Interimsfuß

Deutschland vor 1871
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Interimsfuß

Beitrag von Chirurg » Mo 30.11.20 10:28

Hallo liebe Münzfreunde,

mich beschäftigt schon länger ein brandenburgischer 1/6 Taler von 1662.
Dieser ist wohl nach dem Interimsfuß geprägt und wiegt stolze 11,8 g.
Die Wertangabe heißt "1/6 Reichstaler". Soweit ich weiß, soll der ganze Reichstaler 29,3 g wiegen.
Irgendwie passt das für mich nicht zusammen. Ist es so eine schlechte Legierung ?
Wozu wurde der Interimsfuß überhaupt eingeführt ?
Ich bin für alle Hinweise dankbar.

Grüße,

Chirurg

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weidner
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Re: Interimsfuß

Beitrag von weidner » Mo 30.11.20 20:57

da musste ich doch auch selbst erstmal in der Literatur schmökern.
Fündig wurde ich in: "Friedrich Freiherr von Schrötter, Das Münzwesen Brandenburgs während der Geltung des Müzfußes von Zinna und Leipzig"

Brandenburg mit seinen langen Grenzen gegen Schlesien und Polen vermochte sich besonders gegen die aus letzterem Lande einströmenden seit Sigismund II. fortwährend schlechter werdenden Kleinmünzen kaum zu erwehren, in Pommern und der Neumark bildeten sie das Hauptzahlmittel

Gegen diese Übelstände gab es nur ein Mittel: den Zusammenschluß in einen Münzverein. Vom Reiche war wenig zu erwarten. Der Große Kurfürst wünschte, daß der Nennwert des Reichstalers erhöht würde, aber der Reichstag beschloß, ihn unverändert zu lassen, die Ordnung der Scheidemünze aber den Kreisen anheimzugeben.

Zwar drang auch auf dem Probationstage des ostsächsischen Kreises zu Leipzig 1667 Brandenburg mit seinen Vorschlägen nicht durch, am 27. August dieses Jahres, einigten sich die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg im Kloster Zinna über einen Interimsscheidemünzfuß: es sollen Groschen und kleinere Münzen zu 10 ½ Taler aus der Mark Feinsilber geprägt werden.

Da Braunschweig beitreten wollte, wurde am 8.April 1668 eine Konferenz von Abgeordneten der drei Lande in Leipzig abgehalten und hier eigentlich geschaffen, was man seitdem den Zinnaischen Fuß nannte. Da sowohl Brandenburg 1662 bis 1664 größere Münzen (1/3-Taler und 1/6-Taler) als auch Sachsen ähnliche Sorten nach leichterem Fuße geprägt hatten, weil man Talerstücke bei den gestiegenen Silberpreisen ohne Verlust nicht mehr schlagen konnte, so einigte man sich nun dahin, daß nicht nur kleine Stücke, sondern auch 2/3-, 1/3-, und 1/6-Taler nach 10½ Talerfuß auszubringen waren.


Gruß
Mario
Immer auf der Suche nach weiteren Varianten der --> Kursächsischen Prägungen zum Reformationsjubiläum 1617

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Re: Interimsfuß

Beitrag von Chirurg » Di 01.12.20 20:02

Hallo Mario,

vielen Dank für die ausführliche Recherche.
Diese Münzen sind also vor der Einführung des Zinnaischen Interimsscheidemünzfußes 1667 geprägt worden.
weidner hat geschrieben:
Mo 30.11.20 10:28
Da sowohl Brandenburg 1662 bis 1664 größere Münzen (1/3-Taler und 1/6-Taler) als auch Sachsen ähnliche Sorten nach leichterem Fuße geprägt hatten, weil man Talerstücke bei den gestiegenen Silberpreisen ohne Verlust nicht mehr schlagen konnte
Um den aus Polen einströmenden schlechten Scheidemünzen Einhalt zu gebieten wurden dann also diese Münzen "nach leichterem Fuße" also mit geringerem Silbergehalt, geprägt ?
Ich dachte immer die Angabe 1/6 Reichstaler wäre so eine Art Garantie, dass 6 dieser Münzen den Feingehalt eines Reichstalers ergeben.
Warum hat man dann die Münzen im Zuge des schlechteren Fußes so viel schwerer gemacht ? Das Rauhgewicht sollte wohl die Bevölkerung beeindrucken, so dass diese die polnischen Münzen nicht mehr annehmen ?

Liebe Grüße,

Chirurg

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