Reinigungsmethoden die funktionieren Seite 2

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Privateer
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Beitrag von Privateer » Sa 28.07.07 20:58

Risiken und Nebenwirkungen bei Reinigung mit EDTA

Bei sherardisierten ( http://internet.bodycote.org/deu/media/ ... sieren.pdf ) Eisenmünzen verschwindet der Schutz-Überzug gleich mit! Das ist an dem obigen Bild sehr deutlich erkennbar. Die beschriebene leicht matte Oberfläche entsteht durch das herausgelöste Zink. Die so gereinigte Münze ist zwar sauber, muss aber konserviert werden. Der Sammlerwert einer solchen Münze ist Null. Die EDTA-Methode eignet sich daher nur zur Entfernung von ganz leichtem Flugrost. In einer schwachen Lösung verschwindet dieser, der Überzug wird aber nur mässig angegriffen.

Bilder von EDTA-gereinigten Zinkmünzen und einer Silbermünze folgen.
Gruß Privateer

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Zinkmünzen

Beitrag von Privateer » So 29.07.07 21:01

Hier mal vorher-nachher Bilder zweier 10 Reichspfennig Alliierte Besatzung. Beide UNC, aber angelaufen bzw. angefressen.

Ergebnis: Auch eine bereits angefressene Zinkmünze wird durch EDTA bis aufs blanke Metall gereinigt, bei grösseren Schäden ist die Reinigung aber sinnlos - es bleibt nur eine Ruine. Der Zinkfrass wird jedenfalls wirkungsvoll gestoppt. Konservierung ist danach unbedingt erforderlich. Diese Reinigungsmethode empfiehlt sich bei kleineren Frassstellen bzw. bei nur angelaufenen/verdreckten Zinkmünzen, bei denen die Erhaltung des Stückes noch lohnt.

Hier zeigt sich im übrigen auch, dass man unbedingt extra Bäder für jedes Metall/Legierung nehmen muss. Mein Sohn hat eine korrodierte Billonmünze reingeworfen ohne das ich es gemerkt habe. :lol:
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Gruß Privateer

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Und hier die Silbermünze

Beitrag von Privateer » So 29.07.07 21:04

Eine absolut tolle UNC-Erhaltung, wie ich sie noch nie gesehen habe. Hier das Ergebnis nach 5 Stunden in EDTA.

Die Reinigung hat deswegen so toll funktioniert, weil praktisch keine Oxydation vorhanden war. Die Münze war lediglich stark verdreckt, aber nicht angegriffen. Bei einer oxydierten Münze wird alles, was nicht reines Metall ist abgelöst, es kann also u.U. Materialverlust auftreten! Vor allem bei ST/PP-Münzen ist also erstmal Vorsicht geboten.

Ich probiere derzeit noch an einigen Stücken herum und werde das Ergebnis gelegentlich einfügen.
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Gruß Privateer

B12
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Beitrag von B12 » Mo 13.08.07 09:32

Ich habe von Locnar einiges an Literatur zum Thema erhalten
(vielen Dank) und werde diese zunächst mal verarbeiten.
Diesen Thread ergänze ich dann entsprechend...

Daniel

Jules
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Beitrag von Jules » Mo 13.08.07 10:35

Dieser Thread hier gefällt mir sehr gut, aber ging es in dem Palaver, bei dem Du den Zeigefinger gehoben hast, nicht um das Reinigen von Euromünzen?
Da sind bisher ja nur 1 bis 5 Cent und der Ring des Zweiers bedacht.
Mit freundlichen Grüßen,
Jules

B12
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Beitrag von B12 » Mo 13.08.07 13:14

bei dem Du den Zeigefinger gehoben hast
Hab ich das ?

Hier soll es um alle Methoden gehen, für alle modernen Münzen.
(Mit antiken kenne ich mich nicht aus, die brauchen aber ganz
andere Verfahren)
Das fällt aber alles nicht vom Himmel, deshalb wird es sicher noch
eine ganze Weile dauern ...

Gruss
Daniel

Stefan55
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Beitrag von Stefan55 » Mo 16.06.08 17:24

wie reinige ich eigentlich die 50, 20 und 10 cent münzen aus nordischem gold

B12
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Beitrag von B12 » Mo 16.06.08 18:14

Das geht am besten mit EDTA.

Gruss
Daniel

Stefan55
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Beitrag von Stefan55 » Mo 16.06.08 19:41

danke

Murdoc
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Beitrag von Murdoc » So 11.01.09 00:16

Bei Bodenfunden kommt es auch zu ChLorverbindungen.

Bei der Anwendung von Komplexbildnern wird das Silberchloricd vollständig in Lösung gebracht,

Nur 2 Rechtschreibfehler.

Und dann zu EDTA:
EDTA komplexiert doch nur freie Ionen. Gerade weil es mit jedem Metallion eine Verbindung eingeht ist es so universell und kann sowohl in der Analytik als auch in anderen chemischen Großprozessen angewendet werden.

Es geht doch genauso eine Verbindung mit Cu²+ und (dem nichtbeständigen) Cu1+ ein.

Oder etwa nicht?

Kann mir bitte jemand erklären, wie das reinigen mit EDTA chemisch funktionieren soll? Es gibt hier doch bestimmt Leute die Chemie studiert haben.

ChKy
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Beitrag von ChKy » Mo 12.01.09 20:20

EDTA komplexiert zweiwertige Metallionen wie zum Beispiel die von Calcium, Magnesium, Kupfer, Zink, Nickel aber auch dreiwertiges Eisen. Einwertiges Silber gehört meines Wissens nicht dazu.

EDTA löst Salze dieser Metalle auf, da das EDTA die genannten Ionen komplexiert (festhält) und in Lösung behält. So können mit der Zeit auch schwer lösliche Verfärbungen auf der Münze aufgelöst werden.

LG

PS Anbei dieser link: http://de.wikipedia.org/wiki/EDTA
Schaue auch noch unter Komplexbildner, Ligand oder Chelator nach.
cogito ergo sum

Murdoc
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Beitrag von Murdoc » Fr 16.01.09 23:09

Okay: Also EDTA komplexiert nahezu beinahe jedes Ion, bei einem hohen pH.

Naja, aber kannst du mir nochmal genau erzählen, was jetzt wie abläuft?
Wenn ich Silber (fest) als Münze habe und da ist partitiell Kupfer dabei.
Und jenes wird oxidiert und mit Chlorid zum grünen Kupferchlorid.

Und wie bekomm ich das in Lösung, dass das EDTA es komplexieren kann?

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soggi
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Beitrag von soggi » Sa 17.01.09 02:07

Du mußt das nicht in Lösung bekommen...dafür sorgt das EDTA. Es handelt sich hier eigentlich um ein Gleichgewicht (Löslichkeitsgleichgewicht), Jedes Salz ist, wenn auch teils sehr schlecht zu einem gewissen grad löslich. Wenn nun das EDTA die Ionen wegfängt wird die Löslichkeit unterschritten (ungesättigte Lösung) und weiteres Salz geht in Lösung. Das geht so lange bis das EDTA verbraucht ist und die Lösung wieder gesättigt ist. Die Langasamkeit des ganzen ist auch ein Anzeichen für einen Lösungsvorgang.

Das wäre jetzt meine Erklärung.

Im übrigen ist sogar Sand (SiO2) wasserlöslich...nur halt sehr sehr sehr wenig pro Volumen H2O...glaub dafür gabs sogar irgendwelche Andwendungen in der Chemie.

Gruß
soggi
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