Indianische Münzprägungen

Alle Münzen vom Amerikanischen Kontinent
Benutzeravatar
Pflock
Beiträge: 1848
Registriert: Sa 05.11.05 20:47
Wohnort: Am Mittelpunkt Deutschlands (am echten natürlich ;o)
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 32 Mal

Indianische Münzprägungen

Beitrag von Pflock » Mi 17.06.09 19:30

Hallo Zusammen,

ich lese immer öfters von Münzprägungen diverser Indianerstämme (unabhängige Territorien) in den USA.

Kann mir da jemand was genaueres darüber sagen?
Gibt es Web-Sites, welche sich mit diesem Thema beschäftigen?
Gruß Pflock

Ich sammel Münzen und Medaillen aus Mühlhausen in Thüringen, vom Mittelalter bis heute.
Freue mich immer über Angebote.
:Fade-color

Benutzeravatar
Gerhard Schön
Beiträge: 1659
Registriert: Mi 16.02.05 23:09
Wohnort: München
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 31 Mal

Re: Indianische Münzprägungen

Beitrag von Gerhard Schön » Mi 17.06.09 20:36

Pflock hat geschrieben:ich lese immer öfters von Münzprägungen diverser Indianerstämme in den USA.
Das sind Fantasiegepräge amerikanischer Münzhandelshäuser.
Gruß,
gs
Deutscher Münzkatalog, Euro Münzkatalog, Weltmünzkatalog.

Benutzeravatar
Medalstrike
Beiträge: 352
Registriert: Sa 30.12.06 14:18
Wohnort: Mönchengladbach

Beitrag von Medalstrike » Mi 17.06.09 20:52

Hallo Pflock,

hier ein Shop wo du dir einige Prägungen verschiedener Stämme der Indian Nations ansehen kannst:

http://coin-shop.com/amind.html

und hier ein Statement:

This is the second annual gold issue of The Sovereign Nation of the Shawnee Tribe (Oklahoma), recognized by the United States under the Shawnee Tribe Status Act of 2000.
Ron Sparkman, Chairman of The Shawnee Tribe, has indicated that these are "legal tender commemorative coins" (i.e. within their sovereign nation).

Gruß, Medalstrike
Die dritte Seite einer Medaille ruht im Auge des Betrachters

Benutzeravatar
Pflock
Beiträge: 1848
Registriert: Sa 05.11.05 20:47
Wohnort: Am Mittelpunkt Deutschlands (am echten natürlich ;o)
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 32 Mal

Re: Indianische Münzprägungen

Beitrag von Pflock » Mi 17.06.09 21:40

Hallo Zusammen,
Danke für die Infos.
Gerhard Schön hat geschrieben:Das sind Fantasiegepräge amerikanischer Münzhandelshäuser.
Gruß,
gs
Ich bin noch nicht ganz überzeugt.

Das "Deutschen Münzen Magazien" 3/2009 schreibt im Artikel "Silberunzen US-amerikanischer Ureinwohner", daß die "von den USA offiziell anerkanten Ureinwohnervölker" (was auch immer das heißt) der Shawnee Tribe (seit 2002) und der Poarch Creek (seit 2004) "Gedenkprägungen" in Silber zu 1 Dollar herausgeben und daß diese Prägungen offizielles Zahlungsmittel in den jeweiligen Reservationen seien.

Dann habe ich noch diesen Artikel gefunden:
money trend 6/2006 hat geschrieben:Palladium-Münzen - Ein Sammelgebiet ist in Bewegung
4. Poarch Creek Indians (USA)
Die Poarch Creek Indianer sind ein Indianerstamm, der im
Südosten der USA beheimatet ist. Seit über 150 Jahren leben
die Indianer in Georgia und Alabama und zählen heute etwa
2.300 Mitglieder. Am 11. August 1984 erklärten die USA das
Siedlungsgebiet der Poarch Creek Indianer zu einem unabhängigen
Territorium innerhalb der Vereinigten Staaten.
Der Stamm ist berechtigt, Münzen zu emittieren und prägte
im Jahre 2004 auch eine Palladiummünze. Häuptling Eddie
L. Tullis autorisierte diese Ausgabe einer 10-Dollar-Münze aus
Palladium, um die 20-jährige Anerkennung der unabhängigen
Nation der Poarch Creek Indianer durch die USA im Jahre
1984 zu feiern.
Die Münze zeigt einen jungen indianischen Tänzer auf der
Vorderseite und fünf Stammeshäuptlinge auf der Rückseite. In
einer Auflage von nur 250 Exemplaren enthält die Münze 1/2
Unze Palladium, wie die Randinschrift erklärt („9995 1/2 Oz.
PD“), und wurde in Polierter Platte (PP) hergestellt.
Sind das keine Münzen nach allgemein gültiger Definition? In den Artikeln liest es sich zumindest so. Ich bin kein Fachmann, aber einige Reservationen können doch eigene Gesetze erlassen und, wie es oben heißt, sind zumindest die Poarch Creek berechtigt Münzen zu emitieren.

P.S. Mir ist wohl bewußt, daß das "Deutschen Münzen Magazien" eigentlich nur ein Verkaufs-Prospekt von MDM ist. :wink:
Gruß Pflock

Ich sammel Münzen und Medaillen aus Mühlhausen in Thüringen, vom Mittelalter bis heute.
Freue mich immer über Angebote.
:Fade-color

Benutzeravatar
Medalstrike
Beiträge: 352
Registriert: Sa 30.12.06 14:18
Wohnort: Mönchengladbach

Beitrag von Medalstrike » Mi 17.06.09 22:47

Die dritte Seite einer Medaille ruht im Auge des Betrachters

platypus
Beiträge: 1339
Registriert: Fr 30.04.04 11:20
Wohnort: zwischen Köln und Bonn

Beitrag von platypus » Do 18.06.09 08:53

Nach meinen persönlichen Erfahrungen in den USA nutzen die einzelnen Indianerstämme in ihren Reservaten zunehmend ihre Rechte und haben diese teilweise auch schon per Gerichtsbeschluss durchgesetzt.
Nun haben einige findige Stämme damit begonnen, "eigenes Geld" zu prägen. Bevor der weiße Mann nach Amerika kam hat es aber meines Wissens keine Münzen in den heutigen Vereinigten Staaten gegeben.

Bisher gibt es nur wenige dieser Geldstücke und alle jeweils in Dollar teilweise in Silber andere wenige in Gold. Verkauft werden Sie überwiegend in den Reservaten und gelten dort neben dem US Dollar als Zahlungsmittel. Funktionieren tut das ganze aber kaum; wie soll denn ein indianischer Silber- oder Golddollar verrechnet werden, als Nominal oder nach Edelmetallwert?
Es bleibt abzuwarten, wie sich das ganze weiter entwickelt. In den Casinos innerhalb der Indianerreservate sollten solche "Indianermünzen" verwendet werden. Da hat die Technik aber mittlerweile diesen Gedanken überholt, gibt es bei den Geldspielautomaten nur noch Banknoten und Wertbons á la Las Vegas.

Es muss nun vor diesem Hintergrund jeder selber entscheiden, ob es für ihn Münzen, Medaillen oder sonst etwas ist.
Offiziellen Währungs-Charakter haben diese Geldstücke aber (noch?) nicht!

Das Ganze erinnert mich so ein wenig an unserem Besuch vor 2 Jahren in Westaustralien in der Hutt River Province. Der dortige Farmer hatte auch die Unabhängigkeit erklärt und sogar eigene Gelscheine drucken lassen. Nur außerhalb seiner 65 Quadratkilometer kann man mit diesen Scheinchen absolut nichts anfangen!
Numismatiker ist Einer, der aus Spaß Geld sammelt!

Benutzeravatar
Pflock
Beiträge: 1848
Registriert: Sa 05.11.05 20:47
Wohnort: Am Mittelpunkt Deutschlands (am echten natürlich ;o)
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 32 Mal

Beitrag von Pflock » Do 18.06.09 20:37

Ja, das mit der Hutt River Province finde ich auch interessant. Die haben halt das Problem, daß sie weder nach Völkerrecht noch nach Australischem Recht in irgendeiner Form eigenständig sind und somit auch keine Münzen (nach Definition, also Gesetz, Zahlungsmittel, etc.) prägen dürfen. Diese Prägungen sind halt nur mit Token oder Kasino-Chips gleichzusetzen.

In den von mir o.g. Artikeln ist aber die Rede davon, daß diese Stämme (von der US-Regierung?) berechtigt sind Münzen zu emittieren.

@Medalstrike
Aber wenn ich Deinen Artikel-Link richtig verstehe (mein Englisch ist leider nicht so gut), dann werden diese Münzen von einem großen bzw. dem führenden Münzhandelshaus der USA in Zusammenarbeit mit diesen Stämmen verausgabt. Ist dann wohl mit den vielen (Pseudo-) Münzen aus Vanuatu, Liberia, Cook-Inseln etc. gleichzusetzen, welche hier im Forum so beliebt sind. Irgendwie sind sie nach Gesetz Münzen, aber ...


Interessant finde ich die indianischen Prägungen trotzdem. Im Gegensatz zu den o.g. Pseudo-Münzen stehen sie für etwas. Sie dokumentieren das wachsende Selbstbewustsein der amerikanischen Urvölker.
Gruß Pflock

Ich sammel Münzen und Medaillen aus Mühlhausen in Thüringen, vom Mittelalter bis heute.
Freue mich immer über Angebote.
:Fade-color

Benutzeravatar
Medalstrike
Beiträge: 352
Registriert: Sa 30.12.06 14:18
Wohnort: Mönchengladbach

Beitrag von Medalstrike » Do 18.06.09 22:38

Hallo Pflock,

vollkommen korrekt, Du hast den Artikel-Link richtig verstanden^^

"Interessant finde ich die indianischen Prägungen trotzdem. Im Gegensatz zu den o.g. Pseudo-Münzen stehen sie für etwas. Sie dokumentieren das wachsende Selbstbewustsein der amerikanischen Urvölker."

Schön gesagt, besser hätte man es nicht ausdrücken können, so sehe ich das auch.

Gruß, Medalstrike
Die dritte Seite einer Medaille ruht im Auge des Betrachters

Benutzeravatar
Gerhard Schön
Beiträge: 1659
Registriert: Mi 16.02.05 23:09
Wohnort: München
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 31 Mal

Re: Indianische Münzprägungen

Beitrag von Gerhard Schön » Fr 19.06.09 23:22

Pflock hat geschrieben:Das "Deutsche Münzen Magazin" schreibt ... daß diese Prägungen offizielles Zahlungsmittel in den jeweiligen Reservationen seien.
Nach Auskunft der United States Mint ist von einer Berechtigung der Indianerstämme, eigene gesetzliche Zahlungsmittel auszugeben, nichts bekannt.
Gruß,
gs
Deutscher Münzkatalog, Euro Münzkatalog, Weltmünzkatalog.

Benutzeravatar
Pflock
Beiträge: 1848
Registriert: Sa 05.11.05 20:47
Wohnort: Am Mittelpunkt Deutschlands (am echten natürlich ;o)
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 32 Mal

Beitrag von Pflock » Sa 20.06.09 20:24

Na, das rückt das Ganze ja wieder ins rechte Licht. Danke für die Info.
Gruß Pflock

Ich sammel Münzen und Medaillen aus Mühlhausen in Thüringen, vom Mittelalter bis heute.
Freue mich immer über Angebote.
:Fade-color

Benutzeravatar
platinrubel
Beiträge: 1018
Registriert: Sa 06.09.08 10:40
Wohnort: Wien

Beitrag von platinrubel » So 21.06.09 08:37

Der Hauptzweck des ganzen ist, durch den Verkauf dieser halb-offizielen Münzen eine zusätzliche Einnahmequelle für die jeweilige Stammesverwaltung zu generieren. ähnlich wie die Glücksspielkonzessionen der Kahnawake-Indianer.
Natürlich kann man innerhalb der reservate mit den münzen bezahlen, der wechselkurs ist m.w. 1:1, aber dies wird niemand tun mit münzen aus edelmetall.
sind halt ein schönes souvenier für einen besuch im reservat und der moderne amerikaner beruhigt dabei auch sein gewissen im hinblick auf die nicht ruhmreich vergangenheit mit den eigenen ureinwohnern.
gruss platinrubel

Benutzeravatar
antoninus1
Beiträge: 4193
Registriert: Fr 25.10.02 09:10
Wohnort: bei Freising
Hat sich bedankt: 29 Mal
Danksagung erhalten: 158 Mal

Beitrag von antoninus1 » Fr 26.06.09 11:05

Vielleicht kann man das mit lokalem privaten "Geld" hier vergleichen, wenn eine Gemeinde einen "Freising-Taler" oder so etwas verausgabt.
Das wird dann von der heimischen Wirtschaft akzeptiert, ist aber kein offizielles Geld.
Hier soll´s die lokale Wirtschaft fördern, das "Geld" soll also ausgegeben werden.
In den Reservaten dient´s halt eher dazu, eine Einnahmequelle für die indianische Gemeinschaft zu sein.
Gruß,
antoninus1

Benutzeravatar
petzlaff1
Beiträge: 115
Registriert: Mi 14.10.09 17:59
Wohnort: Hameln

Beitrag von petzlaff1 » Do 15.10.09 16:06

moin zusammen,

auch wenn es keine gesetzlichen Münzausgaben der Indian Nations innerhalb der USA gab/gibt:

Bis Mitte des 20. Jh. waren in größeren Nations - insbesondere in der Navajo Nation in Utah und Arizona eigens dort hergestellte Tokens als Kleingeldersatz für den Innenhandel im "Reservat" gültige Währung und wurden oft von Trading Posts oder aber auch Kommunen herausgegeben. 1935 wurden sie verboten, aber noch längere Zeit weiter benutzt. Die Tokens wurden und werden auch heute noch oft als "Peso Seco" oder "Scrip Money" oder "Dry Money" bezeichnet. Irgendwo habe ich ein paar Fotos solcher Ersatzmünzen, muss aber erst danach suchen. Ich stelle sie dann gern ein.

Ich denke, dass die vorherigen Aussagen z.T. schon dementsprechend relativiert werden sollten.

Hier ein alter Beitrag zu dem Thema, den ich bereits 2003 in diesem Forum veröffentlicht hatte (das Bild ist nach so langer Zeit leider nicht mehr da):

http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... =peso+seco
LG
Stefan

please visit my strictly uncommercial (not coin related) website: http://www.stjo66.de

platypus
Beiträge: 1339
Registriert: Fr 30.04.04 11:20
Wohnort: zwischen Köln und Bonn

Beitrag von platypus » Fr 16.10.09 13:57

petzlaff1 hat geschrieben:moin zusammen,

auch wenn es keine gesetzlichen Münzausgaben der Indian Nations innerhalb der USA gab/gibt:

Bis Mitte des 20. Jh. waren in größeren Nations - insbesondere in der Navajo Nation in Utah und Arizona eigens dort hergestellte Tokens als Kleingeldersatz für den Innenhandel im "Reservat" gültige Währung und wurden oft von Trading Posts oder aber auch Kommunen herausgegeben. 1935 wurden sie verboten, aber noch längere Zeit weiter benutzt. Die Tokens wurden und werden auch heute noch oft als "Peso Seco" oder "Scrip Money" oder "Dry Money" bezeichnet. Irgendwo habe ich ein paar Fotos solcher Ersatzmünzen, muss aber erst danach suchen. Ich stelle sie dann gern ein.

Ich denke, dass die vorherigen Aussagen z.T. schon dementsprechend relativiert werden sollten.

Hier ein alter Beitrag zu dem Thema, den ich bereits 2003 in diesem Forum veröffentlicht hatte (das Bild ist nach so langer Zeit leider nicht mehr da):

http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... =peso+seco

Hallo, Petzi, schön nach so langer Zeit mal wieder etwas von Dir zu hören! :D

Zur Relativierung: Pflock hatte wohl eher die aktuell auftauchenden "Münzen" gemeint. :wink:
Numismatiker ist Einer, der aus Spaß Geld sammelt!

Benutzeravatar
Pflock
Beiträge: 1848
Registriert: Sa 05.11.05 20:47
Wohnort: Am Mittelpunkt Deutschlands (am echten natürlich ;o)
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 32 Mal

Beitrag von Pflock » Fr 16.10.09 15:47

platypus hat geschrieben:... Zur Relativierung: Pflock hatte wohl eher die aktuell auftauchenden "Münzen" gemeint. :wink: ...
Richtig.
Is´ aber trotzdem interessant zu wissen, wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt. Das mit den "Peso Seco" kannte ich bis jetzt noch nicht.
:D
Gruß Pflock

Ich sammel Münzen und Medaillen aus Mühlhausen in Thüringen, vom Mittelalter bis heute.
Freue mich immer über Angebote.
:Fade-color

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste