Halbierung

Alles was so unter den Römern geprägt wurde.

Moderator: Homer J. Simpson

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tilos
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Halbierung

Beitrag von tilos » Mo 19.09.22 17:46

In einem kürzlich erworbenen Münzlot fand sich diese Halbierung:

AE 28,9 mm / 13,0 mm
5,95 g

Das Wenige, dass man erkennen kann, erinnert mich sehr an iberische Prägungen.

Hat jemand von Euch eine Idee? Kommen dieserart Halbierungen regelmäßig vor?

Gruß in die Runde
Tilos
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Altamura2
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Re: Halbierung

Beitrag von Altamura2 » Mo 19.09.22 21:40

tilos hat geschrieben:
Mo 19.09.22 17:46
... Hat jemand von Euch eine Idee? Kommen dieserart Halbierungen regelmäßig vor? ...
Ich würde mal auf diesen Provinzialrömer aus der Kyrenaika tippen :D : https://rpc.ashmus.ox.ac.uk/coins/1/920

Ob Halbierungen bei diesem Münztyp häufiger vorkamen, weiß ich aber nicht :? .

Gruß

Altamura

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Re: Halbierung

Beitrag von tilos » Di 20.09.22 14:31

Super Hinweis - danke!

Nach dem, was ich auf der Halbierung mit einiger Sicherheit erkennen kann, würde ich dann Folgendes auf den Unterlegzettel schreiben:

Kyrenaica
34-31 BC (?)
Æ 28,9 mm / 13,0 mm, 5,95 g (Halbierung)
Av.: head of Zeus Ammon, r.
(ΚΑΙ ..)ΛIAC L
(eigentlich müsste da MIAC L stehen, aber das wird beim besten Willen kein M, eher steht da noch ..ΛIAC L, passende Legende habe ich aber unter den wenigen Vergleichsmünzen im Netz nicht gefunden)
Rv.: sella castrensis and fasces
Λ (in the field)


Gruß
Tilos

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Re: Halbierung

Beitrag von Altamura2 » Di 20.09.22 18:10

tilos hat geschrieben:
Di 20.09.22 14:31
... (ΚΑΙ ..)ΛIAC L (eigentlich müsste da MIAC L stehen, aber das wird beim besten Willen kein M, eher steht da noch ..ΛIAC L, passende Legende habe ich aber unter den wenigen Vergleichsmünzen im Netz nicht gefunden) ...
Dann muss man halt noch etwas tiefer graben und schauen, ob man das klären kann :D .

Bereits in Müller, "Numismatique de l'ancienne Afrique I", Kopenhagen 1869, (auf den im RPC online-Eintrag ja verwiesen wird), werden die zwei Varianten dieser Prägung des Quästors A. Pupius Rufus auf Seite 162 beschrieben:
https://archive.org/details/numismatiqu ... 3/mode/2up
Die Nummer 424 passt bezüglich der Legende auf dem Avers überhaupt nicht zu der halben Münze hier (deshalb hatte ich sie oben auch weggelassen, der RPC-Eintrag dazu ist dieser: https://rpc.ashmus.ox.ac.uk/coins/1/919 ), also muss es der andere sein.

Bei Müller wird RPC 920 auch noch unterschieden in Varianten mit unterschiedlicher Sichtbarkeit des L-Λ auf dem Revers (Nummern 425-27).

Der BMC-Band zur Kyrenaika ist leider nicht online verfügbar, auf der BM-Homepage findet man aber ein paar Exemplare:
https://www.britishmuseum.org/collectio ... 924-0504-1
https://www.britishmuseum.org/collectio ... 6-0217-157
https://www.britishmuseum.org/collectio ... 49-0717-54
https://www.britishmuseum.org/collectio ... 859-1115-1

Man findet auch sonst für den Avers nur die zwei Legendenvarianten von RPC 919 und 920.
Dann hat bei dem Exemplar hier entweder der Stempelschneider einen Fehler gemacht, oder auf der Münze kommt unter der Schmutzauflage doch noch ein Schrägstrich nach oben zu Tage, der aus dem IΛ ganz links ein M macht :D .

Kontinuierliches Googeln bringt dann einen Artikel von Piotr Jaworsky zu Tage, "An Unknown Coin of Pupius Rufus Struck in Cyrenaica", Wiadomości Numizmatyczne, R. LIII, 2009, S. 183-192:
https://journals.pan.pl/Content/114068/ ... andler=pdf
Dort findet man einiges über die Münzprägung des A. Pupius Rufus, und auf Seite 187 taucht dann auch eine halbierte Münze auf :D . Auf Seite 190 oben wird beschrieben, dass es davon noch mehr gibt, mit denen man einem Kleingeldmangel abhelfen wollte.

Vom selben Autor gibt es einen weiteren Artikel "Finds of cut coins from Ptolemais in Cyrenaica" (auf Polnisch), in dem man dann noch ganz viele Beispiele dazu findet, auch von anderen Münztypen:
https://journals.pan.pl/publication/130 ... anguage=en

Gruß

Altamura

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Re: Halbierung

Beitrag von tilos » Mi 21.09.22 19:46

Da hast Du Dir ja wieder viel Mühe gemacht, und zudem mit großem Erfolg - herzlichen Dank!

Ich habe nochmal mit der Lupe versucht, einen Verbindungsstrich zu finden, der zu einem "M" führen könnte, unter der Auflage ist jedoch nichts vorhanden. Vermutlich ist an dieser Stelle die Gravur etwas verrutscht bzw. innerhalb des Buchstabens "auseinandergerutscht".
nn15_av_Detail.jpg
Sehr interessant sind die Publikationen von JAWORSKY, das ist eine echte Bereicherung des Themas. Erfreulich besonders auch deswegen, da ja die diskutierte Halbierung in den Publikationen genannt und abgebildet ist.

Beste Grüße
Tilos

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