast vergessen, bzw. es gab immer irgendetwas "Wichtigeres" zu tun.

Wie dem auch sei, ich habe es endlich geschafft das Stück scannen zu lassen!

Zunächst ein kurzer geschichtlicher Abriss:
Königsbrück ist ein kleines Städtchen etwa 30 km nordöstlich von Dresden. Durch Schenkung der benötigten Bauflächen wurde Königsbrück im Oktober 1893 zur Garnisionsstadt erhoben, was der Stadt eine Menge durstige Soldaten und damit verbunden einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung einbrachte. Hatte Königsbrück 1885 noch 2114 Einwohner so waren es zwei Jahre nach Errichtung der Garnision - also 1895 - bereits 3248.

Um 1900 kamen in der sächsischen Regierung wiederholt Gedankenspiele um die Errichtung eines zweiten Truppenübungsplatzes im Königreich auf, da nur so ein reibungsloser Ablauf der Ausbildung der steigenden Anzahl an sächsischen Regimentern inkl. der dafür benötigten Schießübungen gewährleistet werden konnte. Die Gegend nordwestlich von Königsbrück war in dieser Hinsicht ideal
1. das Gelände war relativ flach
2. Es herrschen dort Sandböden vor, die zum einen "keinen großen Verlust" an landwirtschaftlicher Fläche darstellten und zum anderen ideal gerade auch für Schießübungen mit Großkalibriger Munition war.
und 3. - wohl entscheidend: die Gegend war sehr dünn besiedelt!

Die Bewohner der 3 Dörfer Zietsch, Otterschütz und Quosdorf, die im besagten Gebiet lagen erklärten sich 1906 bereit, die Ortschaften gegen einen entsprechenden finanziellen Ausgleich zu räumen. Am 18. März 1907 genehmigte dann auch der Reichstag die Anlage eines 4588 Hektar großen Truppenübungsplatz auf besagten Gelände. Im Jahre 1908 begann dann der Übungsbetrieb.

Die weitere Geschichte ist an dieser Stelle eigentlich nebensächlich, daher hier nur eine kurze Zusammenfassung:
1938: Erweiterung des TÜP auf zirka 7500ha, 7 weitere Gemeinden mussten weichen
1945: übernahme des Geländes durch die Rote Armee
1992: Abzug der russischen Truppen, heftige Widerstände der Bevölkerung gegen eine Weeiternutzung des Geländes durch die Bundeswehr, es folgt die Schließung des TÜP
1996: Einrichtung des Naturschutzgebiets "Königsbrücker Heide" auf 7000ha des ehemaligen TÜP

zur Wertmarke
Vs.: TRUPPEN-ÜBUNGSPLATZ und KÖNIGSBRÜCK, mittig gekröntes sächs. Wappen
Rs.: WERTH MARKE / 20 / PF.
o.J., Aluminium, Durchmesser 21,5mm, Rand: glatt

Anmerkungen bzw. persönliche Überlegungen zum vorliegenden Stück:
Auffallend ist die vergleichsweise schlechte Erhaltung, so ist z.B. das Wappen als höchstes Relief extrem abgenutzt, was auf einen längeren Umlauf hinweist. Verwedet wurde die Marke wohl in einer Feldkantine.
Auffallend ist außerdem die Schreibweise wertHmarke (mit H). Die Rechtschreibreform von 1901 ging augenscheinlich an diesen Stück vorbei. Da der Truppenübungsplatz explizit benannt wird und es diesen erst ab 1907 (formell) bzw. 1908 (Übungsbetrieb) gab, kann die Marke eigentlich erst zu diesen Zeitpunkt hergestellt worden sein. Eventuell wurde der Wertseitenstempel einfach "wiederverwendet". Eine Prägung während des Ersten Weltkrieg kann man ausschließen, in diesen Zeitraum wurde der TÜP hauptsächlich als KGL genutzt (mit eigener KGL-Schein-Ausgaben), Truppen wurden kaum noch ausgebildet. Ein späterer Prägezeitpunkt ist auch eher unwarscheinlich (Nominalstufe, kgl. Wappen, Gestaltung, usw.) so dass man den Prägezeitraum auf die Jahre 1907-1914 eingrenzen kann.

Hoffe die Informationen waren interessant und lesenswert. Würde mich auch sehr freuen, wenn jemand zufällig im Besitz eines ähnlichen Stückes wäre und sich melden würde.

@KAM: bitte an Herrn Menzel melden, glaube du hast da ganz gute Verbindungen. Hochauflösende Bilder (1200 dpi) können auf Anfrage gemailt werden.
Dateianhänge
rs.jpg
vs.jpg

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Beitrag von KarlAntonMartini » Do 04.02.10 08:12

Mach ich! Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von Münz-Goofy » Do 04.02.10 15:54

Vielen Dank für die ausführlichen Informationen zu dem Token aus Königsbrück.

Herzlichen Gruß
MG
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Beitrag von KarlAntonMartini » Fr 05.02.10 17:12

Herr Menzel kannte das Stück bisher nicht. Grüße, KarlAntonMartini
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Beitrag von paeddy6 » Sa 06.02.10 04:05

hihi, freut mich, zumal Königsbrück ja eigentlich bei ihm direkt vor der Haustür liegt. Habs auch mal den Geschichtsverein TÜP Königsbrück zukommen lassen, die kanntens auch nicht. aber die sitzen an der Quelle, mal sehen ob sich in den Archiven noch was findet. Bei der Fülle von Material + unzugänglichen Akten# vernichteten Akten aber wohl auch eher unwarscheinlich.

P.S.: Danke fürs weiterleiten

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